22 Löse dich von der Identifikation mit deinen Gedanken

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Du bist nicht deine Gedanken. Wenn es dir gelingt, dich von deinen Gedanken zu lösen, kannst du gelassener leben. Sukadev gibt dir in dieser 22. Folge des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcasts einige Tipps, wie du dich von deinen Gedanken lösen kannst: (1) Bildgedanken: Du kannst den inneren Bildern zuschauen. Du kannst dir vorstellen, dass deine Augenlider wie die Leinwand eines Kinos sind. Du kannst amüsiert-fasziniert den inneren Bildern zuschauen. Dann kannst du dir vorstellen, dass du den Projektor abstellst. Dann hast du ein paar Momente Ruhe. Ebenso kannst du deinen Wortgedanken lauschen, deinem inneren Dialog. Du kannst den Wortgedanken zuhören. Du kannst dir vorstellen, deine Ohren sind wie die Lautsprecher eines Radios. So kannst du gelassener, etwas unbeteiligter zuhören. Dann stelle das Radio ab – erfahre Stille. Worte, Bilder und Gefühle gehen normalerweise zusammen. Indem du dich von einem dieser drei löst, löst du dich von der Identifikation der Gedanken. Wenn du einmal erfahren hast, dass du nicht die Gedanken bist, bleibt dir das als Erinnerung. Selbst wenn du im Alltag ganz in deinen Gedanken und Gefühlen bist – du weißt, du kannst dich davon lösen.

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Jetzt möchte ich dir ein paar Anregungen geben zum Umgang mit deinen Gedanken vom Standpunkt des Jnana Yogas aus, des Yogas der Erkenntnis. Die Grundlage des Jnana Yogas der Erkenntnis ist, wie du vermutlich inzwischen weißt, frage „wer bin ich“, erkenne dein Selbst und sei frei. Löse dich von Verhaftungen, löse dich insbesondere von Identifikationen. Löse dich auch von Gedanken. Du bist nicht die Gedanken. Du bist Bewusstsein. Du kannst z.B. jetzt einen Moment lang ruhig sein, einen Moment lang schauen, was passiert, wenn du in die Ruhe gehst. In dem Moment, wo du versuchst, in die Ruhe zu gehen, merkst du, da sind alle möglichen Gedanken. Gedanken kommen, Gedanken gehen. Gedanken, Bilder, Worte, Gefühle, all das kommt. Es kommt und es geht. Du kannst nicht verhindern, dass Gedanken kommen, du kannst nicht verhindern, dass Gedanken auch wieder gehen. Du hast einen gewissen Einfluss auf die Gedanken. Vielleicht kannst du doch verhindern, dass Gedanken bleiben. Es heißt, du kannst nicht beeinflussen, ob die Vögel der Gedanken vorbeizwitschern und vorbeifliegen, aber du kannst verhindern, dass die Vögel ein Nest bauen und sich niederlassen. In diesem Sinne kannst du schauen, welche Gedanken hast du, und du kannst dir bewusstmachen, du bist nicht die Gedanken. So schnell kommen alle möglichen Gedanken in deinen Kopf und es gibt keine Notwendigkeit, den Gedanken zu folgen.

Es ist gut, dass du Gedanken hast, es ist gut, dass Gedanken kreativ sind, es ist gut, dass Gedanken dir alle möglichen Vorschläge machen. Aber du bist nicht die Gedanken und du musst den Gedanken nicht folgen, du brauchst noch nicht mal die Gedanken wirklich zu beherrschen. Du kannst sie beobachten. Wenn du also mal merkst, da kommt irgendein Gedanke zu dir, dann kannst du überlegen, ist der Gedanke hilfreich, ist er störend, du kannst dann feststellen, „ja, das ist jetzt kein Gedanke, dem ich folgen will“, wirst dann den Gedanken aber wahrscheinlich trotzdem nicht gleich loswerden. Du brauchst ihn auch nicht loszuwerden, du kannst einfach beobachten: „Aha, da ist der Gedanke. Der Gedanke hat die und die Inhalte, ich spüre ihn da und da, aber ich bin nicht der Gedanke.“ Es gibt sogar bestimmte Möglichkeiten, wie du dich von Gedanken lösen kannst. Du kannst dir z.B. vorstellen, dass deine Augenlider wie die Leinwand eines Kinofilms sind. Und du schaust auf diese Leinwand und dann bist du neugierig, welche Bilder dort kommen. Und so bist du Zuschauer der Bildgedanken. Genauso kannst du dann auch schauen, ob du die Bildgedanken mal vorübergehend abschaltest. Du könntest dir vorstellen, dass du deinen Projektor, deinen innerlichen Projektor, abschaltest. Ein paar Momente ist dann Ruhe. Danach kommen wieder neue Bildgedanken. Das ist ganz amüsant. Das ist ein schönes Spiel, das du ab und zu mal ausprobieren kannst. Die Bildgedanken beobachten, als ob sie auf die Leinwand deiner Augenlider projiziert werden, und dann ab und zu mal abschalten.

Genauso kannst du umgehen mit deinen Wortgedanken. Du kannst dir vorstellen, deine Ohren sind wie die Lautsprecher eines Radios. Und du kannst dir vorstellen, dein innerer Dialog, deine inneren Wortgedanken, sind wie Radiosendungen. Du hörst eine Weile zu, vielleicht ein bisschen fasziniert, amüsiert, hörst du den Wortgedanken zu, die in deinem inneren Geist ablaufen. Du hörst ihnen zu und dann kannst du mal schauen, ob du das Radio abschaltest. Normalerweise geht das. Ein paar Sekunden, vielleicht sogar länger, sind die Wortgedanken weg. Das ist wie ein defektes Radio, die Wortgedanken fangen wieder von selbst an. Du kannst das ein paar Mal ausprobieren und wirst dann feststellen: „Ja, es stimmt. Ich bin nicht meine Gedanken.“

Gedanken sind meistens Zusammensetzungen aus Worten, aus Bildern und aus Gefühlen. Indem du eine dieser drei Komponenten herauslöst und dich davon löst, kannst du dich insgesamt von der Identifikation der Gedanken lösen. Angenommen, du bist mehr Gefühlsmensch, dann ist es besonders effektiv, du löst dich von den Gefühlen, wie ich es im letzten Abschnitt beschrieben habe , indem du die Gefühle lokalisierst, indem du sie beobachtest. Die Gefühle von oben, von unten, von links, von rechts, von hinten und vorne. So merkst du: „Ich bin nicht die Gefühle, ich bin der Beobachter.“ Bist du jemand, der gerne bildlich denkt, gut, dann schaue dir die Bilder an und schalte sie ab und zu mal ab. So weißt du: „Ich bin auch nicht die Bilder.“ Bist du jemand, der mehr in Worten denkt, der ständig innere Worte spricht und dem die Worte, die eigenen, besonders wichtig sind, gut, dann stelle dir vor, die Worte sind wie eine Radiosendung. Höre diesen Worten zu und stelle sie ab. Und selbst wenn du sie nicht abstellen kannst, so wie eine Radiosendung dir alles Mögliche erzählt und du musst damit nichts anstellen, so ähnlich mag auch dein Geist dir alles Mögliche erzählen und du musst nichts damit anstellen. Gedanken mögen kommen. Es heißt nicht, dass du das tun musst, was deine Gedanken dir so sagen. Du kannst lernen, gelassener mit deinen Gedanken umzugehen, indem du dich nicht damit identifizierst.

Bis zum nächsten Mal werde dir öfters bewusst, was für Gedanken du hast, werde dir öfters bewusst, wie die Gedanken ablaufen, und schaue den Bildgedanken zu, höre den Wortgedanken zu, spüre die Gefühlsgedanken, und ab und zu löse dich davon oder stelle sie ab. Das ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Gelassenheit. Wenn du eben erkennst, du bist nicht wirklich die Gedanken, fällt es dir leichter, dich von den Gedanken zu lösen und vielleicht sogar die Gedanken zu ersetzen und vorübergehend zum Stillstand zu bringen. Im Raja Yoga sagt man ja: Yogas chitta vritti nirodah. Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist. Indem du deinen Geist zur Ruhe bringst, ruhst du in deinem wahren Wesen. Tada drastuh svarupe vasthanam. Wenn du deine Gedanken zur Ruhe gebracht hast, dann ruhst du in deinem wahren Wesen. Und dein wahres Wesen ist Bewusstsein. Dein wahres Wesen ist unbegrenztes Sein. In deinem wahren Wesen ist Liebe, in deinem wahren Wesen ist Freude. Und so ist ein guter Schritt, Gedanken und Gefühle zu beobachten, dich nicht zu identifizieren. Dann fällt es leichter, diese zur Ruhe zu bringen, dann fällt es leichter, zu dir selbst zu kommen. Es wird dir nicht gelingen, jederzeit die Gedanken zu beherrschen. Es ist auch nicht notwendig. Es ist noch nicht mal notwendig, dass du jederzeit die Gedanken beobachtest. Schon allein, dass du das ab und zu mal machst, gibt dir eine gute Grundlage für Gelassenheit. Wenn du ein paar Mal deine Gedanken beobachtet hast, kannst du das als Erinnerung behalten und du weißt auch künftig, du bist nicht deine Gedanken, du bist nicht deinen Gedanken ausgeliefert und du kannst deine Gedanken auch bis zu einem gewissen Grad ändern. Denke darüber nach, praktiziere einiges und probiere es aus.

Eine weitere Möglichkeit ist die Meditation, denn gerade in der Meditation lernst du ja, deine Gedanken zu beobachten, du lernst es, dich von deinen Gedanken zu lösen, du lernst es, bewusst Gedanken des Friedens und der Positivität zu erzeugen, und du lernst auch, jenseits der Gedanken zu gehen, um das zu erfahren, was du wirklich bist.

7 Kommentare zu “22 Löse dich von der Identifikation mit deinen Gedanken

  1. Om,

    bitte hole dir Hilfe, hole Dir Hilfe bei einer Psychologin.
    Die Schuldgefühle kommen in Verbindung mit den Ängsten, das ist dann ganz normal. M