Yoga Wiki über Erfahrungen und die Gunas

Wie kann es sein, dass ein und dieselbe Erfahrung einer gleichen Person mal auf die eine oder andere Art und Weise empfunden oder, besser gesagt, erfahren wird?

Angenommen du gehst du gehst eine Straße entlang und siehst 20 Euro auf dem Boden liegen. In einem Fall greifst du sofort danach, steckst das Geld ein und gehst mit leicht schlechtem Gewissen weiter. In einem anderen Fall siehst du den Geldschein liegen, hebst ihn auf und fragst dich zunächst, wem wohl der Geldschein gehört. Vielleicht blickst du dich um und siehst eine Person, bei der weitere Geldscheine aus der Hosentasche quillen und die Geld verliert. Du gehst auf die Person zu, weist sie daraufhin und gibst ihr problemlos die verlorenen 20 Euro zurück.

An einem anderen Tag gehst du mit deinem Freund spazieren, er sieht die 20 Euro vor seinen Füßen liegen und hebt sie auf. Du hattest sie gar nicht bemerkt, weil du vielleicht deprimiert warst. Nun siehst du deinen strahlenden und jubelnden Kumpel und beginnst dich zu ärgern. Vielleicht streitet ihr sogar um das Geld.

Wie kann es also sein, dass ein und dieselbe Person eine gleiche Situation zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich wahrnimmt, unterschiedlich reagiert und handelt? Es sind die Gunas, welche unsere Erfahrungen steuern. Daher ist es so wichtig, sich mit der Lehre der Gunas  aus dem Vedanta vertraut zu machen.

In der ersten Situation überwog in unserem Beispiel Rajas. Rajas ist eine Grund-Energie, welche die Person im feinstofflichen Körper zu der Annahme verleitet, sie sei selber die handelnde Person. Der Mensch mit viel Rajas identifiziert sich mit Handlungen, Ideen und auch Erfahrungen aus der Vergangenheit. Das Bewusstsein, dass seine wahre Natur ewiges Gewahrsein ist, ist nicht möglich in diesem Zustand. So wird die Erfahrung des Geldfindens anders bewertet und entsprechend reagiert. Er steckt das Geld ein.

Im zweiten Fall überwog Sattwa. Sattwa steht für Reinheit und Klarheit. Wenn Sattwa im Geist der Person dominiert, bedeutet das, dass viele Gewohnheiten, also sogenannte Vasanas, schon abgearbeitet und aufgelöst wurden. Der Mensch unterliegt nicht mehr so stark falschen Vorstellungen bezüglich der Welt und seiner eigener wahren Natur. Der Mensch ist Satchidananda. Wenn unsere Beispielperson das Geld in so einem Zustand findet, ist ein Verhalten, das sich an Ethik und göttlichen Prinzipien, also Tugenden, orientiert, ganz natürlich.

Die Gunas wechseln aber nun mal. Sattwa kann durch ausreichend und kontinuierliches Sadhana kultiviert werden. Am Anfang der Yogapraxis kann das schnell passieren. Manchmal brechen aber alte Vasanas wieder durch. In unserem letzten Beispiel überwog Tamas. Tamas steht für Trägheit, Dumpfheit und Dunkelheit. Die Person erkannte nicht einmal den Geldschein am Boden. Der Freund allerdings schon. Als er dies erkannte, wechselte Tamas in Rajas und es kam vielleicht zum Streit.

Ein spiritueller Mensch würde bei sich im besten Fall Tamas feststellen, es beobachten, aber sich davon weniger beherrschen lassen. In Sattwa ist vieles leichter. Dieser Wechsel zwischen den Gunas wird Glühwürmchen-Effekt genannt. Mal leuchtet das Satchidananda durch den feinstofflichen Körper hindurch, dann wechselt die Guna mehr zu Rajas und die Person strahlt weniger. Es dauert, bis man auf seinem spirituellen Weg gefestigt ist und man seinen Geist kultiviert hat. Alles Sadhana ist eine Vorbereitung für den Geist auf genau diese Selbsterkenntnis: Aham Brahma Asmi.

Bis dahin werden wir noch einige Bananenschalen und Geldscheine als Stolpersteine unseren Weg kreuzen. Bleibe in deinem täglichen Sadhana und studiere zudem die Lehre der Gunas. Es ist eine wichtige Lehre im Yoga genauso wie im Ayurveda. Frohe Weihnachten Allen. (cb)

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