Yoga im Winter: Paschimottanasana – Denken ausdehnen

Auch wir Menschen können, ebenso wie alles Leben dieser Erde, nur im Kreislauf der Natur existieren. Je besser wir uns diesem natürlichen Rhythmus anpassen, desto gesünder und harmonischer können wir leben. Eine wunderbare Möglichkeit sich auf natürliche Weise in den Takt der Natur einzufinden, bietet uns die Hatha Yoga Praxis. Im Winter zieht sich die Natur ins Innere zurück, um sich zu erneuern und Energie für den nächsten Jahreszeiten-Zyklus zu speichern. So ist diese Jahreszeit auch für uns die richtige Zeit, um Reserven zu schonen, uns auf die wahren Werte zu besinnen und Kraft aufzubauen.

Eine Übung, die uns dabei hilft, die aufgebaute Energie in uns fließen zu lassen, ist die sitzende Vorwärtsbeuge Paschimottanasana. Bei dieser Übung sitzt du aufrecht mit gestreckten und geschlossenen Beinen, die Zehenspitzen ziehen zum Kopf. Mit der nächsten Einatmung hebe die Arme gestreckt zur Decke und ziehe die Wirbelsäule noch einmal bewusst über die Krone des Kopfes lang. Beuge dich nun ausatmend nach vorn und lass deine Hände an den Füßen, Fußgelenken, Waden oder Knien zum Liegen kommen, je nachdem wo es dir gerade angenehm ist. Wichtig dabei ist, dass die Beugung aus der Hüfte heraus stattfindet, der Rücken, insbesondere der untere, sollte so gerade wie möglich bleiben! Fortgeschrittene Yogis können versuchen den Bauch auf den Oberschenkeln, die Brust auf den Knien und den Kopf auf die Schienbeine zu legen, Schultern und Nacken dabei entspannt lassen. Anfänger können sich unterstützend auf ein Kissen setzen, um das Becken leichter aufzurichten bzw. einen Gurt benutzen, um sich weiter in die Dehnung hineinzubringen.

Auf der körperlichen Ebene wirkt Paschimottanasana auf die gesamte Körperrückseite, d.h. Rücken, hintere Oberschenkelmuskeln und Gesäßmuskeln werden gedehnt, die Wirbelsäule wird aufgrund der intensiven Streckung gestärkt und Kniesehnen und -muskeln werden flexibler. Bei fortgeschrittenen Yogis massiert die Übung die Bauchorgane wie Nieren, Leber und Bauchspeicheldrüse, was harmonisierend auf die Verdauung wirkt und die Abwehrkräfte anregt.

Auf der geistigen Ebene vermittelt diese Asana die wichtige Erfahrung der Hingabe. Dies drückt sich besonders deutlich darin aus, dass die Stellung das Sichtfeld radikal einschränkt, indem sie weder einen Blick nach hinten noch nach oben erlaubt. In der willigen Hinnahme der Situation liegt die Demut. Die sitzende Vorwärtsbeuge entwickelt zudem Geduld, da wir uns genügend Zeit nehmen müssen, um uns zu dehnen und lang auszustrecken. Der Buckel, mit dem Yogaschüler oft zu kämpfen haben, bevor Paschimottanasana mit gestreckter Wirbelsäule gelingt, steht als Sinnbild für ein Hindernis, welches auch im Leben zu überwinden gilt. Glücklicherweise führt die Übung in gleichem Maße wie Muskeln und Bänder gedehnt werden, zur Ausdehnung der Grenzen des Denkens, des Fühlens, des Erkennens und des Verstehens.

Anne R.

Anleitung zur Vorwärtsbeuge
Hier kannst du die Yogaübungen richtig lernen

1 Kommentar zu “Yoga im Winter: Paschimottanasana – Denken ausdehnen

  1. Das interessante ist, dass ich rein körperlich keine Lust empfinde im Winter Yoga zu machen. Die Tage sind zu kurz- die Menschen sind gestresst, die Muskeln sind wegen der Kälte vollkommen angespannt etc. Aber was mir aufgefallen ist: ich brauch meditatives Yoga- ich mach natürlich noch täglich meinen Sonnengruß, aber es sind die Atemübungen, die mir über den Winter helfen.

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