55 Innere Familienkonferenz 3 – Innere Mutter, Vater, Geschwister und mehr

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Eine weitere Anwendung des Konzeptes der inneren Familienkonferenz: Du identifizierst bewusst Familienmitglieder, die es tatsächlich gibt bzw. gegeben hat und die in dir als innere Anteile existieren. Du kannst dabei auch weitere “Familienmitglieder” erfinden. Das Konzept ist nicht ganz unproblematisch, insbesondere wenn du in dir viele ungelöste inneren Probleme mit dir rum trägst – es kann jedoch auch sehr hilfreich in der Bewusstwerdung sein. Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, bringt dir spielerisch verschiedene Modelle der inneren Konferenz nahe – das hilft dir, dich selbst immer besser zu verstehen. Das spielerische Ausprobieren der verschiedenen Modelle kann dir auch helfen, nicht zu sehr identifiziert zu sein mit einer Klassifikation und mit einem bestimmten Selbstbild. Vielmehr wirst du dir bewusst, dass Selbstbild und Wirklichkeit “konstruiert” sind – und änderbar sind. All das hilft dir zu mehr Gelassenheit, mehr Loslassen, einem humorvolleren und spielerischen Umgang mit dir selbst und deinen Aufgaben.

Dies ist die 55. Ausgabe des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcast.

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Wie sind gerade bei den Konferenzen, den inneren Konferenzen, Familienkonferenzen. Heute geht es um die Familienkonferenz in einem besonderen Sinn. Ich habe dir schon zwei Modelle der Familienkonferenz vorgestellt, heute kommt eine dritte. Es hilft, dass du dir bewusst wirst: „Was habe ich alles für innere Anteile und woher kommen sie?“ Und ich meine, es ist hilfreich, wenn du das ausprobierst aus verschiedenen Richtungen. Indem du es ausprobierst, wirst du irgendwann dein Modell finden, dass sich dann auch immer wieder anpassen kann. Es wird flexibel sein und vor allen Dingen kannst du spielerisch damit umgehen, denn das Ganze läuft ja auch von einem spirituellen Standpunkt aus. Letztlich bist du das Unendliche und das Ewige, Satchidananda. Du bist in dieser Welt, um etwas zu bewirken, um etwas zu erfahren, um Kräfte in dir zu entfalten. Schließlich bist du da, um wieder zurückzukehren zu deinem wahren Ursprung. Und ansonsten ist die Welt Mithya, eine Illusion, eine Täuschung, eine Konstruktion. Und du konstruierst dir deine Wirklichkeit, wie du sie wahrnimmst. Und indem du spielerisch mit verschiedenen Wirklichkeitskonstruktionen arbeitest, kannst du dich auch lösen, loslassen und deshalb gelassener werden. So sind diese verschiedenen Modelle, die sich scheinbar zum Teil widersprechen, etwas, um dir zu vergegenwärtigen, deine Psyche ist nicht so festgefahren, wie du denkst, und es gibt viele Weisen, damit zu arbeiten, und es gibt viele Weisen, dich zu lösen von den Identifikationen.

Heute also Familienkonferenz 3, und zwar die innere Familie mit Namen. Du identifizierst bewusst Familienmitglieder, die es tatsächlich gibt oder gegeben hat, du kombinierst sie mit konstruierten Familienmitgliedern, die du auch in dir drin haben magst. Zugegebenermaßen, das kann vielleicht auch nicht ganz unproblematisch sein, dass du dich dort ständig mit deiner Herkunftsfamilie auseinandersetzt, aber für eine gewisse Phase kann das durchaus hilfreich sein. Es kann als spielerisches Bewusstwerden interessant sein. Du kannst also sagen: „Ja, in mir sind ja alle wichtigen Menschen in meinem Leben, die ich in der Kindheit, in der Jugend hatte und die vielleicht auch weiter in mir leben. Also, du kannst z.B. sagen: „Ja, in mir ist mein Vater.“ Du kannst überlegen: Wofür steht dein Vater? Wie hat dein Vater mit dir gesprochen? Was hat er dir gesagt? Welche Hauptaussagen von deinem Vater hast du in dir? Dann kannst du dir bewusst werden: „Ja, da ist mein Vater.“ Und du kannst innerlich fragen, wenn du in einer Situation bist: „Was sagt mein Vater dazu?“ Und es ist manchmal ein bisschen unangenehm, gerade wenn deine Beziehung zu deinem Vater nicht unproblematisch war, aber vielleicht ist gerade das hilfreich, dass du lernst, dass dein Vater auch in dir drin ist und dass er in dir zu dir spricht. Und dass das auch hilfreich ist, nicht nur unangenehm oder lästig. Erinnere dich daran, das Konzept dieser ganzen Serie, meines Lehrens und Unterrichtens, ist, alles ist ursprünglich hilfreich gewesen. Und so hast du vielleicht deinen inneren Vater in dir und der sagt dir, „so und so muss es gemacht werden“ oder „sei doch so und so“ usw. Dein innerer Vater kann stützend sein, er kann kritisierend sein, er kann laissez faire sein, er kann das Gegenteil sein, er kann sogar aggressiv zu dir gewesen sein usw.

Es ist jetzt weniger erheblich, wie dein Vater tatsächlich war, sondern es kann erst mal hilfreich sein, dass du dir bewusst bist, wie manifestiert sich dein Vater in dir. Natürlich könntest du auch probieren, deinen Vater zu verstehen in seinen ganzen Anteilen usw., das wäre ein anderes Thema. Du könntest lernen, gelassener mit deinem Vater und deiner Mutter umzugehen, indem du in ihnen die verschiedenen Anteile siehst und erkennst, dass auch sie Menschen waren oder sind mit ihren Konflikten und Problemen, die auch alles gut meinen und sich nur manchmal sehr ungeschickt geäußert haben. Aber zunächst mal überlege: „Innerer Vater, was sagt der dazu?“ Dann mache dir bewusst: „Meine Mutter. Wofür steht meine Mutter in mir? Welche Worte hat meine Mutter zu mir gesprochen? Wie fühle ich meine Mutter in mir?“ War sie vielleicht stützend? Deine Mutter sagt: „Es ist alles schon ok.“ Hat deine Mutter dich einfach in den Arm genommen? Und gibt es dort im Inneren jemanden in dir, der dich in den Arm nimmt? Oder war deine Mutter anders? War sie vielleicht mehr die Organisatorin? War sie diejenige, die alle zusammengebracht hat? War sie verantwortungsbewusst? Ist sie in dir als die Mutter der ganzen Familie? Überlege, wie deine Mutter in dir wirkt. Welche Eigenschaften in dir beruhen auf deiner Mutter? Hattest du Geschwister? Wie sind die Geschwister in dir? Hast du einige der Eigenschaften deiner Geschwister in dir auch internalisiert? Gibt es einen inneren Bruder, eine innere Schwester? Gibt es vielleicht sogar einen inneren Bruder, eine innere Schwester, auch ohne, dass du eine Schwester und Bruder hattest? Vielleicht gibt es in dir einen Bruder oder eine Schwester als Wunschbild, den oder die du immer hattest und mit der du vielleicht sogar kommuniziert hast. Gibt es eine Großmutter, einen Großvater zu dem oder der du einen starken inneren Bezug hast? Einen Großvater, Großmutter von der du auch einiges übernommen hast und die in dir weiter existieren? Wer war noch wichtig, eine Tante, ein Onkel, ein Lehrer, ein Fußballtrainer, ein Musiklehrer? Überlege, welche sonstigen Menschen in dir sind. Oder überlege zunächst mal, wer war dir wichtig? Das muss nicht nur die Kindheit sein, es kann auch dein Uniprofessor gewesen sein, es kann dein erster Chef gewesen sein oder dein dritter. Oder dein zweiter Partner oder deine große Liebe. Wer war besonders wichtig in deinem Leben? Und sind die noch weiter in dir als innere Personen, als innere Stimmen, die da sind, die Gefühle haben? Also nicht nur im Sinne von Gefühlen, die du gegenüber diesen Menschen hast, die vielleicht nicht gelöst sind, aber die vielleicht für Anteile in dir stehen. Und es ist jetzt auch nicht wichtig, dass du genau die richtigen findest und dass du sie genau richtig identifizierst.

Erinnere dich daran, unser Anliegen ist ja gerade Gelassenheit. Indem du dich selbst etablierst als Führungspersönlichkeit mit Anteilen, kannst du lernen, damit spielerisch umzugehen. Und indem du verschiedene Modelle lernst, geht dieses Spielerische besonders gut. Also, überlege dir: Wie ist deine innere Familie? Wer waren die wichtigen Menschen in deinem Leben? Und wie sind sie in dir internalisiert? Bei einer nächsten Situation kannst du mal überlegen: Was meint Papa dazu? Vielleicht kannst du jetzt gerade überlegen, eine Situation, in der du gerade bist: Was würde Papa dazu sagen? Was würde Mama dazu sagen? Was würde Großmutter, Großvater, Tante, Onkel dazu sagen? Was würde Bruder, Schwester, tatsächliche oder eingebildete, dazu sagen oder ein wichtiger Freund? Was würde ein Lehrer dazu sagen? Oder jemand anderes, den du besonders wertschätzt? Auch ein spiritueller Lehrer, ein Guru, der vielleicht auch in dir ist: Was denkst du, was er sagen würde? Oder was sagt er in dir? Höre dir alles an. Und wann immer du merkst, dort ist jemand, der etwas Destruktives dir sagt, dann sei dir bewusst, welches positive Anliegen steckt dahinter. Wenn du feststellst, dein Vater beschimpft dich nur oder deine Mutter entzieht sich dir oder du hattest gar keinen Vater und keine Mutter, versuche, es irgendwo positiv zu deuten. Was wäre die positive Intention dieser inneren Familie, die du in dir trägst? Es kommt nicht darauf an, dass es tatsächlich so ist, sondern es ist wichtig, dass du in dir selbst erkennst, alles, was in dir ist, meint es irgendwo gut. Und alle inneren Anteile meinen es gut. Angenommen, du hattest einen Destruktiven in deiner Familie, der stark ist. Selbst wenn es dir nicht gelingt, ihn irgendwo positiv zu deuten vom Außen, dann sage vom Inneren her: „Der hat eine wichtige Rolle in mir. Der hilft mir. Und dieser Mensch ist für mich in dieser Hinsicht gut. Aber er ist nicht der einzige. Es gibt andere in meinem Leben, die auch da sind.“ Lasse diese innere Familie miteinander kommunizieren, miteinander sprechen. Schaue dir das Ganze an und sei dir bewusst, du bist nicht diese Familie, du hast in dir diese Familie. Du bist das unsterbliche Selbst. Du hast auch ein inneres Instrument, Antakarana, bestehend aus vielen inneren Anteilen, die miteinander kommunizieren. Auch dort gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese einzuteilen und miteinander wirken zu lassen. Und dann kannst du schauen, wie kannst du geschickt umgehen mit dieser wunderbaren inneren Familie, die in dir ist.

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