Erfahrungsbericht Yogatherapie

Am Anfang dachte ich, Yogatherapie heißt Physiotherapie. Zugegeben ganz falsch ist das nicht, aber von richtig ist es auch sehr weit entfernt. Nachdem das Thema hier im Ashram so präsent ist, hat die Neugierde gewonnen und ich habe mir einen Termin an der Yogatherapie-Rezeption abgeholt. Sneak Peak: Das war eine wirklich gute Idee!

Heute möchte ich euch mitnehmen hinein in eine Therapiesitzung und euch zeigen, was hinter der Nicht-Physiotherapie-Physiotherapie steckt.

Um überhaupt in den Raum rein zu dürfen, musste ich mir einen Termin bei der Rezeption holen. Diese hat jeden Tag von 13:00-14:00 Uhr geöffnet. Zum Glück findet man sie im Haus Shanti hinter den Fahrstühlen recht schnell und die Tür war auch schon auf. Das Büro an sich macht einen guten ersten Eindruck. Es gibt ein paar Pflanzen und Bilder, also wie ein ganz normales Büro. Besonders gut gefallen hat mir der höhenverstellbare Schreibtisch. Wenn sie schon von Gesundheit reden, ist es nur logisch, dass sie sich auch um die Gesundheit der Mitarbeiter kümmern. Okay faktisch gesehen sind es keine Mitarbeiter, sondern Sevakas. Also Menschen die hier im Haus in der spirituellen Gemeinschaft dauerhaft leben.

Zum Termin selbst bin ich 10 Minuten früher dort gewesen, nur für den Fall der Fälle. Das war auch ganz gut, so konnte ich mich noch einmal kurz hinsetzen und mich mental vom Seva (Karma Yoga eines Sevakas im Ashram) lösen. Vor der Yogatherapie stehen Sessel, sodass man nicht stehen und warten muss. Ganz ähnlich wie in anderen Praxen gibt es Flyer zum Durchblättern und an der Wand hängt ein Bild von den Yogatherapeuten, sowie eine Erklärung wie man Yogatherapeut werden kann. Die habe ich gründlich studiert auch um den Anschein zu erwecken nicht nur rum zu stehen, wie das beim Warten schnell mal passiert.

Zum Glück wurde ich bald erlöst und eine Frau mit etwas lockigen Haaren um die 40 kam heraus. Sie nahm mich freundlich in Empfang und hat mich in den Raum rein gebeten. So weit so gut, wie jeder andere Termin auch. Sie stellte sich kurz vor und fragte mich nach dem Beleg der Bezahlung. Den habe ich vorher in der Boutique unterzeichnen lassen. Dort zahlt man alle Anwendungen im Haus in Bad Meinberg. Der Zettel bekommt dann einen Stempel und man bringt ihn zum Termin selbst wieder mit.

Es geht los

Wir setzten uns also an einen kleinen Tisch mit zwei Stühlen. Es steht ein Glas Wasser für mich bereit. Der Raum ist schön hell, ausgestattet mit einer Liege und mehreren Pflanzen, sowie einem Schrank mit allen möglichen Kissen, Decken, Yogablöcken und –Gurten. Ein kleines Skelett und mehrere Muskel-Modelle lassen die klassische Physiotherapie durchscheinen. Die Götterstatuen und Yantras machen den Yoga-Aspekt deutlicher. Wir beginnen die Stunde wie immer mit drei Mal „Om“. Die Yogatherapeutin stellt sich selbst kurz vor und bittet mich nun zu erzählen, warum ich hier bin. Das mit der Neugierde erzähle ich ihr natürlich nicht.

Mit den Rückenproblemen kann die Yogatherapie gut arbeiten.

Mir war vorher gar nicht bewusst, dass es die physische Yogatherapie und die psychologische Yogatherapie gibt. Ist aber auch gar nicht so schlimm, denn wie sich rausstellt hängen die beiden oft miteinander zusammen. Als ich ihr von meinen Rückenschmerzen erzählt habe, fragte sie mich woher ich denke, dass die kommen könnten und wann sie zuerst entstanden sind. Nach einigen weiteren Fragen zur Art des Schmerzes geht es auf die Matte auf dem Boden. Statt mich zu strecken und zu recken, wie ich es vom Physiotherapeuten gewohnt bin, finde ich mich wenige Sekunden später auf dem Boden mit zwei Tennisbällen in der Hand wieder. „Akupressur“ steht an.

Eigeninitiative

Die Yogatherapeutin erklärt mir ganz genau, wo ich die Bälle hinlegen soll und wie ich mich damit selber massiere. Wir begeben uns auf die Suche nach besonders schmerzhaften Punkten. Das war wirklich nicht schwer. Ich glaube nach dieser ersten Sitzung sehe ich Tennisbälle mit ganz neuen Augen. Was für schmerzhafte kleine Monster! Zum Glück lässt der Schmerz nach, sobald sich der Muskel entspannt. Die Yogatherapeutin hat mir dabei sehr geholfen. Immer wieder fragt sie mich, was ich jetzt spüre. Dann wiederholt sie das, was ich sage, und fügt etwas hinzu wie „und eventuell möchtest du spüren was passiert, wenn du diesem Gefühl/Schmerz jetzt den Raum gibst und erlaubst da zu sein“.

Schmerz da sein zu lassen ist gar nicht so einfach, aber er wandelt sich dann. Gut, das ist wohl ein großes Thema für den nächsten Blogbeitrag. Nachdem wir die Emotionen aus den Punkten rausgelassen haben, zeigt sie mir einige Übungen wie den Schultergruß oder das Bein-Ausschwingen. Die machen sogar richtig Spaß und wir lachen viel über fehlendes Gleichgewicht und lustige Verrenkungen. Nach einer Mischung aus Muskel- und Dehnübungen fühle ich mich etwas schief. Ich merke förmlich, wie sich meine Muskeln etwas anders sortieren.

Auf einmal kommt die Anweisung: Und jetzt machst du Yoga ganz nach deinem eigenen Gefühl“. Wie? Welche Übung denn? Genau das, wonach mir jetzt grade ist. Nach einer kurzen Sekunde der Verwirrung fange ich einfach mal an mich zu strecken und zu bewegen wie es mir grade in den Sinn kommt. Das tat unglaublich gut. Einige Wirbel haben geknackt, einige Muskeln entspannt und ich fühlte mich richtig wohlig in meinem Körper. Das mache ich ab jetzt öfter. Die Yogatherapeutin hat mir erklärt, dass wir oft schon intuitiv wissen, welche Bewegungen wir grade brauchen, es fällt nur oft schwer diese mitzubekommen.

In der Yogatherapie macht man nicht nur Übungen, sondern spricht über Ursachen und Wirkungen

Nach dieser gratis Schulung zum Thema Intuition setzten wir uns noch kurz an den Tisch, reden über „Hausaufgaben“, also Übungen die ich täglich machen kann und „Om“en zum Abschluss. Die Sitzung ist vorbei und ich habe Glück, die Rezeption ist besetzt, ich kann mir direkt den nächsten Termin holen. Das war wirklich schön. Es fühlte sich so gut an wie Physiotherapie, war so intensiv wie Psychotherapie und so ganzheitlich wie Yoga. Eventuell liest Du nächstes Jahr dann den Erfahrungsbericht zur Yogatherapeuten-Ausbildung.

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