Das Om Tryambakam – Ein Mantra mit tiefer Bedeutung

Das Om Tryambakam ist ein ganz besonderes, vielseitiges und bedeutungsvolles Mantra. Es besiegt den Tod, denn es verhilft zur Erkenntnis der Unsterblichkeit und führt so zur höchsten Wirklichkeit. Daneben schenkt es Segen, Schutz und Heilung und kann sogar Karma auflösen.

Wann und warum rezitieren wir das Om Tryambakam?

Das Om Tryambakam ist ein Mantra, das bei Yoga Vidya am Ende jedes Satsangs gemeinsam gechantet wird. Es gilt als heil- und segensspendend wird auch Maha Mrityunjaya Mantra, das große, den Tod besiegende Mantra, genannt. Darüber hinaus wird es für lebendspendend und lebenserneuernd gehalten.

Sukadev rezitiert das Maha Mrityunjaya Mantra

Es heißt, dass dieses Mantra dabei hilft, schwieriges Karma intuitiv zu verstehen und es dadurch leicht aufzulösen, ohne darunter leiden zu müssen. Was es so besonders und vielseitig macht: Das Maha Mrityunjaya Mantra wird für ganz verschiedene Zwecke rezitiert. Zum Beispiel für:

  • das Öffnen für eine höhere Wirklichkeit
  • Heilung von Krankheiten
  • Segen und Schutz vor Unfällen auf Reisen, insbesondere Autofahrten
  • Segenswünsche zum Geburtstag
  • Wunsch eines guten Übergangs für Verstorbene
  • Loslassen eines Verstorbenen
  • Erreichen der höchsten Befreiung – Bitte um Erkenntnis und Erleuchtung

Das Om Tryambakam wird also nicht nur für Verstorbene gesungen, um ihnen ein guten Übergang zu wünschen oder für Kranke, um ihnen Genesung und Gesundheit zu wünschen, sondern soll in solch schwierigen Situationen auch den Angehörigen Kraft und Heilung schenken.

Außerdem wird das Mantra für Geburtstagskinder gesungen, um ihnen viel Glück und göttlichen Segen für das neue Lebensjahr zu wünschen. Es wird zum Schutz vor Unfällen vor einer Reise rezitiert. Du kannst dich mit Hilfe dieses Mantras sogar öffnen für die höhere Wirklichkeit, du kannst um Erkenntnis und Führung, Vergebung und Heilung bitten.

Welche Art von Mantra ist das Om Tryambakam?

Das Om Tryambakam ist ein Kshama Mantra, also ein Mantra für Vergebung. Es ist außerdem ein Dhyana Moksha Mantra, welches in Dhyana (der Meditation) wiederholt wird und dadurch zu Moksha (Befreiung, Erleuchtung, Gottverwirklichung) verhelfen kann.

In der Sivananda-Tradition ist das Om Tryambakam auch ein Diksha Mantra. Das bedeutet, du könntest es auch für eine Mantraweihe auswählen. Als dein “Hauptmantra” begleitet es dich dann in der Meditation, beim Rezitieren oder auch beim Japa.

Vor allem aber ist es ein Heil- und Segensmantra: es wird insbesondere in der Sivananda-Tradition jeden Tag in Satsangs und auch in Ritualen rezitiert.

Om Tryambakam – Wörtliche Übersetzung

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Grundsätzlich ist die Bedeutung eines Mantras oder Kirtans mehr als nur die Bedeutung der einzelnen Worte. Für einen Bhakta, einen Gottesverehrer, einen Kirtanisten, sind Mantra und Kirtan eine Lobpreisung Gottes.

Oft sind sich auch in Indien die Sänger nicht bewusst, welche Bedeutung die Worte haben – sie spüren vielmehr einfach Bhakti: die Hingabe, die Liebe, die Gottesnähe. 

Viele Menschen können sich mit einem Mantra besser verbinden, bekommen einen tieferen Bezug dazu, wenn sie es auf allen Ebenen verstehen – also die Übersetzung und Bedeutung kennen:


ॐ त्र्यम्बकं यजामहे सुगन्धिंम् पुष्टिवर्धनम्।
उर्वारुकमिव बन्धनान् मृत्योर्मुक्षीय मामृतात् ।।
oṃ tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭi-vardhanam /
urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya māmṛtāt //

oṃ: kosmischer Klang

त्र्यम्बकं try-ambaka: ‘drei-müttrig’ (tri: drei, ambā: f. Mutter, u. a. Bezeichnung Durgās), spätere Interpretation: dreiäugig, Bezeichnung Śivas

यजामहे yajāmahe: (yaj) wir opfern, wir verehren, wir meditieren über

सुगन्धिंम् sugandhi: gutriechend (su: gut, gandhi: nach etwas riechend, eine Art Parfüm)

पुष्टिवर्धनम् puṣṭi-vardhanam: der sich um alle Wesen kümmert, der das Wohlergehen mehrt (puṣṭi: Wachstum, Stärke, Wohlergehen; vardhana: mehrend)

उर्वारुकमिव urvāruka iva: wie ein reifer Kürbis (urvāruka: eine Art Gurke, reifer Kürbis, iva: wie)

बन्धनान् bandhanān: von der Bindung, hier: vom Stiel

मृत्योर्मुक्षीय mṛtyor mukṣīya: möchte ich mich von der Sterblichkeit, vom Tod lösen (mṛtyu: Tod, mukṣīya (muc): ich möchte mich lösen, losbinden, befreien)

मामृतात् māmṛtāt: führe mich zur Unsterblichkeit (Amrita: Nektar der Unsterblichkeit)

“Wir verehren den Tryambaka, den Gutriechenden, der das Wohlergehen mehrt. Wie eine reife Gurke (sich löst) vom Stiel, möchte ich frei von Bindungen sein, möchte ich mich vom Tod lösen, hin zur Unsterblichkeit.”

Was steckt hinter dem Om Tryambakam?

Es ist also ein Mantra, mit dem du die Einheit, das Göttliche verehrst, das in der Dualität erfahrbar ist. Du öffnest dich für eine höhere Wirklichkeit. Ehrerbietung ist eine gute Grundeinstellung im Leben. Das Göttliche “kümmert sich um alle Wesen”. Darauf kannst du vertrauen.

Auch wenn du manchmal nicht verstehst, warum etwas geschieht oder warum es genau in diesem Moment geschieht: Alles passiert, weil es passieren soll und es geschieht stets dann, wenn du reif dafür bist, wenn die Zeit dafür gekommen ist – das ist leider nicht immer der Zeitpunkt, an dem du es möchtest oder du dich bereit fühlst. Nimm es als Lernaufgabe an.

Man muss den Dingen, die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann, alles ist austragen – und dann gebären…

Rainer Maria Rilke

Wachstum, Reife und Befreiung

Mögest du reifen. Mögest du spirituell wachsen, dich spirituell entwickeln und vor allem: mögest du Geduld haben. Zunächst gilt es zu erkennen: Ich bin gebunden. Ich bin verhaftet. Dann kommt der Wunsch: Ich möchte dieses Gebundensein verlieren. Ich möchte Verhaftungen, Erwartungen und Vorurteile verlieren.

Erkenne: Alles Irdische ist sterblich, der Vergänglichkeit unterworfen. Aller Besitz wird vergehen. Dein Körper wird sterben. Jeder Mensch wird sterben, körperlich. Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. In Wahrheit bist du unsterblich. Dein wahres Selbst, Atman, ist eins mit Brahman, der Weltenseele.

Verliere auch deine letzte Angst

Die wörtliche Übersetzung des Mantras zeigt, dass es nicht nur um ein Wachstum der Persönlichkeit geht, nicht nur um das Loslassen der kleinen Verhaftungen, mit dem wir uns manchmal schon sehr schwer tun, sondern um so vieles mehr:

Es geht um das Loslassen der einen großen Verhaftung: der Angst vor dem Tod und dem Glauben, dass dieser das Ende unserer Existenz wäre. Die größte Verhaftung haben wir wohl alle mit dem eigenen physischen Körper und wenn wir diese Angst loslassen, sind wir auch dazu in der Lage, die Verhaftung an den Körper und alles Materielle aufzugeben.

Was bleibt?

Was bleibt übrig, wenn wir die Verhaftung an den physischen Körper aufgeben? Die Identifikation mit Gedanken und Gefühlen? Um wirklich in die Unsterblichkeit zu wachsen, müssen wir auch diese Identifikation aufgeben. Alles, was wir unser eigen nennen und auch die Tatsache, etwas unser eigen zu nennen.

Denn was gehört eigentlich uns und was sind wir wirklich, wenn die Weisen schon seit Jahrtausenden sagen, dass unser wahres Selbst jenseits jeglicher Form liegt? Die Haupteigenschaft der Unsterblichkeit ist, dass sie ewig ist. Und wie lange währt ein Körper, ein Gedanke, ein Gefühl?

Unser wahres Selbst ist jenseits von all dem und das Om Tryambakam kann uns helfen, genau das zu erkennen. Es hilft uns, uns dann wie eine reife Gurke vom Stiel zu lösen, wenn die Zeit dafür gekommen ist und wir bereit sind für das große Loslassen, das Losgelöst sein, Freiheit, Unabhängigkeit.


Das Om Tryambakam enthält also alles, was wichtig ist auf dem spirituellen Weg: Reinigung, Vergebung, Segen, Heilung, Wachstum und Befreiung durch Erkenntnis der Unsterblichkeit. Lasst es uns also ab sofort ganz bewusst sprechen und seine tiefe Bedeutung jederzeit erkennen.

Wie kannst du dieses Heilmantra in dein Leben integrieren?

Frau meditiert im Sonnenuntergang Om Tryambakam

Du kannst das Maha Mrityunjaya Mantra auf verschiedene Weise in deinem Leben und für dein Sadhana, deine spirituelle Praxis, verwenden.

1. Regelmäßige Rezitation morgens und abends

  • Rezitiere das Maha Mrityunjaya Mantra drei Mal jeden Morgen vor oder nach deiner Meditation. Schicke dabei Gedanken des Wohlwollens und des Friedens in alle Richtungen oder zu den Menschen, die du am Tag treffen wirst oder für die Menschen, die besonderer Heilung bedürfen.
  • Rezitiere das Maha Mrityunjaya Mantra drei Mal jeden Abend vor dem Schlafen. Schicke dabei Gedanken des Wohlwollens und des Friedens für alle, mit denen du zu tun hattest, besonders für diejenigen, denen du Heilung schicken willst.
  • Du kannst laut rezitieren, flüstern oder das Mantra auch in deiner Lieblingsmelodie singen. Das Maha Mrityunjaya Mantra ist jedoch eigentlich ein Veda Mantra und für diese Mantras gibt es ein spezifisches Versmaß für die Rezitation.

2. Spezielles Heil-Japa

Falls du jemanden kennst, dem du ganz besonders Heilenergie schicken willst, wiederhole das Mantra entweder 9, 27, 54