Motivation im Yogaunterricht

Der Drehsitz ist eine Asana zur Ausgleichung der Energien, wir brauchen viel Motivation sie zu halten.

Das neue Jahr hat grade erst begonnen. Viele haben sich bestimmt vorgenommen, öfter in den Yogaunterricht zu gehen und hoffen auf die nötige Motivation. In einer Yogastunde erwarten die wenigsten Sätze wie „Eine Wiederholung noch! Ja, gib alles!“ oder „Uuuuund noch mal, ja, schneller“ „Zieh durch, gleich hast du es!“. Die Yogalehrerin ist keine Fitnesstrainerin, die dich zu Höchstleistungen motivieren will, sodass du am Ende der Stunde fertig bist. Es gibt natürlich die Asanas, bei denen wir auch mal an unsere Grenzen gehen und etwas länger halten als unser inneres Schweinehündchen das gerne hätte. Wo läuft also der Mittelweg lang und wie motiviert uns der Yogalehrer während der Stunden?

Jeder Mensch reagiert anders auf Motivationsversuche. Die einen mögen es gelobt zu werden, andere brauchen einen Vergleich, bei dem sie besser sein wollen und wieder andere lieben die klassischen Drillschreie, die wir vom Indoor-Cycling kennen. Wer was gerne hat, hängt nicht nur von der Persönlichkeit ab. Auch die eigenen Gründen und die Zielen, die wir beim Yoga haben, spielen eine Rolle. Üben wir also direkt Jnana Yoga, Svadhyaya und Selbsterkenntnis und schauen uns an, warum verschiedene Menschen überhaupt erst ihren Fuß in ein Yogastudio setzten. Dann sehen wir uns die verschiedenen Motivationsformen an, um zu erfahren, wie unterschiedliche Menschen auf verschiedene Motivationen reagieren. Das hilft uns, selbst mehr Enthusiasmus zu finden und in unserer Praxis weiterzukommen.

Warum setzen wir den ersten Schritt?

Jeder Mensch hat seinen eigenen Zugang zu Yoga. Die meisten kommen zu Yoga Vidya über den Hatha Yoga. Sie wollen sich mehr körperlich betätigen oder gedehnter werden und Yoga ist das Mittel der Wahl. Die Hauptmotivation für viele ist es, den Körper in Form zu bringen und eine gerade Haltung zu bekommen (Petracovschi 2014). Allerdings wissen viele auch von den anderen positiven Effekten und es ist kein Zufall, dass die Menschen sich für Yoga entscheiden. Studien zeigen, dass Menschen, die gedehnter und schlanker werden wollen, eher zu Aerobic oder ähnlichem greifen. Wer seine Gesundheit, Entspannung und Stress-Management-Fähigkeiten zusätzlich verbessern will, besucht häufiger einen Yogakurs (Schier und Zając 2011, Petracovschi 2014).

Der Grund, warum wir den ersten Schritt in ein Yoga-Studio setzten, ist nicht nur die Sportart an sich. Immer mehr Menschen verlassen das Bild des objektidentifizierten Körpers. Wir behandeln ihn nicht wie einen Gegenstand, den wir mit bestimmten Dingen füttern, um andere Ergebnisse zu erlangen. Viele von uns fangen Yoga an, weil sie ihren Körper kennenlernen wollen, sich in ihm gut fühlen wollen und ihn als Subjekt wahrnehmen.

Wenn ein Bekannter also überlegt, einen neuen Fitnesskurs zu buchen, ist es hilfreich, nach den Motiven zu fragen. Will er oder sie nur abnehmen und gedehnter werden, dann ist Yoga eher nicht der Kurs der Wahl. Soll etwas ganzheitlich Gutes bei rumkommen, lohnt sich der Blick in das (Online-)Angebot rund ums Thema Yoga. Fangen wir einen Kurs nur aus Körper-objektifizierenden Gründen an, hören wir wahrscheinlich bald wieder auf, weil wir merken, dass Yoga nicht so schnell funktioniert. Wir sehen nach 4 Wochen nicht unbedingt erste Ergebnisse. Erwarten wir das, ist es sogar eher frustrierend. Es stellt sich also die Frage, was es braucht, damit wir beim Kurs bleiben.

Warum ziehen wir den Yoga-Kurs durch?

Um die bleibende Motivation zu verstehen, gibt es zwei verschiedene Wege. Man kann sich zum einen anschauen, woher die Motivation kommt, zum anderen, welches Thema sie ausgelöst hat. Beispielsweise kann jemand intrinsisch von sich aus Lust auf Yoga haben und das wurde ausgelöst, weil er gelenkiger werden wollte. Das „woher“ kommt laut Psychologen aus vier verschiedenen Richtungen. Hier ein kleiner Selbsttest. Die Auflösung steht erst unter dem Bild, ließ also erst weiter, wenn du dir eine Einstellung aufgeschrieben hast. Die erste Antwort, die dir kommt, ist oft die richtige. Wie lautet deine Antwort auf die Frage: Warum praktizierst du Yoga?

Motivation zu halten ist ganz einfach mit den richtigen Tipps

Wenn du keine richtige Antwort hattest, sondern einfach ein gutes Gefühl oder deine Antwort lautet: Weil es Spaß macht. Dann bist du hauptsächlich intrinsisch motiviert. Hast du einen anderen „echten“ Grund angeben können, gibt es für dich extrinsische Anreize, wie gedehnt sein. Klar, soweit kein Wunder, aber was wir mit dieser Erkenntnis anfangen können, ist enorm. Es gibt die intrinsische Motivation, die selbstbestimmte extrinsische Motivation, fremdbestimmte extrinsische Motivation und die Amotivation (Phillips 2005). Wer keine Lust auf Theorie hat, kann die nächsten drei Absätze einfach überspringen.

Motivation in aller Vielfalt

Amotivation heißt, dass man keine Motivation hat, eine Handlung auszuführen. Aber nicht im Sinne von „Ich habe da keine Lust drauf“, sondern im Sinne von „Es ist mir wirklich egal, ob ich jetzt das mache oder etwas anderes. Ich habe keine Absichten mit dieser Handlung“. Beispielsweise trifft das auf uns zu, wenn wir mit dem Fuß wackeln und es kaum mitbekommen. Die intrinsische Motivation ist bekannter. Es heißt, dass wir etwas um seiner selbst Willen tun. Also praktizieren wir Yoga nicht, um gedehnter, schlanker oder sportlicher zu werden, sondern allein um den Yoga willen, dann sind wir intrinsisch sehr motiviert.

Häufig kommt diese Form in Mischung mit der extrinsischen Motivation vor. Unter extrinsischer Motivation verstehen Psychologen, dass man etwas mit einem bestimmten Ziel tut. Das kann selbstbestimmt oder fremdbestimmt sein. Unter Ersterem fassen wir solche Handlungen, die wir tun, um eine Belohnung zu bekommen oder einem Gefühl der Verpflichtung wie Schuld oder Druck von außen. Wir entscheiden uns selbst, diesem Druck nachzugehen oder diese Belohnung haben zu wollen. Gedehnt sein ist unsere Motivation oder das Schuldgefühl, nicht so gedehnt zu sein wie unsere beste Freundin. Wir haben uns selbst dazu entschlossen, auf die anderen zu achten und ihren Forderungen oder Angeboten nachzukommen und direkt etwas dafür zu bekommen beziehungsweise etwas anders abzuwenden, auch wenn wir uns dieser Freiwilligkeit oft nicht bewusst sind.

Anders sieht es aus bei den Fremdbestimmten extrinsischen Motivation. Bei solchen Aktivitäten ist unsere Motivation auf ein höheres Ziel ausgerichtet. Es ist also nicht die direkte Folge, die uns motiviert. Jemand praktiziert Yoga beispielsweise, um gedehnter zu sein, um schöne Fotos auf Instagram zu posten, um dort viele Follower zu bekommen. Darunter fällt auch, wenn wir etwas tun, weil es sich wie das Richtige anfühlt. So gehen manche Leute nicht in Yogastunde, weil sie Spaß daran haben, sondern sie glauben an die Yogaphilosophie und haben das Gefühl, es ist das Richtige, zu diesen Stunden zu gehen. Sie haben die Werte des Yogas internalisiert. Hier kriegen wir nicht direkt etwas für unsere Handlungen.

Motivation fördern

Natürlich haben all diese Motivationsformen unterschiedliche Namen und Unterkategorien. Allerdings ist für den Hatha Yoga nur die Unterscheidung zwischen intrinsisch, extrinsisch selbst und fremdbestimmt wichtig. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Formen sind fließend und laufen oft parallel nebeneinander. Eine Handlung hat meist mehrere gute Gründe. Viele haben Spaß an Yoga, finden auch gut, dass sie stärker werden und freuen sich dann über die schönen Instagram-Bilder. Wenn wir mal keine Motivation haben, können wir genau damit spielen. Mit unterschiedlichen Anreizen können wir unterschiedliche Motivationsarten fördern. Das ist besonders wichtig, wenn wir mal einen Hänger haben.

Instagram Posen können wirklich gut aussehen, wenn man etwas mehr Yoga übt.

Intrinsische Motivation

Wenn jemand nur intrinsisch motiviert ist, können wir ihm beispielsweise noch so viel Geld bieten, er wird nicht mehr Spaß entwickeln. Bei dieser Motivation kann man leider kaum etwas tun. Entweder etwas macht uns Spaß oder eben nicht. Allerdings können wir uns immer mal wieder fragen, was es bräuchte, damit es Spaß macht. Hätte ich noch mehr Lust, Yoga zu machen auf einer neuen Matte? Oder mit einer neuen Sporthose? Die Umgebung kann einiges zur intrinsischen Motivation beitragen, weil wir uns in einer schönen Umgebung direkt aktivierter und motivierter fühlen. Die Wahl eines hübschen Yogastudios hilft beispielsweise die intrinsische Motivation lange aufrechtzuerhalten (Rose et al. 2020).

Extrinsische Motivation

Ist jemand extrinsisch selbstbestimmt motiviert, müssen wir ihm nur mehr Druck machen und seine Motivation steigt. Das können wir entweder durch ein größeres Schuldgefühl, eine Belohnung oder einen stärkeren Vergleich. Genau das passiert, wenn der Fitnesstrainer schreit, dass wir noch eine Wiederholung durchziehen sollen. Er setzt die Messlatte, die wir erreichen wollen, ein kleines bisschen höher. Auch im Yoga ist das ein Thema. Viele Menschen haben direkt ein schlechtes Bild vor Augen, wenn es um so etwas geht, aber manchmal brauchen wir das einfach. Viele fangen Yoga nämlich genau aus diesen Gründen an und sind enttäuscht, nicht direkt Ergebnisse zu sehen. Sie wollen schlanker, gedehnter und stärker werden, sind also extrinsisch motiviert, aber dann wird diese Motivation nicht bestätigt.

Diese Motivation sollte allerdings schön verpackt werden. Drillsprüche sind wahrscheinlich in meditativen Haltungen eher unangebracht. Außerdem heißt es beim Yoga, dass es nichts zu erreichen gibt. Wir sind genauso gut, wie wir sind und müssen nicht tiefer in die Vorwärtsbeuge. Allerdings schreibt Sukadev in seinem Buch „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“ auch, dass es besser ist, ohne die richtige Geisteshaltung zu praktizieren, als gar nicht. Wir können uns also vor Augen führen, warum wir Yoga angefangen haben (eventuell um gedehnter zu werden) und uns dann in Erinnerung rufen, dass diese Übung tatsächlich gedehnter macht. Dazu kannst du auch auf andere gucken. Du fühlst dich nicht alleine, sondern als Teil der Gemeinschaft. Das ist ebenfalls ein großer extrinsischer Motivationsfaktor.

Wenn unsere extrinsische Motivation keine Erfüllung findet, wir beispielsweise das erhoffte Ergebnisse nicht sehen oder wir nicht so gut abschneiden, wie es unserem Selbstwert dienlich wäre, hören wir schnell wieder mit etwas auf. Diese Gründe reichen nicht, um einmal die Woche ins Studio zu gehen, weil es ja offensichtlich nicht funktioniert. Dann können wir, falls wir trotzdem gerne motiviert dazu wären, neue Gründe finden oder Spaß an der Sache entwickeln. Sind wir erst einmal im Yoga-Kurs und besuchen ihn eine Weile regelmäßig, weil wir schon bezahlt haben, merken wir eventuell andere Vorteile, die wir vorher nicht zu schätzen wussten. Ist dir schon aufgefallen, dass du entspannter bist, seit du Yoga übst? Kannst du dich besser konzentrieren oder hast eine ruhigere Ausstrahlung? Das können alles neue externe Motivationsgründe sein.

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Literaturverzeichnis

Petracovschi, Simona (2014): Motivation in practicing Yoga & Pilates and satisfying the need for self-knowledge. In: Timisoara Physical Education and Rehabilitation Journal 7 (13), S. 117–122. DOI: 10.1515/tperj-2015-0020.

Phillips, Leslie Lynn (2005): EXAMINING FLOW STATES AND MOTIVATIONAL PERSPECTIVES OF ASHTANGA. Dissertation. University of Kenntukey, Kenntukey. Educational and Counseling Psychology. Online verfügbar unter https://uknowledge.uky.edu/gradschool_diss/336/.

Rose, Jennifer; Dahm, Markus; Czarnetzki, Michael; Köhler, Marius (2020): Steigerung der Motivation und des Lernerfolgs von Programmieranfängern mithilfe von Gamification.

Schier, Katarzyna; Zając, Agnieszka U. (2011): Body image dysphoria and motivation to exercise: A study of Canadian and Polish women participating in yoga or aerobics. In: Archives of Psychiatry and Psychotherapy (4), S. 67–72.

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