Der Weg der Selbsterkenntnis im Jnana Yoga

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Unsere Schulbildung, täglichen Gespräche, der Instagram Feed, die Nachrichten: uns umgibt ein dicht gewobenes Netz unzähliger Informationen. Die Frage „Wer bin ich?“ bleibt dennoch für die meisten Menschen unbeantwortet. Im Jnana Yoga geht man dazu den Weg der Selbsterkenntnis.

Jnana Yoga ist einer der sechs Yogawege nach Swami Sivananda und bedeutet „Yoga des Wissens“. Dabei ist Jnana Yoga weitaus mehr, als am Schreibtisch zu büffeln, es bedeutet nämlich auch Achtsamkeit, Mediation, Umsicht und Abwägen. Das erworbene Wissen wird in die Tat umgesetzt. Dazu gibt uns das Jnana Yoga 4 konkrete Schritte zur Selbsterkenntnis vor.

Die 4 Schritte der Selbsterkenntnis im Jnana Yoga

Das „Yoga des Wissens“ bezieht sich vor allen Dingen auf die Philosophie des Vedanta (mehr zu den Grundprinzipien des Vedanta). Dort hat man schon lange erkannt, dass Wissen allein nutzlos ist, solange wir auf unseren Yogaweg nicht auch spirituelle Erfahrungen machen. Der Weg zur Selbsterkenntnis findet somit auch vor allen Dingen außerhalb von Büchern statt. Der Yoga des Wissens nennt folgende 4 Schritte, um Selbsterkenntnis zu erlangen:

  1. Hören (Shravana)
  2. Nachdenken (Manana)
  3. Meditieren (Nididhyasana)
  4. Verwirklichen (Anubhava)

Dabei musst du dir nicht immer vornehmen, zu bestimmten Zeiten zu üben. Vielmehr kannst du dir das Mindset des Jnana Yogis auch für den Alltag aneignen.

Shravana: Hören

Shravana bedeutet zunächst einmal das Hören der vedantischen Schriften, also ihre Erläuterung über eine Meisterin oder einen Meister. In einem weiteren Sinne können wir heutzutage dazu aber auch andere Formen der Wahrnehmung zählen, wie beispielsweise das Lesen heiliger Bücher oder das Anschauen von Vorträgen über Vedanta.

Tägliche Shravana Praxis

Yoga Vidya bietet viele kostenlose Möglichkeiten tägliches Shravana zu praktizieren:

Lesen: Jnana Yoga Texte

Hören: Jnana Yoga Podcasts

Sehen: Jnana Yoga YouTube Kanal

Kleine Shravana Praxis für den Alltag

Liest du gerade besonders aufmerksam oder schwelgen deine Gedanken bereits zum Mittagessen? Hörst du deinen Freunden genau zu oder wartest du eigentlich nur auf die Gelegenheit, selbst reden und Ratschläge verteilen zu können? Shravana begegnet uns überall im Alltag.

Durch Achtsamkeit und Zuhören werden wir empathischer für unser Gegenüber, fürsorglicher, wertschätzender. Und wenn wir mal eine Diskussion über ein schwieriges gesellschaftliches Thema haben, dann schule dich dabei in Offenheit. Zuhören ohne zu bewerten, Erwidern ohne zu bekämpfen. Kommunikation mit dem Ziel eines gemeinsamen Verständnisses.

Manana: Nachdenken

Frau übt sich im Manana

Manana ist das, was Manas, der menschliche Geist, macht. Außerdem kann es auch sorgfältiges Bedenken meinen oder kritische Reflexion.

Tägliche Manana Praxis

Manana zu üben bedeutet im Jnana Yoga einerseits, über das Wissen aus Vedanta zu reflektieren und nachzusinnen. Andererseits beinhaltet diese Praxis aber auch den Anspruch, sich aktiv mit dem Gehörten auseinanderzusetzen.

So können wir uns fragen, was das gehörte Wissen mit unserem Verständnis vom Leben und seinen Sinn macht. Wenn das Göttliche Brahman überall ist, bin ich dann ein Teil davon? Ebenso der Stein dort drüben, der Ahorn und der Regenbogen? Sind wir eins? Warum fühlen wir uns dann nicht verbunden? Gibt es möglicherweise einen Zustand der Verbundenheit und wenn ja, wie kann ich ihn erreichen?

Wie man sieht, bringt das Nachdenken über große Fragen meist andere wichtige Fragen auf den Tisch. Deswegen lohnt es sich, auch offene Fragen zu notieren und bei Gelegenheit einen Meister darüber zu befragen. Alternativ könntest du dir auch ein Journal der offenen Fragen anlegen. In diesem Kompendium kannst du dir dann vermerken, welche Fragen du hast und auf welche Quelle dein Wissen Bezug nimmt.

Kleine Manana Praxis für den Alltag

Selten haben philosophische Schriften so stark unsere Gemüter erhitzt, wie unser erbitterter Widerstand gegen eine Meinung, die unseren eigenen Wissensstand und Erfahrungen abgeht. Jemand ist nicht unserer Meinung und wir werden nervös und angespannt. Möglicherweise werden wir sogar wütend und gehen soweit und verletzen Andere mit unseren Worten.

Manana kann also bedeuten, sich von dem Gesagten zu distanzieren, sachlich zu diskutieren, kritisch, abzuwägen, leidenschaftslos zu argumentieren. Es heißt aber auch gleichzeitig, von seinen eigenen Gedanken Abstand zu nehmen und nicht anzunehmen, dass es nichts mehr zu lernen gibt. Offenheit ist der Schlüssel.

Hier lohnt es sich auch die eigenen Gefühle zu beobachten. Warum versetzen mich andere Meinungen in Wut? Kann ich mich schlecht vom Gesagten abgrenzen? Habe ich den Glaubenssatz, dass eine Meinungsverschiedenheit immer ein Kampf ist, auf den unvermeidlich ein Bruch folgt? Andersherum lohnt es sich auch besonders, die Meinungen zu beobachten, mit denen wir besonders sympathisieren und diese kritisch zu hinterfragen.

Nididhyasana: Meditieren

Nur mit dem Intellekt alleine lässt sich noch keine Selbsterkenntnis im Jnana Yoga erreichen. Zu wissen, heißt nicht zu erfahren. Als Kinder wissen wir im Ansatz, dass es das Gefühl romantischer Liebe gibt, erfahren können wir es aber erst, wenn wir heranwachsen.

Genauso wissen wir aus Berichten auch ungefähr, wie sich Selbsterkenntnis anfühlt. Es wird gerne mit einem dauerhaften Gefühl des Friedens, der Einpünktigkeit des Geistes beschrieben. Um diesen Zustand zu erfahren schlägt das Jnana Yoga vor „Nididhyasana“ zu üben, die tiefe und wiederholte Meditation.

Tägliche Meditationspraxis

Meditation ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist. Ähnlich wie in der Konzentration, besteht ein hoher Fokus im Hier und Jetzt, nur mit dem Unterschied, dass Meditation absichtslos ist. Meditation ist ohne Gedanken, ohne Emotionen. Der Meditierende ruht in seinem Selbst und dieser Zustand ist friedlich.

Ganz besonders wichtig ist die tägliche Meditationspraxis. Genauso wie wir unseren Körper täglich waschen, sollten wir mit unserem Bewusstsein verfahren und es hegen und pflegen. Schaffe dafür die geeigneten Bedingungen. Gehe beispielsweise an einem Ort, wo du ungestört sein kannst, wo du dich wohlfühlst, wo es weder zu heiß, noch zu kalt ist (Brauchst du einen Leitfaden zur Meditation?).

Außerdem empfiehlt es sich mit einer bestimmten Meditationstechnik zu üben. Ob Mantrameditation, Tratak oder Ausdehnungsmeditation, Techniken gibt es so einige. Welche du nutzt, bleibt dir überlassen, probiere einige aus und dann bleib erstmal bei einer, mit der du gut zurechtkommst.

Meditation im Alltag

Wir bereiten ein ganz besonderes Rezept vor, alle Utensilien liegen bereit, die Gewürze sind an ihrem Platz, die Zutaten fein säuberlich gewaschen und zerschnitten und die Hände bewegen sich wie von selbst, hantieren zwischen verschiedenen Töpfen und Pfannen, jeder Griff sitzt. Nichts ist unruhig, wir bewegen uns langsam, selbstsicher, achtsam. Das ist Kochen im Flow.

Zu tun, ohne nachzudenken ist praktische alltägliche Meditation. Ein Schaffensrausch, in dem man so konzentriert in seinem Tun ist, dass man darin vollständig aufgeht. Handlungen und Bewusstsein verschmelzen ineinander und wir sind im Hier und Jetzt.

Um in den Flow zu kommen bieten sich alle Tätigkeiten an, die man längere Zeit konzentriert ausführen kann. Dabei sollten sie mühelos sein, also weder überfordern, noch unterfordern. Stricken, kochen, joggen, putzen, zeichnen. Such etwas aus, das dir Spaß macht. Das Tun allein soll Selbstzweck sein.

Anubhava: Verwirklichen

Der Lotus als Zeichen für Anubhava, Selbsterkenntnis

Hat der Yogi genug Wissen gehört, darüber nachgedacht und es in der Meditation verinnerlicht, so steht am Ende Anubhava, die Selbstverwirklichung. Anubhava ist keine weitere Technik, es ist ein Zustand und somit auch das Ende des Strebens im Jnana Yoga.

Es heißt, dass der Zustand der Selbstverwirklichung als vollkommene Einheit erlebt wird. Selbstverwirklichte leben demnach in direkter und dauerhafter Wahrnehmung des Göttlichen, ein Zustand reiner Gewissheit und Gelassenheit. Selbstverwirklichung ist damit Vedanta selbst: das Ende des Wissens.

Seminare zum Thema Selbsterkenntnis im Jnana Yoga und Vedanta


Es gibt nichts zu finden, nur zu verlieren. Du erkundest genau, was losgelassen werden muss und was bleiben muss. Mithilfe grundlegender Schriften des Vedanta, werden hier die ganz großen Fragen ergründet.

Chandra Cohen vereinigt in sich intensive Praxis, jahrelange Schülerschaft und genaue Kenntnis der Schriften. Er ist Lehrbeauftragter für Indische Philosophie in New York. Chandra hat eine sehr humorvolle und dabei sehr klare Weise, dich zu deiner inneren Wahrheit zu führen:

Du willst also noch mehr Vedanta? Vedanta ist eine verbreitete Richtung indischer Philosophie und bedeutet wörtlich “Ende des Wissens”. Vedanta fragt: Wer bin ich? Was ist wirklich? Was ist Glück? Finde es heraus:

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