Ashram im Alltag (1) – Wie du Zuhause einen Satsang zelebrieren kannst

Ashram im Alltag - Einen Satsang Zuhause alltagstauglich gestalten

Wenn du nicht in den Ashram kommen kannst, kann dann der Ashram zu dir kommen? Das Yoga Vidya Ashramleben steht und fällt mit den 4 S – Sadhana (spiritueller Praxis), Seva (selbstloses Tun), Satsang (Gemeinschfaftsritual) und Sattwa (reine Lebensweise). Aber Satsang zuhause, wie kann das gelingen? Traditionelle Praktiken neu gedacht.

Zuhause gemeinsam Satsang zelebrieren

Im Herzen der Gemeinschaft stehen die Menschen, die sie ausmachen. Aus diesem Grund ist das regelmäßige Zusammenkommen der Ashrambewohner (Sevakas) im Satsang unabdinglich. Es steckt bereits im Wort, denn Satsang bedeutet “Gemeinschaft zum Erfahren der höchsten Wahrheit”.

Auch die Grundlage jeder Lebensgemeinschaft ist das Zusammensein – mit seiner Familie, Partner oder Mitbewohner. Genauso kannst du dich aber auch täglich mit Freunden und Bekannten zusammentun und ihr könnt euch gemeinsam verbinden.

Das kann ein Satsang sein, aber wie so oft zählt nicht wirklich die Form, die Art und Weise der Ausübung. Vielmehr kannst du dich daran orientieren, welche Gefühle, Gedanken und Ziele mit dem Satsang erreicht werden sollen. Satsang quasi mal praktisch und alltagstauglicher gedacht.

Sich gemeinsam entspannen und erden

Im Grunde verwurzelt sich die Gemeinschaft im Satsang untereinander. Mit der gemeinsamen Meditation erreichen wir einen wachen, klaren und achtsamen Geisteszustand. Ungetrübt von den Alltagssorgen und Problemen, stimmt die Meditation so ganz bewusst auf das gemeinsame Dasein ein. So lernen wir wirklich bewusst im Moment zu sein und die Gemeinschaft sowie jeden einzelnen zu schätzen.

Je nach spirituellem Interesse kannst du auch gemeinsam mit Partnern und Mitbewohnern meditieren. Ist dahingehend das Interesse gering, könnt ihr euch etwas suchen, das ähnlich monoton beschäftigend auf den Geist wirkt und ihn beruhigt, wie Häkeln, Kochen, freies Tanzen oder ganz in Ruhe gemeinsam den Haushalt zu machen.

In Familien mit Kids ist das natürlich schwierig – da dauert die Stille dann vielleicht maximal 30 Sekunden. Man könnte zum Beispiel gemeinsam malen, entspannt zusammen kuscheln oder eine Fantasiereise machen.

Sich mit Wohlwollen begegnen

Aus dieser Ruhe heraus ist es einfach, mit Mantra-Singen die Stimmung zu heben. Aus gemeinsamer Ruhe kann gemeinsame Freude erwachsen und dieses gemeinsame Erleben schweißt zusammen. Plötzlich ist es möglich, aus der vorgefertigten Meinung zum Gegenüber herauszutreten und ihn wieder ganz bewusst, wie zum ersten mal, wahrzunehmen – mit Wohlwollen und Respekt. Dann wird einem klar: Ich bin nicht allein. Alle sind hier mit mir verbunden.

Ähnlich kann man auch Zuhause gemeinsam singen, denn wer tut das nicht gerne? Singen ist wohl eine der ältesten Kulturtechniken und ein wichtiges Element in vielen traditionellen Gemeinschaften. Wenn euch Mantras und Kirtans noch nicht so wirklich abholen, eignet sich genauso gut jedes andere Lied. Dennoch ist es sinnvoll, wenn die Musik im Kern sattwig ist, also leicht, inspirierend, entspannend und freudvoll. Seid ihr eine musikalische Familie? Dann kann man natürlich auch gemeinsam musizieren.

Zuhause im Satsang ein Band knüpfen

In dieser tiefen Ruhe und Freude ist es im Satsang ein Leichtes, mal seinen Kopf aufzumachen und nach dem Mantra-Singen einem Vortrag zu lauschen. So erweitert man nicht nur stetig sein Yoga Wissen. Anhand von mythologischen Geschichten und Anekdoten aus dem Alltag reflektieren wir über unser Sein und Wirken in der Gemeinschaft und die Werte die uns verbinden, wie Friede, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Fülle.

Nicht nur im Ashram, in jeder Lebensgemeinschaft ist es sinnvoll, sich über gemeinsame Werte zu verständigen. Dabei muss nicht nur einer reden und der andere zuhören. In einer offenen Herzensrunde kannst du dich gemeinsam mit Freunden und Familien über alles austauschen, was euch bewegt: Witzige Erlebnisse, Alltagssorgen, eure Ziele und Träume. Fakten sind letztendlich garnicht so wichtig, sondern der gemeinsame Gedanke, der Austausch, die Reflektion und Besinnung.

Von Guten Wünschen und Affirmationen

Der Rest des Satsangs ist Segen. Jeder treue Yoga Vidyaner kennt den rituellen Ablauf in- und auswendig: Om Tryambakam, ein Gebet, das Arati und die Widmung mit dem Tvam Eva Mata (zu finden im Yoga Vidya Kirtanheft ab Nr. 800).

Auch daheim kann man sich zusammen auf gute Wünsche ausrichten, ob nun als Gebet oder auch als Mantra. Genauso gut könnte man das aber auch mit handfesten Übungen verknüpfen. Wünscht man sich Frieden kann man sich gezielt eine schönere Gesellschaft visualisieren, ein entspanntes Zusammensein. Oder man arbeitet mit Affirmationen und bestärkt so Eigenschaften und Ziele die man in sich selbst kultivieren möchte.


Soweit dieses kleine Gedankenspiel. Hast du noch Einfälle, wie man den Alltag bewusster gestalten kann? Wie man Satsang zuhause feiern könnte? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Om Tryambakam!

Yoga Vidya – Entstehung, Entwicklung, Leben im Ashram

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Wer oder was ist Yoga Vidya? Was ist ein Ashram? Wer lebt da? Wie sieht der Alltag dort aus? Das Buch “Yoga Vidya – Entstehung, Entwicklung, Leben im Ashram” geht auf diese Fragen ein, beschreibt die Entstehungsgeschichte und die wichtigsten Meilensteine der Entwicklung und vermittelt Einblicke in das Leben in Yoga Vidya Ashrams.

Yoga Vidya, was mit „Wissenschaft des Yoga“ übersetzt werden kann, steht in der Tradition des indischen Yogameisters Swami Sivananda.

Als gemeinnütziger Verein, gegründet von Sukadev Bretz, setzt sich Yoga Vidya für die Verbreitung des ganzheitlichen Yoga ein und schafft Orte für gemeinsames Praktizieren von Yoga, für spirituelle Entwicklung und Begegnung. Verwurzelt in der Tradition ist Yoga Vidya zugleich offen, vielfältig und stetig im Wandel.

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