Yoga im Winter: Adventskalender und Herzen öffnen

Früher war Nikolaus der Tag für mich, an dem ich endgültig in die Weihnachtsstimmung rutschte. Vermutlich wegen der vielen Männer im roten Mantel, der bunten Tüten, der ersten großen Tür im Adventskalender und der Weihnachtsfeier im Sportverein.

Nachdem das alles weggefallen ist und ich inzwischen weiß, dass Nikolaus gar keinen roten Mantel trug, hat sich da natürlich viel geändert. Geblieben sind die Lichter in allen Fenstern, der Adventskranz und die Lebkuchen. Hinzugekommen sind Yoga, Meditation, ein paar Erfahrungen und jede Menge Gedanken über die Welt, das Leben und meine komische Rolle darin.

Zum Beispiel die Frage, ob Nikolaus sich damals auch so viele Gedanken gemacht hat – sollte es ihn überhaupt gegeben haben. Es heißt ja, dass unsere Nikolaus-Legende eine überlieferte Mischung aus mindestens zwei „echten“ Nikoläusen ist, darunter jener berühmte Bischoff aus Myra. Und der war womöglich einfach nur einer jener (damals) seltenen Bischöfe, die die kirchlichen Reichtümer für die Menschen ausgab anstatt für Gold, Pelz und üppigem Lebenswandel. Ob ihn damals, als er seinen Mantel teilte, das schlechte Gewissen getrieben hat oder das Wissen, dass er nebenan im Kloster über eine ganze Galerie an warmen Kleidungsstücken verfügte, lässt sich ja heute kaum noch nachvollziehen.

Bleibt die Frage, was mich ganz persönlich antreibt, zu geben. Und was mich veranlassen könnte, mitten in einer grauenhaft kalten Winternacht mein letztes Kleidungsstück in Stücke zu reißen. Klassische Fragen des Jnana Yoga also.

Natürlich: Wenn ich erst sicher weiß, dass mein Leben nichts weiter ist als eine trügerische Illusion und ein mitteltiefer Atemhauch Gottes. –  Ich müsste mir darum nicht so viele Gedanken machen. Ich könnte leichten Herzens die Not anderer lindern und das vorübergehende Kältegefühl locker hinnehmen. Leider habe ich den Eindruck, dass dieses sichere Wissen bislang – trotz Asanas und Tiefenentspannung – höchstens bis in die äußeren Schichten meines Großhirns vorgedrungen ist.

Wann und warum teile ich also? Ganz einfach: Weil es mir gut tut. Weil es Spaß macht. Weil ich kaum eine wohltuendere Tätigkeit kenne, als den Überfluss in meinem Leben – dort, wo er definitiv und unleugbar da ist – mit Zeit, Ruhe und Hingabe weiter zu geben. Weil die Ideen, die in mir hin und wieder aufpoppen, erst richtig schön werden, wenn ich sie in die Tat umsetzte und mit anderen teile. Und weil mein Gefühl, ein Glückskind in diesem Leben zu sein, überproportional wächst, wenn ich es auslebe und kreativ werde.

Während die Zeit vor Weihnachten für mich früher also vor allem aus Adventskalendertüren, mindestens drei Nikoläusen und Lichterketten-Glanz bestand, stelle heute ich fest, dass daraus eine Zeit des Herz-Öffnens geworden ist. Und dass Herzen (meines jedenfalls) sich immer da öffnen, wo sie sind. Irgendwo tief innen im Sein, jenseits von Legenden, Geschenkpaketen und Idealen. Mein ganz persönliches offenes Herz ist verbunden mit plötzlichen Freudegefühlen in der Meditation, mit einem Gefühl absoluter Sicherheit, Reichtum und überschwänglicher Freude über die kleinen Dinge des Lebens, mit überraschenden Ereignissen und Wundern im Leben.

Wenn meines Herz offen ist, wird auf einmal alles zum Geschenk. Die Schneehäufchen auf den Bäumen, die ersten Wintersonnenstrahlen, die warme Heizung, die Zeit für Yoga und Meditation, das Teilen und Schenken. Mitten im Winter wird plötzlich alles hell, warm und leicht. Und spätestens jetzt weiß ich, dass ich vollends in der diesjährige Weihnachtsstimmung angekommen bin.

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Dietlind Arndt lebt und schreibt sein Januar 2010 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

1 Kommentar zu “Yoga im Winter: Adventskalender und Herzen öffnen

  1. Liebe Diete, ich danke dir dass du über diese Legende geschrieben hast, es hat mich sehr berührt.

    Für mich ist die Legende des Mannes als Nicolaus etwas heiliges, er war eine große Seele. Weltweit öffnet der Nicolaus immer noch jedes Jahr die Herzen der kleinen und der großen Menschen. Auch bei mir, besonders wenn ich mich zurück erinnere an meine Kindheit, wie meine Mutter fast jedes Jahr sich als Nicolaus verkleidetete dazu eine große Rute, aber hat sie nie benützt bei uns zwei Schlingel, Ich und mein Bruder (mein Bruder heißt übrigens Nico, hihi). Und wir haben immer alle Schuhe die wir hatten vom 5. zum 6. Dez. vor unsere Kinderzimmertür gestellt, die dann auch schön gefüllt waren, am Abend kam dann der sichtbare Nicolaus, und wir bekamen nochmal was. Die Tradition geht bei uns in einem kleinem Rahmen weiter, jedes bekomme wir weiterhin eine Nicolaus Gabe, jbei mir zugeschickt, aber auch unsere Mama bekommt etwas von uns als Zeichen unserer Liebe und Dankbarkeit.

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