Navaratri, Lakshmi und die zweite Runde

Lakshmi wird im zweiten Drittel von Navaratri besonders verehrt

Am vierten Tag von Navaratri lassen wir die Transformation hinter uns und richten unsere Aufmerksamkeit auf die Entstehung. Nun soll Gutes in uns keimen. Es ist die Zeit der Göttin Lakshmi: Sie pflanzt göttliche Eigenschaften in uns, auch Daivi Sampat genannt. Die nächsten drei Tagen sind wir ganz in ihrer Energie.

In Lakshmi feiern wir den Aspekt der Devi, die jederzeit Fülle und Wohlstand mit offenen Händen verschenkt. In ihren Reinkarnationen Radha und Sita, ist sie ein glänzendes Beispiel für unbedingte Hingabe und Treue – in guten, vor allen Dingen aber auch schweren Zeiten.

Die Göttin von Wohlstand und Fülle

Bereit für ein paar witzige Fakten? Zu diesem Fest laden viele Unternehmen Lakshmi ein, in ihren Rechnungsbüchern zu wohnen wegen des Wohlstandes, den sie mit sich bringt. Lakshmi wird in ihrer Verkörperung als Kuh-Dung verehrt im Zeichen ihrer Fruchtbarkeit.

Wenn du dir jemals aussuchen könntest, in welchem Tempel du eine Maus sein möchtest, dann solltest du den Tempel von Lakshmi wählen. Ihr werden nämlich Süßigkeiten geopfert, und zwar nur die, die man selbst sehr gerne mag!  Entschuldige, falls du jetzt Hunger auf Süßes bekommen hast.

 Om Sri Maha Lakshmayai namaha ist ein Mantra, dass an Navaratri zur verehrung Lakshmis rezitiert werden kann.

Lakshmi steht für Reichtum, Frieden und Überfluss. Sie hat vier Hände, die die vier Ziele menschlichen Lebens symbolisieren:

  1. Der erste Lotus, als Zeichen unserer unsterblichen Seele. Unser Ziel ist es die unsterbliche Seele zu verkörpern.
  2. Der zweite Lotus für das Durchschauen der Illusion des Lebens. Durch das Öffnen unserer Chakren, die mit Lotusblumen dargestellt werden, erkennen wir unser wahres Selbst. Das erste und zweite Ziel ist also eng miteinander verbunden.
  3. Das drittes Ziel erkennt man schon in ihrem Namen. Lakshmi heißt Glück, Wohlstand und Schönheit. Ihre segnende Hand symbolisiert somit unser Streben nach Glückseligkeit.
  4. Schließlich, fließt aus der letzten Hand oft Geld. Lakshmi heißt auch „das Fließende“. Wir geben so viel wir können, um neuen Platz für Segen zu schaffen. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen!

Natürlich ist auch Lakshmi ein männlicher Aspekt zugeteilt, den wir Vishnu nennen. Das größte Fest, das Lakshmi gewidmet ist, heißt Diwali. Es findet 20 Tage nach Navaratri statt.

Lakshmis Segen an Navaratri

Konzentrieren wir uns lieber darauf, weshalb wir Lakshmi während Navaratri anrufen! Wir wollen neue, gute Eigenschaften manifestieren und das Beste in uns hervorbringen. Wir sind drei Tage lang Lakshmis schöpferische Kraft besonders nahe. Apropos schöpferische Kraft: Göttin heißt Devi und die haucht den Männern in der Götterwelt erst das Leben ein.

Wer ist Devi?

Zunächst einmal Vokabeln pauken: Devi und Shakti werden synonym für Göttin verwendet. Beide heißen auch Kraft, Hilfe und kosmische Energie. Im Physikunterricht auf Hindi würde das Wort Shakti ganz normal für Energie verwendet werden. Im spirituellen Kontext hingegen sprechen wir über die göttliche Mutter.

Jede Göttin, ist eine Devi, bzw. ein Teil von Devi. In „Wirklichkeit“ gibt es nämlich nur eine Göttin, die wir in ihren verschiedenen Aspekten betrachten. Jede Göttin ist quasi dieselbe Person nur in anderen Situationen, genau wie bei uns.

Wenn wir frei haben, sind wir großzügig wie Lakshmi. Bilden wir uns weiter, sind wir weise wie Saraswati und wollen wir uns verbessern, sind wir durchsetzungsfähig wie Kali. Aber wir sind immer die gleiche Person, genau wie die Devi.

Devis Superkraft

Kommen wir noch mal auf die Übersetzungen zurück. Devi heißt Energie und ohne diese, würden sich die männlichen Götter nicht rühren. Der weibliche Aspekt, den wir an Navaratri in den Mittelpunkt rücken, haucht ihnen Energie und damit Leben ein.

Devi holt Deva aus dem Zustand der puren Meditation heraus. Folglich ist sie die Bewusstseinskraft von Deva (männlicher Gott). Deva und Devi sind nicht durch das Geschlecht getrennt, sie sind nur verschiedene Darstellungen eines höheren Ganzen. Wie Swami Sivananda häufig erklärt hat, reichen unsere kognitiven Kapazitäten nicht aus, um die Welt als großes Ganzes zu verstehen.

Was feiern wir an Devi?

Deshalb schaffen wir Sinnbilder wie Lakshmi und Durga, um der jeweiligen Idee gerecht zu werden. Die verschiedenen Namen sollen es für uns leichter machen, uns mit der jeweiligen Energie wie Vergebung, Güte oder Kraft zu verbinden.

Om Adi Shaktyai Namaha kann zur verehrung der Göttlichen Mutter an Navaratri rezitiert werden

Menschen, die Devi als spirituellen Namen bekommen, lassen die göttliche Kraft durch sich wirken. Mit großer Hingabe, viel Licht und Enthusiasmus streben sie danach das höchste Göttliche zu verwirklichen. Sie erkennen das Wirken der göttlichen Mutter in allem.

Lakshmis Reinkarnationen

Lakshmi reinkarnierte wie jede Göttin einige Male. Mit Reinkarnation meinen wir, dass der göttliche Aspekt den wir verstehen wollen, auf die Erde gekommen ist und in einem Körper ein ganz „normales“ Leben geführt hat. Naja, normal für eine Göttin eben…

Inkarnationen sind im Hinduismus und auch in der Yogaphilosophie häufig Geschichten und Sinnbilder für das „richtige und gute“ Leben. Dabei stellt jede Göttin ihr eigenes Grundthema dar. Bei Lakshmi ist es die Liebe. Ihre Reinkarnationen waren hier, um uns innere Zufriedenheit und Liebe mit der Welt beizubringen. Zwei davon nennen wir Radha und Sita.

Radha – Bhakti ist reines Vertrauen

Radha heißt wörtlich übersetzt Glanz, Schönheit und Erfolg. Sie ist die Geliebte von Krishna und gemeinsam verkörpern sie das Geheimnis der Liebe an sich – wie romantisch! Wie immer gibt es viele Geschichten und Legenden um die Reinkarnation. Eine davon lautet, dass Radha eine Kuh-Hirtin in Indien war. Als ganz normales Mädchen groß geworden, lernte sie ihr Ego loszulassen und sich ganz hinzugeben.

Glücklicherweise kam eines Tages Krishna in das Dorf. Sofort vibrierte jeder Nerv, jedes Atom, jede Zelle, jede Pore der Haut von Radha durch Krishnas Namen. Wir können von ihr lernen, unser Ego loszulassen, uns dem höchsten Göttlichem hinzugeben und Liebe in unser Leben kommen zu lassen.

Sita – Das goldene Herz der Treue

Eine andere Lektion in Sachen „von Inkarnationen der Göttinnen lernen“ verdanken wir an Sita. Sie ist die Göttin der Treue und Rechtschaffenheit, sowie Gemahlin von Rama. Sita steht für Naturliebe, aber auch eheliche Treue und Liebe. Das Grundthema Liebe bleibt also erhalten, trägt aber die Farbe der Natur

Sita soll aus der Erde selbst auf einem Acker geboren worden sein. Die meiste Zeit ihres Lebens hat sie in der Natur verbracht aus ganz verschiedenen Gründen wie einer Entführung und dem Exil. Sita steht dafür, Liebe und Freude zu empfinden, auch wenn das Leben dir anders mitspielt als erwartet.

Artikelserie Navaratri – Ein Fest in drei Akten

Navaratri ist ein Fest, das in drei Akten gefeiert wird. Tiefergehende Informationen zu der Symbolik, Bedeutung der Göttinnen und überhaupt das ganze How-to-celebrate-Navaratri findest du dazu in unserer Artikelserie:

  1. Verschaffe dir einen Überblick: Navaratri – Entdecke die Devi in dir!
  2. Kali, Durga und Parvati – Nichts für Feiglinge: Navaratri geht in die erste Runde (Tag 1-3)
  3. Fülle schaffen mit der Superkraft der Devi: Navaratri, Lakshmi und die zweite Runde (Tag 4-6)
  4. Saraswati die Weise: Navaratri dritter Akt (Tag 7-9)
  5. Feier mit uns den Tag des Sieges: Vijaya Dashami – Wie Liebe unser Ego weichklopft (Tag 10)

Navaratri und andere Festtage in den Yoga Vidya Ashrams

In der Zeit von Navaratri wird neun Tage die göttliche Mutter verehrt. Täglich Puja, Mantra-Singen, Homa und Karma Yoga. Preise: auf Anfrage bzw. auf Karma Yoga Basis.

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