Mit Tapas Konditionierungen auflösen

Yoga hat das Ziel, die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen. Erfahre, wie du dich mit Tapas – also Disziplin – aus deiner Komfortzone und von Gedankenmustern befreien kannst.

Die Befreiung aus der Komfortzone

Tapas ist der dritte Punkt der Niyamas (Empfehlungen für den Umgang mit dir selbst) und bedeutet Disziplin. Ohne Disziplin können wir uns nicht entwickeln. Ohne Disziplin gibt es keinen Fortschritt. Yoga hat das Ziel, die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen.

Das kann nur geschehen, wenn wir uns nach und nach von unseren Konditionierungen befreien. Diese bestehen aus Gedankenmustern und Ansichten, die unsere Wahrnehmung der Welt beeinflussen und dazu führen, dass wir bestimmte Dinge mögen und andere nicht.

Wir sind permanent damit beschäftigt, etwas zu tun, um Dinge zu bekommen, die wir haben wollen und uns andere vom Leib zu halten, die wir nicht haben wollen. Wenn wir nicht bekommen, was wir wollen, leiden wir.

Wenn wir bekommen, was wir wollen, leiden wir auch, weil wir nach einem kurzen Moment der Freude sofort anfangen zu überlegen, wie wir mehr davon bekommen können oder bekommen Angst, es wieder zu verlieren.

Natürlich leiden wir auch, wenn wir bekommen, was wir nicht wollen. Das alles hält den Geist sehr beschäftigt. Was wir nicht bemerken, wenn wir in diesem Reaktionsfeld gefangen sind: Die Dinge sind nicht so, wie wir denken… Wenn wir etwas haben wollen, nennen wir das Anhaftung.

Etwas nicht haben zu wollen, nennen wir Aversion. Auf Sanskrit wird Anhaftung als Raga und Aversion als Dvesa bezeichnet. Beide sind Hindernisse auf dem spirituellen Weg (Patanjali I.30). Wie können wir uns von Raga und Dvesa befreien?

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Um uns von diesen Konditionierungen zu befreien, ist es wichtig zu verstehen, wie sie funktionieren. Anhaftung bedeutet, dass wir die positiven Qualitäten eines Objekts übertreiben. Möglicherweise sehen wir in diesem Objekt sogar positive Qualitäten, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind. Verliebtheit ist ein gutes Beispiel dafür. 😉

Wir sehen so viel Gutes in dem Objekt und glauben, dass wir endlich glücklich sind, wenn wir es haben. Da wir in dem Objekt aber etwas anderes sehen, als es tatsächlich ist, können wir nie so glücklich sein, wie wir es erwarten, wenn wir es bekommen. Somit bleibt immer ein bitterer Beigeschmack.

Dieses Übertreiben der positiven Qualitäten eines Objekts und sie in dem Objekt zu sehen, nennt man Projektion. Wir projizieren Qualitäten auf das Objekt, die nur in unserem Geist existieren. Das Objekt ist und bleibt an sich neutral (Das bedeutet für das o.g. Beispiel, dass die Person, in die wir verliebt sind, nicht besser ist, als jede andere Person).

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Den gleichen Vorgang finden wir bei der Aversion. Hier übertreiben wir die negativen Qualitäten, blenden die positiven Qualitäten aus und addieren womöglich mehr negative Eigenschaften, welche gar nicht vorhanden sind.

Ein gutes Beispiel dafür ist, wenn wir eine Person nicht mögen. Dann sehen wir nur Schlechtes in diesem Menschen und alles, was diese Person sagt oder tut scheint das zu bestätigen. Aber kann das wirklich wahr sein? Wenn eine Person tatsächlich nur schlecht wäre, dann könnte es keinen Menschen auf dieser Welt geben, der diese Person liebt.

Glücklicherweise ist das nicht so. Dieser Mensch ist genauso neutral, wie die Menschen, die wir lieben. Wir geben ihm in diesem Moment nur eine andere Bedeutung. Wenn wir also eine Aversion gegen ein Objekt haben, denken wir ständig darüber nach, wie wir es von uns weg halten können.

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Ist dieses Objekt eine Person, kommt vielleicht noch Wut dazu und wir überlegen, wie wir „es“ der Person heimzahlen können oder was wir sagen können, wenn wir ihr begegnen, um sie betroffen zu machen. Das hält unseren Geist ganz schön auf Trab und der einzige Mensch, dem wir damit schaden, sind wir selbst.

„Wut festhalten ist wie wie Gift trinken und darauf warten, da