Besuch bei unserem Obst- und Gemüse-Lieferanten

Ende Juli war es wieder so weit: wir, das Küchenteam von Yoga Vidya Bad Meinberg, waren zum zweiten mal zu Besuch bei Kiels Sonnengarten in Ottenstein. Unser letzter Besuch lag schon einige Wochen zurück (wir berichteten) und nun zeigte sich die Vegetation auf einem ganzen anderen Niveau. Die Tomaten können täglich geerntet werden, Salatgurken, Zucchini, Auberginen und vieles mehr stehen täglich frisch zur Verfügung.

Besonders beeindruckend bei diesem Besuch war, wie viele verschiedene Tomatensorten bei Gerd Kiel, dem Eigentümer von Kiels Sonnengarten, wachsen: Andenhörnchen, Ochsenherz, Tigerelle, Berner Rose, San Marzano, Schwarze Krim und vor allem die von Gerd selbst gezüchtete Sorte Tigerherz, eine Kreuzung aus Ochsenherz und Tigerelle. Die Schwarze Krim hält Gerds aktuellen Größenrekord: eine Tomate der Sorte Schwarze Krim hatte ein Gewicht von 1,5 kg. Jede dieser Tomatensorten hat ihren eigenen Geschmack, der sich ganz besonders ausgeprägt zeigt, weil die Tomaten reif geerntet werden.

Durch den größtenteils schwül-warmen Juli hatten die Zucchinis traumhafte Umstände. In vielen verschiedenen Farben waren sie überall zu sehen. Auch die vielen Kohlsorten wachsen ganz ausgezeichnet.

Vielfalt auf dem Tisch

Diese Vielfalt, wie wir sie bei Gerd bestaunen konnten, kennt man ansonsten eher nicht aus dem Supermarkt, selbst nicht aus allen Biomärkten. Die Gurken sind alle gleich groß und haben eine normierte Krümmung. Tomaten müssen einer Norm entsprechen und unversehrt sein. Bei Gerd ist das anders. Nach unserem Besuch bei Gerd Kiel kann ich aber nach eigenem Probieren sagen: Obst und Gemüse darf schrumpelig, stachelig, rissig und krumm sein. Dem Geschmack tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil, diese nicht normierten Gemüsesorten sind geschmacklich meist viel feiner. Für die Sorten, die man aus dem Supermarkt kennt, stehen andere Anforderungen als der Geschmack auf der Prioritätenliste. Hier sind das Aussehen und die Lagerfähigkeit häufig viel wichtiger. Neben dem feinen Geschmack sind viele dieser alten Sorten sehr gut an unsere Umgebung angepasst und widerstandsfähig, ohne besondere Behandlung oder Chemikalien. Unterstütze daher den Anbau von ungewöhnlichen, alten Obst- und Gemüsesorten. Stachelige Gurken, grüne Tomaten, Schwarzkohl und anderes. Mache deinen Biohändler darauf aufmerksam, dass er alte Sorten anbieten könnte. Kaufe diese Sorten und unterstütze die vielen Gemüseanbau-Idealisten, die sich nicht von der Saatgut- und Düngemittelindustrie abhängig machen wollen. Mit deinen Konsumgewohnheiten setzt du Zeichen, machst du Politik.

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Gerd machte darauf aufmerksam, dass es keinen „Kampf“ gegen „Unkraut“ und „Ungeziefer“ geben braucht. Er erwähnte ein Buch mit dem Titel: „Heute schon eine Schnecke geküsst?“. Das Buch beschreibt, wie der Mensch verstehen und schöpferisch wirken kann ohne zu vernichten und wo die Gründe für den bisherigen Kampf gegen die Natur zu suchen sind. Gerd erzieht beispielsweise seine Schnecken. Er tritt mit ihnen in Kontakt, bietet ihnen einen Ort an, an dem sie sich nach Lust und Laune bedienen dürfen. Gleichzeitig bittet er sie aber auch, das restliche Gemüse in Ruhe zu lassen. Das geht mittlerweile so weit, dass er selbst in schneckenreichen Jahren gute Ernten hatte. In einem Jahr waren alle Kürbisse unversehrt bis auf den letzten in der langen Reihe. Dieser letzte Kürbis war äußerlich in Ordnung, von Innen aber vollkommen ausgehöhlt. Die Schnecken haben auf Gerd Bitte Rücksicht genommen. Es gibt übrigens einen sehr einfachen Test, mit dem man den Grad der Freundschaft zu Schnecken überprüfen kann.

Mein Freund, die Schnecke

Setze eine Schnecke auf deine Hand. Wenn sie sich bewegt und eine Schleimspur hinter sich herzieht, versucht sie, sich mit diesem Schleim vor dir zu schützen. Zieht sie keine Schleimspur hinter sich her, sieht sie dich als Freund an. Sie braucht sich also nicht vor dir zu schützen. Du bist mit ihr in Verbindung.

Eine weitere Besonderheit im Obst- und Gemüseanbau von Gerd Kiel sei noch erwähnt. Gerd betreibt vegane Landwirtschaft. Das heißt, er düngt nicht mit Tierexkrementen, er verwendet keine Hornspähne oder ähnliches. Er hat ein veganes System entwickelt, das seine Erde frisch und fruchtbar hält. Die Ernteerfolge geben ihm recht.

Nach dem Rundgang durchs Gewächshaus starteten wir zu seinen Feldern und Wiesen. Dort war hautnah zu sehen, was der Unterschied zwischen konventionellen Wiesen und seinen Wiesen ist. Dort war hautnah zu sehen, was der Unterschied zwischen konventionellen Getreidefeldern (siehe im nächsten Bild links des Weges) und seinen Feldern (siehe im nächsten Bild rechts des Weges) ist. Gerds Felder und Wiesen sind bunt und vielfältig. Labkraut, Echter Baldrian, Johanneskraut, Kornblume, Mohn und viele anderen Wildkräuter wachsen am Rand des Feldes und auch mittendrin.

konventioneller Anbau, bio-Anbau

Die nächsten Projekte von Gerd stehen schon an. Sein nächstes Ziel ist es, in seinem Gewächshaus das ganze Jahr über Obst und Gemüse zu ziehen. Natürlich mit erneuerbarer Energie.

Zum Abschluss wieder der Hinweis für unsere Besucher bei Yoga Vidya Bad Meinberg:
Halte an unserem Buffet Ausschau nach außergewöhnliche Gemüsesorten. Bunte und rissige Tomaten, bunte Zucchinis, außergewöhnliche Kohlsorten und vieles mehr. Dieses Gemüse kommt meist aus der Region, oft von Kiels Sonnengarten in Ottenstein. Guten Appetit.

PS:
Die Geschichte mit den Schnecken wiederholte sich leider nicht bei den Bremsen. Die ließen uns nicht in Ruhe, mit ihnen hat Gerd noch keine Vereinbarung treffen können. Nun zur Geschichte: Wir hielte an einer Wiese, stiegen aus dem Bulli und machten einen Rundgang über die Streuobstwiese mit Wildkräutern. Als wir zurück kamen, waren schätzungsweise 50 Bremsen im Bulli. Eine große Herausforderung, hier dem wichtigsten yogischen Ideal von Ahimsa treu zu bleiben. Aber wir schafften es. Nach einigen gefahrenen Metern sammelten sich die Bremsen an der Heckklappe. Diese kurz geöffnet und alle Bremsen waren draußen.

 

5 Kommentare zu “Besuch bei unserem Obst- und Gemüse-Lieferanten

  1. Dedra

    Besuch bei unserem Obst- und Gemüse-Lieferanten – Yoga Vidya Blog – Yoga, Meditation und Ayurveda

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  3. Liebe Devaki,
    danke für deine Anregungen. Gerd und wir fangen ja gerade erst an, sind aber generell offen und sogar sehr interessiert daran, alte und heimisches Obst und Gemüse wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken. Und dann folgerichtig aufs Büffet und in jedermann/fraus Mund. 🙂

  4. Das ist ja super. Wenn Gerd jetzt aber in die Ganzjahreszüchtung geht, wird er irgendwann genauso wie die anderen Bauern. Hier sollte auch nur das angebaut werden, was heimisch ist. Alles andere benötige. Wir in dieser Region gar nicht. Wenn Gott gewollt hätte, das wir Ganzjahreskultur haben sollten, dann hätte er es auch so gemacht. Ich denke, dass er in jeder Region das wachsen lässt, das der Mensch und das Tier benötigt. Alles andere benötigen wir hier gar nicht. In den anderen Regionen z. B. in Hawai, wo es ständig heiß ist, wachsen Annanas und Kokosnüsse. Sie sind da um die Hitze erträglich zu machen. Die Krokusnus kühlt und die süße Annanas auch. Dieses süße Obst kühlt und wird geerntet, wenn bei uns Winter ist. Dann ist es aber kalt und wir frieren noch mehr. Usw. usw. usw.
    Also m. E. nur das Anbauen, was sowieso in diesen Bereichen wächst. Wie wäre es mal mit Sauerampfer oder Stielmus u. d.gl. Keine Zuccinis, Paprika u. d.gl. sondern das was hier sowieso wachsen würde.

  5. danke, Chandrashekara, für diesen tollen Folgebericht über unseren wunderbaren Lieferanten, der Ahimsa in unserem besten Sinne praktiziert und uns mit so köstlichen Lebensmitteln beliefert. Ich bin so glücklich, dass wir ihn gewinnen konnten, für uns anzubauen!

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