Yoga im Sommer: Der Adler

Yoga ist großartig. Das wissen alle, die es seit längerem oder kürzerem praktizieren. Mit ganzheitlichem Yoga – sprich: Yoga, das auch die Ernährung, die Yamas und Nyamas, Meditation und Achtsamkeit im Alltag einschließt – kann man ungeahnte Energien in sich entfalten, gesünder werden, fröhlicher werden und sich selbst viel besser kennen lernen.

Ja, so ein Yogaleben könnte toll sein. Wäre da nicht … der unleidliche Nachbar, die intrigierende Chefin, die Energie raubende Arbeit, oder oder … oder etwa nicht?

Glücklicherweise weiß, wer Yoga übt auch, dass das Leben einen niemals vom Glück abhalten will. Bei genauerem Hinsehen gibt es uns genau die richtigen Herausforderungen zur richtigen Zeit. Wie dafür gemacht, um von uns gelöst zu werden, vorausgesetzt, wir nehmen sie an und allen unseren Mut zusammen, schauen genau hin, handeln bei Bedarf entschlossen. Manchmal sind die inneren Wahrheiten, die man sich dabei eingestehen muss, eben auch weniger schön als erwartet.

Jetzt im Sommer, wo ohnehin alles in Bewegung und Wachstum begriffen ist, stehen die Chancen für so eine Innenschau gut. Die Energie, die man bei Grill- und Badefesten, an warmen Abenden und bei Sonnengrüßen, die wirklich Sonnengrüße sind, gesammelt hat, diese Energie kann man wunderbar nutzen, um den wahren Ursachen für die vielen kleinen und größeren Haken im Leben nachzuspüren. Und die liegen garantiert irgendwo in einem selbst begraben. Man muss sie nur finden. Und annehmen.

Wenn es eine Asana gibt, die wie dafür gemacht ist, die Tricks und Kniffe des Egos ins Visier zu nehmen, dann vielleicht der Adler. Im Adler hat man nämlich alles, was man für die ehrliche Innenschau braucht: Kontakt zu sich selbst, Aufrichtigkeit und das Gefühl für die eigene innere Mitte. Die muss man nur erst mal (aus-)halten können.

Vermutlich ist es auch kein Zufall, dass der Adler oft als Symbol für die Sonne steht. Wie Rama zum Beispiel, der strahlt wie tausend Sonnen. Denn keine Energie in der materiellen Welt ist so mächtig wie die der Sonne. Und keine Kraft scheint so gleichmütig und unerbittlich auf alle schönen und weniger schönen Dinge dieser Welt. Der Adler ist ein bisschen wie die Sonne: scharfsichtig, mächtig, klar und entschlossen. Wenn dieser riesige Greifvogel am Himmel schwebt, dann kann man davon ausgehen, dass er alles sieht und genau weiß, was er will. Im richtigen Moment wird er seine Kraft bündeln und entschlossen Richtung Erde stürzen, um zielsicher seine Beute zu fangen.

Man kann das ja mal ausprobieren und sich im Adler einen Adler vorstellen. Den Geist konzentrieren, wachsam sein und unsere innere Welt genau beobachten. Haben wir uns womöglich Fallen gestellt, von denen wir gar nichts ahnten? Oder gibt es da ein wütendes oder schmollendes Kind in uns, das partout auf seiner Sicht der Dinge beharrt? Vielleicht haben wir uns auch einfach immer geweigert, einen neuen Weg zu gehen. Oder sind so bemüht, anderen unsere Sicht der Dinge zu erklären, dass wir die anderen selbst ganz aus den Augen verloren haben. Sagt da noch eine Stimme: „Und ich hab doch Recht!“?

Das Adlerauge sieht alles. Und es hat Kraft und Klugheit genug, um es ans Licht zu holen. Siehe das: Das, was man für die innere Wahrheit hielt, entpuppt sich auf einmal als eine uralte Überzeugung, die sich längst überlebt hat. Wer weiß, was einem so alles blüht, wenn man sie entschlossen beiseite schiebt? Der innere Adler vermutlich. Der kennt die eigene Lebensvision meistens viel besser, als man selbst.

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Literaturquelle: Swami Sivananda Radha – „Das Geheimnis des Hatha Yoga“

Dietlind Arndt lebt und arbeitet seit Januar 2010 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

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