Workshop: Heilsame Klänge – Oberton- und Untertongesang

Auf dem 11. Yoga Vidya Musikfestival gab es mehrere Workshops, die es sich zum Ziel gemacht hatten, die Musikalität der Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu wecken und zu schulen. Darunter auch viele Veranstaltungen, die sich insbesondere dem persönlichsten aller Instrumente widmeten: der Stimme. Dieser Beitrag gibt dir einen kleinen Einblick in den Workshop „Heilsame Klänge: Ober- und Unterton-Gesangs-Workshop“. Geleitet wurde der Workshop von den beiden Musiktherapeuten Sonja Leppers und Olaf Scholz.

Der Workshop stieß auf breites Interesse bei vielen Besuchern des Musikfestivals, was der gut besuchten Veranstaltung von vornherein eine kraftvolle Schwingung verlieh. Nach einer kurzen Vorstellung der beiden Seminarleiter und einer theoretischen Einführung über Ober- und Untertöne, brachen wir zügig in praktischere Gefilde auf: Zuerst lockerten wir unseren Körper durch Hüpfen und Ausschütteln. Danach folgte spielerisches Experimentieren beim Singen der eigenen Vornamen (also z.B. Paula, Tizian oder Emma) – dadurch bekamen die Teilnehmer schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das subtile Klangspektrum, das in allen schlummerte und darauf wartete, erhört zu werden.

YV-Musikfestival2015-Oberton-Singen-Workshop-116Durch Variation der Kiefer-, Mund-, Lippen und Zungenstellung während des Singens von Vokalen [also A-E-I-O-U] wurden bereits erste Obertöne im gemeinschaftlichen Gesang hörbar. Besonders in den gesungenen Übergängen von einem Vokal zum anderen kommt es zum erwünschten Erschallen der Obertöne. Wenn man also vom E zum O singt, und der gesunge Klang weder konkret ein E noch ein O ist, sondern irgendwo dazwischen liegt – gerade dort sind Obertöne besonders gut hörbar.

Schnell wurde klar: Man braucht keine klassische Gesangsstimme, um gute Obertöne hervorzurufen. Eine leicht ’näselnde‘ Eigenart der Stimme kann sogar hilfreich dabei sein. Wenn du dir nicht vorstellen kannst, was Ober- und Untertöne sind, so findest du am Ende dieses Beitrags ein Video, das den Ober- und Unterton-Gesang gut zum Ausdruck bringt.

Die ‚Betonung‘ des Workshops lag auf dem Ausprobieren und Spielen mit der eigenen Stimme. So wie viele von uns das vielleicht noch aus Kindertagen kennen, wo man in der Badewanne oder in der Dusche seiner Stimme hemmungslos freien Lauf lässt. Und auch das Üben von Ober- und Untertongesang im Auto soll gelegentlich vorkommen – das zumindest haben wir uns sagen lassen. 🙂 Jedenfalls gelang es vielen der Teilnehmenden mit intuitivem Elan und durch die hilfreichen Tipps der beiden leitenden Musiktherapeuten, Obertöne zu ‚produzieren‘. Wir sangen ein indianisches Lied (Nisa Nisa, Ayuweyo), lernten klangliche Unterschiede zu erfahren durch das Rollen, Spannen, Kräuseln und Ziehen der Zunge, durch das Spitzen, Öffnen und Spannen der Lippen sowie durch Bewegen des Kiefers.

All diese Übungen machten deutlich, wie komplex und reichhaltig die Möglichkeiten sind, mit denen der Mund bzw. der Mundraum zum mächtigen Tor für die Klänge aus unserem Innersten hinein ins Äußere wird.

Insgesamt war dieser zweiteilige Workshop sehr wertvoll für die Selbstwahrnehmung der eigenen Stimme bzw. für die Entdeckung der individuellen gesanglichen Fähigkeiten. Auch wenn das Ober- und Untertonsingen bislang im Yoga selbst keine konkrete Bedeutung erfahren hat, so kann man durch die Erfahrungen und die heilsamen Schwingungen dieser Musikform dennoch wichtige Aspekte für den eigenen Mantra-Gesang und das Kirtan-Singen mitnehmen. So wie wir durch die vielen verschiedenen Asanas unseren Körper immer wider aufs Neue fordern, fördern und uns so im Körperlichen er-fahren, so fügt auch das Üben mit unterschiedlichen Stimm- und Gesangs-Techniken dazu, dass unsere gesamte Wahrnehmung reichhaltiger, aufmerksamer, umfassender wird.

Letztlich, und das war Konsens der meisten Gesangsworkshops auf dem 11. Yoga Vidya Musikfestival, geht es darum, mit sich selbst im Reinen zu sein und guten Gewissens nach Herzenslust zu tönen. Also schau, dass es dir beim Singen gut geht. Lass deine negativen Erwartungen und Urteile über deine eigene Stimme los. Öffne dein Herz, lass deine inneren Schwingungen eine harmonische Verbindung mit dem Äußeren aufnehmen, sodass ‚du‘, ‚die Welt‘ und der ‚Augenblick‘ dabei miteinander verschmelzen. Diese Einheit ist unsere Natur, die wir erfahren dürfen.

Om Shanti.

 

Weitere Infos zu den Seminarleitern Sonja Leppers und Olaf Scholz:

 

Tuvan Throat Singing:

 

 

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