OM – Ein Gedicht

Um des guten Willens Willen
so lasse ich dich wissen,
dass ich mich ein ums andre Mal,
aufs immer Neue neu entschließe.

Für die Stille,
für den Frieden,
für den Siegeszug der Liebe, 

um Mensch für Mensch für Mensch für Mensch
inmitten jener Gegenwart des Ganzen,
zu bitten um das gut sein lassen
des Augenblicks
des Augenblicks
des ewig ungeteilten Augenblicks.

Und im Moment des Augenschließens
erschließt sich mir die Welt im Ganzen,
als ‚ohne hier‘ und ‚ohne dort‘ –
im Hier und Jetzt,
von ganzem Herzen.

In meiner Ein-Sicht zeigt sich,
dass ich nicht ‚Ich‘ bin und nicht nichts bin.
Doch weiß ich, dass ich niemals nicht bin,
denn immer bin ich, weil ich bin.

Im Schauer dessen, was erscheint,
betritt ein Durcheinander diese Welt,
ein tolles Schauspiel, wohl geeignet,
um hunderttausend Fragen sich zu stellen:

„Woher?“, „Wohin?“, „Warum?“ und „Wie?“,
derart des Geistes Stimmen komponieren,
und niemals endend dieser schrille Kanon klänge,
wär nicht der Schoß der Stille allen Denkens Domizil.

Begnüge dich mit Nichts und Allem,
wünsche, weine, sei vollkommen,
ganz wie es dir beliebt, so sei,
und ist es anders,
bezeuge, was sich zeigt.

Ein Rätsel ist, was ungewusst,
Gewissheit ist, was voll erkannt.
Verneigung dem, was sich verbirgt,
Der Kenntnis ein‘ Willkommensgruß!

Komm, oh Geliebter,
Komm, oh Geliebte,
als eignes Selbst erweise mir,
dich selbst als Ziel und Ursprung aller Dinge,
wo du auch bist, ich bin mit dir.

Nicht dies, nicht das – und trotzdem alles,
so ist des Nicht-Nichts Eigenheit,
und glänzt im Schein der Offenbarung,
als stilles Sein der Ewigkeit.

Endlos könnten Worte tönen,
von Wirrnis und von Einsicht künden,
abermals sich selbst verschlingend,

Doch wisse:
Was begrenzt ist,
das wird das Freie
nicht begrenzen …

Stille.
Stille.
Stille.

OM

(dg)

 

1 Kommentar zu “OM – Ein Gedicht

  1. Wow, das ist wirklich wunderbar in Worte gebracht – toll! Danke!

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