Kurzgeschichte: „Wie ich zum Yoga kam … !“

Dies ist ein Beitrag aus hunderten einmaligen und dankbar anerkennenden Beiträge zum Thema: “Wie ich zum Yoga kam”. Ein Preisauschreiben von Sukadev gestartet. Am 10.01. ist die Gewinnziehung. Ich wünschte jeder der geschrieben hat sollte einen Hauptpreis erhalten, weil jeder Beitrag soviel Freude und Liebe schenkte. Ich habe diesen einen untenstehenden Beitrag jetzt in den Blog gestellt, weil ich beim lesen fast geplatzt wäre vor lachen. Tausend Dank an den Schreiber.

Om Om Om Kurzgeschichte: „Wie ich zum Yoga kam … ?“  Ein indischer Ashram in Deutschland oder warum ich meiner Frau auf ewig dankbar bin … der westeuropäische Durchschnittsmann im sogenannten “besten Alter” – sprich zwischen 40 und 50 – hat seine besten Tage in aller Regel längst hinter sich, so auch ich: die Gelenke schmerzen, zum Schuhe zubinden, muß man sich setzen, angewidert wendet man sich vom Spiegel, wenn man im Adamskostüm aus der Dusche steigt und mit den Kindern im Garten zu toben, bedeutet, seine körperlichen Grenzen bereits nach wenigen Minuten zu überschreiten. Die berechtigte Angst vor dem Infarkt, dem Schlaganfall oder dem Krebs grassiert und raubt einem den sowieso schon wenig erquickenden Schlaf, den man „schicksalsergeben“ nur noch mit zwei allabendlichen Flaschen Rotwein erzwingen kann … und in diesem jämmerlichen Zustand nahm meine Frau mich einst mit in „ihr“ Fitnessstudio zu einer ihrer regelmäßig besuchten und noch regelmäßiger von mir belächelten Vormittags-Yogastunden. Was sollte mir da schon passieren? Eine Stunde auf dem Boden liegend neben ein paar Omis entspannen. Das werde ich schon überstehen, dachte ich mir und willigte eigentlich nur ein, weil ich dann doch einmal den vielfach von ihr während des Familienabendbrots in schwärmerischen Worten gepriesenen Yogalehrer begutachten wollte. Man kann ja nie wissen, aus welcher Richtung Gefahr droht und da man ja selbst nicht mehr ganz so knackig ist … nun: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!“

Dann war es soweit: Die Stunde der Wahrheit. Doch was mußte ich erleben? Bereits zehn Minuten nach Beginn der Stunde befand ich mich inmitten meines eigenen “Sees” aus Schweiß, der auf dem Parkett ständig größer wurde, ich hechelte aus dem letzten Loch, mein ganzer Körper zitterte erbärmlich wie Espenlaub. Das konnte doch nicht wahr sein, daß ich hier bei einer lockeren Mischung aus Gymnastik und Bodenturnen so dermaßen „in den Seilen hing“. Das Schlimmste war aber, daß bei allen mitturnenden Mitsechzigern weder ein Atemzug zu hören, noch die feinste Schweißperle auf der Stirn zu sehen war. Wie peinlich war das nur??? Etwas Vergleichbares war mir in meinem ganzen Leben noch nicht passiert! Mir, dem Größten, Stärksten, Unbesiegbarsten. … und nun verendete ich förmlich neben ein paar Rentnerinnen!!!

… das war aber noch längst nicht das Ende der Schmach!
Nachdem der, zugegebenermaßen etwas klein geratene, aber sehr sportliche und muskulöse Yogalehrer eine Stellung, die “Hund” hieß, angesagt und gezeigt hatte, quälte ich mich mit allerletzter Kraft und Willensanstrengung in dieselbe und erwartete bei dieser, aus meiner Sicht, nicht mehr steigerungsfähigen Form der Folter selbstverständlich bereits nach einer Sekunde sein erlösendes Kommando zur Entspannung in der Bauchlage. So etwas kann kein Mensch länger aushalten als eine, maximal zwei Sekunden war ich der festen Überzeugung und betete inbrünstig nach dem „Pausenpfiff“. Stattdessen meinte dieser Yogawicht, daß wir nun in dieser völlig unmöglichen Stellung “entspannen” sollten. „War der völlig übergeschnappt? Das schlug dem Fass den Boden aus! Der wollte mich doch nur persönlich provozieren! Der wollte doch nur meiner Frau zeigen, welchen Schlappschwanz sie geheiratet hatte. Der sieht doch, daß ich mein eigenes Körpergewicht nicht mehr tragen kann, daß ich gleich unter mir selber zusammenbreche!“
Einen Augenblick lang erwog ich ernsthaft, einfach aufzustehen und ihm für diese bodenlose Frechheit eine zu scheuern. „Was fiel diesem Wunderknaben eigentlich ein? Wir waren nicht in einem Trainingscamp für Schwererziehbare sondern in einem deutschen Edelfitnessstudio. Wie können die überhaupt solche Folterknechte beschäftigen?“ … derlei Gedanken und schlimmere schossen mir durch den hochroten Kopf, an dessen Stirn die Adern hervortraten und im nächsten Augenblick zu platzen drohten.

Am Ende siegte jedoch meine Eitelkeit und ich quälte mich tapferst bis zur Erlösung – der Endentspannung.

Nach diesem Gang durch die Hölle fühlte ich mich überraschenderweise unglaublich lebendig, vollgepumpt mit Energie, wie ich es lange nicht mehr gespürt hatte und weil ein echter Mann eine solche Schmach nicht auf sich sitzen lassen kann, orderte ich gleich zehn Privatstunden bei dem Folterknecht, um professionell in die Geheimnisse der mit „Tiernamen belegten Verrenkungsgymnastik“ eingeführt zu werden.

… und meine Frau hatte dies alles offensichtlich generalstabsmäßig geplant, denn nach erfolgreicher und hochmotivierter Ableistung meiner zehn Privatstunden schlug sie vor, doch gleich mal in einen echten Ashram zu fahren, um dort ein verlängertes Wochenende zu verbringen und ein wenig tiefer in diese unbekannte Materie einzutauchen. … und da ich begeistert von den privaten Turnstunden war, willigte ich ein, nicht ahnend, welch Abenteuer meiner harren würden …

Hier nun die Auszüge aus meinem persönlichen Tagebuch der ersten drei Tage in einem Ashram in Deutschland.

… des Wahnsinns erster Tag:

Nach einer recht tristen Fahrt durch ein wolkenverhangenes Westfalen erreichte unsere ganze Familie ein unscheinbares Dörfchen namens Bad Meinberg mitten im Teutoburger Wald. Hinter unzähligen Kurven versteckt, tauchten plötzlich achtgeschossige Plattenbauten auf, die eher an die Blütezeit des ostdeutschen Städtebaus als an einen indischen Ashram erinnerten.
Mein erster Eindruck war: ” Hier gehöre ich nicht hin!” … dies war aber überwiegend den anwesenden Personen in der “Lobby” geschuldet, die incl. der Rezeptionistinnen alle einen leicht psychedelisch angehauchten Schleier um sich trugen und sicher von Krishna persönlich auserwählt waren, an diesem heiligen Ort die energiegeladene Atemluft einsaugen zu dürfen.
Nachdem ich flugs unsere Siebensachen und den Wagen an die dafür jeweils vorgesehenen Orte verbracht hatte, wobei der Verbleib ersterer immerhin schon recht nahe an die Qualität hiesiger Jugendherbergen heranreichte, überließ ich die Familie dem Schicksal des Einräumens, Kennenlernens usw. und begab mich schnurstracks in Richtung “Kampfarena” zu meiner ersten “echten” Yogastunde, derer ich bei einem flüchtigen Blick auf die Infowand gewahr wurde und nur eine Minute vor Beginn erreichte.
Auf einer Bühne tronte eine gelb gewandete Lehrerin, die zwischen Sozialpädagogin, Ökobäuerin und ökumenischer Priesterin einzuordnen ich geneigt war. Alle Deliquenten lagen bereits eingehüllt in gigantische weiße Tücher, absolute Stille herrschte im Saal und der letzte freie Platz, ohne in den Intimbereich des Nachbarn dringen zu müssen, war natürlich direkt vor “ihr” in der ersten Reihe.
Ich war als einziger in Schwarz gekleidet, ein Zufallsprodukt zwar, aber nun wie ein kleiner Protest zu der vor mir liegenden tadellosen Ordnung der weißen Meditierenden anmutend.
Durch die Begrüßung, die mit einem dreifachen Gemeinschafts-OOOOOm eröffnet wurde, welches der tiefsten Glocke des heiligen Petersdoms zur Ehre gereichen würde, erfuhr ich, daß ich aus Versehen beim Yoga für Fortgeschrittene gelandet war, welches ich dann auch sofort sinnhaft selber spürte, da weder Sprache, Singsang noch Atemübungen in keinster Weise mir vertraute Handlungen darstellten. Auch als nach zehn Minuten die Frage kam, ob jemand im Saal das “Kapalabathi” oder so ähnlich noch nicht exakt kennen würde, wäre es an Peinlichkeit nicht zu überbieten gewesen, meinen Finger in die Prana-geschwängerte Luft zu erheben. So imitierte ich die Yoga-Geister in meinem Rücken, wobei ich hier einstreuen muß, daß in diesen Kreisen, der Lehrer nicht allzuviel vormacht. Meine dabei an den Tag gelegten schauspielerischen Fähigkeiten waren immerhin ausreichend, von “ihr” nicht ermahnt zu werden, als sie mir prüfend über den Rücken fuhr, wahrscheinlich um den Ladezustand meiner dort vergeblich vermuteten Chakren zu ermitteln.
Dann folgte das zwölfteilige Sonnengebet in mindestens 20 Wiederholungen, bei dem ich endlich zeigen konnte, warum ich in der ersten Reihe gelandet war, denn viele der Yogininnen und Yogis machten denn auch mittendrin schlapp, wie ich durch den rückgewandten Blick aus dem herunterschauenden Hund erfuhr. … und so kam dann doch ein wenig Genugtuung auf, die jedoch sofort wieder verebbte, als nach dem Sonnengebet fast ausnahmslos der gesamte Saal in einen kollektiven, nicht enden wollenden Kopfstand überging! Doch auch das war zu verschmerzen, zumal mir die folgenden Asanas keine unlösbaren Probleme bereiteten und ich zumindest wohlwollende Blicke der Meisterin erntete. Ach wie war ich doch meinem Privat-Trainer dankbar für die guten Vorbereitungsstunden in heimischer, geborgener Athmosphäre.

Danach ging es zum gemeinsamen Abendessen, bei dem ich allerlei streng vegane Kost in mich hineinschaufelte, währenddessen mir mein Magen fortwährend einen “Vogel” zeigte, nach der halb verdauten Gans vom Vorabend ….

Danach gab es eine Einführung in die “Materie”, wegen der ich eigentlich hier war: “Ayurveda”! Alle im Raum befindlichen Anwesenden, denen man sich wie in einem ostdeutschen Pionierferienlager vorstellen mußte, nur um mit wachsendem Entsetzen zu erfahren, welche Profis mich umgaben, waren aufs Ungläubigste überrascht, einen absoluten Amateur in dieser Disziplin vor sich zu wissen. … und so fühlte ich mich ein wenig als Außerirdischer. Da ich sonst auch nicht viel Neues oder Wissenswertes zu der Gesamtthematik zum Besten geben konnte, beschränkte ich mich darauf, kundzutun, daß ich mich überraschen lassen wolle und für fast alles “offen” wäre, wobei ich just in diesem Augenblick Zeige- und Mittelfinger hinter meinem Rücken kreuzte.

Für den ersten Abend habe ich mich dann vorsorglich aus dem weiteren Programm mit Meditation und Singen ausgeklinkt, um nicht gleich die volle Dröhnung über mich ergehen zu lassen und noch einigermaßen objektiv mein Tagebuch schreiben zu können, um diese ersten Eindrücke eines „Unbeleckten“ zu verewigen.

… der zweite Tag des Wahnsinns:

… heute war der Tag der tiefsten Desillusionierung … aber ich starte lieber von Anfang an:

Der Tag begann mit Wecken um Sieben, was bei mir, wahrscheinlich genetisch bedingt, zu sofortigen allergischen Reaktionen führt, zumal meine biologische Uhr mich wie immer bis ca. ein Uhr morgens wach gehalten hatte.

Da es immer erst um elf Uhr vormittags das erste Mal etwas Essbares gibt, war ich froh, wenigstens etwas Obst auf dem Zimmer zu finden, man ist ja dann auch nicht wählerisch … von wegen Rührei mit Schinken.

Punkt Acht begann die theoretische Einführung ins Ayurveda und es war schon beachtlich zu erfahren, daß Theorie und Praxis vor über 5.000 Jahren auf Palmblättern niedergekritzelt wurden und diese Lehren bis heute allen Wissenschaften standhielten und weltweit Anwendung und Anerkennung finden. Man bedenke, daß zu dieser Zeit unsere eigenen germanischen Vorfahren sprich Ur-Oma und Ur-Opa zur x-ten Potenz noch auf Bäumen lebten und wahrscheinlich nicht selten rohes Fleisch in sich hineinstopften.

Nach diesen Erkenntnissen und der Bestimmung meiner Ayurvedischen Konstitution, zu der übrigens die Meisterin erstaunt bemerkte, daß ich sehr ausgeglichen sei, was wohl recht selten vorkomme, ging es zum morgendlichen Yoga. … und da ich mich gestern bereits wacker bei den Fortgeschrittenen gehalten hatte, ging ich heute wieder in diesen Saal, um exakt die gleichen Übungen zu wiederholen. Ich nahm das dann auch bereits gelassener, obwohl mir die orgiastisch anmutenden kollektiven Atemübungen langsam aber sicher auf den “Zeiger” gingen. Hatten die alle keinen Sex oder welches Problem sonst? Ich atmete extra leise, um zumindest ideell eine gewisse Abmilderung des Urklangteppichs zu erzielen und nahm mir dabei vor, als Nächstes den Kopfstand zu erlernen, um auch hier in der “Königsklasse” mithalten zu können … Ich habe dann auch gleich am Abend den Ayurveda-Kurs in einen “Intensiv-Asana-Workshop” getauscht! Wobei mich die Meisterin an der Rezeption, die den Umschreibevorgang durchführte, mitleidig aber milde anlächelte. Wahrscheinlich war auch das ein Fehler, aber das erfahre ich ja spätestens morgen.

Dann war es endlich Zeit zum Frühstücks-Mittags-Brunch. Ich schaufelte mir das älteste Gericht der Welt ein, zumindest stand an dem Kochtopf ein Schild, auf dem vermerkt war, daß diese Grütze bereits von der Mutter Gottes vor über 5.000 Jahren gekocht wurde. Es schmeckte irgendwie gesund und so war ich ganz zufrieden.

Nach der Sättigung, die in allgemeiner Hast vor sich ging, immerhin waren die Meisten seit fünf oder sechs Uhr auf den Beinen mit knurrendem Magen, gab es eine echte Siesta, zu der man mich bekanntermaßen nicht zweimal bitten muß. Ich schlief tief und kurz, um für die nächste Tat gewappnet zu sein.

Am Nachmittag standen vier ganze Stunden Massagen auf dem Programm: Welche Wonne!!!!
Meine lang gehegte Illusion, von drei jungfräulichen Mulattinnen in höchste Wonnen geknetet zu werden, zerstob jedoch wie eine Fata Morgana!

Wir wurden nämlich, welch Schreck, innerhalb der Gruppe einander zugeteilt und ich hatte das große Los, an ein lebendes Ungeheuer zu geraten, dem ich bereits am Vortag für mich den Namen “Der Glöckner” zugeteilt hatte.
Dieser Berg aus Fleisch erklärte mit langanhaltenden Pausen zwischen jedem mühsam herausgequältem Wort, daß er im realen Leben Gärtner mit Sonderschulabschluß war. Zusammen mit seiner Gesamterscheinung eines mindestens 150kg Kolosses weckte dies, ohne, daß es arrogant klingen soll, gewisse Befürchtungen in mir:
“Hat der Mann seine Kräfte auch unter Kontrolle oder bricht der mir eventuell aus Versehen das Genick?”
Der Berg entpuppte sich dann jedoch als sanfter Riese und bis auf die rissige Haut seiner Hände spürte ich kaum etwas von der Massage, zumal ich auch recht bald entschlummerte.

Der schlimmste Augenblick war jedoch der, an dem ich selber Hand an den fleischgewordenen Klops legen mußte: Hast Du jemals ein Schwein massieren müssen? … schieres Fett mit Borsten dran … über die sonstige Qualität seiner immer noch pubertären Haut will ich den Mantel des Schweigens hüllen, damit diese Erinnerungen schnellstmöglich an Blässe gewinnen.

Ich selber gewann aus dieser Erfahrung jedoch drei wesentliche Erkenntnisse fürs Leben:

1. Soziale, medizinische oder therapeutische Berufe bin ich auch in extremen Situationen in der Lage, mit Bravour zu überleben. Zumindest hat der Fleischberg die beste Massage seines Lebens erhalten! … auch die Meisterin zollte mir Respekt! … aber freiwillig würde ich solch einen Beruf nie ergreifen wollen, habe aber von nun an tiefsten Respekt vor den Menschen, die diesem Beruf nachgehen.

2. Ich werde nie schwul!

3. Ich bringe von nun an ein gewisses Verständnis für lesbische Liebe auf: Welcher Frau soll man es denn zumuten, mit solch einem Koloß ins Bett zu gehen?

Ich bin ängstvoll gespannt auf morgen! Wenn das hier alles wirklich noch schlimmer werden sollte, steige ich einfach ins Auto und fahre nach Hause!

… der dritte Tag des Wahnsinns:

Nach nächtlichen Albträumen in denen ich ständig Schweineborsten auf pickeliger Haut massieren mußte, hatte ich am Morgen mein Trauma fast verarbeitet. Ich wachte das erste Mal gegen 6.30 Uhr von alleine auf, wobei jetzt schon verraten sei, daß ich an diesem Tage noch mehrere Dinge das erste Mal in meinem Leben tun würde.

Punkt Acht war ich in einem kleineren Saal gelandet, der der “Haute Volaute” der Möchte-Gern-Yogis vorbehalten war. Etwa 20 Jungs und Mädels vom mittleren bis ins hohe Alter warteten bereits sehnsüchtig auf Ihren Guru und waren wegen der nächtlichen Yoga-Abstinenz schon ganz hibbelig. Da der Guru Timmy hieß und auch sonst einen ganz patenten, normal gebliebenen ersten Eindruck hinterließ, war ich ganz optimistisch, das Ganze mit Bravour zu überstehen. Die Stunde begann zwar mit den hier üblichen Oooooms und extrem schnellen Stoßatmungen ging dann aber schnell in “echtes, bodenständiges” Yoga über, an dem ich viel Spaß hatte und auch sehr gut mithalten konnte.
Nach zwei Stunden ging es dann ans “Eingemachte”. Ich schaffte meinen ersten Kopfstand und die erste Brücke meines Lebens, natürlich zugegebener Maßen mit solch massiver Hilfe von Timmy, daß er danach von einem fast unanständig zu bezeichnenden Lachkrampf geschüttelt wurde. Er war jetzt nicht gerade als schmächtig zu bezeichnen, hatte aber wohl doch Mühe, meine fast 100 Kilo in Waage zu halten.

Nach dem Mittag warteten weitere drei Stunden mit Timmy auf mich, die wie im Fluge vergingen. Normalerweise schiele ich nach spätestens einer Stunde Yoga bereits auf die Uhr, aber hier ist das alles irgendwie anders. Zwischendurch hielt ich mich, natürlich wiederum nur unter massivsten Körpereinsatz von Timmy, einige Sekunden im Handstand, was mich ebenso lange glücklich machte, bis er nach geleisteter Frohn seine Lachsalve wiederholte. Aber das kratzte mich schon nicht weiter …

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, auch nicht vom Himmel über dem Himalaja! Immerhin hätten zehn meiner besten Freunde vor knapp einem Monat noch Haus, Hof oder Schlimmeres verwettet, hätte ich ihnen erzählt, daß ich einen “Asana-Intensiv-Workshop” an der renommiertesten Yoga-Schule Deutschlands ohne Fleisch, Kaffee, Alkohol, Telefon und ohne alle anderen weltlichen Genüsse mitmachen würde und zwar freiwillig!

*Namen geändert

P.

PS: Mein “Erfahrungsbericht” … den ich, obwohl nunmehr schon über zwei Jahren intensiv Yoga praktizierend, in dem Bewußtsein eines absoluten Laienspielers mit einem Schmunzeln zwar – aber authentisch aufgeschrieben habe, genau die ersten Gemütszustände und Gedanken reflektierend, die mich beim völlig unvorbereitetem Kontakt mit dem Yoga überrollten, mich – einem damals vollkommen in der Maya-Illusion gefangenen Businessmann der westlichen Konsumgesellschaft. Ich bitte dies zu beachten, da ich dies aus heutiger Sicht nicht mehr so wiedergeben würde. Gleichzeitig bitte ich um Nachsicht für die schriftstellerische Freiheit und Ausdrucksform, mit der ich definitiv niemanden verletzen möchte. Ich verehre den Yoga-Weg als das großartigste Geschenk, das einem in einem Menschenleben gegeben werden kann.

(kam per Email und wurde vom Yoga Vidya Redaktionsteam ins Forum gestellt)

7 Kommentare zu “Kurzgeschichte: „Wie ich zum Yoga kam … !“

  1. Hallo, du liebe Devaki,
    schön, dass du dich meldest und kund tust.

    Ich habe die Geschichte nochmals gelesen, so dass ich deinen Einwand besser verstehen kann. Dazu muss ich sagen, ich habe beim lesen wieder fast ein Lachkrampf bekommen. Aber ich verstehe auch deinen Einwand mit den „ins Tierreich greifen“. Aber, das zeigt doch nur, wie unbewußt man ist bevor man durch Yoga sein Bewußtsein auf eine höhere Ebene bringt. Und der Schreiber hat sich für seine damalige Schreibweise und Sichtweise entschuldigt, und geschrieben, dass er nach Jahren von Yoga-Praxis so einen Erfahrungsbericht nicht mehr schreiben würde. Da sieht man mal wieder was Yoga im Menschen alles verändert und uns zu Gott verwandelt und hinwendet.

    Du hast geschriebe: „Ich wünsche mir Änderung…“ den Satz habe ich nicht verstanden?

    Danke, liebe Devaki, dass du so offen bist.

    Om Shanti
    Herzliche Grüße aus Bad Meinberg
    Rafaela

  2. Namaste, liebe Rafaela,

    ich danke dir sehr, dass du diese Geschichte noch einmal hervorgeholt hast – dann kann ich endlich meinen Frieden mit ihr machen.

    ALSO, ES WAR SO, ICH WAR AUCH BEGEISTERT, ABER … ; dann habe ich bestimmt fünf Din-A-4-Seiten zusammengeschrieben, weil ich darauf antworten wollte – und erklären wollte, dass nie, nie, niemals … Kurz und gut, ich fand nicht den für mich richtigen Ton und schickte nichts ab. Jetzt hier eine letzte runtergekochte Fassung:

    Om Namah Shivaya.

    Was ist das hier eigentlich, dieses Yoga-Stück? Flott und spritzig geschrieben, ein eloquenter Schreiber, der Begeisterung hervorrufen kann, wie die Reaktionen von Lesern zeigen. Und dann kommt’s, dieses bittere Herzstück der Reportage, die derart gnadenlos ins Tierreich greift, dass ich es beim Lesen kaum aushalten konnte. So was
    darf nie, nie irgendwo stehen …, finde ich. – – Sollte das eine Prüfung gewesen sein für den Aspiranten bei seinen allerersten Yoga-Schritten? Wurden ihm schon in diesem frühen Stadium seines Yogaweges durch sein Erleben hindurch Tapas/ Askese-Übungen auferlegt? Wurden von ihm Vairagya und Pratyahara – Verzicht auf Vergnügen und Zurückziehen der Sinne – gefordert?

    Nicht dies, nicht das, wer weiß, ich weiß es nicht. Jedenfalls fühle ich mich verletzt. Das hat der Autor nicht gewollt, wie er am Schluss ahnungsvoll geschrieben hat. Ich wünsche mir Änderung. Ich habe diese Geschichte doch auch genussvoll gelesen, und das möchte ich nun haben von Anfang bis Ende. Schön wäre das!

    Om, Shanti, Shanti, Shanti,
    Devaki Erika-Ha

  3. Von diesem Herrn wünschte ich ein Buch zu lesen und zwar ein besonders dickes! Einfach toll 🙂

  4. Tolle Geschichte. Das Lachen ist bis nach Hamburg vorgedrungen. Dankeschön! Yoga ist großartig.

  5. Ich hab mir fast in die Hose gemacht vor Lachen! Herrlich! Danke!!

  6. Matthias

    Inspirirend!

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