Shivarati – Erleuchtung in absoluter Dunkelheit

Für die Verehrer der Gottheit Shiva ist es die heiligste aller Nächte und das höchste aller Feste: Shivarati bzw. Mahashivarati – die große Nacht des Shiva, die jedes Jahr in der Nacht des dunkelsten Neumondes des Jahres zelebriert wird.

Shiva, dem „Gütigen“ kommt in der hinduistischen Götterwelt die Aufgabe der Vernichtung und Zerstörung zu. Mit dieser Eigenschaft, die wohl zunächst wenig Glück verheißend erscheint, weist er auf die Vergänglichkeit aller Dinge hin. Allerdings ist das Vergehen ebenso wichtig wie das Entstehen, sonst gäbe es weder Wachstum noch Entwicklung. Shiva bringt etwas zu Ende, damit etwas Neues entstehen kann – das ist der Kreislauf, ohne den unsere Erde nicht funktionieren würde. Aus diesem Grund sehen viele Gläubige in ihm gleichzeitig auch einen Retter.

Der Aspekt Shivas als Erlöser ist auch der, der zum Shivarati-Fest im Mittelpunkt steht, denn laut den unzähligen überlieferten Geschichten, wird derjenige von Sünden frei sein und Vergebung erfahren, der ihn in dieser Nacht mit Mantren verehrt. Laut dem hinduistischen Lunar-Kalender fällt der große Feiertag auf den 14. Tag der dunklen Monatshälfte im Monat Phalguna, was in unserem Kalender dem Tag des Neumondes Ende Februar oder Anfang März entspricht. Shivarati gilt auch als Hochzeitstag von Shiva und Shakti, als Moment deren göttlicher Vereinigung, der Ausdruck für Erleuchtung in absoluter Dunkelheit, für Schöpfung im leeren Raum und für Einheit von Bewusstsein und Materie ist. Zudem soll Shiva an diesem Tag die Welt gerettet haben, indem er eine riesige Menge tödlichen Gifts schluckte.

Anlässlich dieser besonderen Ereignisse hört man in ganz Indien an diesem Tag und die ganze Nacht hindurch von Trommelklang begleitete Bhajans, Kirtans und Gebete zu Ehren Shivas. Wesentlich ist dabei auch, bis zum Morgengrauen wach zu bleiben, um auf diese Weise die Trägheit und die Unwissenheit des Geistes zu überwinden und der Einheit, der Selbstverwirklichung näher kommen zu können. Da Shiva in hinduistischer Tradition weder Form noch Gestalt hat, steht im Mittelpunkt der Verehrung meist ein Lingam (wörtl.: Zeichen, Symbol) wie bspw. ein Dreizack oder gar in der Natur entstandene Lingas, die für viele Gläubige dann zu Wallfahrtsorten werden. Shiva-Anhänger nehmen eine über beschwerliche Wege führende Pilgerfahrt auf sich, um ihren höchsten Gott mit Früchten, Blumen und Blättern eines heiligen Baumes zu ehren.

Auch Yoga Vidya feiert Mahashivarati, was in diesem Jahr auf die Nacht vom 3. zum 4. März fällt, mit Pujas, Homa, Mantra-Singen, Meditation und Geschichten über Shiva. Wer die wunderbare Energie der dunkelsten Neumond-Nacht des Jahres, während der spirituelle Übungen besonders erfolgversprechend sein sollen, für sich nutzen möchte, kann in unseren Seminarhäusern und Stadtcentern gern mit uns zusammenfeiern.

Om Namah Shivaya

Anne R.

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2 Kommentare zu “Shivarati – Erleuchtung in absoluter Dunkelheit

  1. Premajyoti

    Om liebe Rafaela,
    danke nocheinmal für die schönen Beschreibungen über den wunderbaren Shiva,
    aber ich finde, das man auch wirklich das “Herz” sprechen lassen sollte.
    Ich empfinde, das der Geist/das Herz, sonst von zu vielen Göttern auch verwirrt werden kann.
    Denn die Götter und Göttinnen sind Realität, sie sind nicht nur Energien schon auch Wirklichkeit
    Und ich denke es ist auch wichtig bei einer Inkarnation, wie Krishna,Shiva, Jesus, Buddha, Devi oder den absoluten Vater zu bleiben, je nachdem was einen am meisten anspricht.
    Sie alle anerkennen und respektieren, auch um Führung zu bitten,
    aber auch schon bei einer Anbetungs-Form bleiben.
    Obwohl wir natürlich übergeordnet alle eins sind -Brahman-Atman-
    Wie seht Ihr das?
    Om Om Om
    Premajyoti

  2. … dazu gibt es noch weitere schöne Linke und eine schöne Beschreibung von Swami Sivananda :)rnrnShivaratrifeier 2011, „die Nacht Shivas“ vom 02.03. – 03.03.rnrnhttps://blog.yoga-vidya.de/?s=shivaratri&submit=Losrnhttps://blog.yoga-vidya.de/2010/02/12/heute-ist-shivaratri/rnhttps://www.yoga-vidya.de/nc/seminar-uebersicht/einzelansicht/seminare/n110303-01.htmlrnrnFeste und Fastentage im Hinduismus – Kapitel 25rn– von SWAMI SIVANANDA –rnKapitel 25 – ShivaratrirnrnAn diesem Tag wird strenges Fasten eingehalten. Manche trinken nicht einmal etwas. Nachts bleibt man wach und verehrt das Shiva Lingam (Symbol für Shiva) , das alle drei Stunden mit Milch, Quark, Honig, Rosenwasser usw. übergossen wird. Gleichzeitig wird ununterbrochen das Om Namah Shivaya-Mantra gesungen und Bael-Blätter (Blätter des Holzapfelbaums) werden geopfert. Bael-Blätter gelten als sehr heilig; es heißt, Lakshmi (Göttin des Überflusses und Reichtums) wohne in ihnen.rnMit großer Leidenschaft und Hingabe werden Hymnen zu Ehren Shivas gesungen, wie etwa das Shiva Mahimna Stotra von Pushpadanta oder Ravanas Shiva Tandava Stotra. Das fünfsilbige Shiva-Mantra Om Namah Shivaya wird wiederholt. Wer an Shivaratri den Namen Shivas mit vollkommener Hingabe und Konzentration ausspricht, wird frei von allen Sünden. Er erreicht die mythische Wohnstätte Shivas und lebt dort glücklich. Er ist befreit vom Kreislauf von Leben und Tod. Viele Pilger kommen in die Orte, an denen es Shiva-Tempel gibt. rnDie Geschichte von König ChitrabhanurnIm Shanti-Parva-Teil des Mahabharata bezieht sich Bhishma (in der Schlacht von Kurukshetra zu Tode verwundeter Kriegsheld), der auf seinem Todeslager aus Pfeilen ruhte und über Dharma (Rechtschaffenheit, richtiges Handeln, Pflichterfüllung) sprach, auf die Einhaltung der Shivaratri-Feier durch König Chitrabhanu.rnEinst fastete König Chitrabhanu aus dem Geschlecht der Ikshvaku, Herrscher über ganz Jambudvipa, gemeinsam mit seiner Frau am Shivaratri-Tag. Der Weise Ashtavakra kam zu Besuch an den Hof des Königs und fragte: „O König, warum fastest du heute?”rnKönig Chitrabhanu erklärte es ihm. Er hatte die Gabe, sich an die Ereignisse aus früheren Leben zu erinnern. rnDer König sagte: „In meinem letzten Leben war ich Jäger in Varanasi (= Benares, eine der heiligen Stätten Indiens). Mein Name war Suswara. Meinen Lebensunterhalt bestritt ich, indem ich Vögel und Tiere tötete und sie verkaufte. Eines Tages durchstreifte ich die Wälder auf der Suche nach Tieren und wurde dabei von der Dunkelheit überrascht. Da ich nicht nach Hause zurückkehren konnte, kletterte ich zum Schutz auf einen Baum. Es war zufälligerweise ein Bael-Baum. An diesem Tag hatte ich ein Reh erlegt, das ich nun zu einem Bündel zusammenschnürte und an einem Ast festband. Vor lauter Hunger und Durst blieb ich die ganze Nacht wach. Ich vergoss jede Menge Tränen, als ich an meine arme Frau und die Kinder dachte, die nun hungerten und ängstlich auf meine Rückkehr warteten. Um mir die Zeit zu vertreiben, pflückte ich die Bael-Blätter und ließ sie zu Boden fallen.rnDer Tag begann zu dämmern. Ich kehrte nach Hause zurück, verkaufte das Wild und kaufte für mich und meine Familie etwas zu essen. Gerade als ich im Begriff war, mein Fasten zu brechen, kam ein Fremder und bat um Nahrung. Ich gab ihm zuerst etwas und nahm erst dann etwas zu mir.rnZum Zeitpunkt meines Todes kamen zwei Boten Shivas zu mir. Sie waren gesandt worden, um meine Seele zum Wohnsitz Shivas zu führen. Nun erfuhr ich zum ersten Mal, welch großes Verdienst ich mir durch die unbewusste Verehrung Shivas in jener Shivaratri-Nacht erworben hatte. Die Boten erklärten mir, am Fuße des Baumes habe sich ein Lingam befunden, auf das die Blätter fielen, die ich fallen ließ, ebenso wie die Tränen, die ich in reiner Sorge um meine Familie vergossen hatte. Und ich hatte den ganzen Tag und die ganze Nacht gefastet. Auf diese Weise hatte ich Shiva verehrt, ohne mir dessen bewusst zu sein.rnIch verbrachte lange Zeit in göttlicher Glückseligkeit in der himmlischen Wohnstätte Shivas, bis ich nun als Chitrabhanu wiedergeboren wurde.“rnDie spirituelle Bedeutung des RitualsrnIm folgenden Dialog zwischen Shastri und Atmanathan wird in den Schriften die spirituelle Bedeutung dieser Geschichte erklärt:rnShastri: „Es ist ein Gleichnis. Die wilden Tiere, mit denen der Jäger kämpft, sind Gier, Zorn, Habgier, Verblendung, Neid und Hass. Die vier Teile des Geistes, Unterbewusstsein, Intellekt, Ego und bewusster Geist sind der Dschungel. Es ist im Geist, wo diese „wilden Tiere“ frei umherstreifen. Sie müssen getötet werden. Unser Jäger meisterte dies, weil er ein Yogi war. Wenn du ein wahrer Yogi sein möchtest, mußt du deine negativen Eigenschaften ebenso zu überwinden. Kannst du dich an den Namen des Jägers in der Geschichte erinnern?“rnAtmanathan: „Ja, er hieß Suswara.“rnShastri: „Das stimmt. Das bedeutet „wohlklingend”. Der Jäger hat eine angenehme, wohlklingende Stimme. Wer sich an Yama (5 ethisch-moralische Grundsätze im Umgang mit anderen) und Niyama (5 Regeln der Disziplin im Umgang mit sich selbst) hält und an seinen schlechten Neigungen arbeitet, entwickelt bestimmte äußere Merkmale eines Yogi. Diese ersten Kennzeichen sind Leichtigkeit des Körpers, Gesundheit, Beständigkeit, Klarheit und eine angenehm