Yoga im Sommer: Mut zum ganzen Leben

„Lebe wild und gefährlich, Arthur“. Das Plakat mit gleichnamigem Zitat hat mal in jede Studenten-WG gehört, die etwas auf sich hielt. Vermutlich weil dem einfach nichts mehr hinzuzufügen ist, solange man nur Student/in ist. Später sieht die Sache dann schon anders aus. Dann kommt schon mal die Frage hoch: Was soll das eigentlich sein, das wilde und gefährliche Leben? Und sollte man ab Mitte dreißig nicht eigentlich genug davon haben? Bis dahin hat man im Zweifelsfall schon eine Karriere am Hals, eine Familie in Planung und eine Eigentumswohnung im Visier. So ist das Leben. Alles hat seine Zeit.

Und dann, weil einem gerade der Körper unter der Nase wegrostet oder man sich bei der Frage ertappt, was das Ganze eigentlich soll, landet man vielleicht beim Yoga und atmet auf: Endlich wieder etwas, dem nichts mehr hinzuzufügen ist. Ganz im Hier und Jetzt sein. Stille. Reines Gewahrsein. Na zumindest dienstags und donnerstags zwischen 19.00 und 20.00 Uhr. Und mit der gewonnenen Kraft lässt sich der Alltag für die nächsten drei Tage wieder wuppen.

Und dann gibt es da noch die wachsende Zahl der Menschen, für die Yoga zu so etwas wie einem Lebensinhalt wird.  Endlich ist man angekommen. Endlich. Nach vielen Monaten täglicher Praxis, nach unzähligen Workshops und Yoga Ausbildungen, nach 10 Minuten im Kopfstand und 8 Minuten in der Vorwärtsbeuge kann einen nichts mehr aus der Ruhe bringen. Und über das wilde und gefährliche Leben kann wieder sanftmütig milde lächeln. Wunderbar, würde Patanjali sagen, genau so war das schließlich gedacht: Yoga ist kein Ausgleichssport. Yoga ist eine Lebenseinstellung. Und davon kann es nicht genug geben.

Allerdings: Selbst als überzeugter Yogi kann es schon mal passieren, dass man eines Tages aufsteht und denkt, was man dachte, längst hinter sich gelassen zu haben: War das schon alles? Ist das wirklich das, was mich rundum glücklich macht? Ist das wilde und gefährliche Leben nur etwas für Partybienen und Globetrotter unter dreißig? Da lohnt sich, eine der vielen Geschichten zu lesen, die Swami Vishnu uns aus seinem Leben und Lehren hinterlassen hat. Denn egal, was er tat, für alles galt: Tue es aus ganzem Herzen und mit voller Kraft. Man könnte auch sagen: Lebe dein Leben. Denn alle Aufgaben, die es dir gibt, sind Aufforderungen, deine verborgene Kraft, deine Kunst und Leidenschaft darin zu entfalten.

Könnte also hinter dem gefährlichen Leben doch mehr  stecken, als ein wildes Studentenleben?  Steht es womöglich schon im Nebenzimmer und wartet nur darauf, dass man endlich den Mut zusammen nimmt und die Tür zu durchschreiten? Die Sache mit dem Yoga ist ja auch die: Es kann Herzen und Chakren öffnen. Und es macht mutig. Im Dreieck zum Beispiel, wenn man dabei die eigene tiefe Verbundenheit mit der Erde spürt und die Stabilität in den gegrätschten Beinen. Dann kann man sich und das eigene Herz plötzlich ganz leicht und einfach in alle Richtungen öffnen. Arme austrecken ,vorbeugen, den Blick weit in den Himmel richten. Im Dreieck kann man in voller Größe und Präsenz das Leben genießen und die Verankerung im Leben spüren. Und auf einmal ist es ganz einfach, mutig und visionär zu sein. Anschließend noch kräftig die Thymusdrüse abklopfen. Die steht nämlich – wie Tarzan schon wusste – auch für Mut, Kraft und Stärke.

So gestärkt kann man dann sogar Wege gehen, die alle anderen für unmöglich halten. Wenn es der Weg der  Seele ist, dann wissen wir ganz tief innen, dass er uns ans Ziel führen wird. Wild und gefährlich kann dabei ruhig mal zugehen. Großartig. Da fühlt doch mal so richtig lebendi. Und mit Yoga und Meditation im Rücken das Ganze trotzdem in aller Seelenruhe und aus vollem Herzen genießen.

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Dietlind Arndt lebt und arbeitet seit Januar 2010 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

2 Kommentare zu “Yoga im Sommer: Mut zum ganzen Leben

  1. oh oh oh oh oh –
    “ Lebe wild und gefährlich.“ – Leitspruch nur für Studenten die was auf sich halten?
    Nanu?
    Weil man mit Mitte dreißig vielleicht eine Familienplanung im Kopf hat –
    hm
    oder als Frau schon Kinder geboren hat?
    Lebt man deswegen nicht mehr gefährlich –
    vielleicht haben wir 2010 in Wohlstandsdeutschland auch nur vergessen,
    das es durchaus nicht selbstverständlich ist , ein gesundes Kind zur Welt zur bringen und frau Geburt gesund zu überleben?
    Vielleicht ist es für uns auch selbstverständlich geworden, dann bei einer Mittelohrentzündung ein Antibiotika ( keine Wertung zum erwähnten Mittel bitte)einzusetzen und das kleine Wesen lebt weiter.

    Es ist auch nicht mehr notwendig mein Kind ewig zu stillen, bis Beißerchen und Verdauungssystem herangereift sind, „Erwachsenennahrung“ zu verwerten –
    es gibt ja Milchpulver …

    Vielleicht ist es für uns auch selbstverständlich geworden einen Schulabschluß und eine Berufsausbildung zu machen, den sich kleine neunjähriger Kindssoldaten im Uganda sicherlich wünschen.

    Und brennt uns das Haus weg, zahlt schon die Versicherung.

    Ist ein Tag,
    der damit beginnt in Familie zu frühstücken, die Kinder in den Kindergarten oder zur Schule bringen, dann zur Arbeit eilt und dort Mann/Frau steht, nach der Arbeit einkauft und ein Abendbrot bereitet, die Socken stopft und Schularbeiten kontrolliert oder Lesen übt , Wäsche aufhängt und das Kloo putzt …
    weniger wild, aufregend, gefährlich?

    und ist Yoga nur Dienstagvon 18 bis 19 Uhr?
    Wieviele jedoch gibt es,
    die schon länger praktizieren –
    für die ein w i l d e r Tag durchaus so aussehen kann:
    beim Zubereiten des Frühstücks eine Atemübung machen,
    dem Kind zum Abschied kurz das Sternum streicheln und kleiner Held ins Ohr flüstern,
    auf dem Weg zur Arbeit den ganzen Fuß vollen Schrittes aufsetzt – die Erde berühren,
    für den Chef Kopf stehen und die Kollegen ( am) Rad drehen;-)
    bei der Arbeit zumindestens aufrecht sitzt, steht;
    beim Einkaufen schon eine gewisse Auswahl an LEBENsMITTELN trifft,
    beim Lesen üben gespannt wie ein Bogen ist, weil es immer noch nicht sitzt,
    sich irgendwie den ganzen Tag, wie ein Schlange windet,
    irgendwie nie das Gefühl hat eine Brücke zu bauen,
    sondern stets sich im Spagat zu bewegen
    und sich nach dem Kloo putzen, keineswegs wie ein Held, sondern nur noch müd fühlt
    und nur Shavasana bleibt.

  2. Danke, schöne, inspirierende, erfrischende, lebendige Worte zum immer wieder wachrütteln.

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