47 Mitgefühl als Grundlage für Gelassenheit

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Sukadev beschreibt die Grundlage einer mitfühlenden Lebens- und Weltanschauung. Diese geht davon aus, dass hinter allem das Gute, das Göttliche steckt. Diese Annahme ist auf allen Ebenen hilfreich: Im Zwischenmenschlichen für mitfühlende Kommunikation. Im Staatlichen als Grundlage für Abwägung von Interessen von Gruppen. Im Zwischenstaatlichen als Grundlage eines friedvollen Miteinanders. Im Innermenschlichen als Grundlage einer gut verankerten Gelassenheit. Im feinstofflichen, subtilen und religiösem als Grundlage einer Angstfreiheit und des Vertrauens. Sukadev sagt, dass er zu dieser Erkenntnis im Zug mehrere Jahrzehnte kam. Und dass diese Konzepte unglaublich befreiend waren: Es gibt nichts zu bekämpfen, nichts zu verdammen, nichts vor dem man Angst zu haben braucht.

Letzter der autobiografischen Podcasts im Rahmen der Gelassenheits-Podcasts. 47. Ausgabe des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcast.

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Ich bin jetzt dabei, auf den eigentlichen Königsweg zur Gelassenheit zu kommen. Ich hatte das letzte Mal davon gesprochen, dass ich inzwischen zu einem fast bedingungslosen Anhänger von Advaita geworden bin, also von Nondualität. Ich halte wenig davon, die Welt in Gutes und Böses einzuteilen. Gutes und Böses, diese dualistische Weltanschauung, hat viel Schlimmes bewirkt. Viel hilfreicher ist es, zu erkennen, es gibt nur das Gute und es gibt nur das Hilfreiche. Diese uralte Form, die Welt zu sehen, speist sich aus mehreren Quellen. Es gibt Bhakti Yoga, alles ist Gott. Advaita Vedanta, alles ist eine Manifestation von Brahman. Und die moderne Sichtweise der Biologie, Evolutionsbiologie, Evolutionspsychologie, Paläoanthropologie, die letztlich sagt, alles menschliche Verhalten hat in irgendeinem Kontext Sinn gemacht. Es gibt also nichts Böses. Menschen tun das Böse nicht, um Böses zu bewirken, sondern um des Guten willen. Mensch ist am glücklichsten, wenn er andere glücklich macht. Um damit gut arbeiten zu können, beziehe ich mich dann auf das Raja Yoga System. Raja heißt König. Darüber werde ich dann beim nächsten Mal noch etwas mehr sprechen. Dieses Raja Yoga System ist aber gemeint im Sinne von, König mit Ministern, die alle berechtigte Anliegen haben. Es ist eben auch gespeist von modernen Ansätzen aus der Psychologie. Besonders wichtig hier Ansätze aus der Systemtheorie, systemischen Psychologie, systemischen Hypnotherapie von Gunther Schmidt, Gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg. Diese und andere Autoren gehen ja von Ähnlichem aus, wie ich das in diesem Buch beschreibe. Man kann sagen, auf das Zwischenmenschliche bezogen heißt dieses nicht-dualistische Weltbild: Jeder will das Gute. Jeder hat berechtigte Anliegen. Auch wenn jeder das Gute will, ist er, sie oft ungeschickt darin.

Gewalt und Auseinandersetzungen sind Ausdruck von misslungener Kommunikation. Es ist möglich, zu jedem Menschen Liebe zu spüren, zumindest als Grundgefühl. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, ist keine Illusion, sondern eine tatsächliche Möglichkeit für den Alltag. Und es ist möglich, mit Menschen geschickter zu kommunizieren. Und selbst wenn es mal nicht möglich ist, durch Kommunikation Meinungsunterschiede auszuräumen und man sich durchsetzen muss zum Wohl der guten Sache, ist und bleibt der andere liebenswert. Er hat unsere Achtung, unsere Liebe verdient, allein dadurch, dass er da ist. Auf das Staatliche bezogen heißt dieses Weltbild, alle Gruppen haben berechtigte Interessen. Diese gilt es abzuwägen. Man kann sagen, davon ist ja auch der Rechtsstaat Ausdruck. Es geht um das Abwägen von Interessen, es geht um Versuche, verschiedene Interessen abzuwägen und auszugleichen, auch wenn vermutlich der Rechtsstaat mit seinem Belohnungs- und Bestrafungssystem nicht oft geschickt vorgeht. Aber die Grundlage erst mal ist durchaus richtig. Genauso auf das Zwischenmenschliche bezogen, gilt natürlich, man kann es trainieren, man kann es lernen, gut und geschickt zu kommunizieren, darauf beruht ja die gesamte gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Auf das Zwischenstaatliche bezogen heißt das auch, jeder Staat hat seine Berechtigung. Kriege sind Ausdruck misslungener Konfliktlösung. Es gilt, Mechanismen zu finden, um Interessenskonflikte zu lösen.

Übergeordnete Instanzen wie die UNO sind dabei hilfreich, aber auch im zweistaatlichen Bereich können die Diplomaten und die Staatsmänner davon ausgehen, jeder Staat hat auch seine Berechtigung und es sind viele Menschen da, sie alle wohlmeinen. Und auch wenn vorübergehend ein tyrannisches Regime dort herrscht, auch die schlimmsten Tyrannen haben ihre menschliche Seite. Sie mögen tyrannisch sein, vielleicht aus innerem Leiden, vielleicht aus Kränkung, vielleicht weil sie dem dualistischen Weltbild unterliegen und sie meinen, sie müssen das Böse unterdrücken, aber auc