Stell dir vor, du stehst am Bahnhof in Paderborn – nur eine halbe Stunde vom Yoga-Vidya-Zentrum entfernt, wo du gerade einen Aufenthalt verbracht hast. Auf dem Programm standen eine Ayurveda-Ausbildung, eine tägliche Yoga-Stunde und natürlich auch der Satsang am Morgen und Abend. Klingt nach tiefen Erfahrungen mit Yoga Vidya, oder? Bist du im Bilde?
Vom Ashram in den Alltag: Der Moment der Leere am Bahnhof Paderborn
Und jetzt – was machst du am Bahnhof in Paderborn? Ich war einmal genau in dieser Situation. Ich kam gerade von Yoga Vidya und wollte nach Köln fahren. Doch als ich am Bahnhof in Paderborn auf meinen Anschlusszug wartete, fühlte ich mich plötzlich furchtbar einsam und getrennt. Diese wunderbare Energie, die ich bei Yoga Vidya erlebt hatte, – die Gemeinschaft, das Gefühl von Einheit und Harmonie mit etwas Höherem – war mir schlagartig verloren gegangen.
Was denkst du, was ich dann tat? Vielleicht überrascht es dich, aber ich holte ein Kirtan-Heft aus meiner Tasche, das ich mir noch vor meiner Abreise im Shop gekauft hatte. Ich wollte zu Hause hin und wieder Kirtan singen, denn obwohl ich zunächst skeptisch gewesen war, in meiner Ayurveda-Ausbildung zusätzlich Zeit in den Satsangs zu verbringen, hatten gerade sie einen tiefen Eindruck in meiner Seele hinterlassen. Nachts geisterten die Mantras, die ich beim Singen gelernt hatte, durch meinen Geist. Sie schienen mir zuzuflüstern: „Ich liebe dich, lerne mich, nimm mich mit nach Hause. In mir findest du große Weisheit, das große Licht.“ Und nun stand ich also am Bahnhof in Paderborn – und begann aus purer Verzweiflung, das „Jaya Ganesha“ zu singen.

Ganesha wurde während meiner Zeit bei Yoga-Vidya ein besonderer Freund
Wenn wir unsere vertraute Umgebung verlassen und hinausgehen in die Welt, erscheint sie uns manchmal fremd und kalt. Gerade in Städten laufen die Menschen an uns vorbei, als würden wir gar nicht existieren. Und wenn man eine Woche lang bei Yoga Vidya war, eingehüllt in die göttliche Liebe und umgeben von einer Gemeinschaft, in der man sich an jeder Ecke mit jemandem unterhalten kann, wie in einer großen Familie, dann kann der Alltag draußen wie ein rauer Wind wirken, der einem plötzlich entgegenschlägt. Ein bisschen so, als würde man ohne Vorwarnung aus einem warmen Planschbecken gezogen und in das tiefe, kalte Wasser einer anderen Wirklichkeit geworfen.
Genauso fühlte ich mich damals. Doch nachdem ich eine Weile Ganesha gerufen hatte, ging es mir langsam besser. Ich fand zurück zu dem Gefühl der Einheit. Und just in diesem Moment hatte das Kirtan-Singen einen besonderen Platz in meinem Herzen erobert, denn es führte mich innerhalb weniger Minuten zurück zu Gott – ganz einfach, sicher und ohne großen Aufwand.
Unser Herz erinnert uns daran, dass Gott in uns ist
Heute kann ich viele der Lieder auswendig und habe sie schon unzählige Male gesungen. Sie gehören unabdingbar zu meinem Leben. Und warum? Weil sie mich mit dem Licht und der Liebe in meinem Herzen verbinden. Sie erzählen mir von Gott und dem höchsten Bewusstsein, das durch mich hier auf Erden wirken kann. Erst durch meine Yoga-Praxis habe ich ganz allmählich überhaupt verstanden, was Gott eigentlich ist – diese Erkenntnis und das sanfte Hinführen zum Göttlichen während meiner Aufenthalte in den Ashrams sind sicherlich eines der größten Geschenke, welche mir durch Yoga Vidya zuteilwurden.
Gott ist immer bei uns, selbst wenn wir sagen, wir glauben nicht daran. Denn letztlich sind wir selbst Gott – ein Funke des Lichts, des höchsten Selbst, das auf dieser Erde in einem menschlichen Tempel wohnt: in unserem Herzen. Und genau dieses Herz wird berührt, wenn wir hingebungsvoll nach Ganesha, Krishna und Lakshmi rufen. Sie erwachen in uns und wir beginnen sie wahrzunehmen, erst ganz langsam und sanft und dann immer klarer und eindringlicher. Sie begleiten uns, weisen uns den Weg zur Himmelspforte und lassen unsere Talente und Schöpferkraft erwachen. Jeden Tag erinnern sie uns durch unser Herz daran, Yoga mit Körper, Geist und Seele zu praktizieren. Denn dann steigen wir eines Tages zu ihnen auf und erreichen das Ziel des Yoga: die Befreiung vom ewigen Kreislauf des Samsara.

Erfahrungen mit Yoga Vidya: Was bleibt, wenn der Ashram fern ist?
Ich sehne mich nach diesem Ziel und gehe den Weg des Yoga – Tag für Tag. Wenn ich zweifle oder mich einsam fühle, rufe ich leise und sanft nach Gott, praktiziere achtsam einige Asanas und versenke mich in die Meditation. Danach fühle ich mich wieder gestärkt und gehe meinen Weg mutig weiter. Und du? Hast du das göttliche Lächeln in deinem Herzen schon gefunden, den Weg des Yoga beschritten? Ich lade dich ein, diesen Weg mit uns, mit der Gemeinschaft aller Yoga-Praktizierenden, zu gehen, so wie einst Swami Sivananda uns einlud, ihm auf dem Yoga-Pfad zu folgen. Im Januar 1946, kurz nach dem 2. Weltkrieg, schrieb er in einem Brief, den ich in der Bhagavad Gita las:
“Friends, Gita embodies in itself a solution to the immediately pressing problems of man and carries a wonderful message of encouragement, hope, cheer and consolation. It is a direct appeal to divinise the entire nature of man. …. “ *
“Freunde, die Gita bringt eine Lösung für die unmittelbar drängenden Probleme des Menschen zum Ausdruck und trägt eine wunderbare Botschaft der Ermutigung, der Hoffnung, des Trostes und der Zuversicht in sich. Sie ruft dazu auf, das göttliche Selbst des Menschen zur Entfaltung zu bringen… “ *
Spiritualität als Wegweiser in einer Welt mit Herausforderungen
Die menschliche Natur zu transformieren und das höchste Selbst in ihr zum Vorschein zu bringen, ist in Anbetracht weltweiter Konflikte, Krisen und des Klimawandels von großer Bedeutung. Angesichts der Herausforderungen unserer Zeit ist es mehr denn je notwendig, den Weg zu einem friedvolleren und rücksichtsvollerem Miteinander zu beschreiten. Wenn wir Sat-Chid-Ananda erfahren – Sein, Wissen und Glückseligkeit –, die Schleier des Unbewussten sich in uns auflösen, gehen wir in unserer göttlichen Natur auf und erkennen mit Gewissheit: Ich bin in Gott und Gott ist in mir – in alle Ewigkeit – Satchidananda Swarupoham.
(*Auszug aus: Shrimad Bhagavad Gita, Text und Erläuterung von Swami Sivananda)
Diana Helen Fegert
Über die Autorin

Diana Helen Fegert ist seit Kindesbeinen mit dem Yoga verbunden. Über lange Jahre hinweg hat sie intensiv meditiert, bis sich die Grenzen zwischen diesen und den Lichtwelten begannen aufzulösen. Schamanische Praktiken haben es ihr außerdem später erleichtert, noch intensiver in Kontakt mit diesen Welten, die im Alltag oft verborgen scheinen, zu treten.
Bei Yoga Vidya hat sie ihr Wissen durch Seminare und Ausbildungen in den Bereichen Yoga, Meditation, Schamanismus und Ayurveda erweitert. Seit einigen Jahren begleiten sie intensiv auch jene Lehrer, die in ihrem Herzen residieren. Das Herz ist der Ort, der uns an unseren inneren Guru verweist, an das göttliche Licht, das uns lehrt, begleitet und durch unser Leben führt.
Dieses göttliche Licht zu finden, ist unsere wichtigste Aufgabe im Leben und wenn wir es gefunden haben, dann strahlt es durch uns hinaus in die Welt. Auf diesem Wege hat Diana ihr Dharma gefunden und möchte die Welt bereichern, mit ihren Texten, Bildern, Meditationen und dem Wissen, das die geistige Welt ihr schenkt.
Kontakt zu Diana Helen Fegert:
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Ayurveda ist die uralte Wissenschaft von Leben, die über Jahrtausende hinweg erprobt und verfeinert wurde. Da jeder Mensch einzigartig ist, werden auch Behandlungen typgerecht gegeben. Die Entspannungstechniken, natürlichen Heilverfahren und Ayurveda lernst du am besten in der Praxis von Seminaren kennen.
Ob ayurvedische Ernährung, ayurvedische Massage, Ayur-Yoga, ayurvedische Medizin, Panchakarma oder ayurvedische Wellness: Alle inneren Kanäle öffnen sich und der Körper wird in seiner Entgiftung, Zellerneuerung und Heilung angeregt.
Asanas, Meditation und Mantra-Singen ergänzen die Seminare in idealer Weise. Die Yoga Vidya Ashrams sind inzwischen langjährige Ausbilder für ayurvedische Seminare. Sie stehen für die Synthese traditioneller Yogalehre und ayurvedischer Gesundheitslehre.