Navaratri geht in die erste Runde

Navaratri ist ein Lichterfest zu Ehren der Göttin. Es richtet sich nach dem Mondkalender und liegt im September oder Oktober. Insgesamt dauert das Fest 9 Tage, wobei jeweils drei davon einem Aspekt der göttlichen Mutter gewidmet sind. Die ersten drei Tage sind der Göttin Durga geweiht. Wir verehren die göttliche Mutter in ihrem transformierenden Aspekt. Um Navaratri mitzufeiern, musst du kein Hinduist sein, die Idee dahinter kann jeden ansprechen, aber ließ selbst:

Wörtlich übersetzt heißt Durga „schwer zu erreichen“. Es ist also nicht einfach sich ihr hinzugeben, aber es lohnt sich sehr: Sie steht für den weiblichen Aspekt der transformierenden Kraft. Das heißt sie hilft uns, schlechte Eigenschaften, Gedankenmuster oder Handlungen zu überwinden und loszulassen.

Durga symbolisiert zwei verschiedene Aspekte der mütterlichen Liebe: Sie steht zum einen für die liebevolle Mutter, die uns umsorgt und uns tröstet. Auf der anderen Seite verkörpert Durga die Kriegerin in uns. Beschützend und uns verteidigend rettet sie uns vor den Dämonen. Dabei meinen wir mit Dämonen die negativen Eigenschaften in uns, die weder uns selbst noch anderen guttun. Deshalb ist es auch so schwer Durga zu erreichen. Es braucht viel Hingabe, Durchhaltevermögen und Gleichmut, um an den Aspekten von uns zu arbeiten, die uns zurückhalten, aber doch oft so leicht auftauchen.

Gedankenmuster zu ändern, neue Routinen aufzubauen oder Eigenschaften wie Eifersucht zu transformieren ist anstrengend und dauert sehr lange. Aber am Ende lohnt es sich immer! Wenn wir sie überwunden haben, können wir unsere Herzenswünsche wahr werden lassen. Dann leben wir uns in der besten Version unseres Selbst, die wir sein können und wollen. Beispielsweise kannst du dich zu dieser Zeit fragen, was du an Navaratri hinter dir lassen möchtest.

Om Shri Durgaayai Namaha- Das Mantra zu Ehren von Durga an Navaratri

Von Durga zu Kali

Durga ist die göttliche Mutter in ihrem transformierenden Aspekt. Ein weiterer Aspekt ist die Göttin Kali. Genaugenommen ist ist ein Aspekt von Durga. Letztendlich geht es während des ganzen Navaratri um die göttliche Mutter aus verschiedenen Sichtweisen. Eine davon ist der transformierende Aspekt, soweit waren wir schon. Durga ist der nährende transformierende Aspekt, also das Trösten, Beschützen und Stärken im Kampf. Kali hingegen ist diejenige, die Feinde vernichtet, Kriege gewinnt und Blut fließen lässt im übertragenen Sinne.

Kali ist die Macht, die die Zeit (Kala) beherrscht und vergehen lässt. Alles entsteht aus ihr und wird auch wieder von ihr genommen. Eventuell ist das die hinduistische Version von unserem Sprichwort: Die Zeit heilt alle Wunden?

Kali steht nicht nur für die Zeit, sondern das Wort aus dem Sanskrit bedeutet auch „die Schwarze“. Sie ist der Dunkelheit besonders nahe, was vermutlich nicht zuletzt ein Grund ist, weshalb sich viele vor ihr fürchten. Ein anderer Grund ist die Stärke, mit der Kali kommt. Es heißt ähnlich wie bei Durga, dass man sich ihr vollkommen hingeben muss. Niemand kann seine schlechten Angewohnheiten halbherzig bekämpfen! Genau das sehen wir in Kali, entweder ganz oder gar nicht.

Am zweiten Tag von Navaratri kannst du dir Zeit nehmen dich mit deinen schlechten Angewohnheiten auseinanderzusetzen. Sind es eventuell Gedankenmuster oder Handlungsabläufe, die dein Leben schwer machen? Die transformierende Energie ist an diesen drei Tagen besonders stark und es wird dir etwas leichter fallen.

Om Sri MahaKali Kayai Namaha- Ein Mantra für Kali zu Navaratri

Parvati am dritten Tag von Navaratri

Am dritten Tag von Navaratri wird auch die dritte Version der Mutter verehrt. Durga kämpft mütterlich und Kali kämpft kriegerisch. In der Tradition von Swami Sivananda gedenken wir Parvati hauptsächlich als Mutter von Ganesha und Karttikeya. Alle drei Göttinnen waren die Ehefrau von Shiva, für uns symbolisieren sie jedoch verschiedene Qualitäten ein und derselben Person. Das kann man in etwas mit unserer Persönlichkeit in verschiedenen Situationen beschreiben.

Wenn ein guter Freund angegriffen wird, wollen wir ihn verteidigen und trösten, geschieht irgendwo unrecht, werden wir zu KämpferInnen – und verbringen wir Zeit mit unserer Familie kommt eventuell eher unsere mütterliche/väterliche Seite zum Vorschein.

Parvati heißt „Tochter des Berges“. Diesen Namen verdankt sie einer ihrer Entstehungsgeschichten. Sie ist die Tochter des Gottes, der den Himalaya beschützt. Parvati selbst ist nicht für ihre Kriegserfolge bekannt. In der indischen Mythologie brauchten wir sie, da es einen Dämon gab, der nur durch einen Sohn von Shiva bekämpft werden konnte. Parvati erregte Shivas Aufmerksamkeit, indem sie besonders viel praktizierte und hingebungsvoll lebte.

Sie steht also für den ganz und gar mütterlichen Aspekt. Es geht um liebevolle Hingabe zur Transformation. Durch Parvati besinnen wir uns vor allem auf den schaffenden Teil der Veränderung. Es klingt erstmal so, also ob sie nur für die Geburt verantwortlich wäre, tatsächlich zeichnet sie sich jedoch dadurch aus, dass sie Intelligenz, Unterscheidungskraft, Hingabe und das eigene schaffende Selbst vereint. Sie schlichtet Konflikte im Kampf als der freundliche Aspekt von Durga und Kali.

Kennst du jemanden, der Parvati heißt? Dieser Name wird dem Mantra „Om namah Shivaya“ zugeordnet. Nicht umsonst ist es eines der wichtigen Moksha-Mantras im Hinduismus. Also ein Mantra zur Befreiung.

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