11 – Sechs Yoga Wege zur Gelassenheit – Jnana Yoga Teil 1

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Wie helfen die verschiedenen Yoga Wege, Gelassenheit zu entwickeln? Sukadev spricht über die 6 Yoga Wege bzw. Yoga Arten und wie sie helfen, Gelassenheit zu entwickeln.
In dieser Ausgabe des Gelassenheits-Podcast erfährst du zunächst, was die 6 Yoga Arten sind: Jnana Yoga, Raja Yoga, Bhakti Yoga, Karma Yoga, Kundalini Yoga, Hatha Yoga. Dann kannst du ins Jnana Yoga eintauchen, in die Frage: Wer bin ich? Durch die Analyse: Wer bin ich? kannst du dich lösen von Identifikationen und Verhaftungen.

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Unter Jnana Yoga versteht man den Yoga der Erkenntnis. Es gibt ja verschiedene Weisen Yoga einzuteilen. Ich teile Yoga gern in 6 Yogawege oder man kann auch sagen 6 Teile des Yoga ein.

  1. Jnana Yoga, der Yoga des Wissens und der Erkenntnis.
  2. Raja Yoga, der Yoga der Geistessteuerung. Über diesen Raja Yoga Weg werde ich im Verlauf dieses Abschnitts noch recht viel sagen. Denn unser Thema heißt ja „der Königsweg zur Gelassenheit“ und wird sich im folgenden ganz besonders auf Raja Yoga beziehen, Raja heißt ja König, und die Konzepte zum Königsweg zur Gelassenheit stammen zum großen Teil aus dem Raja Yoga. Also Du kannst gespannt sein, später werden wir direkt zum Raja Yoga übergehen.
  3. Bhakti Yoga. Bhakti Yoga, der Yoga der Liebe, der Yoga der Gottesverehrung, der Yoga der Hingabe zu Gott.
  4. Karma Yoga, der Yoga der Tat, das Yoga der verhaftungslosen Handelns, des verhaftungslosen Wirkens. Karma Yoga ist auch der Yoga des uneigennützigen Dienens.
  5. Kundalini Yoga, der Yoga der Energie. Kundalini Yoga beinhaltet viele Energie Praktiken um so das Energieniveau zu erhöhen und zu stärken.
  6. Hatha Yoga, der Yoga der Körperübung: mittels Körperübungen wie Atemübungen, Entspannungsübungen, Körperstellungen und anderen Körperübungen den Geist zur Ruhe zu bringen.

Was bieten jetzt diese 6 Yogawege um zur Gelassenheit zu kommen? Ich will darauf jetzt eingehen, insbesondere auf Jnana Yoga. Jnana Yoga ist der Yoga des Wissens. Jnana Yoga, Jnana heißt Wissen, Jnana Yoga stellt die ewigen Fragen, die die Menschheit seit Jahrtausenden umtreibt. Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist nach dem Tod? Was ist vor der Geburt? Was ist das Ziel des Lebens? Was ist die Welt? Was ist Gott? Was ist wirklich? Was ist unwirklich? Was ist Glück? Gibt es ein höheres Ziel im Leben?

Das sind die Urfragen, die im Jnana Yoga systematisch gestellt werden. Und ich gebe ja auch viele Seminare, Weiterbildungen zu diesem Thema, Jnana Yoga ist nämlich keine reine Philosophie. Jnana Yoga ist ein Erkenntnisweg. Jnana Yoga will sagen, diese Fragen intellektuell zu diskutieren ist eine Sache, sie aber wirklich zu erfahren ist eine andere Sache. Denn letztlich sind Fragen wie „wer bin ich“ nicht intellektuell erklärbar. Sie sind aber in der Meditation erfahrbar. Die Frage nach einem höheren Glück kann schon intellektuell faszinierend sein. Aber dieses höhere Glück tatsächlich zu erfahren, das ist das, worum es geht.

Ich will auf eine dieser Fragen eingehen, welche gerade für die Gelassenheit von besonderer Bedeutung sein kann. Die Frage „wer bin ich?“ Die Frage „wer bin ich?“ ist natürlich eine Angelegenheit eines Lebensweges. Das ganze Leben ist eine Antwort auf die Frage oder ist eine Suche nach der Antwort auf die Frage „Wer bin ich“? Im Jnana Yoga bzw auch im Vedanta, der Philosophie hinter dem Jnana Yoga, gibt es eine Technik, die nennt sich Vichara, also die systematische Fragestellung „wer bin ich“? Und diese Fragestellung „wer bin ich?“ geht auf die Subjekt Objekt Beziehung hinaus. Und die Subjekt Objekt Beziehung sagt, Subjekt ist der, der wahrnimmt, Objekt ist der, der wahrgenommen werden kann. Subjekt ist der, der etwas tut, Objekt ist das, mit dem etwas getan wird. Und wenn Du dich selbst fragst, „wer bin ich? Bin ich Subjekt oder Objekt?“ ist klar, ich bin Subjekt. Ich nehme etwas wahr. Das was ich wahrnehmen kann, das bin ich nicht. Ich tue etwas mit einem Gegenstand. Ich bin also der, der tut, ich bin nicht der Gegenstand, mit dem etwas getan wird. Verhältnismäßig ist das Subjekt von Dauer, das Objekt verändert sich. Ich kann ein Objekt, von hier nach dort transportieren, also ich kann z.B. meinen Stift vom Schreibtisch auf den anderen Schreibtisch, in diese andere Schreibtischschublade geben. Ich kann auch beobachten, wie das Essen in meinem Magen verschwindet. Also Objekte verändern sich, Objekte können sowohl ihren Ort verändern als auch ihren Zustand verändern. Das Subjekt, das Ich, welches beobachtet und etwas tut, bleibt verhältnismäßig gleich.  Wir können also sagen, anhand dieses Beispiels Subjekt Objekt Beziehung, ich bin derjenige der tut, ich bin nicht das, was getan wird. Ich bin derjenige, der beobachtet, ich bin nicht derjenige der beobachtet wird. Ich will diese Subjekt Objekt Beziehung oder diese Subjekt Objekt Analyse etwas weiter führen, zunächst einmal anhand von zwei banalen Beispielen.

 

Ein Beispiel ist, bin ich diese Uhr? Ich hab jetzt gerade eine Uhr vor mir liegen und ich kann sie mir anschauen und mich fragen, bin ich diese Uhr? Natürlich ist klar, nein, ich bin nicht diese Uhr. Warum bin ich nicht diese Uhr? 1. ich sehe die Uhr, ich bin also derjenige der sieht, die Uhr ist das was gesehen wird. Ich bin also nicht die Uhr, sondern ich bin der Beobachter der Uhr. Zum 2. ich kann die Uhr anschauen, ich kann sie bewegen, ich kann sie von einem Schreibtisch weglegen, ich kann sie auch wieder an meinen Arm anlegen, ich kann sie auch jemand anderem geben. Soweit einfach und klar. Anhand des Beispiels der Uhr kann ich aber auch zwei Dinge anschauen, nämlich die Identifikation und die Verhaftung. Denn die Uhr die jetzt vor mir auf dem Schreibtisch liegt, die Armbanduhr, die ich abgelegt habe, ist nicht nur eine Uhr, sondern es ist meine Uhr. Warum ist es meine Uhr? In diesem Fall, weil ich sie gekauft habe. Du würdest aber auch empfinden, dies ist meine Uhr, wenn Du sie geschenkt bekommen hast. Vielleicht sogar, wenn Du sie gefunden hast und sie nicht abgegeben hast. Oder selbst wenn du sie geerbt hast, ist sie dann immer deine Uhr. Wenn Du sagst, es ist meine Uhr, dann hast Du also die Identifikation und den Besitz. In dem Moment wo Du sagst, dies ist meine Uhr und Dich damit identifizierst, in diesem Moment passiert etwas. Nämlich wenn mit der Uhr etwas passiert, passiert auch etwas mit Deinem Geist. Angenommen Du würdest die Uhr anschauen und würdest feststellen, sie geht nicht mehr richtig. Oder angenommen, Du entdeckst Kratzer auf der Uhr. Oder angenommen, Du verlässt Deinen Schreibtisch und Du bist in einem Großraumbüro und Du kommst eine Stunde später wieder und die Uhr ist weg. All das bedeutet, wenn Du dich damit identifizierst, dann bekommst Du Probleme. Wenn Du dich mit der Uhr identifizierst, kommt noch etwas dazu. Nicht nur bist du verhaftet an die Uhr, und wenn was mit der Uhr passiert, wirst Du aus Deiner Gelassenheit rauskommen, sondern noch dazu, Du willst auch geschätzt werden für diese Uhr.

Nehmen wir zunächst nochmal das Beispiel, wenn Du dich identifizierst mit der Uhr und Du sagst, das ist meine Uhr und es passiert etwas damit, kommst Du sofort in Unruhe. Und selbst wenn Du nur die Befürchtung hast, dass etwas mit der Uhr passieren könnte, schon das bringt Dich zur Unruhe. Es braucht nicht einmal etwas mit der Uhr zu passieren, Du brauchst nur Angst zu haben, dass mir der Uhr etwas geschehen könnte. In dem Moment, wo Du dich also identifizierst, bist Du aus Deiner Gelassenheit draußen. Wenn Du dich sehr mit der Uhr identifizierst, ah ja, das ist meine Uhr, die passt so richtig zu mir, die drückt aus, was ich bin, Uhren sind ja ganz unterschiedlich, dann willst Du auch, dass andere dich für diese Uhr besonders schätzen. Wenn jemand sagt, oh du hast aber eine tolle Uhr, die ist ja richtig schön oder wie viele Funktionen hat die denn? Und Du kannst erklären, was alles damit geht, dann fühlst Du dich toll. Denn Du identifizierst Dich mit der Uhr, du machst dich, Du machst Dein Ich von dieser Uhr abhängig. Indem Du Dich also identifizierst und sagst, das ist meine Uhr, bist Du schon potenziell aus Deiner Gelassenheit draußen.

Was würde jetzt vom Jnana Yoga her gesagt werden anhand des Beispiels der Uhr? Du würdest nicht sagen, es ist meine Uhr, sondern Du würdest sagen, das ist eine Uhr, die ich jetzt vorübergehend habe. Im Jnana Yoga weiß man, Uhren sind der Vergänglichkeit unterworfen. Und Du sagst, ich bin ich, die Uhr ist die Uhr. Für einen vorübergehenden Zeitraum habe ich diese Uhr. Und dann kannst Du dich an der Uhr erfreuen, und Du sagst, eine schöne Uhr, die Uhr ist mir anvertraut um etwas zu bewirken. Du kannst dich an ihr erfreuen und du kannst sie nutzen. Du weißt aber von vorne herein, die Uhr ist ein Leihobjekt von unbestimmter Leihdauer. Sie kann Dir jederzeit genommen werden. Und es gibt keine Garantie auf Beschaffenheit der Uhr. In diesem Sinne rechnest Du als Jnana Yogi damit, dass die Uhr irgendwann verschwinden wird, dass sie irgendwann nicht funktionieren wird. Und Du weißt auch, Dein Glück hängt nicht davon ab, ob Du für diese Uhr geschätzt wirst oder nicht.

 

2. Beispiel, Dein Auto. Menschen identifizieren sich heutzutage sehr stark mit dem Auto. Menschen verbringen ja zum Teil mehr Zeit mit ihrem Auto und in ihrem Auto, als sie mit ihrem Partner verbringen, wenn man jetzt die Zeit des Schlafens abzieht. Bin ich das Auto? Logischerweise bin ich natürlich nicht das Auto, aber das Auto ist mein Fahrzeug. Ich fahre mit dem Auto. Das interessante ist, Menschen identifizieren sich schon so sehr mit ihrem Auto, fragen z. B.“ Wo stehst Du?“ Das heißt dann nicht, wo stehe ich physisch, sondern man sagt dann z. B. „Hinten auf dem Parkplatz.“ Wenn man also sagt, wo stehst Du, dann ist die Identifikation mit dem Auto so stark, dass sie sagen, ja dort hinten. Oder ich wurde irgendwann mal an einer Autowaschanlage gefragt, „wie viele PS haben Sie?“ Ich muss zugeben, ich hab das erst nicht verstanden. Und was sagt er, wie viele PS hab ich? Hab ich noch nie drüber nachgedacht, wie viele PS ich habe. Aber natürlich hat er gemeint, wie viele PS hat mein Auto und sagt, wie viele PS haben Sie. Er hat noch nicht mal gewartet auf meine Antwort, sondern hat gleich gesagt, ich habe so und so viele PS. Kam nachher heraus, er hatte ein Auto, das grundsätzlich die gleiche Marke war, die ich hatte, aber er hatte die Version des Modells, die besonders viele PS hatte. Aber wir sind nicht das Auto. Wenn Du dich mit dem Auto sehr identifizierst und sagst, das ist mein Auto, vielleicht sogar, „ich hab so und so viele PS, ich hab die und die Farbe, ich stehe dort und dort, ich parke dort und dort“, und dann hast Du natürlich Angst, dass dem Auto etwas passiert. Wenn Du dein Auto geparkt hast und nicht mehr sicher bist, hast Du das Auto abgeschlossen, dann hast Du große Angst, dass Dein Auto geschlossen wird. Wenn Du in einer Gegend parkst, die vielleicht nicht so sicher ist, hast Du Angst, dass das Auto zerkratzt wird. Wenn Du hörst, dass das Auto ein bisschen stottert, hast Du Angst. Und wehe, wenn irgendwo das Auto beschädigt wird. In dem Moment wo Du dich mit dem Auto identifizierst, kommen Ängste und Du bist aus deiner Gelassenheit heraus. Du machst Dein Glück abhängig von einem Objekt, das nicht in Deiner Macht steht und das Du nicht wirklich bist.

Jetzt folgt natürlich, wie geht denn ein Jnana Yogi damit um? Er sagt, ja das Auto ist mein Fahrzeug. Ich habe es für eine bestimmte Zeit. Das heißt, selbst wenn ich es gekauft habe, es gehört niemals mir. Denn es ist niemals in meiner Kontrolle. Es ist ein Teil dieser Welt, mir nur vorübergehend anvertraut, Mietobjekt unbestimmter Nutzungsdauer. Auch der Preis, den ich dafür zahle, ist nicht ganz klar. Der Preis beinhaltet natürlich Steuern, vielleicht abbezahlter Kredit, usw. Aber es gibt noch mehr Preise, die man bezahlt für die Nutzungsdauer. Du musst Dich um das Auto kümmern, du musst Ölwechsel machen, es zur Reparatur bringen, Parken und vielleicht sogar eine Garage bezahlen, usw. Aber Du bist nicht das Auto. Du kannst auch das Auto wieder verkaufen, Du kannst ein anderes Auto kaufen. Du kannst feststellen, Du brauchst gar kein Auto und Du verkaufst das Auto. Du kaufst Dir stattdessen ein Fahrrad oder fährst mit U-Bahn oder S-Bahn oder bist in einer Fahrgemeinschaft. All das zeigt, Du bist nicht das Auto. Ok das mag jetzt ganz banal klingen, obgleich es in den praktischen Konsequenzen schon wichtig ist.

Du kannst es auf so viele weitere Beispiele ausdehnen. Bist Du Dein Haus? Bist Du Deine Kleidung? Bist Du der Ring? Bist Du Dein Hut? Es ist erstaunlich wie sehr Menschen sich mit ihren Objekten identifizieren und wie sehr sie dort aus der Ruhe geraten, nur weil irgendetwas passiert mit etwas, mit dem sie sich identifizieren. Du kannst lernen, gelassen zu sein. Du kannst Dir bewusst sein, ich bin nicht abhängig von den Objekten. Und ich kann sehr wohl glücklich sein, ohne einzelne Objekte. Demnächst werde ich das weiter ausdehnen. Die Frage „wer bin ich?“ ist nämlich auch sehr interessant. Bin ich der Körper? Bin ich die Psyche? Bin ich die Emotionen? Bin ich meine Persönlichkeit? Über diese Fragen werde ich auch noch sprechen, denn das sind großartige Hilfen für Gelassenheit.

 

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