Training der Selbsterkenntnis durch Spiritualität?

Im letzten Jahr ist Martin Stadie an den BYV herangetreten und hat uns um Unterstützung bei seiner Masterarbeit gebeten. Die Ergebnisse und auch seinen Erfahrungsbericht wie es ihm hier im Yoga Vidya Seminarhaus Bad Meinberg ergangen ist, kannst du im nachfolgenden Artikel nachlesen. 

Ein Beitrag von Martin Stadie

Hast du auch manchmal den Eindruck, dass dir bei wichtigen Entscheidungen dein Herz oder Bauch das eine sagen und dein Verstand aber zu etwas ganz anderem rät? Hier erfährst du, wie du deine Selbsterkenntnis unterstützen kannst und wie sie von Spiritualität profitiert.

Viele von uns kennen solche Konflikte zwischen Kopf und Herz. Ich z.B. kenne sie im großen Stil, als ich mich für eine Universität entscheiden wollte. Psychologie in Berlin oder Trier? Gar nicht so viel später, nachdem ich mich mit einigem Hin-und-Her zwischen den beiden Kräften in mir irgendwie für Trier entschieden hatte, stieß ich in einer Vorlesung darauf, dass zu diesem Problem sogar in der wissenschaftlichen Psychologie geforscht wird. Das Schlagwort heißt „Motivkongruenz“ und meint, wie groß die Harmonie zwischen dem ist, was der Kopf und der Bauch jeweils im Leben eines Menschen wollen. Wow, genau mein Ding! Ich bezeichne sie auch mit „Selbsterkenntnis“ oder „Herz-Kopf-Harmonie“. Je mehr man davon hat, desto besser für Wohlbefinden und Gesundheit! Ich blieb für
Jahre fasziniert.

Wie kann ich die Herz-Kopf-Harmonie trainieren?

Jaya Ganesha, Jaya GaneshaSo lernte ich interessante Methoden, wie man diese Herz-Kopf-Harmonie bzw. Selbsterkenntnis diagnostizieren, steigern und sogar im Coaching und in der Psychotherapie anwenden kann. Beispielsweise wurde gezeigt, dass sie sich durch Imaginationen und Visionen steigern lässt. Man malt sich z.B. in einer Entscheidungssituation räumliche Gegebenheiten, die mit ihr verbundenen Handlungen und andere Konsequenzen bildlich detailliert aus und stellt sich vor, wie sich der Körper beim Erleben der Situation anfühlt. Dabei ist besonders sinnvoll, speziell auf Gefühle von Freude, Flow, Glücklichsein und Stärke zu achten, da sie besonders gut die Harmonie von Kopf und Herz signalisieren. Das Erleben von Entspannung, Schulung des Körpergefühls und selbstbestimmtes (statt von anderen beeinflusstes) Handeln begünstigen ebenfalls, dass der Kopf über die Vorlieben des Bauches informiert ist. Fühlt man sich schon zerrissen, dann hilft über emotionale Erlebnisse zu sprechen – man kommt wieder zu sich „selbst“.

Wenn du ein motivkongruentes Ziel suchen willst, kannst du auf deine Körpersprache achten: Sobald du und andere bei dir körperliche Zeichen von Zufriedenheit entdecken in Form von Lächeln, Lachen, eine Veränderung der Körperhaltung, Atmung oder Mimik, die eine Art „inneres Strahlen“ vermitteln, dann hast du es gefunden!

Glücklicherweise hatte ich auf der Suche nach meiner Traum-Uni und -stadt einige dieser Tricks damals intuitiv angewandt und blieb dauerhaft über meine Wahl glücklich. Und jetzt war auch noch die Wissenschaft auf meiner Seite!

Einfluss von Spiritualität und Yoga auf die Herz-Kopf-Harmonie?

Es gibt Menschen, die unter Stress ihre Herz-Kopf-Harmonie verlieren, da sie Stress nur schwer selbstgesteuert herabregulieren können. Sie werden als Lageorientierte bezeichnet. Leute, die gut mit Stress umgehen können, nennt man handlungsorientiert. Sie behalten unter Stress die Harmonie zwischen den zwei Instanzen. Jedoch las ich auch Befunde, dass sich Verbundenheitsgefühle gegenüber anderen Menschen auf Lageorientierte unter Stress positiv auf ihre Selbsterkenntnis auswirkten.

Damit kam mir die Idee für meine Diplomarbeit:

Ich stellte die Hypothese auf, dass auch spirituelle Verbundenheitsgefühle positive Auswirkungen auf Lageorientierte unter Stress haben könnten. Die Herz-Kopf-Harmonie sollte bei dem Gefühl von (spiritueller) Verbundenheit mit sich, mit anderen Menschen, mit der Umgebung oder mit etwas Transzendentem bzw. Gott nicht mehr zusammenbrechen. Außerdem fiel mir die frappierende Ähnlichkeit der eben beschriebenen Techniken und weiterer mit dem ganzheitlichen Yoga auf.

Meine Untersuchung

Meine Überlegungen wollte ich testen und somit war aus einer bloßen Abschlussarbeit ein Herzenswunsch geboren. Ich bat Yoga Vidya um die Möglichkeit der Realisierung. Schließlich begannen im August 2014 drei geniale und arbeitsreiche Wochen:

Mein Tischchen und ich bildeten im Foyer der Chakra-Pyramide in Bad Meinberg Ablenkung beim Warten an der Rezeption sowie eine Möglichkeit zur Bilanzverbesserung des eigenen Karma-Yogas. Nicht ganz, denn eine Person konnte auch etwas gewinnen, nämlich eine Yoga Ferienwoche oder den Gegenwert von 234 €. Etwa 600 Gespräche dürfte ich mit Gästen geführt haben, meistens kurze. 237 Fragebögen verteilte ich, 158 kamen zurück und 113 in die Auswertung.

Vereinfachte Ergebnisse meiner Arbeit

Es zeigte sich statistisch, dass sich Leute mit stärker ausgeprägten spirituellen Überzeugungen im Alltag etwas weniger gestresst fühlten (Korrelation r = – 0,21) und generell eher zu Handlungsorientierung neigten (r = 0,48), sprich gut und schnell Stress bewältigen. Außerdem fand sich vor dem Yoga-Aufenthalt die höhere Selbsterkenntnis der Handlungs- gegenüber den Lageorientierten unter Stress. Lageorientierte zeigten dagegen unter Entspannung eine höhere Herz-Kopf-Harmonie. Einen Einfluss von Spiritualität gab es entgegen meiner Hypothese vor dem Aufenthalt nicht. Allerdings veränderte sich nach etwa vier Tagen Yoga-Aufenthalt das Bild:

Hoch spirituell Lageorientierte unter Stress wiesen nun höhere Übereinstimmungen zwischen Kopf und Herz auf als die nicht spirituell Lageorientierten sowie alle Handlungsorientierten. Gemäß meiner Hypothese brach also bei ersteren mit hoher Spiritualität trotz hohem Stress die Harmonie zwischen den zwei Entscheidungsinstanzen Herz und Verstand nicht zusammen.

Für Handlungsorientierte spielte Spiritualität unter hohem Stress keine Rolle für die Harmonie. Aber unter Entspannung war Spiritualität für sie vorteilhaft, dagegen für Lageorientierte klar von Nachteil.

Fazit: Kombiniere Spiritualität & Yoga

Warum ein Unterschied zwischen der Zeit vor und nach dem Aufenthalt bestand, ist spekulativ. Das Ergebnis kam vor allem durch die Gäste mit wenig bis keiner Yogaerfahrung zustande. Also ist der Yoga-Aufenthalt die plausibelste Erklärung: Nicht nur das Wissen um die eigene Spiritualität sondern das zusätzliche Praktizieren von Spiritualität, z.B. in Form von Yoga oder Ähnlichem, könnten hilfreich sein für die Aufrechterhaltung der Herz-Kopf-Harmonie unter Stress.

Regelmäßiges Yoga im Beisein spiritueller Gefühle gleicht eventuell langsam die Selbsterkenntnis der Lage- an die Handlungsorientierten an.

 

Martin-StadieMartin Stadie ist frisch gebackener Diplom-Psychologe und beschäftigt sich seit 2004 mit verschiedenen Formen von Spiritualität, v. a. Schamanismus, Yoga, Tibetischem Buddhismus, energetischen Heilweisen.

Er ist Brückenbauer, um den Menschen zu helfen, ihr wahres Selbst und ihre Lebensaufgabe zu finden.

 

 

Dieser Artikel ist erschienen im Yoga Vidya Journal – Ausgabe Nr. 30

 

 

1 Kommentar zu “Training der Selbsterkenntnis durch Spiritualität?

  1. Super Thema!
    Das brauchen wir mehr,
    kann hierzu auch ein gutes Buch empfehlen,
    „Soul Shift“ von Barbara de Angelis.
    🙂

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