Yoga und Astrologie

von Joerg Arjuna Wingen

Astrologie und Yoga weisen einige Gemeinsamkeiten auf. Beide sind uralte Wissenschaften, aus den Zeiten der Hochkulturen der Erleuchtung.

Yoga des Webens

Leben ist Gerinnung: Zwischen der Feinheit der Seele(n), der Weltenseele, und ihrer physischen, irdischen Ausprägung herrscht ein stetes Kommen und Gehen.



Betrachten wir beispielsweise die Chakras (Vitalzentren, Energieräder, Fusionspunkte im Energiekörper) erkennen wir

7. Das Gestaltlose, Ewige (Sahashara, die tausendblättrige Krone)

6. Raum (Ajna, die Kontrollinstanz, das Prisma), der den

5. Klang (Vishuddhi, das Reine/Reinigende) füllt. Dieser (potenzielle) Klang oder Äther gerinnt zu

4. Luft und allem Gasförmigen (Anahata, Mitte / der Klang, der keinen Anschlag braucht). Gas wird zu

3. Feuer und allem Brennenden oder Strahlendem (Manipura, die Juwelenstadt, das Leuchten). Strahlen wird flüssig, unter anderem zu

2. Wasser, (Svadhisthana, der Selbst-Sitz) und Flüssiges wird fest, zu

1. Erde (Muladhara, die Wurzel).



Betrachten wir den Körper des Menschen, manifestiert sich die Seele mit verschiedenen Stufen ins Irdische hinein

5. das Kausale (Anandamayakosha, die durch Wonne Verhüllte),

4. das „Aufgetragene“ Gestalt in Intuition, Weisheit und Unterscheidungskraft (Vijnanamayakosha, Feingeisthülle). Dieser „höhere Geist“ wiederum wird zu

3. Emotionen und Gedanken (Manomayakosha, Geistig-Fühlendes). Verdichtet in einem konkreten

2. Energiefeld (Pranamayakosha, die mit Vitalenergie Verhüllte), gespürt und gemessen[i] bildet seit Jahrtausenden die Grundlage für Akupressur sowie energetisches Heilen und ist auch fester Bestandteil der Anschauung des Schamanismus. Aus diesem Teil wächst schließlich die

1. Physis (Annamayakosha, die durch Stoff Verhüllte), die durchtränkt ist von all diesen genannten Ebenen.



Yoga der Götter

Wie innen, so außen; Wie oben, so unten. Immer das Oben, das gibt, und das Unten, das nimmt: Yang (austreibend) und Yin (einkehrend) und der Yoga in Tat darum oder dahinter, darüber, hindurch wirkend – im chinesischen Verständnis das Dao oder Tao (der Weg, Das Ganze) – als Zusammengeführtes, harmonisches Ganzes, All-Erleuchtetes oder Integriertes.

Und ebenso ist es auch am Himmel selbst, innerhalb des Himmels: Dieser besteht aus

– dem Weltall als Ganzem

– auf kleinerer Ebene den Galaxien darin

– darin existieren wiederum zahlreiche Sonnensysteme und natürlich

– „unsere“ Sonne – und die Gestirne unmittelbar darum.

Zu früheren Zeiten wurden diese Kräfte in Form von Göttern verehrt: Tempel der neueren Zeit in Griechenland und Italien, aber auch in Indien und natürlich Ägypten, Mittel- und Südamerika (bei denen heute kaum ein Mensch mehr versteht wie sie eigentlich gebaut, geschweige denn genutzt wurden[ii]) zeugen hiervon.

Diese Götter sind bis heute konkret wirkende Kräfte In-Persona: gerade auch in Gestirn- oder Sternen-Form.

Äußere (d.h. exoterische) Wirkungen von Gestirnen kennen wir alle: Jahreszeiten, Meeresgezeiten, Naturereignisse, Licht etc. Aber esoterisch, also nach innen gerichtet, zeigt sich erst der wahre Wert der Astrologie. Als Wissenschaft und Kunst der Deutung kann sie im psychologischen Kontext genutzt werden: Psychologie, die sich den himmlischen, also galaktischen/ sonnensystemischen Archetypen, Stimmungen, inneren Bildern und Mustern etc. der Sterne, der „Götter“ bedient.

Westlich-psychologisches Wissen durchdringend und übersteigend gibt uns die Astrologie durch unmittelbare Schau relevanter Kräfte ebenfalls Zugang zu z.B. Sinnlichem, Konstitution/Dosha (Naturell, Typ), Körperbau, Temperament etc. bis hin zu Geisteshaltung, beseeltem und nicht-sinnlich Erfahrbaren – und, wofür sie prominent ist, zum Verständnis von Zeitgeist und dem Terminieren von Ereignissen im Leben wie Schwangerschaft/Geburt, Heirat, Umzug oder Unternehmensgründung.

Yoga des Verstehens / der Annäherung

Die Bilder des Tierkreises, des „galaktischen Mantels“, sind diejenigen unseres kollektiven Unterbewusstseins. Sie zeigen Grundspannungen und -lösungen des ganzen Lebens auf der Erde auf. Dabei sind diese Bilder gleichzeitig Repräsentanten unserer Mythologie, denn die gesamte Geschichte der Welt und damit der Menschheit ist am Himmel als Rahmen oder Fundament festgehalten.

Die Gestirne sind die Spieler auf diesem Hintergrund oder Mantel, egal ob hinduistisch mit Lakshmi & Co, germanisch mit Thor & Co., altgriechisch mit Zeus & Co. oder auch in den so zahlreichen entsprechenden Gestalten anderer Hochkulturen. Die Gestirne, Sonne/Mond/Merkur/Venus/Mars/Jupiter/Saturn, weben individuelle Bilder für jeden Moment. So sind sie ebenfalls Ausdruck des kollektiven Unterbewusstseins. Wir alle kennen sie als konkrete „Spieler“ oder Figuren, z.B. aus Unterbewusstem wie Träumen oder Märchen: Der Held, die Prinzessin, der alte Weise, die Hexe usw.

Die Gestirne zeigen uns somit, was passiert, welches Theaterstück mit welchen Spielern in welcher Konstellation auf welcher Bühne (Tierkreis, Galaxie) aufgeführt wird.

Als wichtige Prinzipien der Astrologie kommen dann noch

a) die Häuser oder Felder dazu: Aus dem Verhältnis zwischen Erde und Sonne bzw. dem Sonnenumlauf heraus zeigen diese 12 Felder auf, wo Energie gerinnt, wo sich die Ebenen des was und wie auswirken, welche Kräfte (Gestirne)  wie (Tierkreis) in den „Räumen“ (Häusern) von Kindern, Finanzen, Karriere, Gesundheit und allen anderen Lebensbereichen wirken.

Weiterhin kommen

b) die Beziehungen, sogenannte Aspekte, die die Gestirne eingehen, hinzu. Gestirne können sich anziehen, sich abstoßen, „eng miteinander“ oder isoliert/vereinzelt sein usw.



Ein graphisches Beispiel:

Die Eröffnung von Maha Meru, 07. April 2019, 10:00 Uhr, in Horn-Bad Meinberg

Außen die Sonnenumlaufbahn vor dem Hintergrund der Galaxis/Milchstraße: Der Tierkreis (das „wie“ etwas ist)

Mitte (in diesem Bild v.a. in der oberen Hälfte)

1) die Gestirne (das „was“ ist) – Sonne (orange), Mond (blau), Venus (grün) & Co.

2) …in ihren Häusern („wo“) (Sonne im 11. /  Mond in 11. / Venus im 10. Haus usw.)



Meine Glückwünsche an dieser Stelle für eine recht glückverheißende Eröffnung und andauernde Strahlkraft!

Beispielweise zeigt sich Jupiter (pink), der „Glücksplanet“ oder Guru (Meisterlehrer) am rechten Bildrand (in Schütze, Haus 7) stark, insbesondere für Beziehungen im Maha Meru. Sonne und Mond zeigen, kurz nach Neumond in dieser Phase, Nährboden für oder Aufkeimen von Gemeinschaft. (Haus 11) Am linken Kreisrand zeigt sich Mars (rot) vom Tierkreiszeichen (Stier, hier ein Bild wie ein kräftiger Pflug in der Erde) her stark, vor allem in Isolation oder an einem besonderen oder abgelegenen Ort. (Haus 12)

Grundsätzlich eine sehr nach außen gerichtete und strahlkräftige Konstellation, bei der alle Gestirne in der oberen Hälfte (Außenwelt) des Bildes stehen.

Dem Prinzip von Geben und Nehmen folgend – das genauso ist „wie oben, so unten“ und „wie innen so außen“ – ist auch gemeint, dass dieser Raum als Ganzes mit der Zeit tanzt, mit Zeit einhergeht: Nur so macht beides Sinn.

Astrologie, die Kunst und Wissenschaft um die Sprache der Sterne in Zeit, erkennt das Wesen von Kräften in Zeit, also den Zeitgeist.

Yoga des Aufräumens

Sternenkunde gibt Siddhis (höhere geistige Fähigkeiten), gibt Macht.

Gepaart mit kommerziellem Auflage-machen-wollen – d.h. verkaufen – hat sich in der Astrologie Verwässerung, Banalität, Abschneiden und sogar Verruf eingestellt. Sie teilt damit heute das Schicksal auch einiger anderer reiner, schöner, in sich perfekter Künste und Wissenschaften. Bei der Astrologie speziell kommt hier noch die zunehmende sogenannte „Lichtverschmutzung der Nacht“ hinzu, bzw. letztlich generell alles „Klima-Manipulative“, was den Menschen (gefühlt, sehend) vom Sternenkontakt entfernt: Gerade in den (spirituell) so wichtigen Phasen von Dämmerung und der Nacht.

Dass die himmlischen Kräfte ebenso wie die Zeit, der Zeitgeist, aber dennoch wirken müssen – denn das ist ihre Urnatur, ihr Sinn, Zweck, Wesen, ihre Aufgabe und ihr höherer Geist – bleibt wahr.

Gut darum zu wissen. Es ist wie im Yoga: Erfahrungen machen ist gut, bewusste Erfahrungen machen ist besser; insbesondere wenn man zum Höchsten will.

Gute Astrologen als Zeugen und Dolmetscher dieser Urnatur und ihrer Wesen, stehen fernab von Boulevardpresse und sonstigen leeren Hülsen und bloßen Showbühnen.

Auch haben sie alle versuchten Zerrüttungen der Astrologie integriert und überkommen. Lügen haben „kurze Beine“, Wahrheit ist fortwährend, ist ewig.

Die Wahlfreiheit hier – was wähle ich, und wähle ich überhaupt – für dich und deinen Umgang mit diesem Schatz ist hohe Ethik. Diese Wahlfreiheit führt zu Gott, ist in Ihm. Sterne und Zeit lassen dich hierbei nicht allein: Sie leuchten deinen Weg aus und geben dir Mitgift.

Yoga der Erleuchtung

Auch Yoga, in diesem Sinne, ist eine Einladung: dein Weg.

Yoga und Astrologie sind heute die wohl einzigen vollständig systemisch, wissenschaftlich und künstlerisch überlieferten großen Disziplinen von „einst“, der Zeit der alten Hochkulturen,  zur Erleuchtung.

Sie bieten dir ein geschlossenes (vollständiges, bewährtes) und gleichzeitig offenes (flexibles, Neues begrüßendes) System, das seit Jahrtausenden funktioniert, Milliarden von Menschen beschenkt und immer wieder Meister und Meisterinnen hervorbringt. Schon zu Anbeginn unserer neueren Zeit waren beide Systeme voll ausgereift.

Eine gute Beratung ist dabei nicht unbedingt festlegend oder beengend, sondern sie erweitert deinen Horizont. Kein deterministisches „so muss es sein“, sondern ein Bewusstsein für Kraft und ihre Entwicklung, ihre Aufgabe, und deshalb Erlösung. Sie zeigt dir mögliche Tendenzen, nennt deine Themen in einem Satz oder Bild und sagt dir, wie deine Chancen bei diesem und jenem jeweils stehen[iii].


[i]z.B. durch Elektroakupunktur, Kinesiologie und Kirlianfotographie

[ii]Tikal, Gizeh etc. Waren hier „himmlische Kräfte“ am Werk?

[iii]in Anlehnung an das Verständnis von Hajo Banzhaf, in Zwischen Himmel und Erde, 2009, Verlag Königsfurt-Urania

Joerg Arjuna WingenJoerg Arjuna Wingen ist Yogatherapeut, Leiter zahlreicher Seminare (Asana, Pranayama), Entspannungskursleiter, Ausbilder BYV und Gründer von SiLENTFLOW Yoga. Er weiß seine Begeisterung für den Hathayoga aus langjährig-eigener, meditativ-fordernder Asana- und Pranayamapraxis mit Herz, Ruhe und Humor weiter zu geben. Verwurzelt in der Sivanandatradition ergänzen Elemente aus Vinyasa und Yin Yoga, aber auch aus der Spiraldynamik, der Yogatherapie (BYAT) und verschiedenen Zentrierungs- und Entspannungsverfahren seinen Stil.


Themenwoche Astrologie mit Joerg Arjuna Wingen

Yoga und Astrologie – eine Einheit? Erschließe dir die Zusammenhänge der Sternenschau – Astrologie – der ältesten Symbolsprache und reichsten Wissenschaft der Menschheit, die ähnlich dem Yoga, Befreiung gibt. Sterne bestimmen unser Leben, so, wie die Sonne das Jahr und der Mond die Gezeiten: In jedem und jeder von uns, dynamisch ausgehend von den Planetenmustern zum Zeitpunkt der Geburt, mit ihren (beinflussbaren) Stärken und Schwächen. Wir nähern uns in dieser Themenwoche Aspekten und Zusammenhängen der Astrologie, wie Geschichte und Bedeutung der Astrologie; die Archetypen („Götter“, Urkräfte) in Fixsternen, Lichtern und Planeten; Geometrie und Aufbau „des Himmels“ und des Horoskops: All und Sonnensystem, Häuser und Achsen; Sünde und Tugend im Kontext Astrologie; Winkel; Beziehungshoroskope; Astromedizin; Prognose und Schicksalsdeutung. In Absprache mit praktischen Beispielen der Teilnehmenden. Yoga und Astrologie als zwei Wege zum exakt gleichen Ziel: Der Weg vom Ego/Ich zum eigenen, schöpferischen, kosmischen Selbst.

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Dieser Artikel ist erschienen im Yoga Vidya Journal – Ausgabe Nr. 39, S. 34-37
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