Dein Kopf – eine unbekannte Welt!

Meditation

„Psychonautische Erfahrungen“ von Philipp D. aus Ludwigshafen, 18 Jahre alt. Er meditiert seit 3 Jahren.

„Man führt ein selbstbestimmtes Leben, doch würde man noch so denken, wenn man in sein tiefstes Inneres geblickt hat? Damit meine ich nicht die Gedanken, die sich einfach im Kopf bilden und man keinem erzählt, um ein gewisses Selbstbild aufrecht zu halten, sondern die Denkweise, die nicht ohne weiteres betrachtet werden kann. Um dieses tiefste Ich kennen zu lernen, erfordert es Offenheit, den Willen dafür zu arbeiten und Durchhaltevermögen, da die erste Kennenlernphase auch sehr anstrengend werden kann.

Dieses tiefste Ich, was ist das eigentlich?
Das ist die eigene Person in Reinform, ohne Anpassung an die Umwelt, ohne selbstverliebte Gedanken und Charakteristika, die man sich nur einbildet. Dieses Ich kann einem gänzlich fremd wirken, denn es steckt einfach zu tief in einem, um direkte Auswirkungen auf das alltägliche Leben zu haben. Da man keine Visualisierung der Denkweise hat, habe ich ein für mich schlüssiges Modell erdacht. Die eigene Psyche ist ein Hochhaus ohne festgelegter Anzahl an Stockwerken, mit vielen Wohnungen und Zimmern. Die Verhaltensweisen und Selbstempfindung, die man unmittelbar ausübt und erfährt, befinden sich in diesem Hochhaus auf den untersten Etagen. Wohnungs- und Zimmertüren stehen komplett offen. Die anderen Teile der Psyche, an die man leicht rankommt, befinden sich ebenfalls in den unteren Etagen, in denen nichts verschlossen ist. Doch Ziel ist es zu erkennen, dass die unteren Etagen zwar zu diesem Haus dazugehören, sie jedoch nur eine Art Scheinrealität bilden und die Öffnung aller Etagen und Zimmer das Höchste ist. Erst dann weiß man, wer man wirklich ist und weiß auch, dass die unteren Etagen gar nicht zum Ich gehören.

Anfangs fällt es schwer die Türen zu öffnen, da man keinerlei Übung darin hat, den ersten Türöffner herzustellen. Als Türöffner eignet sich Meditation sehr gut, da man beginnt, sich selbst bewusster wahrzunehmen und besser in sich kehren kann. Das Bewusstsein wendet sich nach innen und gibt einem Gelegenheit zum Start der Expedition. Die Selbstwahrnehmung sollte nun im Vordergrund stehen. Bis hierhin ist es mitunter der Schwierigste Teil der Reise. Hat man die erste Tür geknackt, entdeckt man, dass man aus mehr besteht, als man dachte. Es wirkt anfangs auf den Großteil der Personen sehr verängstigend, ein anderes Ich kennenzulernen, da sie nur das einfach erreichbare Ich kennen. Um weitere verschlossene Türen zu öffnen, ist es erforderlich, sich selbst gegenüber den neuen Eindrücken zu öffnen und diese zunächst einmal nur zu akzeptieren und zu merken. Während den Pausen zwischen den Expeditionen sollte man sich Gedanken über diese Eindrücke machen und versuchen Erklärungen zu finden oder versuchen, sie in den Alltag einzubauen. Es ist normal das man nicht auf Anhieb Erklärungen findet oder Teile des neuen Ichs in den Alltag einbauen kann. Dabei darf man sich nicht unter Druck setzen und muss bereit sein, das wahre Ich zu zeigen, sowie keinen Wert auf die Reaktionen der anderen legen. Eine weitere Möglichkeit ist aber auch abzuwarten, bis man mehrere Türen geknackt hat, um ein größeres Gesamtbild zu erhalten, welches man schließlich von allen Seiten betrachtet und dann erst versucht, es in den Alltag einzubauen. Das Einbauen der Teile des neuen Ichs in den Alltag erfordert eine Menge Mut, da man sich automatisch gegenüber anderen öffnet, was viele Leute tunlichst versuchen zu vermeiden. Sie denken, sich dadurch verletzlich zu machen. Doch je selbstsicherer man ist, desto weniger spielt Verletzlichkeit eine Rolle. Man beginnt immer mehr über seinem neuen Ich zu stehen und wird sich immer bewusster, dass das wahre Ich viel Gutes aufweist. Es wirkt befreiend für den Geist, sein echtes Ich zu entfalten, was zur Folge hat, dass man ausgeglichener wird. Durch das neue Wissen über einen selbst, vertraut man seinem Bauchgefühl ebenfalls immer mehr und wird sich dessen auch immer bewusster.

Kämpfe nicht, entlasse alles ins Freie
Beim Öffnen der Türen stößt man nicht nur auf sein wahres Ich, sondern auch auf alles andere, das vom Unterbewusstsein gespeichert wurde. Es passiert auch, dass Emotionen hervortreten, die man verdrängt hat. Man darf nicht gegen sie ankämpfen, sondern sollte sie ins Freie entlassen, um diese Zimmer leer zu räumen. Je mehr Zimmer auf diese Art und Weise leergeräumt wurden, desto klarer werden die Gedanken.

Im Vergleich zum alten ‚Ich‘ erlebt man sich nun viel intensiver, da man nun viel mehr seines echten Ichs darstellt, man einen befreiten Kopf hat und dadurch gelassener ist. Durch einen freien Kopf ist man nun besser in der Lage seiner Umgebung mehr Aufmerksamkeit zu schenken und mehr Details wahrzunehmen.

Hat man die Arbeitsschritte des Türenöffnens verinnerlicht, so ist man in der Lage, Türen viel schneller zu öffnen und weiß immer mehr mit den neuen Erkenntnissen anzufangen. Man sollte jedoch zu keinem Zeitpunkt denken, alle Türen des Hochhauses geöffnet zu haben, denn die Psyche besitzt viele dunkle Ecken, von denen man überhaupt nichts weiß. Sollte man keine weiteren Türen finden, so sollte man mit der Erforschung des Ichs nicht aufhören, sondern Selbstreflexion betreiben. Dadurch entdeckt man weitere Türen, die es zu öffnen gilt.

Hat man das Gefühl, sein wahres Ich ausreichend gut zu kennen, so kann man versuchen, es komplett in den Alltag zu adaptieren oder beginnen mit der Veränderung des Ichs zum aus eigener Sicht Positiven hin. Das Verändern erfordert eine Menge Aufwand, da man sein wahres Ich tiefgreifend beeinflussen muss. Dies erfordert ein hohes Maß an psychischer Stärke und Selbstsicherheit. Da man jetzt als eigener Psychologe auch sein Unterbewusstsein ’neuprogrammiert‘, muss man sich seiner Sache sicher sein und keine Angst aufkommen lassen. Das Ablegen von Ängsten erleichtert die Reise in das Innere im Allgemeinen sehr. Treten Ängste auf oder man ist sich unsicher, so sollte man mit kleinen Veränderungen beginnen, um Erfahrung zu sammeln. Am besten gelingt dies durch häufiges Durchspielen von unterschiedlichen Situationen im Geiste, die man nüchtern und aus einiger Distanz zu sich selbst erfasst und sein Verhalten als positiv oder negativ bewertet. Erst dann ist eine eigene Verhaltensanalyse erfolgreich, da das eigene Ego in den Hintergrund tritt und somit keinen Einfluss darauf hat. Verhaltensweisen, die als positiv bewertet werden, sollte man sich in Form von ‚Regeln‘ merken. In eigenen Augen negatives Verhalten sollte man sich ein weiteres mal vor Augen führen und überlegen wie man sein Verhalten in dieser Situation hätte ändern müssen, um es als positiv zu bewerten. Sobald man weiß, wie man dieses Verhalten verändern möchte, sollte man diese Änderung verallgemeinern zu einer Regel, um dieses Verhalten in Zukunft auf eine Vielzahl von Situationen anwenden zu können. Damit eine wirkliche Verhaltensänderung eintritt, erfordert es seine neu aufgestellten Regeln in nächster Zeit im Alltag regelmäßig vor Augen zu führen, um sie zu verinnerlichen.

Bin ich auf dem richtigen Weg?
Das negative Verhalten kann man sich ebenfalls immer wieder vor Augen führen, um die Verbesserung zwischen alt und neu einfacher zu erkennen und so ein noch größeres Verlangen zum Adaptieren der neuen Regeln in den Alltag zu entwickeln. Erkennt man eine seiner neuen Verhaltensweisen während des normalen Lebens, so bewirkt ein sich dessen Bewusstwerden Zufriedenheit und Freude. Dieses positive Erlebnis zeigt einem auf, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet und motiviert zum weiteren Ausüben dieser Reisen in sein inneres oder gar zur Intensivierung dieser Reisen. Dadurch lernt man, immer besser in das eigene Unterbewusstsein einzudringen.

Sobald man findet, dass man sein wahres Ich nach außen hin deutlich zeigt und die neuen Regeln nun Teil des wahren Ichs sind, sollte man nicht aufhören sein Verhalten weiterhin zu analysieren, da die positive Bewertung einen ausgeglichener werden lässt und man mit sich im Reinen ist. Das ’natürlichste‘ Verhalten bewirkt eine Vereinfachung des Denkens, man lässt sich mehr von der eigenen Intuition leiten.
Hat man solche Reisen oft genug unternommen und kennt immer mehr dunkle Ecken seiner Psyche, so wird es immer einfacher sich dort fortzubewegen. Nun kann man beginnen, Reisen zu machen, um dem Alltag zu entfliehen und dadurch einen weiteren Ausgleich schaffen. Man kann sich während eines trance-ähnlichen Zustands in beliebige Situationen begeben und erlebt diese als fast schon real. Unbedingt erforderlich ist es jedoch, sich komplett fallen zu lassen und tief in die Psyche einzudringen. Durch das häufige Reisen in die Psyche ist man nun gefestigt und entspannt genug, immer tiefer einzudringen und so das ‚Kopfkino‘ zu starten und es ohne Ängste oder Realitätszweifel zu genießen. Sollte man jedoch Angst bekommen, reicht das Öffnen der Augen aus, um den Ausgang aufzusuchen.

Abschließend lässt sich sagen:
Um Psychonaut zu werden muss man sich komplett öffnen und fallen lassen können. Die ‚Ausbildung‘ zum Psychonauten dauert einige Zeit und kann einen erschöpfen, die Belohnung ist jedoch umso größer, je weiter man in der ‚Ausbildung‘ vorangeschritten ist. Ein Psychonaut ist sich seines Glücks bewusst, sich viel besser selbst zu kennen als ein Großteil der Menschheit, der dieses eigene innerste Ich niemals kennen lernen wird. Schlüsse, die man durch das Reisen erlangt hat, führen zu einer gesteigerten Lebensqualität und dadurch auch zu mehr Ruhe und Gelassenheit. Ängste und Selbstzweifel können abgelegt werden und ein auf Wunsch viel intensiveres Erleben von Situationen oder Eindrücken, wie zum Beispiel Musik, ist nun problemlos möglich. Negative Gefühle sind weniger belastend durch den gestärkten Geist und das gesteigerte Selbstbewusstsein. Sie sind zwar vorhanden und beeinflussen die momentane Stimmung, doch man ist sich sicher, dass dies nur ein temporärer Zustand ist und bald der Ausgeglichenheit weicht. Man ist sich viel öfter bewusst, wie gut man es doch im Vergleich zu anderen Personen hat.
Die eintretenden Ergebnisse sind vergleichbar mit denen von buddhistischen Mönchen, welche bekanntlich tiefste Zufriedenheit in sich tragen, was sich ebenfalls in ihrer äußerlichen Erscheinung bemerkbar macht.

Doch Achtung:
Hat man ein zu großes Ego, so kann man schnell denken, dass man etwas besseres als die anderen ist. Dieses Denken kann auch zu einer gewissen Selbstverliebtheit führen, wodurch man die eigentliche Intention dieser Reisen in sein Inneres verfehlt und den eigenen Geist verunreinigt und nicht befreit. Man sollte sich nicht als etwas besseres sehen, sondern als Mensch, der diesen wichtigen Schritt zur inneren Zufriedenheit schon begangen hat.

Bist du bereit für diese Reisen, so breche auf und mach dich auf etwas Faszinierendes gefasst.“

Meditation lernen kannst du bei Yoga Vidya.

 

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