Die höheren Stufen der Erleuchtung

Die Serie „Der spirituelle Weg“ stellt die „Sieben Bhumikas“, die Etappen der spirituellen Evolution, vor. Der „Weg“ und seine „Stufen“ sind dabei als Ebenen der Bewusstseinsentwicklung zu verstehen. – Ein Artikel von Sukadev Bretz: 

Das Konzept der Bhumikas stammt aus dem Yoga Vasishtha, einem Lehrgespräch des Lehrers Vasishtha mit Rama. Man kann sich darin leicht wieder erkennen, denn es beschreibt die Phasen des spirituellen Erwachens (Subecha) – die Frage nach einem tieferen Sinn hinter den alltäglichen äußeren Aktivitäten –, die Phase, wo man beginnt, ernsthaft zu prakti zieren und sich auf den spirituellen Weg zu begeben (Vicharana) und welche Erfahrungen sich dabei und auf den folgenden Stufen einstellen können.

Die Bhumikas, Entwicklungsstufen zum Erwachen, können uns wertvolle Anhaltspunkte geben, um eigene Fragen, Zweifel, Erfahrungen usw. besser zu verstehen und einzuordnen. Sie helfen uns auch, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und sind wie Wegweiser, wenn wir mal vom Weg abgekommen sind, an einer Kreuzung nicht weiter kommen oder vor Hindernissen stehen.

Tausche Königreich gegen Erleuchtung

Subecha, die erste Phase, beschreibt, wie Rama, der Schüler, ein Königssohn – plötzlich erkennt, dass die Menschen in dem Königreich, das er von seinem Vater übernehmen soll, im Laufe ihres Lebens durch verschiedenes Leid hindurch gehen: Der Mensch wird unter Schmerzen geboren, wächst heran, geht durch schwierige Phasen in der Pubertät; danach muss man sich um seinen Lebensunterhalt und die Familie kümmern, Krankheiten kommen und schließlich stirbt man. Das stürzt Rama in eine tiefe Sinnkrise und Depression. Er befragt den Weisen Vasishtha, der ihm erklärt, dass kein Grund zur Verzweiflung besteht, sondern dass solche Fragen nach dem Sinn des Lebens ein Zeichen für das spirituelle Erwachen sind. Anschließend erklärt er ihm die Stufen des spirituellen Wegs, die zu Erkenntnis, Erleuchtung, führen.

Üben, üben, üben

Nun gilt es, Vicharana zu beschreiten, die zweite Etappe des spirituellen Weges, nämlich ein bewusstes Leben zu führen und einer regelmäßigen Übungsdisziplin zu folgen, um die automatischen Identifikationen und Anhaftungen an das Gewohnte, die äußeren materiellen Umstände, allmählich zu überwinden und zu transzendieren. Dabei gibt es Hochphasen, wo alles ganz leicht und schön erscheint – man schwebt aus der Yogastunde wie auf Wolken, in der Meditation hat man wunderschöne Erfahrungen von Freude, Herzensöffnung, Liebe, das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu wollen. Aber auf diese Hochphasen folgen auch solche, wo wir wieder zweifeln. Wo wir das Gefühl haben, das ganze Yoga oder was immer wir sonst üben, hat doch gar keinen Sinn, und vorübergehend wieder zurückfallen in die alten Gewohnheiten. Aber dann merken wir schnell: Nein, das kann es nicht sein, das kann nicht alles sein, nur essen, trinken, Beziehung, ab und zu in Urlaub fahren, Karriere machen – all das allein befriedigt mich nicht wirklich. Da ist diese innere Sehnsucht nach etwas Höherem. Und dann kehren wir wieder zurück zu unserer Übungsdisziplin, gehen wieder regelmäßig in die Yogastunden, meditieren usw.

Die meisten, die sich für Yoga und Meditation und andere spirituelle Disziplinen interessieren, sind auf diesen ersten beiden Stufen. Das kann eine ganze Weile, viele Jahre, oft das ganze Leben lang so sein. Aber wenn wir beständig weiter üben, werden wir innerlich ruhiger und gelassener, nach und nach kommen mehr Erkenntnisse und irgendwann erfahren wir wirklich: Ja, ich habe diesen Körper, diese Gedanken, diese Gefühle, um mich damit in der Welt auszudrücken, aber ich bin sie nicht. Ich bin in meinem tiefsten Wesenskern reines Bewusstsein, unveränderlich, ewig, eins mit allem. Wenn wir in diesem Bewusstsein dauerhaft verankert sind, befinden wir uns in Tanumanasa, der 3. Stufe der Evolution oder Erleuchtung.

Tanumanasa – „der ausgedünnte Geist“

Tanu heißt ‚dünn‘ und manas ist der Geist im Sinne von Gemüt, Psyche, Emotionen und meint in diesem Fall besonders unsere automatischen Reiz-Reaktionsketten, Prägungen, vorgefassten Meinungen, Identifikationen – das ganze Gedankenkarussell, dass sich normalerweise den ganzen Tag in unserem Geist abspielt. Tanumanasa ist ein „Schlank-machen des Geistes“ in dem Sinn, dass diese instinktiven, oft irrationalen Gedanken- und Verhaltensmuster mehr und mehr reflektiert, beherrscht und gelenkt werden. Und das führt natürlich zu einer tiefen inneren Ruhe, einem großen Gleichmut (nicht Gleichgültigkeit!) gegenüber den sich ständig verändernden äußeren Umständen und Situationen.

„Ausgedünnt“ heißt nun nicht, dass man etwas beschränkt oder geistig behindert ist – im Gegenteil, man kann hoch intelligent sein und seine Fähigkeiten stark weiter entwickelt haben, sondern es bedeutet, der Geist ist durchlässig geworden, wir haben Zugang zu unserem inneren Selbst. Bei Tanumanasa wird der spirituelle Weg nicht nur spannend und erfüllt wie auf Vicharana, nicht nur ein aufregendes Abenteuer, mit Siegen und Niederlagen, sondern in Tanumanasa wird der Weg besonders schön.

Charakteristisch für diese Phase ist, dass man in jeder Meditation regelmäßig den Dhyana-Zustand erreicht, also die vollständige Absorption, ohne konkrete Gedankeninhalte.

Die meisten Menschen bewegen sich in der Meditation zwischen Asana, Pranayama, Pratyahara und Dharana: Manche arbeiten noch an der Sitzhaltung, manche mehr am Atem, manche versuchen immer wieder, den Geist zurückzubringen wenn er denkt, der Raum ist zu kalt, zu warm, die Leute sind zu laut oder zu leise oder was muss ich nachher noch erledigen usw. Und immer wieder bemüht man sich um Konzentration, Dharana.

Dhyana ist, wenn wir in die Meditation hinein fallen und es schön ist. Also man sitzt konzentriert ohne Anstrengung. Ganz leicht. Es sind Glückserfahrungen da, vielleicht sieht man innerlich wunderschöne Lichter, vielleicht hört man subtile Klänge, oder spürt einfach nur ein Gefühl von Energie, Liebe und Geborgenheit.

Auch auf der vorhergehenden Stufe, Vicharana, kann man das ab und zu mal spüren, aber auf Tanumanasa geschieht es regelmäßig.

Ananda und Prema – Wonne und Liebe

Auf Tanumanasa wird man auch stark erfüllt von Ananda, Wonne, und Prema, Liebe. Nicht vollständig und nicht dauernd, aber doch sehr stark zwischendurch. Man hat in der Meditation Zugang zu dieser inneren Liebe oder der Verbindung zum Göttlichen und das erstreckt sich dann auch in den Alltag. Wenn man hingegen nur in der Meditation schöne Erfahrungen hat, sich aber über alles Mögliche ärgert und aus dem Gleichgewicht kommt, sobald man die Augen aufmacht oder die Wohnung verlässt, dann war die Meditation zwar schön, aber auf Tanumanasa ist man noch nicht.

Intuition

In der Tanumanasa-Phase wird die Intuition stark und zum wichtigsten Entscheidungsmittel. Natürlich hat jeder Mensch Intuition, und eine ganze Menge Entscheidungen werden intuitiv getroffen, nicht nur von spirituellen Aspiranten sondern auch von Menschen, die auf den Begriff Spiritualität allergisch reagieren. Der Unterschied ist: Auf den vorherigen Bewusstseinsstufen kann die Intuition uns in die richtige Richtung führen, sie kann uns aber auch in die falsche Richtung führen. Die Intuition kann zum Beispiel gefärbt sein durch eigene unbewusste Inhalte, durch Wunschdenken, Projektionen usw., so dass sie durch Hinterfragen geprüft und ergänzt werden muss: War es wirklich meine Intuition oder vielleicht nur ein Wunsch, den ich hatte oder hat ein Gespräch mit jemandem mich unbewusst dahingehend beeinflusst? Oder es ist eine uralte Sehnsucht, die eigentlich schon überholt ist, die aber jetzt, weil sich die darüber liegenden Spannungen gelöst haben, nochmals an die Oberfläche kommt?

Aber in Tanumanasa übernimmt die Intuition die Hauptfunktion. Man hat durch die Praxis und achtsames Leben über einen langen Zeitraum sein Gemüt weitgehend gereinigt, so dass der Geist wie ein reiner Kristall das spiegeln kann, was tatsächlich ist, ohne subjektive Färbungen. Aus vielen Geschichten von großen Meistern weiß man, dass sie spontan und unvorhersehbar aus dieser höheren Intuition heraus handeln.

Das Gute mögen

Tanumanasa ist auch ein Gemütszustand, indem man das mag, was einem gut tut, auch wenn es nicht immer angenehm ist. Manchmal wissen wir, was gut für uns ist, z.B. die Menge an Zucker und Fett, Nikotin oder Kaffee zu reduzieren. Aber wir halten gleichzeitig das, was uns nicht gut tut, trotzdem für angenehm. Oder wir stehen vor der Wahl, ein bisschen die Wahrheit zu verdrehen und uns damit einen deutlichen Vorteil zu verschaffen, oder bei der Ethik zu bleiben und unter Umständen auf einen materiellen Vorteil zu verzichten. Dann kommt es darauf an, wie wir uns entscheiden: Geben wir dem Drang wider besseres Wissen nach, oder gelingt es uns, unseren Vorsätzen treu zu bleiben.

Ist man auf der Tanumanasa-Ebene fest verankert, hat man keine Wahl mehr. Gegen die Ethik zu verstoßen, würde gegen jegliches Gefühl, auch gegen jedes subjektive Mögen, gehen. Raga, das Mögen, richtet sich auf das Gute, und zwar nicht nur auf das Gute für mich persönlich, sondern auf das Gute in einem umfassenden, universellen Sinn. Man ist in Einklang mit den Naturgesetzen, den universellen Gesetzen des Kosmos, und kann gar nicht mehr dagegen handeln.

Hochmut kommt vor dem Fall

Tanumanasa ist schon ein recht hohes spirituelles Stadium. Wer dauerhaft darin verankert ist, ist ein spiritueller Meister, eine Meisterin.

Dabei gibt es zwei Hauptgefahren: Zum einen, dass man sich mit diesem erhabenen Zustand identifiziert und sich etwas darauf einbildet. Man fühlt sich besser als andere – alles geht so leicht, und man hat das Gefühl, die anderen sind noch nicht so weit, und fühlt sich dann als der Größte.

Die zweite Gefahr ist, dass man meint, man hätte das höchste Ziel schon erreicht und aufhört, weiter zu praktizieren. In der Meditation hat man Visionen, man fühlt sich in der Nähe Gottes. Aber damit ist es nicht getan. Der Weg geht weiter, wir sind noch längst nicht am Ziel. Das ist manchmal das Problem, wenn jemand ohne tiefere Kenntnis in einen vorübergehenden Tanumanasa-Zustand kommt und dann nicht versteht, dass das noch nicht die höchste Verwirklichung ist.

Auf dieser Ebene ist es also wichtig, bescheiden zu bleiben, liebevoll, verständnisvoll und tolerant mit anderen umzugehen, um Führung zu beten und intensiv weiter zu praktizieren. Sich bewusst zu machen: Alle sind das unsterbliche Selbst, nicht nur ich. Momentan mag ich das besonders erfahren, als einen Segen und eine Gnade, aber ich weiß nicht, ob es weiterhin so bleiben wird. Derjenige, auf den ich jetzt hochmütig herabschaue, kann seine Schwierigkeiten vielleicht bald überwunden haben und dann die nächsten Schritte um so schneller machen.

Sattwapatti – das Erlangen der Reinheit

Die nächste Bewusstseinsebene ist Sattwapatti („Erlangen (āpatti) der Reinheit (sattva)”). Hier erreicht man in der Meditation den Savikalpa Samadhi Zustand, das heißt, Überbewusstsein mit Dualität.

Hier, in Savikalpa Samadhi, verschmilzt der Meditierende mit dem Objekt der Meditation. Es ist ein Absorbiert-Sein in der Meditation, mit noch viel größerer Wonne verbunden als in Dhyana. Gleichzeitig besteht aber noch eine gewisse Dualität, d.h., es ist „jemand“ da, der sich bewusst ist: „Ich erfahre diesen wonnevollen Zustand“. Es gibt ein „Ich“ und einen „Wonnezustand“, es gibt ein „Ich“ und das „Unendliche“, und es gibt die Erfahrung, dass wir eins sind, aber das Ich-Bewusstsein ist noch da, es ist noch nicht die reine Einheit.

Siddhi – ein Zeichen für spirituellen Fortschritt?

Auf Sattwapatti erwachen die Siddhi, die sogenannten übernatürlichen Kräfte. Sie sind nicht wirklich übernatürlich, sondern man ist mit seinem Bewusstsein eingeschwungen auf die Essenz der ganzen Schöpfung und damit manifestieren sich auf natürliche Weise Dinge, die auf einer rein materiellen Bewusstseinsebene als „übernatürlich“ oder als „Wunder“ erlebt werden.

Miracles of Sivananda

Es gibt Hunderte von Briefen von, an und über Swami Sivananda, in denen Menschen schildern, welche Wunder ihnen geschehen sind. Einige dieser Erfahrungsberichte wurden im Buch „Miracles of Sivananda“ veröffentlicht. Ein Beispiel: Ein Ehepaar aus Südafrika war Schüler von Swami Sivananda. Bei der Frau wurde Krebs diagnostiziert und sie sollte operiert werden. Ihr Mann schrieb Swami Sivananda darüber einen Brief. Am Tag vor der Operation hatten beide eine Vision von Swami Sivananda und das starke Gefühl ganz von Licht durchdrungen zu werden, und sie hörten eine telepathische Stimme: „Lasse dich nicht operieren“. Am nächsten Tag bestanden sie darauf, dass statt der angesetzten OP nochmals Tests gemacht wurden. Der Tumor war vollständig verschwunden! Etwa zwei Wochen später – die Post von Indien nach Südafrika dauerte damals noch recht lange – erhielten sie einen Brief von Swami Sivananda, indem er ihnen Trost zusprach und schrieb, er habe das Om Tryambakam-Mantra (ein Heil- und Segensmantra) für die Frau gebetet. Der Brief war genau an dem Tag datiert und geschrieben, an dem beide die obige Vision gehabt hatten. So gibt es Hunderte von Briefen von Schülern von Swami Sivananda, die Ähnliches erlebt haben.

Große Meister können alles Mögliche manifestieren. Aber nicht jeder, der parapsychologische Fähigkeiten hat, ist deswegen ein Meister. Wenn jemand außergewöhnliche Kräfte hat, heißt das noch lange nicht, dass er sich auf der Sattwapatti- Ebene befindet. Aber jemand in Sattwapatti hat fast notwendigerweise außergewöhnliche Fähigkeiten. Da gilt es, diese Siddhi nicht zu missbrauchen für eigene Vorteile oder um andere zu manipulieren, ja sogar sie noch nicht einmal bewusst einzusetzen. Zwar kann ein Meister es gar nicht vermeiden, dass außergewöhnliche Dinge geschehen in seiner Gegenwart, aber er sollte nicht denken, ich habe das jetzt gemacht und er sollte sie nicht zur Schau stellen.

Ein Meister wird normalerweise seine Siddhi nicht bewusst einsetzen. Denn wenn er es zu viel tut, verbraucht er zum einen sein Prana, seine Energie, zum anderen identifiziert er sich wieder, und zum Dritten denkt er, er müsse den Gang der Weltgeschichte ändern. Das ist Anmaßung, und damit kommt man nicht zur Erleuchtung und Selbstverwirklichung.

Wenn man auf dieser Ebene also demütig bleibt, die Siddhi nicht missbraucht und weiter praktiziert, kommt man zur nächsten Bewusstseinsstufe, nämlich:

Asamshakti – „losgelöst von Shakti, der manifesten Schöpfung“

Asamshakti bedeutet wörtlich „Nichtberührtsein“. Das heißt nun nicht, dass man in diesem Zustand wie ein gefühlloser Stein ist. Im Gegenteil, Meister/Meisterinnen haben ein Herz wie Butter, es schmilzt beim Leiden anderer. Aber man ist nicht persönlich berührt von persönlichem Erfolg und Misserfolg, sondern mehr verbunden mit dem Höchsten, und man empfindet auch nicht nur eine persönliche Liebe, sondern mehr eine überpersönliche, allumfassende Liebe und Mitgefühl mit allen Wesen und der ganzen Schöpfung.

Man befindet sich nun in Nirvikalpa Samadhi, dem überbewussten Zustand ohne Dualität. Man hat die Selbstverwirklichung erreicht, die vollkommene Einheit mit allem. Man ist erwacht, erleuchtet.

Man hat das sogenannte Doppelbewusstsein. Das heißt, wenn man aus der Meditation heraus kommt, sieht man die Welt wie andere auch, aber man hat gleichzeitig und jederzeit auch das Bewusstsein der Einheit hinter allem. Man ist ein sogenannter Jivanmukta, eine noch in diesem Körper befreite Seele.

Wie sich das dann äußert, ist verschieden, je nach individueller Persönlichkeit des Menschen und je nach der Aufgabe, die er im Leben zu erfüllen hat. Manche führen ein ganz normales Leben und unterscheiden sich nicht von anderen Menschen. Außer, dass sie besonders viel Freude ausstrahlen, besonders liebevolle Menschen sind. Andere werden zu spirituellen Lehrern und großen Meistern/Meisterinnen, entweder im kleinen Rahmen mit einigen Schülern oder im großen Stil mit mehr Schülern. Manche ziehen sich auch zurück und meditieren in Einsamkeit.

Als nächstes folgt:

Padarthabhavani

Das Doppelbewusstsein, indem man gleichzeitig in der Welt und in der Einheit ist, verschiebt sich nun mehr ins Subtile. Das heißt, der Meister/die Meisterin ist sich hauptsächlich der Einheit und weniger seines einzelnen Körpers bewusst.

Auf dieser Bewusstseinsstufe ergreift der Mensch von sich aus selbst keine Initiative mehr. Wenn man ihn um etwas bittet, macht er es, wenn ihn niemand um etwas bittet, handelt er nicht. Wenn man ihm etwas zu essen gibt, isst er. Wenn man ihm nichts zu essen gibt, isst er nicht.

Im Normalfall geschieht Padarthabhavani gegen Ende des Lebens, wenn das relative Karma, das mit dieser Einzelexistenz noch verbunden war, zu Ende ist. Diese Phase dauert typischerweise auch nur sehr kurz.

Auf eine weniger spirituelle Weise haben das ja auch viele alte Menschen. Zwar nicht im Sinne der unendlichen Wirklichkeit, aber irgendwann, wenn das Karma weitestgehend aufgebraucht ist, haben sie keine Wünsche mehr, irgendetwas in der Welt zu bewirken oder etwas zu tun.

Dann folgt:

Turiya – der Zustand der Befreiung

Das Karma ist praktisch ganz aufgebraucht. Das Bewusstsein ruht vollständig im Unendlichen und verlässt den Körper. Turiya mündet in Mahasamadhi, den großen Samadhi, das Aufgehen im absoluten Bewusstsein, das Einswerden mit dem Ursprung, dem Absoluten. Die Seele ist frei und eins mit allem für immer.

Ein Artikel von Sukadev Bretz, erschienen im Yoga Vidya Journal Nr. 27

Sukadev vermittelt tiefe Weisheit, reichhaltige spirituelle Erfahrung und umfassendes Wissen anschaulich, aufgelockert, klar strukturiert und praxisbezogen. Seine Vorträge leben von der persönlichen Ausstrahlung, seiner Inspiration und dem tiefen Verständnis des Yoga und des spirituellen Weges.

Sukadev ist u.a. Autor der Bücher „Die Yoga-Weisheit des Patanjali für Menschen von heute“, „Das Yoga Vidya Asana Buch“, „Yoga Geschichten“, „Karma und Reinkarnation“ und „Der Königsweg zur Gelassenheit„.

» Mehr über Sukadev, seine Biografie, sein Wirken und seine Lehren

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