Asanas der Yoga Vidya Grundreihe: Trikonasana – das Dreieck

Ein Text von Angelika Jüngst:

Das Dreieck (Trikonasana) wirkt auf den ersten Blick nicht sehr spektakulär. Um den Körper in einer Linie zu halten, Hüften oder Oberkörper nicht zu verdrehen, bleibt der nach oben gestreckte und dann samt Oberkörper zur Gegenseite abgesenkte Arm oft relativ aufrecht. Es geht um die Dehnung der Körperflanke, der seitlichen Bauch- und Rückenmuskeln, der dadurch möglichen Wirkungen auf die Verdauungs- und Entgiftungsorgane. Die seitlichen Muskeln sind selten stark trainiert, und so merkt manch einer nach ein paar Atemzügen, dass es das Dreieck durchaus in sich hat.

Die Stellung kann oft anfangs nicht lange anstrengungslos gehalten werden. Konzentration auf den tiefen Atem in die Dehnung und geschlossene Augen erleichtern dies.

Beine und Boden bilden ein möglichst gleichschenkeliges Dreieck. Die Länge der eigenen Beine abzuschätzen, ist für viele übrigens ebenfalls eine Herausforderung. Der Arm stützt sich ohne viel Gewicht am Oberschenkel ab, er soll eigentlich nur eine Überdehnung verhindern.

Die Stellung wird im Grunde genommen durch die seitliche Muskulatur gehalten, baut also Kraft auf zur Seite hin, eine Richtung die eher vernachlässigt wird, geht es doch in unserer Fortbewegung und unseren Gedanken oft um das Zurücktreten oder Erinnern und um Vorwärtskommen oder Planen. Seitliche Bewegung wird eher mit Ausweichen assoziiert, mit Auf-der-Stelle-Treten.

Das Dreieck wirkt gleichzeitig statisch stabil und optisch harmonisch, verbindet drei vielleicht ganz unterschiedliche Seiten zu einer Einheit, lässt an die Dreifaltigkeit denken, Vater, Sohn und Heiliger Geist im Christentum oder BrahmaVishnuShiva im Hinduismus, aber auch an Körper, Geist und Seele.

Wir spüren, wie viel Beugung möglich ist, wenn unsere Füße fest verwurzelt sind, wie viel Halt diese Stellung gibt. Wie sie erlaubt, den Kopf in eine andere Position zu bringen, neue Blickwinkel zu entdecken, die Welt aus neuer Perspektive zu erleben.

Der Atem fließt frei und gleichmäßig – die in der Yoga Vidya Grundreihe aktivierte Energie wird noch einmal gleichmäßig im Körper verteilt, alle Chakren in der Wirbelsäule werden aktiviert. Ein krönender Abschluss vor der nachfolgenden Tiefenentspannung.

Unter der Kategorie „Hatha Yoga“ findest du die anderen Beiträge von Angelika Jüngst,
zu den verschiedenen Asanas der Yoga Vidya Grundreihe.

Über die Autorin:

Om Namah Shivaya!

Mein Name ist Angelika Jüngst, ich bin 1963 geboren und habe schon immer gern geschrieben. Mein Germanistikstudium habe ich allerdings schon nach einem Semester abgebrochen und lieber mein Diplom in Betriebspsychologie gemacht, dieses Studium erschien mir zum Bestreiten meines Lebensunterhalts besser geeignet. Berufserfahrungen sammeln konnte ich in den Bereichen Eigungsdiagnostik für Azubis, Organisations- und Personalentwicklung. Bis zur Geburt meines ersten Kindes habe ich einen Unternehmensberater, der vor allem als Coach bekannt ist, in einem Buchprojekt unterstützt. Klingt alles rund, aber die Sinnfrage stellte sich mir immer deutlicher, je mehr Ziele erreicht schienen. Nach Heirat, drei Kindern, vielen Sorgen um ihr Wohlergehen und gesundheitlichen Problemen kam ich 2009 endlich zum Yoga. Hier fand sich alles zusammen: Antworten auf meine Fragen nach dem Sinn des Lebens und dem Wesen des Menschen, eigene Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Herausforderungen, ein Gefühl von Angekommensein. Und es ergab sich eine für mich unglaublich befriedigende Tätigkeit: Anderen Menschen Yoga nahezubringen.

Die Anfrage, etwas über die Asanas der Yoga Vidya Grundreihe zu schreiben, hat mich gleich angesprochen.

Meine erste Erfahrung mit Yoga fand in einer Turnhalle statt. Die Bewegungen gingen dynamisch ineinander über und ich war als Anfängerin völlig überfordert. Angesagt wurden die Stellungen, aber nicht, wie ich sie am besten einnehme („und jetzt kommt ihr von der schleckenden Katze in den nach unten schauenden Hund“).
So saß ich mit Blick zur Leiterin oder den fortgeschrittenen Teilnehmerinnen schiefhalsig da und versuchte zeitverzögert die Stellungen zu imitieren. Aber selbst so machte mir Yoga Spaß. Als ich hörte, dass man bei Yoga Vidya Hatha Yoga mit genauer Anleitung und mit Hilfestellungen richtig erlernt, die Übungsreihe aus nur 12 Grundstellungen besteht und der Kursleiter selbst nicht mitpraktiziert, sondern ganz für seine Schüler da ist, wusste ich, dass ich bei Yoga Vidya richtig bin. Trotz gesundheitlicher Einschränkungen fühlte ich meine Kraft, meine Beweglichkeit und meine Koordinationsfähigkeit wachsen – als früherer bekennender Sportmuffel ein Wunder.

Kein Wunder war, dass ich neugierig wurde. Wie kann das funktionieren? Was steckt dahinter? In den zwei Jahren der Yogalehrer-Ausbildung wurden zwar viele Fragen beantwortet, aber je intensiver ich mich mit Yoga beschäftige, desto mehr staune ich über die Vielschichtigkeit der Wirkungen.

Sicher habt ihr eigene Assoziationen, Erfahrungen, Einsichten oder gar Eingebungen gehabt, während ihr selbst die Yoga Vidya Grundreihe praktiziert oder unterrichtet. Ich verstehe meine Texte nur als Anregungen und hoffe, euch oder eure Schüler damit zu inspirieren.

Om Shanti!

 

1 Kommentar zu “Asanas der Yoga Vidya Grundreihe: Trikonasana – das Dreieck

  1. Elke Zeipert

    Seit nunmehr fast 10 Jahren praktiziere ich in unserem kleinen Ort Entspannungstraining. Angefangen habe ich mit den „Fünf Tibetern“, die ich in der Volkshochschule erlernt habe. Doch bald schon bin ich zum Yoga übergegangen, weil die Haltungen vielschichtiger und interessanter sind. Über YOGA VIDYA bilde ich mich per Internet ständig weiter und versuche meine Vorstellungen von der einzig wahren Bewegungslehre des YOGA weiterzugeben. Das Interesse meiner Mitstreiterinnen ist nach wie vor ungebrochen; einige der Frauen sind bereits von Anfang an dabei und haben immer noch Spaß daran.

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