Sivanandas Lehre für unser Leben

Swami Sivananda Leitspruch

Das Leben kam ohne Gebrauchsanweisung. Jedoch sehnen sich immer mehr Menschen nach Etwas, das ihnen sagt, wie sie zu denken, zu entscheiden und zu Handeln haben. Etwas, was ihnen Beständigkeit und Halt gibt in einer Welt, die einen immer wieder den Boden unter den Füßen wegzureißen scheint. Diese Anleitung finden wir in der Lehre Swami Sivanandas – insbesondere in seinem bekannten Leitspruch.

Serve, love, give, purify, meditate, realise – Quintessenz von Swami Sivanandas Lehre

Oder zu Deutsch: diene, liebe, gib, reinige dich, meditiere, verwirkliche. Wenn du mit Yoga Vidya vertraut bist, hast du diesen Satz bestimmt schon einmal gehört. Er repräsentiert im Wesentlichen die Lehre Swami Sivanandas und kann auch heute noch als Anleitung für ein yogisches, gesundes und freudvolles Leben gelten.

Serve – diene

Dienen reinigt das Herz und bekämpft Egoismus, Hass und Überheblichkeit. Aber aufgepasst! Das Dienen im Sinne Swami Sivanandas bezieht die Selbstlosigkeit bzw. Anhaftungslosigkeit mit ein. Die alltägliche Arbeit im Berufsleben gehört also in den meisten Fällen nicht dazu. Warum das nicht? Frag dich dafür ganz einfach: Würdest du deinen Job auch ohne gänzliche Gegenleistungen machen? Ohne Lohn, ohne Lob und ohne gesellschaftliche Anerkennung?

Die meisten Menschen würden bereits aus ihrem Job aussteigen, wenn es keine für sie angemessene finanzielle Entlohnung mehr geben würde. Sie dienen in ihrem Job nicht selbstlos. Nun ist es den meisten Menschen aus finanziellen Gründen aber schlichtweg auch gar nicht möglich ehrenamtlich und anhaftungslos zu dienen. Wie können wir also das selbstlose Dienen in unseren Alltag integrieren?

Vielleicht fängst du im Kleinen an und lächelst auf der Straße eine fremde Person an, ohne ein Lächeln zurückzuverlangen. Oder du schenkst deinem Gegenüber ein Kompliment – ohne die Erwartung, auch eines zurückzubekommen. Wenn du eine Gegenleistung erfährst, darfst du sie natürlich annehmen und dich darüber freuen – aber hafte nicht an ihr. Akzeptiere, wenn du nichts zurückbekommst. Allein die Tat an sich weitet dein Herz und deine Sicht auf das Leben.

Love – liebe

Du musst am Anfang nicht alles lieben. Es ist normal, zu manchen Menschen mehr und zu manchen Menschen weniger Liebe zu empfinden. Es ist auch normal, wenn du nicht alle Tätigkeiten aus der Liebe heraus machst. Letztendlich ist das selbstlose Dienen bereits ein Ausdruck der Liebe. Denn Liebe erwartet nicht, Liebe verurteilt nicht, Liebe kennt keine Angst – Liebe gibt und Liebe verzeiht.

Analysiere zunächst die Beziehungen zu den Menschen, die dir nahestehen. Besteht wahre Liebe in deiner Partnerschaft, oder plagen dich Verlustängste, Eifersucht und Narzissmus? Versucht ihr gemeinsam zu wachsen und bestärkt ihr euch gegenseitig, oder herrscht ein Ego über das andere? Übe dich in Nachsicht, Toleranz und Mitgefühl und du wirst sehen, dass die Liebe zwischen euch wächst.

Give – gib

Gib reichlich, gib in Demut und gib in Freude. Geben ist eine spirituelle Praxis.  Zu spenden könnte ein guter Einstieg sein. Swami Sivananda gab den Richtwert, ein Zehntel des eigenen Einkommens für wohltätige Zwecke zu spenden. „Teile, was du hast, mit anderen“ – und damit meint Sivananda nicht nur materielle Dinge.

Teile auch dein Wissen und deine Fähigkeiten, wenn sie im Leben anderer Positives bewirken. Du wirst sehen, dass Egoismus verschwindet. Wenn du gibst, verbindest du dich mit deinen Mitmenschen. Aber damit du geben kannst, musst du selbst auch nehmen. Öffne dich für Geld, Energie, Fähigkeiten, Talente und Wissen. Nur das, was du bereits in ausreichendem Maß besitzt, kannst du teilen.

Serve, love, give, purify, meditate, realise

Swami Sivananda

Purify – reinige dich

Reinige dich – körperlich, emotional und geistig. Führst du bereits einen sattvigen, d.h. reinen Lebensstil? Sich selbst zu reinigen heißt, sich selbst ins Sattva bringen. Die Gegenpole von Sattva sind Rajas und Tamas. Rajas beschreibt einen Gemütszustand, in dem Gier, Unruhe und Getriebenheit vorherrschen. In einem stressigen Alltag herrscht Rajas vor – es ist das aktive und dynamische Prinzip. Ein tamasiger Gemütszustand hingegen ist geprägt von Trägheit, Ignoranz und Verhaftung.

Sattva hingegen ist die Eigenschaft der Reinheit, der Freude und des Lichts. Aber wie kannst du mehr Sattva in dein Leben bringen? Übe Asanas, Pranayama und Meditation. Führe ein ethisches Leben. Ernähre dich vegan (zumindest vegetarisch), verletze nicht und sei ehrlich.

Wenn du alleine nicht die Motivation für diese Dinge findest, geh in eine Yogastunde, schließe dich einer Meditationsgruppe an oder geh in einen Satsang. Habe nicht den Anspruch an dich, jeden Tag 3 Stunden zu praktizieren! Fange klein an, denn 10 Minuten Yoga am Tag sind auch Yoga. Setze dich nicht unter Druck und passe deine Praxis an deine Tagesform und deinen Alltag an. Jeder Schritt zählt.

Meditate – meditiere

Nimm auch hier den Druck raus. Die Regelmäßigkeit zählt. Meditiere lieber 10 Minuten täglich, als einmal die Woche eine Stunde. Swami Sivananda empfiehlt für die Meditation die Zeit zwischen 3:30 Uhr und 5:30 Uhr. Zu dieser Tageszeit ist die Atmosphäre noch frei von dem Treiben der Gesellschaft. Jedoch kannst du auch zu jeder anderen Tageszeit meditieren. Lege eine Tageszeit fest, zu der du ungestört bist.

Ist dein Alltag generell unstrukturiert, mache dir am Anfang der Woche feste Meditationstermine. Hast du eine bequeme Haltung gefunden – vielleicht sitzend auf einem Stuhl oder liegend auf deinem Bett – konzentriere dich auf deinen Atem. Es werden Gedanken kommen. Verurteile dich nicht dafür. Nimm sie wahr und dann lass sie gehen. Folge ihnen nicht. Bleib bei deinem Atem. Mit der Zeit wird sich ein Gefühl von Frieden, tiefer Entspannung und Liebe einstellen.

Realise – verwirkliche

Vielleicht erreichen wir irgendwann die Selbstverwirklichung. Vielleicht in diesem Leben, vielleicht in den nächsten hundert Leben. Für viele spirituelle Aspiranten liegt dieses Ziel irgendwo in weiter Ferne und scheint unerreichbar.

Aber es gibt nicht nur die große Selbstverwirklichung, sondern auch viele kleine Verwirklichungen auf dem Weg. So wirst du anfangen, Gott in jedem Menschen zu sehen, dem du begegnest. Du wirst geduldiger, toleranter und liebevoller. Das heißt keineswegs, dass man sich alles gefallen lassen muss oder sich in eine Opferrolle drängen lässt. Mitgefühl geht manchmal auch mit Strenge einher.

Sivanandas Lehre – Ein Pfad für ein Leben in Fülle

Nimmst du dir die sechs vorausgegangenen Handlungsanweisungen zu Herzen und integrierst sie in dein Leben, bist du automatisch auf dem Weg zur Selbstverwirklichung. Die Lehre Swami Sivananda führt zu einem freudvolleren, gesünderem und friedlicherem Leben – auch wenn die Selbstverwirklichung zunächst gar nicht dein Ziel ist.

Swami Sivananda Leitspruch

Mehr über Swami Sivanandas Lehre und Vedanta

Jnana Yoga ist der Yoga des Wissens. Der erste Schritt des Jnana Yoga ist das Hören oder Lesen der Weisheit – vorzugsweise aus dem Mund eines Selbstverwirklichten. Das Nachdenken über das Rezipierte ist der zweite Schritt. Es folgt die Meditation, um ein tieferes Verständnis zu erlangen. Letztlich gilt es, die Worte des Meisters oder der Meisterin zu verwirklichen. Weitergehende Inspirationen und Weisheiten erhältst du in Seminaren zum Thema Jnana Yoga.

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