Der Geist des Aspiranten

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Der Geist des Aspiranten beschreibt die innere Haltung der spirituell Suchenden. Die Menschen kommen auf unterschiedlichsten Wegen auf den spirituellen Pfad. Für den Einen ist es eine plötzliche Erkenntnis, die durch Gnade in sein Leben kommt, für die Andere ist es der Verlust eines geliebten Menschen. Sie alle haben verschiedene Hintergründe und Erwartungen an die spirituelle Praxis. Sie lernen sich Selbst in dieser Situation neu kennen und müssen sich besonders zu Beginn erst einmal orientieren.

Geistige Aspiranten schaffen sich für gewöhnlich eine Vorstellung davon, wie ihr Sadhana (spirituelle Praxis) aussehen soll. Bei dieser Orientierung ist es hilfreich, wenn man sich gewisse Dinge bewusst macht, bevor falsche Annahmen entstehen. Unter anderem ist eine der relevantesten Fragen: Welche geistigen Qualitäten sind auf dem Weg des Erwachens zuträglich und welche hinderlich?

Der Geist des Aspiranten und die Offenheit

Eine der wichtigsten Qualitäten für Geist des Aspiranten ist die Offenheit. Wenn Aspiranten konkrete Erwartungen an ihre Erfahrungen in der spirituellen Praxis haben, werden sie enttäuscht. Das kann sehr schnell entmutigen und sogar zur Aufgabe führen. Denn solche Vorstellungen entwickeln sich schnell zu gefestigten Vorurteilen. So ist hingegen die Realität des Sadhana meist das absolute Gegenteil von der individuellen Meinung zu der eigenen spirituellen Praxis.

Fühlt man sich dann zu einem Guru wie Swami Sivananda hingezogen, lernt man dessen Sadhana kennen. Unterscheidet sich das von den eigenen Vorstellungen, kommt es zum inneren Konflikt. Der Geist schließt sich. Als Konsequenz folgen Gedanken des Zweifels und Gefühle der Untreue gegenüber dem Lehrer.

Alles in allem sind Aspiranten stets dazu angehalten, die eigene Entwicklungsstufe neu zu evaluieren. Wenn Aspiranten hingegen davon ausgehen, dass sie schon ein gewisses Niveau „erreicht“ haben, kann es passieren, dass sie davon überrascht werden wo sie tatsächlich stehen. Das kann nicht nur zu Enttäuschung führen, sondern auch zu einem Verlust an Enthusiasmus und Disziplin.

Solche Aspiranten mit einer klaren Vorstellung von Sadhana sind dann überwältigt und kommt von ihrem Weg der Befreiung ab, rudern zurück und landen in ihrem „früheren sinnlichen Leben der Täuschung“ (Sadhana, Swami Sivananda).

Der kluge Geist des Aspiranten bewahrt sich also von Beginn an vor solchen Fallstricken. Sich mit Offenheit auf seinen spirituellen Weg zu begeben schützt vor dem eigenen „kleinen Ich“. Schaffe dir eine innere Haltung der Lernbereitschaft. Diese Qualität zu kultivieren garantiert das kontinuierliche spirituelle Fortschreiten. Damit Du nicht entmutigt wirst, gilt es zusätzlich Tyaga (Entsagung) von den eigenen vorgefassten Meinungen zu praktizieren.

Der Geist des Aspiranten und die Pflicht

Als wäre es nicht schon genug, den Geist von Vorurteilen gegenüber dem Sadhana zu befreien, gibt es eine zweite große Hürde für den Aspiranten: Es sind die Gedanken bezüglich der Pflichterfüllung.

Damit sind Pflichten im Sinne von Verantwortungen gemeint, die man der Familie, dem Staat oder der Gesellschaft gegenüber zu haben scheint. Interessanterweise ist es ein Phänomen, dass diese Art des Pflichtbewusstseins erst aufkommt, sobald der spirituelle Weg beschritten wird. Hat man dieselben Gedanken zuvor noch vernachlässigt, so gewinnen sie plötzlich an Bedeutung.

Sie dienen dem Geist als Argument, Sadhana zu vernachlässigen und stattdessen anderen Dingen nachzugehen. Wenn es nach dem Geist geht, sollen Aspiranten keinen Einblick in die Realität erhalten, denn sein Überleben hängt davon ab, dich in Maya (der Täuschung) zu halten.

Der Umgang mit dem Geist

Es bedeutet nicht, dass Aspiranten im Leben keine Pflichten haben. Es bedeutet nur, dass sie sich der Schachzüge des Geistes zu jedem Zeitpunkt bewusst sein müssen, um sie zu durchkreuzen. Wenn man Achtsamkeit kultiviert, hat man dem Geist gegenüber einen Vorteil.

Achtsame Aspiranten erwischen nämlich zuvor die Gedanken, welche sie von Sadhana abhalten würden. Sie lösen in dem Moment ihres Erscheinens die Identifikation (Tyaga) mit ihnen auf und fahren mit ihrer Praxis fort.
Swami Sivananda empfiehlt in diesem Hinblick Sadhana nie aufzuschieben, oder zu verzögern. Er sagt, dass Aspiranten ihren Geist fest auf das zu erreichende Ideal ausrichten sollen, um entschlossen voranzugehen.

Der Geist ist weder Freund noch Feind. Es gilt vielmehr ihn zu beherrschen wie ein Musiker sein Instrument beherrscht. Frage dich stets, ob du deinen Geist beherrschst, oder ob er dich für seine Machenschaften benutzt. Ein disziplinierter Geist verhilft dir letztlich zu Erkenntnis und Fortschritt auf dem spirituellen Weg.

Schreite beständig voran

Mache dir die anfänglichen Schwierigkeiten auf dem Weg der Erkenntnis bewusst, sodass du Sie leichter überwunden kannst. Im Wissen, dass diese Hürden universell sind und nicht nur dich betreffen, kannst du ihren Wahrheitsgehalt relativieren.

Was passiert ist ein innerer Konflikt mit den Neigungen der Sinne. Bist du vorher immer dem Laufe der Sinne gefolgt, geht die Disziplin des Sadhana dem entgegen.

Swami Sivananda beschreibt es entlang einer Fahrt mit dem Fahrrad den Hügel hinunter. Solange man herabfährt, ist alles ganz angenehm und unbeschwert. Dreht man allerdings herum und fährt den Hügel hinauf, so wird man mit Anstrengungen konfrontiert. Während am unteren Ende der Abgrund der grobstofflichen Welt wartet, drehen Aspiranten herum und erlangen die Höhen des Seins wieder zurück.

Diese Anfangsschwierigkeiten lassen bald nach. Ertrage all das geduldig im Wissen der anfänglichen Hürden aller Schwierigkeiten und schreite beständig voran. Die Mühe ist es wert.

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