Yoga im Herbst: Pilgern und aufbrechen

Respekt und Dankbarkeit dem Leben gegenüber gehören – neben wohltuenden Asanas – zu den wertvollsten Erkenntnissen des Yoga. Nicht nur im Herbst. Das wissen die am besten, die auch Zeiten gefühlter Sinnlosigkeit, Routine und Verzweiflung kennen. Danach ist es nämlich erst recht eine Wonne, das Leben einfach so anzunehmen wie es ist. Und aus vollem Herzen darüber staunen zu können.

Bloß was, wenn man irgendwann auf dem Yoga Weg plötzlich doch wieder zu zweifeln beginnt? Oder nicht mehr weiß wohin und wozu? Wenn man eines Tages erschrocken feststellt, dass man einfach wieder neuen Automatismen verfallen ist?

Es soll Yoga Meister gegeben haben, die meinten, man müsste erst anfangen sich Sorgen zu machen, wenn man aufgehört hat zu zweifeln. Oder vielleicht dann, wenn man Zweifel kennt und sie ignoriert. Erst dann werden sie eines Tages so stark, dass kein anderer Meister sie mehr zerstreuen kann, als der eigene – innere.

Und dann? Hurra schreien natürlich. Und dankbar anerkennen, dass man wieder ein Stück mehr erwacht ist. Denn das ist genau die richtige Gelegenheit, um den gewohnten Weg zu verlassen und einen neuen auszuprobieren. Zum Beispiel einen Pilgerweg. In Indien gehört das Pilgern immerhin seit Jahrhunderten selbstverständlich zum Yoga dazu.

Ganz klar: Wer auf der Suche ist, verlässt irgendwann Haus und Hof um die andere Seite des Lebens zu erfahren – oder zu erwandern. Wenn man nämlich erst mal so viele Wunder, Zweifel, Fragen, Dankbarkeit, Wonnen und Herausforderungen mit sich herumträgt, dann platzt das alte Leben einfach aus allen Nähten. Kein Wunder, dass man den Erstickungstod nahen fühlt. Genau der ist es ja, der einen jetzt retten kann.

Also – auf nach Rishikesh. Oder nach Lourdes, zum Jakobsweg oder zum Kailash. Heilige Plätze wie diese schaffen nämlich manchmal, was wir mit Asanas und Disziplin lange vergebens versucht haben. Wenn es aber der große Pilgerweg für dieses Mal doch nicht sein soll? Dann hilft auch das Pilgern im Kleinen. Der Weg zu den heiligen Plätzen in der näheren Umgebung. Oder gar zu denen ganz tief innen.

Die Heiligkeit ist schließlich überall. Und die Verbindung zur Kraft des Universums können wir auch jenseits der bekannten Pilgerwege aufnehmen. In der Natur, im Ritual, im Schweigen, im Fasten oder Meditieren. Alles was es dazu braucht, sind Mut, Zeit und etwas Risikobereitschaft.

Wie könnten wir die nicht haben? Wenn uns alles andere ohnehin schon sinnlos oder verzweifelt vorgekommen ist?

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Dietlind Arndt lebte und schrieb 2010 bis 2011 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

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