Spirituell oder religiös? Yoga Vidya auf dem Weg zur anerkannten Religionsgemeinschaft

Sind wir nun spirituell oder religiös? Und wo liegt der Unterschied? Es ist schwierig, dieses Thema abzuhandeln, ohne sich zu verheddern. Da Worte in verschiedenen Kontexten verschiedene Bedeutungen haben, sich die Konnotationen verändern und es oft keine 1:1-Übersetzung für Deutsch-Sanskrit gibt, scheint es fast aussichtslos, hier klar und wahrhaftig zu bleiben. Zudem muss hier für eine Rechts-‘Form’ etwas in eine Form gepackt werden, das von Swami Sivananda bewusst formlos geschöpft wurde.

Mit Sukadevs Unterstützung wage ich mich nun daran, dem Formlosen eine Gestalt zu geben, die – so das Ziel – keine Seite verrät und Verständnis birgt. Und ich hoffe auf eure Unterstützung, eine komplexe Frage hier im Blog so zu beantworten, dass jeder eine Antwort bekommt, mit der es sich sein lässt. Schreibt uns eure Änderungsvorschläge; Verständnishilfen gerne in die Kommentare. Wir sind im Prozess – auf dem Weg. Egal, ob spirituell oder religiös.

Ein Beitrag von Sukadev und hu

Spirituell oder religiös?

Dem einen rollen sich die Zehennägel auf beim Wort ‘Spirituell’, die andere schüttelt es wenn sie ‘Religion’ hört. Ein Jurist definiert diese Worte anders als ein Philosoph; der Philosoph Rousseau definiert anders als der Philosoph Wittgenstein.

Hierzulande religiös …

Yoga Vidya wurde 1995 gegründet. Das war das Jahr, in dem das Bundesverfassungsgericht den Kruzifixbeschluss erließ. Ein für die damalige Zeit massives Signal, dass die beiden christlichen Hauptkirchen kein Monopol auf Religion haben. Dass ein Kruzifix kein überreligiöses Symbol ist, das für Nächstenliebe und Barmherzigkeit steht. In diesem Jahr wurde auch zum ersten Mal in Deutschland ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, in dem die Versetzungspolitik der römisch katholischen Kirche bei Missbrauchsvorwürfen untersucht wurde.

Eine Zeit also, indem sich der Umgang mit den Volkskirchen drastisch wandelte, der Begriff Religion jedoch nach wie vor christlich konnotiert war. Bei uns gab es die Wahl zwischen Religionsunterricht – dies bedeutete evangelischen oder katholischen Religionsunterricht – oder Ethik-Unterricht. Nur um den Wandel deutlich zu machen: 1970 waren über 90 % der deutschen Bevölkerung einer der beiden Volkskirchen zugehörig, heute sind es unter 50%.

Im Mittelalter wurde der Begriff „Religion“ ausschließlich im christlichen Kontext verwendet. Als religiös galten insbesondere das Mönchsleben und bestimmte christliche Praktiken. Alle anderen Glaubensformen wurden als „Heiden“ abgetan. Erst im 18. und 19. Jahrhundert weitete sich der Begriff auf andere Religionen wie das Judentum und den Islam aus.

Aufgrund der stark christlichen Konnotation haben viele dieser Religionen den Begriff lange abgelehnt, ihn jedoch im Laufe der Zeit schrittweise übernommen. Unser Bild, unser Verständnis und unsere Vorstellung von Religion haben sich in den letzten 50 Jahren drastisch verändert. Und so verändert sich auch unsere Beziehung zum Wort „Religion“.

In Indien …

gibt es keine direkten Entsprechungen zu den Begriffen „Religion“ und „Religionsgemeinschaft“, wie sie im westlichen Kontext verstanden werden. Begriffe wie „Dharma“ (Pflicht, Lebensordnung) und „Sampradaya“ (Tradition, Lehrlinie) kommen dem am nächsten.

Hinduismus

Auch der Ausdruck Hinduismus steht nirgendwo in den indischen Schriften: Hindu ist der persische Ausdruck für „Inder“. Hinduismus bedeutet „Indertum“. Erst im 19. Jahrhundert wurde „Hinduismus“ zur Bezeichnung einer Religion, erst zum Sammelname aller in Indien entstandenen Religionen (Buddhismus, Jainismus, Sikhismus, Sanatana Dharma), später zur Bezeichnung von allen indischen religiösen Glaubensrichtungen, die nicht eindeutig eigenständig definiert werden konnten (wie Buddhismus, Jainismus, Sikhismus).

Gleichzeitig wurde der Begriff Hinduismus durch die englische Kolonialmacht und von christlichen Missionaren negativ konnotiert – was sich bis heute weiter in der Gesellschaft gehalten hat. Trotz der unterschiedlichen terminologischen Ansätze ist der Hinduismus als Weltreligion anerkannt und viele hinduistische Gruppierungen werden als Religionsgemeinschaften betrachtet, sowohl aus religionswissenschaftlicher als auch aus juristischer Sicht. Unabhängig, ob das gewünscht oder gefordert wurde. 

Spirituell?

Spiritualität (von lateinisch spiritus ,Geist, Hauch‘ bzw. spiro ,ich atme‘ – wie altgriechisch ψύχω bzw. ψυχή, siehe Psyche) ist die Suche, die Hinwendung, die unmittelbare Anschauung oder das subjektive Erleben einer sinnlich nicht fassbaren und rational nicht erklärbaren transzendenten Wirklichkeit, die der materiellen Welt zugrunde liegt. Spirituelle Einsichten können mit Sinn- und Wertfragen des Daseins, mit der Erfahrung der Ganzheit der Welt in ihrer Verbundenheit mit der eigenen Existenz, mit der „letzten Wahrheit“ und absoluter, höchster Wirklichkeit sowie mit der Integration des Heiligen, Unerklärlichen oder ethisch Wertvollen ins eigene Leben verbunden sein…

https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritualität

Die Unterschiede zwischen einer spirituellen Gemeinschaft und einer religiösen Gemeinschaft liegen oft in der Terminologie und in der Art und Weise, wie sie sich selbst definieren. Spirituelle Gemeinschaften verwenden häufig Begriffe wie Spiritualität, Bewusstsein, inneres Wachstum und persönliche Transformation, während religiöse Gemeinschaften oft traditionelle religiöse Bezeichnungen wie Religion, Religionsgemeinschaft und Glaubensbekenntnis verwenden.

Yoga Vidya hatte sich damals bewusst dagegen entschieden, sich als religiöse Gemeinschaft zu bezeichnen. Ähnlich wie bei Sivananda Yoga Vedanta oder Divine Life Society, Ramakrishna Mission u.v.m. wurden in der Alltagskommunikation die Begriffe Religion, Religionsgemeinschaft, Hinduismus, aber auch Priester, Nonne etc. eher vermieden – da diese Begriffe eurozentristisch, kolonialistisch und christlich vorgeprägt sind und/oder in den indischen Heiligen Schriften nicht existieren.

Stattdessen hat die Gemeinschaft Begriffe aus ihrer eigenen Tradition wie Darshana, Marga und Dharma verwendet, um ihre Weltanschauung und ihre spirituelle Praxis zu beschreiben.

Was ist eine Religionsgemeinschaft

– vom Standpunkt der Religionswissenschaft?

Genau das haben wir Chatgpt gefragt und haben gleich noch unsere Praxis so dagegengestellt.

So hat Chat GPT geantwortet:

Aus der Perspektive der Religionswissenschaft ist eine Religionsgemeinschaft eine organisierte Gruppe von Menschen, die durch gemeinsame religiöse Überzeugungen, Praktiken und Rituale verbunden sind. Diese Gemeinschaften können sehr unterschiedlich in Größe, Struktur, Glaubensinhalten und Praktiken sein. Hier sind einige Schlüsselmerkmale und Konzepte, die in der Religionswissenschaft zur Beschreibung und Analyse von Religionsgemeinschaften verwendet werden:

Merkmale Religionsgemeinschaft
(laut Chat gpt)
Merkmale Yoga Vidya
Glaubenssystem: Religionsgemeinschaften teilen oft ein gemeinsames Glaubenssystem, das zentrale Dogmen, Mythen und theologische Konzepte umfasst. Diese Glaubenssysteme geben Antworten auf grundlegende Fragen nach dem Sinn des Lebens, der Natur des Göttlichen und der menschlichen Existenz.Yoga Vidya folgt den sieben Grundprinzipien des Yoga Vedanta (Brahman, Maya, Duhkha, Moksha, Abhyasa, Karma, Kripa).
Es gibt zentrale heilige Schriften wie die Upanishaden, Mahabharata, Ramayana und Puranas.
Der Glaube umfasst Vorstellungen über das Göttliche (Nirguna Brahman, Saguna Brahman, Ishvara) und das Ziel des Lebens (Moksha).
Rituale und Praktiken: Gemeinsame Rituale und religiöse Praktiken sind zentrale Elemente, die die Gemeinschaft zusammenhalten. Diese können Gebete, Gottesdienste, Sakramente, Feste, Pilgerfahrten und andere Formen der religiösen Ausübung umfassen.Regelmäßige Gottesdienste (Satsang) und Rituale wie Puja und Homa.
Feier von Festen wie Shivaratri, Guru Purnima und Diwali.
Pilgerfahrten zu den Yoga Vidya Ashrams und speziellen Orten in Indien.
Lebensabschnittsrituale wie Kindersegen, Hochzeiten und Todesrituale.
Institutionelle Struktur: Viele Religionsgemeinschaften haben eine institutionelle Struktur mit festgelegten Rollen und Hierarchien, wie Priester, Mönche, Imame, Rabbiner oder andere religiöse Führer. Diese Strukturen helfen, die religiösen Aktivitäten zu organisieren und zu leiten.Spirituelle Leitung durch ein spirituelles Leitungsgremium.
Priester (Purohitas), Einweihende (Dikshakas), spirituelle Lehrer (Acharyas) und Mönche/Nonnen (Swamis, Brahmacharis).
Organisation als gemeinnütziger Verein mit klaren Entscheidungsstrukturen und -prozessen.
Ethik und Moral: Religionsgemeinschaften vermitteln oft ein bestimmtes ethisches und moralisches System, das das Verhalten ihrer Mitglieder leitet. Diese Normen und Werte beeinflussen das tägliche Leben und die Entscheidungen der Gläubigen.Einhaltung der Yamas und Niyamas aus dem Yoga Sutra von Patanjali.
Streben nach Dharma und Sattwa gemäß der Bhagavad Gita.
Einhaltung der fünf K (kein Fleisch, Fisch, Alkohol, Tabak, bewusstseinsverändernde Drogen).

Gemeinschaft und Identität: Die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft schafft ein starkes Gefühl von Gemeinschaft und kollektiver Identität. Die Mitglieder teilen eine gemeinsame Geschichte, Traditionen und ein Zugehörigkeitsgefühl, das durch ihre religiöse Praxis und ihren Glauben gestärkt wird.Gemeinsame Identität als „Yoga Vidyaner“ und Zugehörigkeit zur Tradition von Swami Sivananda.
Gemeinsame Grußformen („Om“, „Hari Om“) und spezielle Kleidung beim Unterrichten und beim Satsang.

vom Standpunkt der Jurisprudenz?

Die freie Ausübung der Religion, die Gleichheit der Religionen sowie die Autonomie der Religionsgemeinschaften sind im Grundgesetz verankert (§ 4 und 140 GG). Der Begriff Religionsgemeinschaft wurde vom Bundesverwaltungsgericht sowie vom Bundesverfassungsgericht immer wieder definiert. Hier eine Zusammenfassung:

Folgende Kriterien müssen erfüllt seinauf Yoga Vidya angewandt
„Unter Religionsgemeinschaft ist ein Verband zu verstehen, der die Angehörigen ein und desselben Glaubensbekenntnisses oder mehrerer verwandter Glaubensbekenntnisse zur allseitigen Erfüllung der durch das gemeinsame Bekenntnis gestellten Aufgaben zusammenfasst.“ (z.B. BVerwG 6 C 2.04)Angehörige desselben Glaubensbekenntnisses: 7 spirituelle Prinzipien (Brahman, Maya, Duhkha, Moksha, Abhyasa, Karma, Kripa), 6 Yoga Wege etc. – siehe oben
Allseitige Erfüllung der durch das Bekenntnis gestellten Aufgaben: Das Leben der Yoga Vidyaner ist der Erreichung des spirituellen Ziels sowie des spirituell begründeten Dienstes an der Menschheit und der Verbreitung von Yoga Vedanta gewidmet
Minimum an OrganisationGemeinnütziger Verein (1992-1995 informell; 1995 eingetragener Verein) mit eindeutiger Entscheidungsfindung etc. Genauere Regelungen finden sich in
o   Satzung
o   Sevaka Ordnung
o   Smriti
o   Purohita Handbuch
o   Andere Veröffentlichungen
Minimum an Relevanz (Anzahl von Angehörigen)Juristisch reichen schon ein paar Angehörige aus; spätestens 1995 war dieses Minimum an Relevanz erfüllt
Religiöse Radizierung (Das Religiöse ist das Bestimmende)Das Leben in den Yoga Vidya Ashrams und Zentren ist auf Spiritualität, auf Gott, auf Dienst an Gott und dem Nächsten, auf Swami Sivananda ausgerichtet. All das heißt „Religiöse Radizierung“.
Religiöses Portfolioo   Satsang=Gottesdienst (im Ashram zwei Mal täglich, in den Stadtzentren einmal pro Tag oder einmal pro Woche): Die Struktur des Satsangs, einschl. Anrufungsmantra, Kirtan, Lesung aus Heiliger Schrift oder Werken von Swami Sivananda, Om Tryambakam (~Fürbitten), Allumfassendes Gebet (~Vaterunser), Arati mit Prasad (~Heiliges Abendmahl bzw. Kommunion), Abschlussegen ist sogar sehr ähnlich dem christlichen Gottesdienst
o   Puja/Homa/Heilige Rezitationen: Andere Rituale aus der hinduistischen Tradition – in den Ashrams mehrmals am Tag
o   Pilgerfahrten: Für Yoga Vidyaner, die nicht im Ashram wohnen, ist der Besuch der Ashrams wie eine Pilgerfahrt. Die Gruppenreise in den Sivananda Ashram Rishikesh wird als „Pilgerreise“ verstanden.
o   Feste: Wir feiern die Heiligen Feiertage Shivaratri, Guru Purnima, Sivananda Mahasamadhi, Krishna Jayanti, Ganesha Chaturthi, Navaratri, Vijaya Dashami, Diwali – und z.T. auch Rama Navami, Hanuman Jayanti, Akshaya Tritiya, Shankaracharya Jayanti etc.
o   Sakramente/Kasualien/Lebensabschnittsrituale („Samskaras“): Wir haben Rituale für Kindersegen, Einschulungssegen, Hochzeit, Tod
o   Segen: Ausbildungen beginnen oft, enden immer mit einem rituellen Abschlusssegen
o   Einweihungen: Aufnahme als Sevaka, Abschluss der Sevaka Ausbildung und Aufnahme als langfristiges Sevaka Mitglied, Mantraweihe, Namensweihe, sind alles Formen von Einweihungen.
o   Weitere Praktiken wie Meditation, Asana, Pranayama, Japa, Svadhyaya etc.
Personales SubstratNur natürliche Personen, nicht juristische Personen können Teil einer Religionsgesellschaft sein. Yoga Vidya hat Mitglieder.
Fähigkeit zur Generierung verbindlicher religiöser Inhalteo   Spiritueller Leiter bzw. Spirituelles Leitungsgremium entscheidet in spirituellen (bzw. religiösen) Fragen. 1992-2023 war das der spirituelle Leiter allein (Sukadev), seit August 2023 das Spirituelle Leitungsgremium
o   Purohitas: Ashrampriester
o   Dikshakas: Einweihende für Mantraweihe und Namensweihe
o   Acharyas: Spirituelle Lehrer
o   Swamis: Mönche, Nonnen
o   Brahmacharis: Bereiten sich darauf vor, Mönche/Nonnen zu werden
o   Sevakas in den Ashram/Zentren
o   Sevakas in Ausbildung
o   Gemeinnütziger Verein mit gemeinsamer Entscheidungsfindung
o   Sevaka Gemeinschaft mit gemeinsamer Entscheidungsfinden
o   Verschriftlichung in Satzung, Smriti, weitere Veröffentlichungen wie Bücher, Internetseiten

Die Konklusion?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Yoga Vidya sowohl aus religionswissenschaftlicher als auch aus juristischer Sicht als Religionsgemeinschaft betrachtet werden kann. Die Gemeinschaft erfüllt die Kriterien einer Religionsgemeinschaft, sowohl in Bezug auf ihr Glaubenssystem, ihre Rituale und Praktiken, ihre institutionelle Struktur, ihre ethischen und moralischen Vorstellungen als auch in Bezug auf die Gemeinschaft und Identität ihrer Mitglieder. Yoga Vidya war schon immer eine Religionsgemeinschaft und hat sich selbst als spirituelle Gemeinschaft bezeichnet.

Insgesamt ermöglicht die Betrachtung von Yoga Vidya als religiöse Gemeinschaft eine tiefere Wertschätzung und ein besseres Verständnis für den spirituellen und religiösen Kontext, in dem die Gemeinschaft gegründet und entwickelt wurde. Es zeigt auch, dass Yoga Vidya sowohl historischen als auch aktuellen religiösen und rechtlichen Kriterien einer Religionsgemeinschaft entspricht und somit als spirituelle Gemeinschaft im religiösen und juristischen Rahmen verstanden werden kann.

Yoga Vidya Gemeinschaft: spirituell oder religiös?

Yoga Vidya war also de facto schon immer, spätestens seit der Gründung des Yoga Vidya e. V. 1995, eine Religionsgemeinschaft im Sinne der Religionswissenschaft und des Religionsverfassungsrechts. Yoga Vidya hat den Begriff ‚Religion‘ aber immer vermieden, weil er ein stark vorgeprägter Begriff ist, der nur zu Mißinterpretationen, Anfeindungen und ähnlich Unliebsamem führt.

Ihr seht schon, das ist ein Spagat, den nur ein Yogi hinbekommt. In alle Richtungen verrenken, ohne jemandem auf die Füße zu treten! Wie sich die Verhältnisse im Lauf der Jahre verändert haben, so haben sich auch die Probleme geändert. Die widersprüchlichen Gerichtsurteile der Vergangenheit sowie behördlichen Entscheidungen haben uns in unserer Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt und benachteiligt. 

Deshalb soll uns die Anerkennung als Körperschaft öffentlichen Rechts nun Rechtsklarheit geben. Denn auch Yoga Vidya selbst ist gereift und gewachsen. Und deshalb ist es nun Zeit für Yoga Vidya, eine neue Haltung, eine neue Asana einzunehmen, um auch mit diesen neuen, anderen Herausforderungen selbstbewusst im Gleichgewicht zu bleiben und die Balance zu halten. 

Yoga Vidya = sprituell und religiös

Dieser Haltungswechsel ist schwierig nachzuvollziehen. Denn die ganze Definition macht nicht nur mich schwummrig im Kopf. Als wäre ich lange in der Umkehrstellung gewesen, wechsle nun die Pose und das Blut strömt wieder in meine Glieder. Auch für mich ist Religion ein christlich behafteter Begriff. Und im Gegensatz zu monotheistischen Religionen beansprucht Yoga Vidya eben keine Alleingültigkeit, keinen Absolutismus. Es ist nicht wichtig, ob oder wie du getauft bist. Es ist wichtig, dass du anstrebst, Gott zu verwirklichen, alle Masken abzulegen. Dich reinigst von allem, das dich davon abhält. In wessen Namen du das tust, ist einerlei, wenn das die Maxime ist:

Serve, Love, Give, Purify, Meditate, Realize.” Swami Sivananda

Und wer sich zumindest während des Aufenthalts auf unserem Gelände an unsere Regeln – allen voran das Grundgesetz und Ahimsa – hält, ist herzlich willkommen, mit uns zu praktizieren! Unabhängig von Konfession oder Gottesbild. Spirituell oder religiös! Spirituell und religiös! Denn die beiden Begriffe schließen sich nicht gegenseitig aus.

Und das ist auch Yoga Vidya: spirituell und religiös.

Es darf nur einen geben – Oder was bedeutet das für Christen? Oder per se für Monotheisten

Die 10 Gebote des Christentums sind eindeutig, gleich das erste Gebot lautet: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“ Auch im Islam ist die erste der 5 Säulen des Islam Shahada, das Glaubensbekenntnis, das frei übersetzt lautet: „Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter“.

Heißt das nun, diese müssen Yoga und Yoga Vidya fürchten wie der Teufel das Weihwasser? Das hat Sri Swami Chidananda so erklärt:

Im Yoga, wie es in dem Yoga-Darsana von Patanjali, einem  der sechs Systeme des Yoga, niedergelegt wurde, gibt es nämlich kein spezielles Dogma und kein spezieller Gott wird für eure Verehrung ausgedeutet. Yoga sagt nicht, dass ihr Rama oder Siva verehren müsst, oder über Krishna meditieren müsst, oder Kali, Durga oder Hanuman verehren müsst;  Yoga sagt nichts über all diese Dinge. Yoga sagt nicht, dass ihr einen bestimmten Namen Gottes wiederholen müsst. Yoga sagt nur, dass die Wiederholung eines der göttlichen Namen einer der Wege ist, um den Geist zu konzentrieren.

Es sagt: Wiederholung des göttlichen Namens. Ihr könnt den göttlichen Namen wiederholen, ihr könnt das Jesus-Gebet sprechen, ihr könnt Allah sagen, ihr könnt Rama sagen, ihr könnt den Namen von Siva sagen, oder ihr könnt einen anderen Namen sagen, wenn ihr einer anderen Religion angehört. Der Yoga spezifiziert diesen Namen nicht und auch nicht, wen man verehren soll.

Das all-vollkommene göttliche Wesen, welches immer frei, immer vollkommen, frei von allen Unvollkommenheiten und immer frei und jenseits der Maya ist, der höchste Purusha, das heißt das höchste Wesen, der allmächtige Vater im Himmel, Allah, Jehovah, ihr könnt es bei jedem Namen nennen, es macht nichts, dieses immer freie Wesen, das nicht durch Maya gebunden und frei von jeder Art von Beschwerden ist, das von der Eigenschaft vollkommener Glückseligkeit ist, vollkommenen Bewusstseins; das ist das Objekt der Meditation, das erreicht werden soll, das ist das Ziel vom Yoga.

Deshalb gibt er euch kein anderes Ziel, als das Ziel des Yoga; er gibt euch kein anderes Ziel, als das Ziel eurer Religion. Er verweist nicht auf einen Gott, der von dem Gott verschieden ist, auf den eure Religion verweist – Christentum, Islam, usw. – und er gibt diesem Gott keinen bestimmten Namen, so dass ihr euren Gott wechseln müsst. Er gibt diesem einen Gott keinen bestimmten Namen. 


Aus dem Boden des Hinduismus entsteigend, geht er über die Religion hinaus. Der Yoga ist eine religiöse Wissenschaft, was bedeutet, dass er über die Religion hinausgeht und so einen universellen Charakter annimmt. 

Sri Swami Chidananda, Guidelines to Illumination

Die Religion von Wahrheit und Liebe

Abschließen möchte ich mit einem Absatz von Swami Sivananda über Religion:

Der Koran, das Zendawvesta oder die Bibel sind genauso heilige Bücher wie die Bhagavad Gita. Alle enthalten die Essenz göttlicher Weisheit. Ahuramazda, Isvara, Allah oder Jehovah sind verschiedene Namen für den einzigen Gott.

Die letzte Quelle der Religion ist Gott. Die fundamentalen Prinzipien, die ihr Wesen ausmachen, wurden den Rishis oder Sehern am Beginn der Schöpfung von Gott offenbart. Sie finden sich in den Veden, die als die ältesten religiösen Bücher oder Schriften in der Menschheitsbibliothek anerkannt werden.

Die Grundlagen und das Wesentliche in allen Religionen sind gleich. Sie sind so alt wie das Menschengeschlecht. Eine wirkliche Erfindung oder Entdeckung auf dem Gebiet der Religion gab es nie, und wird es nie geben. Kein Religionsgründer hat je eine neue Religion erfunden oder eine neue Wahrheit enthüllt. Die Gründer sind in Wahrheit alle nur Vermittler, nicht aber tatsächliche Erschaffer.

Wahre Religion ist eins. Sie ist die Religion von Wahrheit und Liebe. Sie ist die Religion des Herzens. Sie ist die Religion des Dienens, des Opfers und der Entsagung. Sie ist die Religion von Güte, Liebenswürdigkeit und Toleranz.

Die Wahrheit ist weder hinduistisch noch mohammedanisch, weder buddhistisch noch christlich ! Die Wahrheit ist eine einzige homogene und ewige Substanz. Der Anhänger der Religion der Wahrheit geht auf dem Pfad des Lichts, des Friedens, der Weisheit, der Kraft und der Wonne.

Sri Swami Sivananda, Göttliche Erkenntnis

🧡 Jay Sri Swami Sivananda! Jay Yoga Vidya! 🧡


Dir steht der Sinn nach spiritueller Erfahrung? Stöbere doch mal in unserem Retreatangebot. Da ist bestimmt das Richtige dabei!

18 Kommentare zu “Spirituell oder religiös? Yoga Vidya auf dem Weg zur anerkannten Religionsgemeinschaft

  1. Luzifer

    Ihr wollt tatsächlich eine Religionsgemeinschaft gründen (vermutlich aus Geld-Gründen)?
    Und ihr seid so vollkommen sicher, daß MARA euch dann nicht auf seinen Zettel hat?
    Ich wäre da sehr vorsichtig. Geld + Religionsgemeinschaft… daß bleibt nicht unbemerkt von den Wesen.

    • Danke für deine Sorge. Aber per definitionem sind wir schon von Anfang an eine Religionsgemeinschaft. Jetzt geht es um die staatliche Anerkennung. Damit geht es vor allem um Rechtssicherheit. Um nicht jahraus, jahrein mit immer wiederkehrenden Vorwürfen konfrontiert zu werden, über die dann mal so und mal so geurteilt und berichtet wird. Denn das raubt so viel Energie. … Das steht aber auch alles im Artikel:). 

  2. Sowohl den Artikel als auch die Kommentare habe ich sehr interessiert gelesen.

    Ich bin 1957 geboren, katholisch getauft, besuchte den katholischen Religionsunterricht, musste freitags zur Beichte mit einem vorgefertigtem Beichtspiegel und sonntags zum Gottesdienst. Der Kommunionsunterricht wurde von einem Pfarrer geleitet , der in der Gemeine durch sein autoritäres Auftreten gefürchtet war.
    Die katholische Erziehung, die ich erfahren habe, verursachte Angst, Schuldgefühlen und Scham und hat mein Leben mit geprägt.

    Die vielen kriminellen Machenschaften vieler katholischer und evangelischer „Würden“-Träger, die in der Vergangenheit ans Licht kamen, haben mich immer erschüttert. Viel mehr noch hat mich der Umgang mit diesen Straftaten und deren sogenannte „Aufarbeitung“ durch die „Obrigkeiten“ sprachlos gemacht und angeekelt.

    Sicher ist es nicht verwunderlich, dass ich bei dem Wort „Religionsgemeinschaft“ auf höre und wachsam werde.

    Nun lese ich, das Yoga Vidya die Anerkennung als Religionsgemeinschaft anstrebt. Ich war zunächst sehr erschrocken darüber.

    Dann aber erinnerte ich mich an meinen ersten Aufenthalt bei Yoga Vidya im Westerwald. Ich war offen für das, was ich erleben durfte. Vieles war mir sehr fremd: der Satsang, die Mantren, die Meditation, das wunderbare Essen…. Tag für Tag ging es mir besser. Ich war verwundert, irritiert und beeindruckt davon, wie schnell sich diese Veränderung einstellte.

    Die Gründe für das Vorhaben von Yoga Vidya (Rechtsklarheit, keine Benachteiligung…) lassen sich gut verstehen und nachvollziehen. Wenn die rechtlichen Bedingungen einer Religionsgemeinschaft für Yoga Vidya nützlich sind, dann soll mich dieses Wort nicht schrecken.

    Ich bin froh, dass es Yoga Vidya gibt, mit all den Möglichkeiten für persönliche, geistige, körperliche und spirituelle Weiterentwicklung und ich bin froh, dass ich Yoga Vidya kennengelernt habe, bevor es zu einer Religionsgemeinschaft wird. Denn ein Aufenthalt dort wäre allein des Wortes wegen für mich nicht in Frage gekommen. Aber auch das zeigt mir, dass es sich lohnt eigene Vorurteile zu reflektieren und sich Offenheit zu bewahren. Man könnte sich um wichtige Lebenserfahrungen bringen.
    Herzliche Grüße
    Om Shanti
    Eva

    • Liebe Eva, ich danke dir sehr, für deine warmen, verständigen und reflektierten Worte und deine Wertschätzung. Dein Kommentar bringt den Triggergehalt des Wortes Religion wunderbar zum Ausdruck und hat mir ein Tränchen ins Auge ‘getriggert’. Danke, dass du uns daran erinnerst, unsere Vorurteile zu hinterfragen und daran, welchen Schatz wir bergen können, wenn wir uns darauf einlassen! Jay!

  3. Die Mutter von Jesus hat mal gesagt (als Sie mit seinen Geschwistern auftauchte): “Er (Jesus) ist von Sinnen.”(verrückt). Der Templergroßmeister (Archiconvent der Templer) hat mir mal gesagt, daß es früher Sitte in Mesopotamien gewesen ist, einen Bock durch das Dorf zu jagen, symbolisch wurde es dann mit den Sünden der Menschen beworfen (daher “Sündenbock”) und entweder aufgefressen oder in die Wüste zum sterben gejagt. Da ist dann Jesus eingestiegen… Die Idee des “Opfergott” ist schon etwas seltsam, Gott gibt sich als Opfer und läßt sich von den Menschen auffressen… ist das nicht wahnsinnig?
    Ich glaube, daß jesus am Kreuz die himmlischen Herrscharen erwartete… doch da kam niemand. “Gott, warum hast du mich verlassen.” Und so sattwig mit Jesu Fleisch essen ist es auch nicht… oder?
    Und dieser Jahwe… ist es denn kein XXXX? Und wie XXXX ist das Kruzifix. Gott ist also grausam, oder? Hört doch einfach mal auf xx xxxxn! (ach wie schade… dieser beitrag wird wohl nicht angenommen… schade…

    • Lieber Abdul, das frühe Christentum hatte die Emphasis auf der Auferstehung Jesus Chritus. Der Fokus auf den Opfertod und das Kreuz als Symbol des Christentums kam mit Konstantin dem Großen. Ich habe ein paar Worte, nennen wir es: ‘privatisiert’. Bitte lass uns respektvoll mit dem Gottbild unserer Mitmenschen umgehen. Denn Glaube ist partikulär und universell in einem. Dein Weg zu Gott, zum Höheren Selbst, zur Quelle, zur Wahrheit gleicht nicht meinem Weg zu Gott. Jeder findet seinen eigenen Weg, durch Berge und Täler, mit Umwegen und Abkürzungen.

      “Die Wahrheit ist weder hinduistisch noch mohammedanisch, weder buddhistisch noch christlich! Die Wahrheit ist eine einzige homogene und ewige Substanz. Der Anhänger der Religion der Wahrheit geht auf dem Pfad des Lichts, des Friedens, der Weisheit, der Kraft und der Wonne.” Swami Sivananda
      Om Shanti!

  4. Ich besuche schon seit mehreren Jahren die verschiedenen Ashrams von Yoga Vidya, weil Vorort qualitativ hochwertige Fortbildungen für Yogalehrer:innen angeboten werden, und das zu einem bezahlbaren Preis. Die Karma Arbeit die (meistens während der Pausenzeit) geleistet werden sollte, habe ich immer gerne gemacht, sie verbindet und erdet.
    Was mich allerdings immer wieder befremdet hat, waren und sind, die vielen indischen Götter die überall als Statur oder Bild abgebildet sind und die Satsang Sessions, die 2 x täglich abgehalten werden (Pflichtteil bei einer Aus- oder Weiterbildung), wo fast ausschließlich Sanskrit Mantren rezitiert werden (ich kann sie gut mitsingen).
    Persönlich finde ich es sehr schade dass Yoga Vidya diesen Weg, wie ober beschrieben, geht und als Religionsgemeinschaft anerkannt werden will. Es schließt aus meiner Sicht, viele begeisterte und engagierte Yoga Lehrer:innen indirekt oder direkt aus, weil sie etwas “leben” müssen, was sie nicht “sind” oder “sein wollen”, was in deren Realität so keinen Platz findet.
    Wir erleben ganz aktuell, weltweit, eine Spaltung in unserer Gesellschaft, in kleinere Gruppierungen mit ganz eigenen Gesinnungen und (Wissens)Überzeugungen.

    Yoga Vidya steht doch für “Wissen”, und das sollte sich nicht reduzieren auf eine Religion, eine Überzeugung und einzelne Prinzipien. Wir brauchen Vielfalt, Meinungsfreiheit und die Bereitschaft uns miteinander aus zu tauschen und zu verbinden, ganz unabhängig von Religionen. Nur so können wir im Einklang mit der Natur (wir sind letztendlich Teil dieser Natur) wieder zurück finden zu dem was wir wirklich sind und zu dem was wirklich ist.

    • Lieber Rick, wenn wir weiterwirken wollen wie bisher und Yogawissen auf eine niederschwellige Art (günstige Seminare, kostenlose Online-Angebote) verbreiten wollen, müssen wir diesen Weg gehen. Denn wir „arbeiten” zu wenig wirtschaftlich – und das soll auch nicht unsere Ausrichtung sein. Darüber haben wir in der Gemeinschaft abgestimmt. Das war das Schwierige an diesem Artikel und deshalb ist er auch so lang geworden: Wir reden von juristischen Definitionen, von Übersetzungen, die nicht funktionieren wegen unterschiedlicher Weltbilder und von persönlichen Triggerpunkten. Von unserer Seite wird niemand ausgeschlossen, denn das ist ein wichtiger Teil unserer Tradition. Wir haben ein Schamanisches Winterfest und Jesus hängt mit über dem Altar. Dass das Wort „Religion“ christlich geprägt ist, hat nichts mit der Art zu tun, wie wir Religion leben: nämlich inklusiv. Was uns eint? Swami Sivanda, der niemandem einen Gott aufzwingt, und das konfessionslose Motto:
      “Serve, Love, Give, Purify, Meditate, Realize.” Swami Sivananda
      Wir danken dir für deine Praxis und freuen uns, wenn du deinen spirituellen Weg weiter mit unserer Unterstützung gehen möchtest. Wenn du dich dagegen entscheidest, danken wir dir für deine Praxis, wünschen wir dir alles Gute und von Herzen Om Tryambakam auf deinem Weg. (Natürlich bleibst du uns jederzeit herzlich willkommen😉) Om Shanti!

  5. In der ersten Zeit bei Yoga Vidya fand ich die vielen “Götter” sehr befremdlich, eben weil ich ja gelernt hatte, dass man “keine anderen Götter haben soll, nur einen”. Dann wurde mir klar, dass diese scheinbar vielen Götter Aspekte des einen großen Gottes, des allumfassenden Bewusstseins sind. Wenn ich über mich selbst reflektiere und dabei solche Aspekte entdecke, die ich stärken möchte, dann kann ich mich an die entsprechende Instanz, die dem Aspekt zugeordnet ist, wenden, quasi als “Person” und bin dann in meiner Entwicklung viel viel konkreter und trotzdem oder deswegen habe und bin ich ein Gott und ein Bewusstsein. Hari om tat sat.

    • Liebe Nicole,

      wie schön, dass du da so eine Veränderung und Entwicklung bei dir beobachten durftest. Du hast mir mit deinen Worten aus der Seele gesprochen und ich denke, vielen anderen geht es auch so. Vielen lieben Dank dafür!

      Zum größten Teil ist unser Glaube (ganz unabhängig von jeder Religion) das, was wir daraus machen. 🛐💫

      tat tvam asi
      aham brahmāsmi

      Liebe Grüße
      von einem “anderen” Teil des Einen 🦄
      Mohini

  6. Danke für die ausführliche Beschreibung der unterschiedlichen Aspekte

    • Sehr gerne, liebe Yamuna! Danke für dein Interesse, deine Zeit und deine Wertschätzung. 💕

  7. Ich dachte Yoga Vidya wäre für alle da, auch für Atheisten und die die sich in keiner Zuordnung, auch den von Yoga Vidya angelehnten hinduistischen Denkweisen nicht wohl fühlen. Ich bin dem Verein Yoga Vidya beigetreten, um diesem Verein durch schwierige Zeiten zu helfen und die wertvolle Arbeit zu unterstützen, aber nicht um einer neuen Religion beizutreten „Gott bewahre“ ( um es mal religiös auszudrücken.) Ich war lange in der evangelischen Kirche ( habe dort über 10 Jahre hauptberuflich gearbeitet) und wünsche mir weniger Einteilungen, Zuordnungen etc. um diese verschleierten Begriffe, sondern einfach nur Freiheit und Stille in Bezug auf Religion. Ich muss nur Geschichtsbücher aufschlagen, um zu sehen was alle, wirklich alle Religionen für schreckliche Taten im Namen dieser Religionen durchgeführt haben und immer noch tun!

    • Om Namo Narayanaya
      Liebe Coco,

      danke, dass du deine Gedanken dazu mit uns geteilt und Yoga Vidya unterstützt hast. 💕 Ich kann deine Sichtweise verstehen – in einem Teil des Artikels wurde ja sogar thematisiert, dass vor allem die Vorprägung oder Konnotation des Wortes Religion bzw. Religionsgemeinschaft immer der Grund war, dieses “Etikett” zu vermeiden.

      Was ich persönlich ganz entscheidend finde:
      “Yoga Vidya war also de facto schon immer, spätestens seit der Gründung des Yoga Vidya e. V. 1995, eine Religionsgemeinschaft im Sinne der Religionswissenschaft und des Religionsverfassungsrechts.”
      Eigentlich hat sich also nicht wirklich etwas geändert an der Essenz von Yoga Vidya. Das heißt auch, dass Yoga Vidya nach wie vor für alle da ist. Wodurch entstand bei dir der Eindruck, dass es nicht (mehr) offen für alle ist? Oder dass die schrecklichen Taten, die im Namen von Religionen, vor allem in der Vergangenheit, durchgeführt wurden, auf alle gegenwärtigen sowie zukünftigen Religionen/ Religionsgemeinschaften übertragbar sind? Die Tatsache, dass Glaube und Religionen mit solche starken Triggern zusammenhängen, zeigt, dass es für uns alle von tiefgreifender Bedeutung ist, unser Antrieb, unsere Wahrheit. Jeder Mensch sieht das anders, lebt das anders aus, ist eben auf seinem Weg. Es wird noch viele schreckliche Taten auf der Welt geben, doch dabei dürfen wir uns auch daran erinnern, wie viel Gutes schon passiert ist und passieren wird, wovon nicht berichtet oder gesprochen wird.

      Du, ich und alle anderen bekommen niemals mehr, als wir tragen können. Alles, so auch jede Krise ist ein Fahrzeug für unsere Transformation, für das wir dankbar sein dürfen. Oft weiß man erst im Nachhinein, inwiefern etwas einem höheren Zweck dient und das ist auch gut so, denn dadurch können wir Vertrauen lernen und Stück für Stück negative Glaubenssätze in gute umwandeln. ✨

      Letztendlich wird immer alles ausgeglichen,
      ist alles jenseits von Gut & Böse.

      🎭🎠🎮🎡

      ekaṃ sat viprā bahudhā vadanti
      – Die Wahrheit ist eine, die Weisen sprechen davon auf vielfältige Weise

      Om Shanti
      Liebe Grüße
      Mohini 🔱

  8. Dieser Artikel ist ein großartiges Werk. Dieser Aufsatz ermutigt. Dieser Aufsatz nimmt Angst. Dieser Aufsatz ist juristisch von Substanz und erheblich.

    • Herzlichen Dank für dein Lob. Es ist tut so gut zu lesen, dass die Mühe Früchte trägt!

  9. Stefan Heller

    Ja ich kann dem Artikel und Zitaten nur zustimmen 🙂

    Ich würde mich durchaus als yogischer Christ bezeichnen. Mein Glaubensbekenntnis umfasst etwa auch das Thomasevangelium.
    „Jesus spricht: ‚Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet. Und wenn er findet, wird er bestürzt sein. Und wenn er bestürzt ist, wird er erstaunt sein. Und er wird König sein über das All.“

    Noch klarer kann man die Erleuchtung/Gottverwirklichung nicht ausdrücken.

    “Ich und der Vater sind eins” wäre für mich “Aham Brahmasmi” – offensichtlicher geht es an sich nicht. Klar lehrte Jesus im Kern die universelle Wahrheit in Harmonie mit den Veden. Da gibt es für mich persönlich nicht den geringsten Zweifel.

    Und ob ich jetzt Brahman Allah, Buddha, Jahwe oder Christusbewusstsein nenne, spielt ja letztlich keine Rolle. Ein Gott, aber viele Masken, wie es glaube auch dir Gita sagt. Ein Gott und die Menschen versuchten ihm viele Etiketten anzuheften. Jetzt herrscht babylonische Verwirrung und die Menschen vergaßen über die Dogmen den geheimen Schlüssel, mittels dessen man sämtliche Religionen ineinander übersetzen kann.

    Für mich sind alle Religionen eins. Es sind für mich viel mehr poetische Gleichnisse und Sinnbilder. Die Kreuzigungsgeschichte kann auch symbolisch aufgefasst werden, wie es etwa Herman Hesse in der Einleitung zu Demian tut:

    “Jeder Mensch aber ist nicht nur er selber, er ist auch der einmalige, ganz besondere, in jedem Fall wichtige und merkwürdige Punkt, wo die Erscheinungen der Welt sich kreuzen, nur einmal so und nie wieder. Darum ist jedes Menschen Geschichte wichtig, ewig, göttlich, darum ist jeder Mensch, solange er irgend lebt und den Willen der Natur erfüllt, wunderbar und jeder Aufmerksamkeit würdig. In jedem ist der Geist Gestalt geworden, in jedem leidet die Kreatur, in jedem wird ein Erlöser gekreuzigt.“

    Was dann wieder ganz Yoga wäre 🙂

    Die Kreuzigung einfach als Ego-Tod, dein Wille geschehe, nicht mein Wille. Das Kreuz womöglich als Symbol für Samsara/Karma.

    Ich konvertierte so gesehen nicht vom Christentum zum Yoga oder Vedanta, ich sehe viel mehr die christliche Lehre heute einfach ganz anders. Für mich sind einfach sämtliche Grenzen zwischen den Konfessionen als Illusion verschwunden. Wie es ja in den Zitaten von Sivananda auch klar wird.

    Und trotzdem gehe ich natürlich lieber in einen Yogaashram, da es mir persönlich in der Kirche viel zu dogmatisch ist und ich mich da nicht wirklich wohl fühle so.

    • Lieber Stefan, herzlichen Dank für deine Perspektive und die fein ergänzenden und weiter erhellenden Zitate!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.