Der Tod als Lehrer – Katha Upanishad

katha upanishad

Die Katha Upanishad (Kaṭhopaniṣad, auch Kāṭhaka Upanishad) ist eine der bekanntesten und ältesten der Upanishaden. Der Zeitraum der Entstehung ist nicht dokumentiert – und auch der oder die Autoren sind nicht bekannt –, wird aber auf das 4. oder 5. Jahrhundert v. Chr. geschätzt.

Da die Katha Upanishad ausführlich von Shankaracharya, dem Jnana Yoga Meister und Vedanta Philosoph aus dem 8. Jahrhundert n. Chr., kommentiert wurde, wird sie als eine der zehn wesentlichen Upanishaden angesehen. Überliefert wurde sie in der schwarzen Yajurveda, einem Teil der Veden.

Wie jede andere Upanishad ist auch die Katha voll mit universeller Weisheit, die noch heute ihre Gültigkeit hat und auch immer haben wird. Das Besondere an ihr ist der Rahmen, in dem sie spielt: Ein Junge begegnet dem Tod und hat drei Wünsche bei ihm frei. Sowohl durch seine Wünsche, als auch durch die Antworten von Yama, dem Gott des Todes, können wir viel für unser eigenes Leben lernen.

Friedensmantra zu Beginn der Katha Upanishad

Die Katha Upanishad wird mit dem “Om Saha Navavatu”-Mantra eingeleitet, das vor allem der Stärkung der Beziehung zwischen Schüler und Meister dient. “Nau” bzw. “nāv” bedeutet wörtlich übersetzt “uns beide”. Was genau mit dem “es” aus den ersten beiden Zeilen gemeint ist, wird nicht gesagt, jedoch kann man davon ausgehen, dass damit das Göttliche, Brahman oder einfach “Das” (Tat, das Unbeschreibliche) gemeint ist.

oṁ saha nāvavatu | OM Es soll uns fördern,
saha nau bhunaktu | es soll mit uns genießen.
sahavīryaṁ karavāvahai | Zusammen wollen wir kraftvolles tun und
tejasvi nāvadhītamastu | erstrahlen soll uns das Gelernte.
mā vidviśhāvahai | Wir wollen keine Feindschaft hegen.
oṁ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ || OM Frieden, Frieden, Frieden.

Ein Teenager zu Besuch beim Tod

Vor langer Zeit gab der Brahmane Vajasravasa all seine Kühe den Göttern zum Opfer hin. Anstatt jungen und trächtigen Kühen, hatte er jedoch nur alte Kühe, die sowieso keine Milch mehr produzierten.

Sein Sohn Nachiketas, der sehr vertraut mit den Schriften und Ritualen war, hinterfragte die Opfergabe seines Vaters: „Was für einen Verdienst kann man von den Göttern schon erwarten, wenn man ihnen nur Kühe gibt, die sowieso keinen Wert mehr haben?“

Er konfrontierte seinen Vater damit und fragte ihn, für wen er ihn, seinen Sohn, opfern würde. Vajasravasa ignorierte ihn, doch Nachiketas fragte immer und immer wieder. Aufgebracht von all den Fragen seines Sohnes, sagte er ihm wütend: „Dem Tode werde ich dich geben!“

Weise wie er war, akzeptierte Nachiketas die Entscheidung seines Vaters und ging zu Yama, dem Gott des Todes.

Dort angekommen war jedoch niemand Zuhause und Nachiketas musste drei Tage auf Yama warten. Als Yama dann schließlich nach Hause kam und sah, dass er einen Gast drei Tage vor verschlossener Tür hat warten lassen, gewährte er Nachiketas als Wiedergutmachung für jeden gewarteten Tag einen Wunsch.

Der erste Wunsch

Der erste Wunsch von Nachiketas war, dass die Wut seines Vaters besänftigt sei und er ihn liebevoll empfängt, wenn er wieder nach Hause zurückkehrt. Yama gewährte Nachiketas diesen Wunsch und versprach ihm, dass sein Vater ihn Zuhause freudig empfangen wird und er von nun an wieder ruhig schlafen kann.

Der zweite Wunsch

Als zweiten Wunsch möchte Nachiketas von Yama in ein geheimes Feuerritual eingeweiht werden, das den direkten Weg in den Himmel ermöglicht, sodass er nicht zu ihm, dem Tod, zurückkehren muss.

Auch diesen Wunsch gewährte Yama ihm und weihte ihn in das geheime Ritual ein, das zum Himmel führt. Da Nachiketas das Ritual vorbildlich ausführte, schenkte Yama ihm obendrein noch etwas: Es soll nach ihm benannt werden und er darf außerdem die besondere, buntgefärbte Kette des Rituals behalten.

Der dritte Wunsch

Es gibt diesen Zweifel, wenn ein Mensch stirbt: „Er existiert noch“, sagen die einen, „er existiert nicht mehr“, sagen die anderen. Ich möchte, dass du mir die Wahrheit lehrst. Das ist meiner dritter Wunsch.

Katha Upanishad [1.1.20]

Nachiketas dritter Wunsch ist also, dass Yama ihm die endgültige Wahrheit über den Tod lehrt. Er möchte wissen, was genau beim Tod passiert und was der Tod eigentlich ist.

Doch hier zögert Yama. Er sagt, dass die Wahrheit über den Tod schwer zu verstehen ist und dass sich selbst die alten Götter mit dieser Frage herumgeschlagen haben. Nachiketas solle sich einen anderen Wunsch suchen, was immer er will: Reichtum, Macht, Ansehen und ein langes Leben. Yama bietet ihm jeden erdenkbaren Luxus an, den es auf der Welt gibt.

Aber Nachiketas bleibt bei seinem ursprünglichen Wunsch: Er möchte die Wahrheit wissen. Jede noch so großartige Befriedigung, die Yama ihm anbietet, lehnt er ab, da sie sowieso vergänglich sei.

Auch ganz gelebt, ist doch nur kurz das Leben. Behalte deine Wagen, Tanz und Spiele. Durch Reichtum ist der Mensch nicht froh zu machen! Wen lockte Reichtum, der dir sah ins Auge?

Katha Upanishad [1.1.26-27]

Zufrieden mit der Reaktion von Nachiketas, der allen weltlichen Verlockungen widerstanden hat, gewährte Yama ihm seinen dritten Wunsch.

Die Weisheit von Yama

Mit der Gewährung des dritten Wunsches ist der erste von sechs Abschnitten der Katha Upanishad abgeschlossen. Hier wird aus dem furchterregenden Gott des Todes nun plötzlich ein weiser Lehrer, der Nachiketas in der Wahrheit über das Leben, den Tod und das wahre Selbst unterrichtet.

Seine Einweisung beginnt er damit, indem er Nachiketas erklärt, wie wichtig Unterscheidungskraft (Viveka) ist. Unterschieden werden sollte stets zwischen dem, was angenehm ist und dem, was wirklich gut ist.

Das Angenehme (preya)

Angenehm ist das, was wir aus unserer Konditionierung heraus gerne tun und als befriedigend empfinden. Es erfreut uns zwar kurzfristig, aber dieses Glück ist vergänglich. Schon bald wollen wir es wieder erfahren und alles, was dieser befriedigenden Erfahrung im Wege steht, wird als unangenehm empfunden.

Dadurch befinden wir uns in einem ständigen Kreislauf zwischen Glück und Unglück, Freude und Leid. Dauerhafte Wonne (Ananda) kann uns das Streben nach angenehmen und das Flüchten vor unangenehmen Dingen nicht bringen.

Das wirklich Gute (shreya)

Wirklich gut ist das, was unser spirituelles Wohlergehen fördert und uns langfristig den richtigen Weg weist – den Weg zu unserem innersten Selbst. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir es im Moment als angenehm oder unangenehm empfinden, da das Ziel jenseits von jeglicher Sinneswahrnehmung und Dualität liegt. Wir tun einfach das, was in diesem Moment zu tun ist und akzeptieren es so, wie es ist.

Ewige Freude oder vorübergehendes Vergnügen? Das ist die Wahl, die man in jedem Moment treffen muss. Wer weise ist, erkennt dies, aber nicht der Unwissende. Der Erstere begrüßt das, was zu bleibender Freude führt, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist. Der Letztere rennt, getrieben von seinen Sinnen, nach dem, was als sofortiges Vergnügen erscheint.

Katha Upanishad [1.2.2]

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Der Weg zur Unsterblichkeit

Über den Vorgang des Todes erklärt Yama Nachiketas, dass nur der sterben kann, der sich mit einem Körper identifiziert. Unsterblich ist l