Meditationspraxis: Trockenperioden in der Motivation

Motivation ist für das regelmäßige Praktizieren sehr wichtig

Jeder von uns kennt es: Heute habe ich einfach mal keine Lust zum Meditieren. Wir sind keine Maschinen, die 24/7 genau das tun, was sie eigentlich tun sollten. Die Frage ist, ob dann eine Pause sinnvoll ist oder eher nicht. Zum Umgang mit diesen Motivationslöchern gibt es einige Ansätze, man muss nur den richtigen finden.

Die meisten Menschen, die regelmäßig üben, haben irgendwann einmal keine Lust mehr. Ihnen fehlt die Motivation, sich auf die Matte zu stellen, die Mala herauszuholen oder sich Zeit zu nehmen für das Studieren der Schriften. Es heißt doch, die Praxis soll von ganzem Herzen kommen, nicht halbherzig gefuscht. Also kommt bei vielen zu der Unlust noch ein schlechtes Gewissen hinzu. Das macht die Sache nicht besser. Aber keine Sorge, dieser Zustand hält nicht für immer an! Es gibt niemanden der etwas durchzieht und es nach 50 Jahren immer noch nicht mag. Packen wir also das Problem bei der Wurzel

Ursachen für Unlust

Wenn die Lust am Praktizieren fehlt, dann gibt es einen Grund. Einer der Gründe kann sein, dass wir nicht genug auf unseren Körper gehört haben. Hast du den Schlaf in letzter Zeit reduziert? Dann bist du müde, nickst eventuell schon in der Meditation ein oder hast keine Kraft für die Asanas. Isst du in letzter Zeit gesund? Eine unausgewogene Ernährung macht unseren Geist träge und die Konzentration fällt deutlich schwerer. Manchmal sammeln sich Unreinheiten im Körper, die es uns schwer machen ruhig zu bleiben. Wir sind träge oder aufgewühlt und sind schnell von allen möglichen Dingen genervt.

Wenn wir nicht genug geschlafen haben, kann es sein, dass wir nicht so gut praktizieren können wie gewohnt.

Manchmal belasten uns ernsthaft Missstände in Körper, Geist und Seele. Dann sollten wir uns nicht „kaputt praktizieren“. Sind Krankheiten wie bei Swami Sivananda der Diabetes Ursache unsere fehlende Motivation, müssen wir mehr auf unseren Körper Acht geben. Neben körperlichen Ursachen kann auch unser Geist ins Schwanken kommen. Wenn uns etwas bedrückt oder wir sehr aufgewühlt sind, fällt uns die Praxis schwerer und wir verlieren die Lust. Auch wenn Fortschritte nicht im Vordergrund stehen, kann es demotivierend wirken, Rückschläge wahrzunehmen. In manchen Fällen kann es auch passieren, dass unser Geist schlicht und ergreifend gegen die Monotonie streikt. Wir wollen dann nicht mehr die alte Leier laufen lassen, sondern Abwechslung.

Durchhaltevermögen

Patanjali hat uns ein dickes Buch mit vielen Hilfen und praktischen Tipps für solche Fragen an die Hand gegeben. In „Die Yogaweisheiten des Patanjali für Menschen von heute“  erklärt Sukadev, dass es besser ist, mechanisch zu üben als gar nicht. Es ist nach Sukadev besser, sich hinzusetzten und über Gott und die Welt nachzudenken, als gar nicht zu sitzen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen, kommen wir nicht aus der Übung. Vom Yoga gibt es keine Pause und nach jedem verpassten Tag, fangen wir wieder von null an. Nun ja, eventuell nicht ganz null, aber doch sehr viel weiter unten, als uns in den meisten Fällen lieb ist. Besonders bei körperlichen Ursachen für die Trockenperiode kann das Ausweichen auf mehr Meditation statt körperlichen Übungen eine Lösung sein.

Es mag Tage geben im Leben eines Aspiranten, wo er keine Zeit hat zu essen. Es mag Tage geben, wo er keine Zeit hat zu schlafen. Aber es sollte keinen Tag geben, wo er keine Zeit hat zu meditieren. Denn ein Tag ohne Meditation ist wie zwei verlorene Tage.

Swami Sivananda

Zum anderen brauchen wir dann keine Zeit freischaufeln, wenn wir wieder Lust haben. Sind ohnehin jeden Tag 20 Minuten zum Dehnen eingeplant, brauchen wir nicht nach neuen Löchern in unserem überfüllten Zeitplan suchen, um die Praxis in den Tagesablauf zu integrieren. Auch psychologisch gesehen hat mechanisches Üben einige Vorteile. Wenn wir Dinge tun, auf die wir keine Lust haben, kennt unsere Psyche oft zwei Strategien: Einen Weg finden, es nicht mehr tun zu müssen und einen Weg finden, es zu mögen. Wir sind Gewohnheitstiere und können uns erstaunlich schnell an Dinge gewöhnen, die uns dann auch tatsächlich Spaß machen.

Wir lösen Unlust, um zur inneren Motivation zurück zu finden.

Damit dieses „tatsächlich Spaß machen“ sehr bald wieder einsetzt, ist es wichtig den Grund für die Unlust zu lösen. Wie immer im Yoga, müssen wir uns also zunächst selbst kennenlernen, den Grund herausfinden und dann versuchen neue Motivation aufzubauen. Das kann heißen eine Krankheit zu heilen, mehr zu schlafen oder einmal neue Asanas auszuprobieren. Ein anderes Mantra, ein neues Buch oder einfach Durchhaltevermögen können die Lösung allen Übels sein. Was brauchst du, um wieder Motivation zu finden?

Die Antwort in uns

Es gibt keine Frage, deren Antwort außerhalb von uns ist. Wir haben alles Wissen, alle Antworten und alle Erkenntnis bereits in uns drin. Haben wir uns in letzter Zeit übernommen, kann es sinnvoll sein, die Praxis etwas zurückzuschrauben. Allerdings brauchen wir dann Viveka (Unterscheidungskraft). Haben wir den Wunsch uns auszuruhen, weil unser Energielevel durch zu wenig Praxis niedrig ist oder weil wir uns übernommen haben und neue Energie schöpfen müssen, um wieder loszulegen? Ist das Energieniveau trotz geringer Praxis niedrig, wird es nicht dadurch steigen, dass wir weiterhin nichts machen.

Die Kunst ist, die richtigen Fragen zu stellen, dann kommt auch die Antwort.

Sukadev

Muss der innere Schweinehund überwunden werden, kann die Lösung externe Hilfe sein. Beispielsweise ist es in einem Ashram deutlich leichter viel zu praktizieren. Hier ist die Ablenkung nicht so groß, andere können einen mitziehen und es gibt ständig Gelegenheiten Yoga zu üben. Der Mehraufwand, um anzufangen, geht quasi gen Null. Der Ashram kann als Joker gegen innere Unlust gezogen werden. Es ist ein Ort, an dem wir Energie allein durchs Dasein bekommen. Hier sind viele inspirierende Menschen, Situationen und Begegnungen, die unsere Motivation zur Praxis steigern, beflügeln und dauerhaft wiederherstellen. Auch eine gemeinsame Meditationsgruppe kann solch eine Wirkung haben. Was auch immer du brauchst, um aus diesem Tief raus zu kommen, die Lösung ist in dir und sie ist machbar!

2 Kommentare zu “Meditationspraxis: Trockenperioden in der Motivation

  1. Lieber Sukadev, deine Worte, deine Texte, alles ist immer mehr als sehr gut und es “trifft” es auch immer. Ich wünsche dir viel Gesundheit, dass du weiterhin so viele Menschen im Herzen berührst.

    • Om liebe Devajyoti,
      vielen dank für deine lieben Worte. Der Text ist tatsächlich nicht von Sukadev, den habe ich selbst geschrieben. Aber Texte von ihm sind wirklich inspirierend. Wir können viel aus ihnen gewinnen.
      Alles liebe aus Bad Meinberg und bis zum nächsten Mal,
      Isabelle

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