Yoga im Sommer: Baum Meditation

Mit ein bisschen Glück ist der Juni der Monat, in dem uns die Welt nicht schöner vorkommen könnte: Es ist warm, aber noch nicht heiß, früh hell und spät dunkel, man sieht die ersten Früchte reifen und es duftet immer noch nach Blüten und frischem Gras. Man könnte das Leben einfach genießen. Wäre da nur nicht…

Eigentlich ist es doch verblüffend, wie talentiert wir sind, Gründe zu finden, die uns das Glück immer wieder vermasseln. Es mag ja schön sein da draußen. Aber immer wenn man Zeit hat, regnet es. Außerdem hat man viel zu viel zu tun. Und die Menschen sind einfach zu schlecht, als das man sich noch über eine schöne Welt freuen könnte. Oder man ist leider zu einsam und … , um sich an der Schönheit und dem Licht zu erfreuen.

Da wird es höchste Zeit, den rotierenden Gedankenstrom anzuhalten. Wie soll man denn die Schönheit genießen, wenn man selbst ständig mit diffusen Gedanken beschäftigt ist? In einem Buch über den Rhythmus der Natur las ist kürzlich, dass der Juni der Monat der Selbstliebe ist. Wunderbar! Und um das wirklich zu spüren, gibt es darin eine prima Meditation zur Entfaltung des eigenen inneren Lichts. Die geht so:

Stelle dich an einem sonnigen Junitag leicht bekleidet in die Sonne und tanke Licht. Lass dich  bescheinen, spüre, wie Helligkeit alle deine Zellen durchdringt. Freu dich über den Augenblick und die Kraft, die sich in dir ausbreitet. Mach das fünf Minuten lang ganz bewusst, und wenn du dich so richtig aufgeladen hast, stell dich ein paar Schritte weiter unter einen Baum. Atme tief und stell dir vor, wie du Wurzeln bis tief in die Erde schlägst. Lass die Kraft der Erde über deine Fußsohlen in den Körper steigen, Körperteil für Körperteil. Stell dir vor, du wärst selbst ein Baum. Du ziehst du Energie aus der Erde bis hoch in dein Geäst, schlägst Wurzeln, streckst deine Äste zu allen Seiten aus, lässt Blätter und Blüten wachsen. Wie viele Äste hast du in diesem Leben schon gebildet? Um wie viel bist du schon gewachsen? Was hast du schon alles geschafft?

Und wie viele Chancen hast du immer noch, in alle Richtungen weiter zu wachsen, dich auszudehnen, dein Wesen in dieser Welt zu entfalten? Unendlich viele mit jedem Ast! Du kannst beobachten, wie du größer wirst und wie viel Raum du einnimmst. Es ist dein Raum. Du darfst ihn mit all deiner Kraft, mit deinem Wesen, mit deiner inneren und äußeren Größe einnehmen. Und hoppla, ist da womöglich irgendwo der Energiefluss ins Stocken geraten? Hast du dir deine Äste verbiegen oder gar am Wachsen hindern lassen? Genau jetzt kannst du das Licht vom Himmel und die Kraft aus der Erde zusammennehmen und sie genau zu dieser Blockade schicken. Genau jetzt kannst du beschließen, deinen Raum zu vergrößern und dich über dich selbst zu freuen. Du bist so stark, so groß, so lebendig und schön wie ein Baum. Und du hast das gleiche Recht darauf, einfach du selbst zu sein. Wer sagt, dass du dich nicht auch mit allen anderen Lebewesen an der Schönheit des Lebens freuen darfst? Wenn du genug getankt hast, lege beide Hände auf die Erde und gib ihr zurück, was du nicht brauchst.

Das Leben ist ein Geschenk. Und noch viel wichtiger: Du selbst bist ein Geschenk. Wenn du es pflegst, wird es auch dann noch strahlen und leuchten, wenn die Welt draußen längst wieder dunkler und kälter ist.

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Literaturquelle:  „Der Jahreskreis“ von Martina Kaiser

Dietlind Arndt lebt und arbeitet seit Januar 2010 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

1 Kommentar zu “Yoga im Sommer: Baum Meditation

  1. Haripriya

    Super schön :-)))
    Ich lese deine Beiträge immer sehr gerne.
    Vielen Dank und lichtvolle Grüße von Haripriya

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