Om Namo Narayanaya – Das Mantra für den Weltfrieden

Om Namo Narayanaya ist ein Mantra, das für den Weltfrieden gesungen wird. Nicht nur deshalb ist es in der Sivananda-Tradition unverzichtbar, es ist auch ein machtvolles Mantra für die Meditation, denn es dient zur Anrufung der Energie Vishnus – um Gott in allen Wesen und im ganzen Universum zu sehen und zu verehren.

Wofür steht Vishnu und wie kann seine Energie uns helfen, Frieden in uns selbst und somit auch in der Welt zu kultvieren und zu erhalten?

Welche Art von Mantra ist das Om Namo Narayanaya?

Es ist unter anderem ein Dhyana Moksha Mantra, welches in Dhyana (der Meditation) wiederholt wird und dadurch zu Moksha (Befreiung, Erleuchtung, Gottverwirklichung) verhelfen kann.

In der Sivananda-Tradition ist das Om Namo Narayanaya auch ein Diksha Mantra. Das bedeutet, du könntest es auch für eine Mantraweihe auswählen. Als dein “Hauptmantra” begleitet es dich dann in der Meditation, beim Rezitieren oder auch beim Japa.

Das Mantra wird als Ashtakshara Mantra bezeichnet, denn es hat acht Silben (Ashta – acht, Akshara – Silben). Es ist das Ashtakshara Mantra von Vishnu.

Om Namo Narayanaya ist vor allem ein Friedens-Mantra: wir singen es, um Friedensenergie in die ganze Welt zu bringen. Es ist zudem ein Mantra, um Energie zu bekommen – für Engagement für eine gute Sache.

Dieses Friedens-Mantra wird insbesondere in der Sivananda-Tradition in Satsangs und Ritualen gesungen oder rezitiert. Zu guter Letzt ist es auch ein Mantra, mit dem man sich gegenseitig grüßen kann.

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Om Namo Narayanaya gesungen von der Gruppe Mudita im September 2021 in Bad Meinberg

Wörtliche Übersetzung

Grundsätzlich ist die Bedeutung eines Mantras oder Kirtans mehr als nur die Bedeutung der einzelnen Worte. Für einen Bhakta, einen Gottesverehrer, einen Kirtanisten, sind Mantras und Kirtan eine Lobpreisung Gottes.

Oft sind sich auch in Indien die Sänger nicht bewusst, welche Bedeutung die Worte haben – sie spüren vielmehr einfach Bhakti: die Hingabe, die Liebe, die Gottesnähe. 

Viele Menschen können sich dennoch mit einem Mantra besser verbinden und bekommen einen tieferen Bezug dazu, wenn sie es auf allen Ebenen verstehen – also die Übersetzung und Bedeutung kennen:


ॐ नमो नारायणाय

oṃ: kosmischer Klang

नमो namo: Verneigung, Anbetung, Verehrung an

नारायणाय nārāyaṇāya: Narayana ist ein Name von Vishnu. Die Bedeutung ist ungeklärt – eine naheliegende Herleitung wäre von Nara (Mensch, im weiteren Sinne auch Geschöpf). Narayana ist also derjenige, der in allen Menschen, in allen Geschöpfen ist.


Es bedeutet also übersetzt: “Om, Verehrung dem Narayana”

Wen oder was genau verehren wir mit Narayana?

Narayana ist ein Name Vishnus, der für den erhaltenden Aspekt innerhalb der Schöpfung steht. Er hält das Gleichgewicht zwischen Brahma und Shiva, dem Schöpfer und dem Zerstörer. Vishnu wird meistens auf dem (Milch-)Ozean dargestellt.

Er hält in seinen vier Händen ein Muschelhorn (Shank), ein Feuerrad/Diskus (Sudarshan Chakra), eine Keule (Gada) und eine Lotusblüte.

Diese Attribute unterstreichen noch einmal seine Funktion als das erhaltende Prinzip, welches das Gleichgewicht zwischen Schöpfung und Zerstörung, zwischen dem Feinstofflichen und dem Grobstofflichen hält.

Das Muschelhorn und die Lotusblüte stehen für die Schöpfung, Diskus und Keule für Zerstörung. Vishnu wird auch oft auf der Weltenschlange Adishesha dargestellt, die im Weltozean schwimmt.

Swami Sivananda schrieb in seinem Buch “Götter und Göttinnen im Hinduismus“, dass Vishnu weder Anfang noch Ende hat – er ist in alle Ewigkeit frei, immer voller Glück, barmherzig und freigebig, beschützt, bewahrt und rettet.

Er steht für Stabilität; er möchte das erhalten, was da ist und die Menschen beschützen.

Om Namo Narayanaya: Gott lebt in jedem Wesen

Nara bedeutet eigentlich “Mensch”. Narayana ist jener, der allen Menschen innewohnt. Yoga geht davon aus, dass jeder Mensch Gott in sich trägt – ohne Gott könnte ein Mensch überhaupt nicht existieren.

Mit Om Namo Narayanaya wird Gott in jedem einzelnen Wesen verehrt.

Der Kern des Menschen ist göttlich und um diesen Kern herum wird das Ego gebaut, mit dem der Mensch sich identifiziert. Der Mensch lebt im Normalfall nicht seine Göttlichkeit aus, er lässt sich stattdessen leider oft von egoistischen Motiven und Impulsen leiten.

Trotzdem ist er dabei gewissermaßen von Gott inspiriert, denn sein Kern ist göttlich. Er handelt seinen Ego-Eigenschaften entsprechend und erfüllt so sein Schicksal.

Om Namo Narayanaya ist ein Mantra für den Weltfrieden

Wir können den Frieden in der Welt nur dann stärken, wenn wir bei uns selbst anfangen. Erst, wenn wir mit uns selbst friedfertig umgehen, können wir auch anderen Milde und Toleranz entgegenbringen und die Kräfte der Nächstenliebe, des Helfens und des Engagements aktivieren.

Bessere dich selbst. Dann wird sich die Gesellschaft bessern.
Beseitige Weltlichkeit aus deinem Herzen. Die Welt wird sich um sich selbst kümmern.
Beseitige die Welt aus deinem Geist. Die Welt wird friedvoll sein.
Das ist die einzige Lösung. Es ist nicht Pessimismus.
Das ist herrlicher Optimismus. Das ist nicht Ausflucht.
Es ist die einzige Möglichkeit, der Situation zu begegnen.
Wenn jeder Mensch an seiner eigenen Rettung arbeitet,
gibt es niemanden mehr, der Probleme schafft!

Swami Sivananda: “Göttliche Erkenntnis”

Wenn wir uns immer nur um unsere eigene Achse drehen und uns für unser Verhalten, unsere Erfahrungen und unsere Handlungen verurteilen, dann verurteilen wir auch die anderen. Es ist deshalb wichtig, alles im Leben ohne eine Wertung als Erfahrungen zu sehen, an denen wir wachsen können und uns zu unserem wahren Sein weiterentwickeln.

Jesus sagt in der Bergpredigt: “Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.”

Matthäus 5,9

Wenn wir also die Welt meistern möchten, brauchen wir Frieden. Und Frieden brauchen wir auch, um sowohl uns selbst als auch die Welt anzunehmen. Das Prinzip von Narayana kann uns das Annehmen lehren. Es kann uns dazu verhelfen, unser Leben anzunehmen, unsere Erfahrungen als Lehren zu sehen und dadurch unser Schicksal zu akzeptieren.

Frieden – eine Sache des Blickwinkels

Alles, was geschieht hilft uns nicht nur bei der Persönlichkeitsentwicklung, sondern auch beim Vorankommen auf dem spirituellen Weg. Wenn wir diese Sicht auf die weltlichen Dinge und alle Geschehnisse entwickeln können, dann werden wir auch die schlimmsten Erfahrungen als eine Lehre erkennen, als eine Stufe, die uns zum Aufstieg verhilft. Und wir können sehen, wie wir daran wachsen.

Treppenstufen
Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen – Friedrich Nietzsche

Egal wie schlimm eine Erfahrung, Handlung oder auch das Weltgeschehen zu sein scheint, die Welt wird sich trotzdem weiterdrehen, es wird ein Morgen geben und die Sonne wird am nächsten Tag wieder scheinen.

Wenn wir erkennen, dass auch die schwierigsten Dinge im Leben und auf der Welt gesc