Schritte zur Freiheit

Freiheit

Es sind schon einige Jahre vergangen, in welchen ich auf diesem wunderbaren spirituellen Weg Richtung Freiheit wandle. Ich habe viel gelernt, viel verstanden und auch losgelassen. Je mehr Schritte ich zur Freiheit ging, desto weiter öffnete sich mein Herz und ich erkannte die Welt als das, was sie ist: eine Manifestation des wunderbaren göttlichen Kerns, welcher in jedem von uns wohnt.

Doch bis dahin waren einige Stufen zu gehen. Am besten lassen sich diese an einem Text von Portia Nelson erkennen und verstehen. Der Text trägt den Titel „Autobiografie in 5 Kapiteln“ und gehört für mich mittlerweile zu einem der schönsten Hilfsmittel, um zu erkennen, an welchem Punkt ich in meiner aktuellen Entwicklung zu einem bestimmten Thema stehe. Geh auch du die Schritte zur Freiheit.


Autobiografie in 5 Kapiteln

1. Kapitel

Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren … Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

2. Kapitel

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

3. Kapitel

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein… aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Ich weiß, dass ich das selbst zu verantworten habe.
Ich komme sofort heraus.

4. Kapitel

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5. Kapitel

Ich gehe eine andere Straße.

von Portia Nelson


Was hält mich gefangen?

Wie die Überschrift schon sagt, ist der letzte Schritt die Freiheit. Das wiederum bedeutet, dass der erste Schritt in die Gefangenschaft führt. Gefangenschaft muss nicht immer etwas Körperliches sein, denn weitaus öfter, als dass wir in der Welt eingesperrt werden, sind wir in unseren Gedanken und Glaubenssätzen gefangen. Der Gedanke, um den es in diesem Text geht, lautet Verlust. Er ist der Grundgedanke von Samsara, dem ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens.

Ich denke, jeder von uns kennt das Gefühl des Verlustes, ob es nun um einen Verwandten geht, oder um einen Kugelschreiber, den wir lieb gewonnen haben, eine Partnerschaft oder einen Job. Wir haben ständig Angst etwas, dass wir als unser Eigen ansehen, zu verlieren. Ich habe für mich lange nach der Ursache gesucht, dem ersten Loch in dem Gedicht, bis mir auf einmal klar wurde, was die Ursache war. Von da an ging ich größere Schritte zur Freiheit.

Die Ursache ist die Trennung selbst, der Gedanke, getrennt zu sein von Gott, Brahma oder dem allumfassenden Bewusstsein. Getrennt zu sein vom Universum und dem Leben, welches überall stattfindet. Doch da ich nicht wahrhaben will, dass ich daran glaube, mich getrennt zu haben, suche ich die Schuld seither in der Welt und verstecke mich hinter Gründen, warum ich mich nicht wieder verbinde. Ich gebe dieser Schuld sogar einen Namen, nenne ihn Felix, nenne ihn Ego, nenne ihn Mensch.

Du kannst frei sein

Nun habe ich die Welt in den letzten Jahren kennengelernt, als einen Spiegel meiner selbst, stets darauf bedacht, mir vor Augen zu führen, wo ich mich von meiner wahren Natur getrennt habe. Immer wenn ich von nun an Verlust gespürt habe, dann nur auf Grundlage dieser ersten Trennung. Viele Jahre lang fiel ich in dieses Loch und es war nie meine Verantwortung!

Womit wir beim zweiten Kapitel angekommen sind, ein Kapitel das gefühlt eine Ewigkeit dauerte. Endlos erscheint mir die Zeit, in der ich immer und immer wieder in denselben Mustern gelebt habe. Wenn ich zurückschaue, kann ich nur darüber schmunzeln und dankbar dafür sein, dass ich Erwachen durfte.

Doch es gibt eine frohe Botschaft: Wie lang das Kapitel der Schuld sein soll, wie viel Lebenszeit du in ihm verbringen möchtest, ist allein deine Entscheidung. Dir steht es frei zu wählen: möchtest du weiter im Außen nach einem Schuldigen für deine Gefühle suchen, oder frei sein?

Die Freiheit liegt darin, die Schuld und Verantwortung von deiner Umwelt zu dir zurückzunehmen und somit die Verantwortung für dein Sein zu übernehmen.

Du trägst den Schlüssel in dir

Nun, das klingt einfacher, als es am Anfang sein wird, denn schließlich haben wir in unserer Gesellschaft häufig das Phänomen, die Schuld bei anderen zu suchen. Oft ist sogar das Universum schuld, dann schieben wir unsere Gemütsverfassung auf das Wetter oder die kurzen Tage im Winter. Doch du wirst schon nach kurzer Zeit merken, dass es sich lohnt, die Verantwortung zu übernehmen. Sobald du dies tust, bist du nicht mehr Opfer an der Welt und trägst somit auch die Macht in dir, deine Wahrnehmung der Welt zu verändern.

Irgendwann kannst du dann die Bilder erkennen, welche dich in dein Loch geworfen haben. Du erkennst das Loch selbst ganz deutlich und noch bevor du hineinfällst, kannst du mit einem Lächeln auf deinen Lippen um es herum tanzen. Das machst du schließlich so lange, bis dir selbst die Bilder nicht mehr auffallen. An diesem Punkt angekommen, bist du frei von der Angst vor Verlust und kannst in Verbindung mit deinem wahren Selbst leben und handeln. Jede Art von Zweifel und Angst werden von dir genommen sein. Denn wenn du Teil von Allem bist, und du hast das in dir erkannt, was könntest du dann noch verlieren? Ich hoffe, auch du kannst deine Schritte zur Freiheit gehen.

Das Mantra zum Text

Für mich steht das „Om Tryambakam“ für die Bestrebung in die Freiheit zu gehen, als klares Ziel vor Augen, ausgerichtet darauf, aus dem Rad von Samsara auszutreten und die Unendlichkeit zu erfahren. So schließe ich meinen Text mit diesen heiligen Worten:

ॐ त्र्यम्बकं यजामहे सुगन्धिंम् पुष्टिवर्धनम्
।उर्वारुकमिव बन्धनान् मृत्योर्मुक्षीय मामृतात् ।।

om tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭi-vardhanam /
urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya māmṛtāt //

Wo befindest du dich gerade auf deinem Weg in die Freiheit? Finde es für dich heraus mit dem Text „Autobiografie in 5 Kapiteln“ von Portia Nelson.

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