Sanskrit: Die 7 häufigsten Fehler

Sanskrit Devanagari

Dass Sanskrit keine einfache Sprache ist, hast du sicherlich auch schon bemerkt. Besonders, wenn du selbst Yoga unterrichtest oder gerne Mantras rezitierst, wirst du wohl das ein oder andere Mal einen Moment der Unsicherheit gehabt haben. Vielleicht sprichst du sogar jeden Tag ein Sanskrit-Wort falsch aus und weißt es nicht – denn das Mantra Om birgt schon die erste Stolperfalle. Wir zeigen dir die 7 häufigsten Fehler beim Sanskrit sprechen.

Sanskrit – Die heilige Sprache Indiens

Sanskrit stammt ab von (संस्कृत saṃskṛta) und bedeutet zusammengefügt, gebildet; fein, verfeinert; geweiht, heilig. Es ist die heilige Sprache Indiens, die älteste und ursprünglichste der (nord)indischen Sprachen und wird in Devanagari geschrieben

Die Devanagari Schrift

Da es im Sanskrit mehr Laute und damit auch mehr Buchstaben als in den meisten europäischen Sprachen bzw. im lateinischen Alphabet gibt, müssen sogenannte diakritische Zeichen verwendet werden, um Devanagari vollständig in der lateinischen Schrift abzubilden.

योग

Das Wort “Yoga” in Devanagari

In der IAST Transliteration, die als wissenschaftliche Umschrift für Devanagari Verwendung findet, kommen Striche und Punkte zum Einsatz, die über oder unter den Buchstaben platziert werden.

Eine komplexe Sprache

Sanskrit gehört wie Latein, Altgriechisch und auch Deutsch zu den sogenannten flektierenden Sprachen. Das bedeutet, es zeichnet sich durch eine große Formenfülle an Endungen aus. Diese werden bei Substantiven (Nomen) als Nominalendungen (Deklination) und bei den Verben als Verbalendungen (Konjugation) an die jeweiligen Wortstämme angehängt.

Es sind also unter anderem:

  • den Fall (Kasus)
  • die Anzahl (Numerus)
  • das Geschlecht (Genus)
  • die Zeit (Tempus)
  • die Person

zu beachten. Ganz schön viele Möglichkeiten, Fehler zu machen also. Zum Vergleich: für viele Menschen gilt Deutsch als eine schwierige Sprache. Sanskrit ist noch komplexer als Deutsch, denn es gibt – zusätzlich zu dem Mehr an Lauten und Buchstaben – gleich acht Fälle. Im Deutschen gibt es “nur” vier. Und schon da ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten.

Bisher ging es allein um die Fehler bei der Wortzusammenstellung. Eine weitere sehr große Fehlerquelle ist darüber hinaus die Aussprache von Sanskrit-Wörtern.

Die häufigsten Sanskrit-Fehler

1. Om

Das Bija-Mantra Om wird zusammengesetzt aus den Lauten A-U-M. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es auch “AUM” ausgesprochen wird. Denn: folgt im Sanskrit ein U auf ein A, dann wird es zusammen als O ausgesprochen. Auch sollte bei der Aussprache beachtet werden, dass das O einen Anteil von zwei Dritteln und das M einen Anteil von einem Drittel einnimt. Zudem sollte von Anfang bis Ende des Tönens ein und derselbe Ton gehalten werden.

2. Pranayama

Die Atemübungen sind ein fester Bestandteil jeder Yogastunde in der Sivananda-Tradition. Doch wie spricht man Pranayama eigentlich richtig aus?

prāṇāyāma

3. Kapalabhati

Ebenso wie das Wort Pranayama wirst du in deiner Yogastunde sehr wahrscheinlich auch das Wort Kapalabhati verwenden. Auch dies wird anders ausgesprochen, als die meisten es tun:

kapāla-bhāti

4. Genus: Das Geschlecht

Ein Grund für einige Fehler bei der Übersetzung von Sanskrit ist, dass damals zuerst die Engländer diese Sprache übersetzt haben. Sanskrit wurde also ins Englische übersetzt und dann vom Englischen ins Deutsche. Es gab somit einen Umweg über eine Sprache, die nur einen Artikel für Substantive hat (the). Im Deutschen würde es beispielsweise eigentlich der Mantra und das Asana heißen.

5. Plural

Auch die Mehrzahl bereitet uns einige Schwierigkeiten. Genau wie beim Geschlecht erkennt man gut, dass sich Sanskrit hier mit den anderen Sprachen vermischt hat. So wird als Plural von Mantra im Deutschen üblich Mantren und im Englischen Mantras verwendet – doch genau genommen sind beide falsch. Der Singlular von Mantra lautet eigentlich Mantraha (das ha am Ende wird beim Sprechen “verschluckt”) und der Plural Mantrāha mit langem a.

6. Weibliche & männliche Form eines Wortes

Yogi ist nicht gleich Yogi. Das Wort Yogi meint ausschließlich männliche Aspiranten. Eine Frau, die intensiv Yoga praktiziert, heißt Yogini. Das letzte i wird bei beiden Worten übrigens lang ausgesprochen: yogī, yoginī.

So gibt es, genau wie im Deutschen, auch die weibliche Form, die jedoch nicht immer ganz einfach herauszufinden ist. Eine Frau, die Seva leistet, heißt beispielsweise nicht Sevakini, sondern Sevika: Der Wortstamm ist hier also nicht Seva-, um daraus Seva-ka oder Seva-kini zu bilden, sondern Sev-. Somit lautet die weibliche Form Sev-ikā mit einem langen a.

7. Mantra-Aussprache

Ein Mantra wurde von einem Rishi, einem Weisen oder Seher, während seiner sehr tiefen Meditation empfangen. Oft dient das Rezitieren ja dazu, ein Wunsch zu erfüllen oder ein Ziel zu erreichen. Es ist eine Bitte um etwas, beispielsweise darum, zur Selbstverwirklichung, Transformation, Einheit, Erleuchtung oder Unsterblichkeit geführt zu werden.

Du sendest quasi deinen Wunsch oder eine Bestellung an das Universum. Und wie es bei Wünschen oder Bestellungen so ist, sollten diese auch ganz konkret und korrekt formuliert werden, damit nicht etwas ganz anderes kommt, als das, was du eigentlich wolltest. Es ist nämlich nicht selten so, dass sich die Bedeutung eines Mantras ändert, wenn du auch nur einen kleinen Teil falsch aussprichst.

Auch schon bei einem kurzen Mantra gibt es viel zu beachten. Zum Beispiel ist beim Rezitieren von Om Namah Shivaya nicht nur wichtig, das S nicht wie ein sanftes Sch zu behandeln, sondern auch, das lange a auszusprechen: oṃ namaḥ śivāya. Doch das ist nur eines von vielen Beispielen.

Beim Kirtan singen hat die exakte Aussprache nicht Priorität, aber bei einem Mantra solltest du schon darauf achten.


Generell gilt: Im Zweifelsfall kannst du lieber die deutschen Begriffe verwenden. Rezitiere am besten vorwiegend ein Mantra, bei dessen Aussprache du sicher bist. Hierzu findest du einige Aufnahmen zu jedem Mantra auf Yoga-Wiki. Nutze dafür einfach die Suchleiste.

Zum Lernen der richtigen Aussprache von Sanskrit-Wörtern, die du im Unterricht verwendest, eignet sich auch wunderbar das Yogalehrer-Handbuch. Dort gibt es ganz hinten ein großes Wörterbuch mit den wichtigsten Begriffen – inklusive der wissenschaftlichen Umschrift.

Sanskrit Devanagari

Du möchtest dich näher mit Sanskrit beschäftigen?

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