Optimismus im Yoga – Eine hilfreiche Eigenschaft auf dem Weg

Optimismus ist eine wunderbare Eigenschaft, die von Menschen sehr geschätzt wird. Optimismus kommt von »Optimum«, dem Besten. Es bedeutet, immer das Beste vor Augen zu haben und auf das Gute zu hoffen. Ein Optimist bejaht das Leben, ist zuversichtlich und vertraut darauf, dass alles seinen richtigen Gang nimmt.

Du kennst sicher den Ausdruck: „Ein Glas kann halb voll oder halb leer sein.“ Du kannst dich also darüber freuen, dass das Glas noch halb voll ist, oder dich aber ärgern, dass das Glas schon halb leer ist. Es ist alles eine Frage der Einstellung.

Dasselbe Beispiel können wir auf ein leeres Glas beziehen. Der Pessimist würde sagen: „Schade, ein leeres Glas, nichts zu trinken.“ Der Optimist jedoch würde die Chance daran sehen: „Toll, ein leeres Glas, das kann ich mit allen möglichen Sachen füllen!“

Optimismus ist also zum Einen die Fähigkeit, in allem, was geschieht, das Gute zu sehen. Und das ist eine schöne Eigenschaft, es ist eine positive Eigenschaft, eine Eigenschaft, die man auch kultivieren kann. Alles ist für irgendetwas gut, das ist die optimistische Lebenseinstellung und Weltanschauung.

Optimismus bedeutet aber auch eine Menschenliebe. Optimismus sagt, dass es jeder Mensch, tief im Inneren, gut meint. Menschen machen komische, eigenartige, ja auch schlimme Sachen, bei denen man probieren muss, sie daran zu hindern, aber Optimismus sagt, dass es tief im Inneren trotzdem jeder Mensch gut meint.

Yoga ist grundlegend optimistisch

Yoga hat das optimistischste Menschenbild, es sagt nämlich, dass jeder Mensch im Inneren göttlich ist. Man kann es auch so ausdrücken: tief im Inneren will jeder Mensch Liebe geben, oder Liebe empfangen, manchmal auf verquere Weise, aber letztlich ist das doch die Motivation hinter allem Handeln. Das ist dieser Optimismus – Optimismus gegenüber allem, was geschieht.

Yoga hat auch in dem Sinne ein optimistisches Weltbild, indem es sagt, dass hinter allem eine göttliche Wirklichkeit steckt und dass die Welt eine Manifestation dieses Göttlichen ist. Was auch immer geschieht, wir können daran wachsen. Alles, was geschieht, ist eine Lektion, die uns hilft, zu wachsen.

Wenn wir in einen Stau geraten, ist es vielleicht dazu da, dass wir Geduld lernen. Wenn wir unserer Zug verpassen und zu spät kommen, ist es auch eine Lektion. Vielleicht brauchen wir dann Mut, müssen uns entschuldigen, müssen den nächsten Zug nehmen oder herausfinden, wie das Smartphone funktioniert, um den nächsten Anschluss zu kriegen.

Hinter allem steckt eine Lektion, das ist der Yoga-Optimismus, der Optimismus gegenüber dem, was geschieht. Es ist das Gegenteil von einer Opferhaltung, wo man sagt: „Andere sind immer schuld, ich werde nicht richtig behandelt, ich werde nicht korrekt behandelt, alle sind schlecht zu mir usw.“ Das ist Pessimismus.

Optimismus heißt, in allem irgendwo das Gute zu sehen – die Chance zu sehen. Optimismus ist als nächstes auch gegenüber dir selbst wichtig. Optimismus ist das Vertrauen: „Ja, ich werde mich entwickeln.“ Optimismus ist der spirituelle Optimismus: „Ich werde irgendwann die Erleuchtung erlangen. Ich werde die Gotteserfahrung machen.“ Das ist der spirituelle Optimismus, den du haben kannst.

Schließlich gibt es den Zukunftsoptimismus. Der Zukunftsoptimismus sagt: „Es wird schon gelingen. Ja, ich probiere es, ich werde es ausprobieren, und es wird schon gutgehen.“ Und diese Art von Zukunftsoptimismus hilft auch, Dinge zu wagen und zu probieren. Da der Zukunftsoptimismus oft einhergeht mit einer leichten rosaroten Brille und die Dinge auf positive Weise zu sehen, kann er sich auch aufrechterhalten.

Auch Pessimismus kann wichtig sein

Optimismus ist also etwas sehr Gutes, was zu viel Freude, Lebendigkeit und Munterkeit führen kann. Doch natürlich braucht der Optimismus auch ein Gegenteil – den Pessimismus. Pessimismus ist nicht nur negativ. Pessimismus hilft auch, zu sehen, dass Dinge schiefgehen können und es passieren kann, dass etwas nicht gelingt. Und es ist gut, wenn man auch darauf vorbereitet ist.

Der Optimist vertraut darauf: „Es wird schon gutgehen.“ Der Pessimist sagt: „Das wird wahrscheinlich schiefgehen, man muss etwas tun, damit es nicht schiefgeht.“

Der Optimist sieht das Gute im Menschen und der Pessimist sieht, dass Menschen auch immer wieder egoistisch sind, dass sie niederträchtig sein und Vertrauen missbrauchen können. Der Pessimist wird das also mit einbeziehen und dann vielleicht Sicherheitsmaßnahmen einrichten, dass das eben nicht passiert.

So ist es gut, den Optimisten zu haben; er setzt Energie frei und steckt mit seine Freude andere dabei an, neue Dinge zu wagen. Und es ist genauso gut, dass es den Pessimisten gibt, der vorsichtig ist und aufpasst, dass der Optimist das Ganze überleben wird.

Vielen Menschen haben beides: Optimismus und Pessimismus. Irgendwo stand mal, dass die erfolgreichsten Menschen sogenannte paranoiden Optimisten sind. Das heißt sie sind zum einen Optimisten – sie halten alles für möglich und denken, „das geht und das geht auch“. Und gleichzeitig sind sie paranoid, das heißt sie haben Angst vor allem Möglichen: „Das könnte schiefgehen, das könnte schiefgehen, das könnte auch schiefgehen …“

Wegen des Optimismus wagen sie vieles, probieren vieles aus und bleiben nicht stecken. Wegen des Pessimismus sorgen sie vor und ermöglichen dann, dass ihre optimistischen Visionen auch umgesetzt werden können. Die Menschen also, die gleichzeitig Optimist und Pessimist sind, sind oft sehr erfolgreich.

Es gibt manche Menschen, die sind mehr Pessimisten, andere, die sind mehr Optimisten. Und so ist gut, wenn die beiden zusammen sind. Eine Arbeitsgruppe zu haben, die nur aus Optimisten besteht, ist nur vorübergehend gut. Vielleicht gut, um ein Konzept zu erarbeiten, aber selten, um es durchzusetzen. Eine Gruppe, die nur aus Pessimisten besteht, ist oft auch nicht gut – die trauen sich nichts. Eine Gruppe jedoch, die aus Optimisten und Pessimisten besteht, kann viel bewirken.

Wie ist es bei dir?

Jetzt überlege einmal selbst, wie bei dir das Verhältnis zwischen Optimismus und Pessimismus ist. Bist du ein eher optimistischer Mensch, ein eher pessimistischer Menschen? Oder bist du ein Mensch, bei dem es darauf ankommt, der beides hat.

Wie gehst du damit um, wenn Menschen aber anders sind als du? Angenommen, du bist Optimist, wie gehst du dann mit Pessimisten um? Bist du in der Lage, sie dafür wertzuschätzen und auch ihre Tipps mit zu berücksichtigen? Oder wenn du Pessimist bist, wie gehst du mit Optimisten um? Hat sich etwas geändert bei dir, warst du früher optimistischer oder pessimistischer?

Überlege und denke nach. Manchmal kann man bewusst daran arbeiten. Anstatt dich zu beklagen, „schlimm, wie die Situation ist“, kannst du sagen: „Toll, eine neue Herausforderung, ich gehe sie an.“ Anstatt zu denken, „hat eh keinen Sinn, könnte schiefgehen“, könntest du sagen: „Ich probiere es aus. Im besten Fall gelingt es, im schlimmsten Fall lerne ich etwas.“

Und hier noch ein Seminar-Tipp von uns zum Thema:

1 Kommentar zu “Optimismus im Yoga – Eine hilfreiche Eigenschaft auf dem Weg

  1. Sehr aufschlussreicher Text – danke dafür!

    Liebe Grüße

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