Trataka Meditation – Reinigung und Kontemplation in einem

Trataka (“schauen”) ist eine Übung aus dem Hatha Yoga, bei der durch das beständige und stille Starren auf einen Punkt oder ein Objekt die Augen gereinigt werden. Auch im Ayurveda findet Trataka wegen seiner reinigenden Wirkung Anwendung.

Aufgrund der Art und Weise, wie Trataka praktiziert wird, ist es jedoch auch eine wunderbare Konzentrations- und Meditationsübung. Durch das konzentrierte Starren kann sich der Geist sehr gut sammeln und zur Ruhe finden.

Das ist, was Trataka so besonders macht. Zum einen ist es eine Reinigungsübung für den wahrscheinlich dominantesten der fünf Sinne: das Sehen. Das führt dazu, dass sich sowohl unsere Sicht mit unseren physischen Augen als auch die Sicht mit unserem geistigen Auge verbessert.

Zum anderen ist es eine Konzentrationsübung, da wir ein bestimmtes Objekt oder einen Punkt haben, auf den wir unsere ganze Aufmerksamkeit richten können. Und: es ist eine relativ einfache und alltagstaugliche Übung, da wir sie mit offenen Augen auf ein konkretes Objekt gerichtet praktizieren können. Keine besonderen Fähigkeiten sind notwendig, um Trataka zu praktizieren.

Swami Sivananada über Trataka

In seinem Buch „Kundalini Yoga“ beschreibt Swami Sivananda die sechs Reinigungsübungen (shatkriya) aus dem Hatha Yoga, die für die Erweckung der Kundalini-Energie hilfreich sein sollen. In diesem Rahmen geht er auch ausführlich auf Trataka ein, die eine dieser Übungen ist. Ein paar seiner Aussagen sind:

  • „Trataka ist zwar eine der sechs Reinigungsübungen, ist aber vor allem dafür da, die Konzentration und Zielgerichtetheit der Gedanken zu entwickeln.“
  • Es ist sehr nützlich für Schüler des Hatha Yoga, Jnana Yoga, Bhakti Yoga und Raja Yoga. Schüler anderer Yogawege sollten diese Übung nicht verwerfen, nur weil sie aus dem Hatha Yoga kommt. Sie kann für jeden extrem hilfreich sein.
  • Ramana Maharshi, der große Jnani des letzten Jahrhunderts, soll ebenfalls lange Zeit Trataka praktiziert haben, indem er zu fernen Bergen oder in den Himmel geschaut hat.
  • Trataka wird normalerweise im Sitzen praktiziert, kann aber auch im Stehen oder sogar beim Gehen praktiziert werden. „Keine besondere Asana ist erforderlich für dieses Sadhana.“
  • Trataka verbessert das Sehvermögen und kann Augenprobleme beheben.
  • Durch die beständige Praxis von Trataka können die unterschiedlichsten Erscheinungen, Visionen, Fähigkeiten usw. auftreten, sogenannte Siddhis.
  • Trataka stärkt die Willenskraft, zerstört geistige Zerstreutheit (vikshepa), beruhigt den Geist und bereitet ihn auf Dhyana (Meditation) und Samadhi (Erleuchtung) vor.

Wie du siehst, hat Swami Sivananda in sehr hohen Tönen von Trataka gesprochen. Wichtig war für ihn vor allem, dass seine Schüler verstehen, dass es nicht nur eine körperliche Reinigungsübung aus dem Hatha Yoga ist, sondern viele weitere spirituelle Nutzen hat.

Verwerft diese Übung nicht, nur weil sie aus dem Hatha Yoga kommt. Auch wenn ihr Schüler aus dem Jnana Yoga oder Bhakti Yoga seid, könnt ihr diese Übung praktizieren.

Swami Sivananda
Swami Sivananda

Äußeres und inneres Trataka

Trataka kann auf verschiedene Weisen praktiziert werden, mit den unterschiedlichsten Meditationsobjekten und Herangehensweisen. Grundsätzlich unterschieden werden kann zwischem äußerem Trataka (Bahir Trataka) und innerem Trataka (Antar Trataka).

Bei äußerem Trataka starren wir auf ein, wie der Name es schon sagt, äußeres Objekt. Dabei besteht die Herausforderung dabei, einen starren Blick zu bewahren und nicht zu blinzeln. Diese Form von Trataka erfordert etwas Übung, bringt aber viele Vorteile mit sich.

Bei innerem Trataka wenden wir unsere Sicht auf ein von uns visualisiertes Objekt. Hier sind die Anwendungsmöglichkeiten sehr vielfältig. Unter anderem können wir durch inneres Trataka einzelne Chakren stärken und uns mit abstraken und persönlichen Vorstellungen von Gott verbinden. Für diejenigen, die Probleme damit haben, ihre Augen für längere Zeit offenzuhalten, ist inneres Trataka eine gute Alternative.

Auch kann inneres und äußeres Trataka miteinander verbunden werden, was in Trataka Meditationen oft der Fall ist. Dabei wird für einige Zeit auf ein ausgewähltes äußeres Objekt gestarrt, beispielsweise eine Kerze, und sobald die Augen anfangen zu tränen oder nicht mehr offen gehalten werden können, werden sie geschlossenen und das Objekt wird so, wie es mit offenen Augen zu sehen war, vor dem geistigen Auge visualisiert.

Wenn das Bild vor dem geistigen Auge anfängt zu verblassen, oder eine gewisse Zeit vergangen ist, werden die Augen wieder geöffnet und der Ablauf beginnt von neuem. Auf diese Art und Weise kann man Trataka auch für längere Zeit problemlos praktizieren.

Trataka Meditation – Schritt für Schritt Anleitung

1.

Wähle einen Gegenstand, mit dem du Trataka praktizieren möchtest. Mögliche Meditationsobjekte zum Draufstarren sind: Kerzenflamme, OM-Zeichen, Murti, Bild eines Meisters/Meisterin oder Gott/Göttin, Yantra, Horizont, Himmel, Spiegelbild, schwarzer Punkt auf einem weißen Blatt Papier, Stern im Nachthimmel, (Voll-)Mond, besondere Plätze in der Natur, …

Du kannst bei der Wahl des Gegenstandes kreativ sein und auch einen Gegenstand nehmen, der einen besonderen persönlichen Wert für dich hat. Für gewöhnlich wird mit einer Kerzenflamme praktiziert, aber die Möglichkeiten sind sehr vielfältig.

2.

Platziere diesen Gegenstand in einem solchen Abstand vor dich, dass er gut erkennbar ist, aber nicht dein komplettes Sichtfeld einnimmt. Für das Praktizieren mit einer Kerze ist eine Armlänge gut geeignet. Platziere den Gegenstand auf