Die Ekstase der Stille

Stille, Leere, Nirvana, Atman – wir haben viele Begriffe und noch viel mehr Techniken, um nach dem zu greifen, was nicht greifbar ist.

Warum nun fällt es uns so schwer dieses Unbeschreibbare zu erfahren, wenn es so allgegenwärtig ist, dass wir eigentlich gar nichts anderes erfahren können? Wenn alle Formen und Farben nur Schatten dieser einen Stille sind, warum suchen wir dann noch nach ihr?

Ein Beitrag von Sönke Schmidt

Wir tanzen um Dinge, um Handlungen, um Ideen und Worte – um das zu erreichen, was davon unberührt bleibt.

Versuchen wir uns die Stille vorzustellen sehen wir, dass sie sich mit einer Vorstellung von etwas überlagert. Anstatt Stille zu hören, hören wir auf einmal alles, was nicht still ist. Anstatt Leere zu sehen, sehen wir auf einmal alles, was da ist.

Unsere Sinne begegnen der Welt und in der Berührung miteinander schaffen sie eine Erfahrung. Ohne unser Zutun streicht ein Lufthauch unsere Haut und eine zärtliche Kühle bringt unsere Sinne zum Erklingen. Ihr Gesang donnert lautlos durch unsere Nerven und im knisternden Neuronenfeuer beginnt unser ganzes Sein mit einem wohligen Schauer zu erbeben.

Unsere Sinne vereinnahmen uns – lenken ab von der Stille, der Unendlichkeit, der Wahrheit

Schließen wir die Augen, dann schauen wir in die Schwärze, die wir fortan mit dem Nichts verbinden. Und versuchen wir, unsere Eindrücke festzuhalten, rinnt uns die Erfahrung wie Sand durch die Finger.

In der Stille liegt die Wonne?

Lassen wir das Begreifen los, lassen wir ab von dem Versuch den Sinnen eine Idee, eine Erinnerung überzustülpen – dann hören wir all das, was ohne unseren Aufwand bleibt:

Da sind die Angst, die Unsicherheit, die Scham, die Schuld, die Wut, all die Erfahrungen die wir geschaffen haben, um erfahren zu können, wie es sich anfühlt getrennt zu sein. Das sind all die Gefühle, die wir nicht akzeptieren wollen (oder uns vormachen, wir würden sie akzeptieren, weil wir versuchen, sie so schneller loszuwerden).

Dies sind häufig die Erfahrungen, die der Stille ihren schlechten Ruf geben. Durch sie wundern wir uns, wann denn nun die Wonne kommen mag, die in dieser Stille zu finden sei.

Wir bezeichnen sie als negative Gefühle, da sie einen Mangel zum Ausdruck bringen. Dieser Mangel erzeugt einen Sog, der durch Positivität, durch einen Überschuss, gefüllt werden möchte – um wieder in die Stille, in die Einheit zurückzukehren. So wie eine Welle, deren Kamm ihr Tal durch den Ozean jagt, endlos auf der Suche danach, sich selbst durch sich selbst zu erfüllen.

Der stille Punkt: im Auge des Sturms

Und so erleben auch wir diese Suche nach uns selbst, die Suche nach Erfüllung, nach Einheit: indem wir unsere Freude und unsere Liebe in die Welt ergießen, unsere Einsamkeit und unseren Hunger in die Welt rufen, um durch sie gestillt zu werden.

Das Gedankenmeer kommt selten zur Ruhe

Wie eine Welle jagen wir durch den Ozean des Seins, bis unser Sehnen an fremden Ufern zerschellt. Wir versuchen die Leere in uns zu füllen, aber solange wir es über den Umweg unserer Sinne tun, ist es als wollten wir einen See durch unsere Hände zum Schweigen bringen – Alles was wir herbeiführen würden wäre noch mehr Bewegung, noch mehr Lärm.

Und dennoch kommt witzigerweise irgendwann der Moment, in dem wir in den Spiegel schauen und wieder zum ersten Mal verstehen, dass wir uns selbst erblicken. Der Moment im Tanz mit uns selbst, in welchem die ganze Welt am Wirbeln ist, in dem wir auf wundersame Weise den Punkt der Stille wahrnehmen.

Jenen Punkt um den sich alles dreht und der selbst regungslos verharrt. Dieser unendlich kleine Punkt, den wir endlos durch die Wellen der Stille jagen können und der gleichzeitig alles umfasst, alles beinhaltet, was schon da ist.

Fast schon magisch: Im Auge eines Wirbelsturms herrscht praktisch Stille

In dem Augenblick, in dem all unsere Techniken, all unsere Kontemplation und Meditation, all unser Sein, all unsere Gedanken uns in den Himmel erheben und wir sie alle loslassen, können wir für einen winzigen Moment im freien Fall die Schwerelosigkeit erfahren. Wie Licht, das zeitlos durch den Raum gleitet.

Der Gesang der himmlischen Wale, der durch einen Ozean aus Stille erklingt – für die Engel, die sich verlieren in der Kontemplation dieser endlosen Herrlichkeit.

Die Ekstase, in der Gott sich in der Stille selbst erfährt

Wenn ein Schaudern die Wirbelsäule hinauffährt und goldene Lichter durch die Nerven flackern. Wenn göttliche Gnade sich anmutig über den ganzen Körper ergießt und jede Pore, jede einzelne Zelle mit Glückseligkeit umschließt.

Wenn ein Beben in der Tiefe die Angst aus dem Körper schwemmt und sich die Kraft des Lebens selbst durch das Zentrum schlängelt. Wenn sie herausbricht aus zitternden Lippen, die es gerade noch schaffen einen Laut hinauszupressen, bevor auch sie in ehrwürdiger Stille verklingen.

Ein donnerndes Tosen, das leuchtend verklingt wie die Sonne im Abendrot…

Und das was bleibt ist, was immer ist…

Denn was ich wirklich bin, das findet sich in der Stille zwischen meinen Worten.

Was ich erzähle ist ein Tanz von Träumen in den Tiefen des Seins

um im Geiste zu verklingen, wie der Geschmack von

Erdbeeren, deren Hauch auf den Lippen verfliegt wie der Kuss eines perlenden Weins.

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