Kinderyoga: Lernen aus der eigenen Mitte

In unserer Gesellschaft bedeutet Schule Stress. Und wir alle betrachten es irgendwie als ganz normal, dass darunter alle leiden – die Kinder genau so wie Lehrer und Eltern. Schließlich, so denken wir, ist Lernen eine anstrengende Sache, und die macht eben nicht immer Spaß. Irgendwie sind wir alle mit dieser Überzeugung in diese Gesellschaft reingewachsen.

Das Problem ist nur: Je größer der Stress, desto häufiger die Zusammenstöße – und desto auffälliger das Verhalten von Schülern und Lehrern, die versuchen, sich dem wachsendem Druck und den unnatürlichen Lernbedingungen so gut wie möglich anzupassen. Warum eigentlich? Geht das Lernen fürs Leben nicht auch anders – entspannter, kooperativer, freudevoller? Werden die alten Schulmethoden unserer neuen Zeit womöglich gar nicht mehr gerecht?

Kinder lernen – wie alle Lebewesen – am besten in einer harmonischen Umgebung, mit genügend Freiraum für Kreativität, Unterstützung der eigenen Interessen, praktischen Erfahrungsmöglichkeiten und aus der Konzentration der eigenen Mitte heraus. Wenn man sich diesen Satz auf der Zunge zergehen lässt, klingt das zu schön um wahr zu sein, oder?

Wollen wir also Werte wie Freude und Fluss in die Schulen bringen, dann könnte es nicht schaden, genau da anzusetzen: am Kontakt zur inneren Mitte und am Fluss des natürlichen Entwicklungswegs des Lebens. Wieder zu eigenen Selbst finden, Kraft aus der inneren Ruhe schöpfen, den eigenen Atem spüren, sich selbst im Kontakt zur Außenwelt wahrnehmen, das gehört eigentlich alles zu den Grundlagen für effektives Lernen. Und genau darum ist Yoga an Schulen so wertvoll und wichtig.

Im Yoga lernen Kinder und Lehrer gemeinsam, bei sich zu bleiben, die eigene Mitte auszuloten, zu entspannen und den inneren Druck loszulassen. Hier geht es nicht um Leistung und Normen, nicht um Noten, Lernstoff und Erwartungen von außen. Beim Yoga geht es einmal nicht um Ergebnisse, sondern um jene Orte der inneren Kraft, aus denen gute Ergebnisse und neue Möglichkeiten erst entstehen können. Im Yoga lernen Lehrer und Schüler gemeinsam, wie lernen überhaupt erst funktioniert: in Kontakt zu sich selbst und anderen, im Fluss, in Ruhe und Vertrauen.

Die inneren Orte der Kraft, aus denen alles Lernen und gesundes Leben wächst, hat unser Schulsystem, genau so wie unsere Gesellschaft, längst vergessen. Und unsere rasende Gesellschaft hat die verbliebenen Inseln, die Kindern wie Erwachsenen früher noch außerhalb dieser Systeme zur Verfügung standen, gefährlich eingeschränkt. Es ist an der Zeit, sie wieder einzufordern und aus ihnen heraus nach neuen, gangbaren Wegen für alle Beteiligten zu suchen.

Yoga in der Schule bedeutet, diese uns allen innewohnenden und vernachlässigten Kraftorte wieder zu finden und zu nutzen, um aus ihnen heraus Neues zu lernen und entdecken – und zwar für die Kinder genau so wie für Lehrer und Eltern. Dann kann Lernen wieder so funktionieren, wie es immer gedacht war: leicht, freudevoll und inspirierend. Und nur so können wir wirklich effektiv arbeiten. Aus Entspannung, Gesundheit und Inspiration unseres eigenen Wesens heraus. Ein Plädoyer für mehr Vertrauen und Inseln der Ruhe in einem an sich selbst krankenden Lehrbetrieb!

Entspannung und Kreativität in der Schule: Programmauszüge vom Kinderyoga-Kongress vom 13.-15. Mai >>

Dietlind Arndt lebt und arbeitet seit Januar 2010 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

1 Kommentar zu “Kinderyoga: Lernen aus der eigenen Mitte

  1. Wie wunderbar deine Botschaft.
    Die Flaggen sind gesetzt!

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