Einführung in die indische Mythologie

Krishna und die indische Mythologie

Jeder liebt Geschichten. Zumindest mögen viele Menschen Märchen, spannende Filme oder lustige Hörbücher. Von altdeutschen Märchen kennen wir es, dass hinter den schönen oder schaurigen Geschichten mehr steckt, als wir zuerst vermuten. Sie erklären uns die Welt, warnen uns vor Gefahren, begleiten uns durch schwere Entscheidungen. Was wir unter Rotkäppchen, Hänsel und Gretel oder dem kleinen Muck kennen, gibt es auch in anderen Kulturen. Das zeigt uns etwa die indische Mythologie. Beispielsweise lernen Kinder hier das Spiel zwischen Gut und Böse durch Geschichten über Krishna, Sita und Dämonen. Diese Göttergeschichten heißen Puranas und wir finden sie in 18 Haupt- sowie 18 Nebengeschichten aufgeteilt.

Die Purunas sind alle relativ ähnlich aufgebaut. Achtung Spoiler Alarm: Es gibt meistens einen Krieg, die Götter wurden von den Dämonen aus dem Himmel vertrieben oder jemand musste aus anderen Gründen fliehen. Um zu Siegen über die Dämonen und ihr Heer, braucht es einen starken Helden, der fest in seinem Glauben an Gott verankert ist und dieser besiegt alle. Bis jetzt klingt es wie ein normaler Superhelden-Film. Zugegeben, das Schema klingt bekannt, aber die Idee hinter den Geschichten nimmt immer einen anderen Weg und lehrt uns neue Tugenden.

In den Geschichten steht jeder Gegenstand, jede Person, jede Szene für andere Dinge. Brahma hat beispielsweise oft einen Lotus als Zeichen für ewigwährende Erneuerung. Wer sich dafür interessiert, dem sei das Yogawiki ans Herz gelegt. Dort gibt es die verschiedenen Bedeutungen für jedes einzelne Symbol und Beispiele, wer sie bei sich führt. Einige Symbole kommen immer wieder und diese sind essenziell, um die Geschichten richtig zu verstehen. Wer sich fragt, warum die Dinge überhaupt so verschlüsselt vermittelt werden müssen, dem sei dieser Artikel über die Einführung in die Yogaphilosophie ans Herz gelegt.

Die Protagonisten und andere Beteiligte

Eine Sache, die immer wieder vorkommt, sind die Dämonen. Sie sind zentral in jeder Geschichte und müssen meistens besiegt, vernichtet, gegessen oder sonst wie getötet werden. Sie stehen sinnbildlich für unsere schlechten Eigenschaften. Unter „schlecht“ versteht jeder etwas anderes, so werden oft die Extremen genommen. Raffgier, Selbstsucht oder Rache sind Motive, aus denen sie handeln. Die Dämonen werden oft einfach als das „reine Böse“ beschrieben, nicht als Geiz oder andere konkrete Eigenschaften.

Ganesha ist teil der indischen Mythologie

Um einen Dämon zu besiegen, braucht es einen Ishvara, also eine Gottheit mit Eigenschaften. Der Hinduismus ist ein Monotheismus, der sagt, dass wir Brahman ohne Eigenschaften nicht verehren können. Also gibt es Teile von Brahman, die wiederum Eigenschaften haben. Diese tauchen in den Geschichten auf, indem sie Dämonen vernichten, Tugendhaft handeln und Menschen auf ihrem Weg Glück und Inspiration bringen. Dabei kommt es auch manchmal vor wie in der Geschichte über Rama, dass mehrere Ishvaras (Gott-Teil mit Eigenschaften) in einem Handlungsstrang zusammenarbeiten.

Live Online Kurse zum Thema „Indische Götter“ →

In Indien ist es gar kein Problem, wenn etwas paradox ist. In der einen Geschichte ist Vishnu stark genug, um einen Berg zu tragen und alle Dämonen alleine zu besiegen, in der nächsten braucht es auf einmal Durga. Wenn sie nicht mehr weiter kommt, ist es Kali, die die Welt wieder rettet und in Ordnung bringt. Es ist gar kein Problem, wenn Kali nicht stark genug ist, Vishnu zu rufen. Die Götter werden immer mal wieder als stärker oder schwächer dargestellt, ohne dass es zu Konflikten kommt.

Da in dieser Kultur alles eins ist im Kosmos, wurde Jesus auf den Altar dazu gestellt. Die Missionare haben vermutlich erzählt, dass Jesus der einzig wahre Retter ist, einige Inder haben zugestimmt, ihn mit zu anderen Murtis gestellt und einfach weiter verehrt, ohne ein Problem darin zu sehen, den einzigen Retter zu den anderen Rettern zu stellen. Das passiert schließlich in so vielen Geschichten. Nicht selten finden wir auf indischen Altären auch Bilder von Christus oder Jesus am Kreuz.

Indische Mythologie im Wandel

Auch die indische Mythologie unterzieht sich Wandeln. Früher waren die Geschichten und die Götter beispielsweise sehr viel näher an der Natur. Die alten Götter, auch vedische Götter genannt, sind unter anderem verbunden mit Sturm, Regen oder Erde. Bei den Göttern wie Yoga Vidya sie kennt, handelt es sich hingegen eher um abstraktere Ideen. Brahma steht für das Erschaffen, nicht für das Erschaffen von Stürmen oder ähnliches. Die ehemaligen Götter wurden in der vedischen Zeit ca. um 1500 v. Chr. verehrt und sind später von den drei männlichen und weiblichen Prinzipien als Symbol für erschaffen, erhalten und transformieren abgelöst worden.

Agni, der Gott des Feuers, und Surya, der Gott der Sonne, wurden sowohl früher als auch heute verehrt.

In manchen indischen Märchen, vor allem der Geschichte von Rama, haben diese Götter immer noch kleine Auftritte und sind Teil der Handlung. In den vedischen Göttern sehen wir die Verbindung zu anderen Religionen noch stärker. Der Gott Rudra, ein pfleilversendender Sturmgott, der Krankheiten bringen und heilen konnte, erinnert beispielsweise doch sehr an den blitzewerfenden Zeus aus Athen. Diesen Göttern wurden Opfergaben gebracht, um die Elemente wohlgesonnen zu stimmen. Im Laufe der technischen Entwicklung und modernen Erkenntnisse ist diese Notwenigkeit für manche eventuell etwas in den Hintergrund geraten und die immerhin schon über 1000 Jahre alten modernen Märchen haben tugendhaftes Leben, die Selbsterkenntnis und Transformation negativer Eigenschaften zum Thema.

Letztendlich ist die Mythologie dazu da, dass Menschen etwas aus ihr lernen können. Manchmal geht es um die Entstehung der Welt, manchmal um tugendhaftes Leben oder was auch immer die Menschen, die die Geschichte hören, mitnehmen sollen. Für Yoga ist dies unersetzlich. Sobald man sich mehr mit dem Thema und den Ideen dahinter beschäftigt, kommt man kaum um Arjuna, Sita und Hanuman drum rum. Die indische Mythologie bietet viele Geschichten. Deshalb gibt es die nächsten Wochen einige bekannte und weniger bekannte Geschichten, Epen und Lektionen, die uns einen Wegweiser sein sollen. Viel Vergnügen beim lesen, nachdenken und einfach genießen!

Hier geht es zu dem Götterportal von Yoga Vidya →

In diesem Portal erklären dir unsere Hinduismusexperten alles, was es um die Götterwelt von Ganesha, Shiva, Krishna und Devi zu wissen gibt. Von spannenden Geschichten über knifflige Zusammenhänge und langwierigen Veränderungen lernst du jede einzelne Gottheit kennen. Vor allem, wer sich für die Mythologie anderer Länder interessiert, ist hier gut aufgehoben.

1 Kommentar zu “Einführung in die indische Mythologie

  1. Danke für den Einblick. Ich finde vor allem die indische Mythologie sehr interessant und faszinierend. LG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.