Dein Körper kennt dich besser – eine Einladung deinem Körper zuzuhören

Wenn du alles was du wahrnimmst, vor dem Hintergrund deiner Erfahrungen interpretierst und selektierst, nimmst du nicht wirklich wahr, was ist.

Du siehst oft nicht das, was da ist, sondern das, was du befürchtest. Dein Verstand ist nicht in der Lage, anders zu handeln. Er nährt sich aus den Erfahrungen der Vergangenheit, analysiert die aktuelle Situation und rechnet für die Zukunft beides zusammen.

Aufwachen

Deine Körperwahrnehmung dagegen kann nicht lügen. Dein Körper ist der beste Seismograph für dein aktuelles Befinden. Wenn du deine ganze Aufmerksamkeit deinem Körper schenkst und dich mit dem beschäftigst, was du wahrnimmst, bist du auf dem Weg der Wahrheit. So bleibst du immer im Hier und Jetzt und bei dem, was wirklich ist.

Körperwahrnehmung umfasst also das bewusste Wahrnehmen von körperlichen und geistigen Zuständen. Entspannung ist ein Zustand, der den ganzen Menschen betrifft. Du kannst nicht seelisch angespannt und körperlich entspannt sein oder umgekehrt.

Das Ziel eines bewussten Lebens ist die ganzheitliche Entspannung und Harmonisierung von Körper, Geist und Seele.

Warum brauchen wir eine Körperwahrnehmung?

Dein Körper nimmt eine wichtige Rolle beim Aufbau deiner Gefühle ein. Körper und Emotionen gehören zusammen, sie befinden sich in ständiger Kommunikation miteinander. Körperlicher Schmerz und seelischer Schmerz aktivieren auch ähnliche Bereiche im Gehirn.

Dein Körper ist dein Kompass. Er hilft dir dabei, zu erkennen, was du fühlst.

Beobachte deinen Körper, denn er hat eine emotionale Botschaft für dich. Wenn du deine Emotionen ignorierst, verwandeln sie sich in Schmerz und körperliches Leid. Welche Botschaft versucht dein Körper dir mit dem Schmerz zu vermitteln: Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Erschöpfung oder Magenschmerzen? Kommt dir eines dieser Körperwahrnehmungen vertraut vor?

Auch wenn du versuchst, sie zu ignorieren, manifestieren sie sich in körperlichen Symptomen. Und je mehr du sie ignorierst, desto stärker werden sie.

Schenke deinen physischen Beschwerden und Schmerzen Aufmerksamkeit und du wirst erkennen, was dein Körper benötigt. Wenn du lernst, mit deinen Gefühlen umzugehen, wirst du dich definitiv auch körperlich sehr viel besser fühlen.

Wenn du sensibler für deinen Körper wirst, achtsamer mit ihm umgehst, dann kannst du ihn auch gesünder halten, weil du die Signale, die er aussendet wahrnehmen und dann auch lernen kannst, sie zu deuten.

Wenn du deinen Körper achtsamer wahrnimmst, dann förderst du deine Lebendigkeit und dein Wohlbefinden, baust Spannungen ab und kannst Heilungsprozesse fördern. Zugleich nimmst du deine eigenen Bedürfnisse besser wahr und kannst Erkrankungen und Beschwerden, auch seelische besser vorbeugen.

Die vier Grundemotionen: Angst, Wut, Freude und Traurigkeit

Angst

Die Angst warnt dich vor möglichen Gefahren. Sie hilft dir auch dabei, Bedrohungen vorherzusehen und dich vor ihnen zu schützen. Auf der körperlichen Ebene äußert sich Angst z.B. in Form von  Anspannung, Schwitzen, Herzrasen, Engegefühl in der Brust, Appetitverlust, Bauchschmerzen, Durchfall und Schlaflosigkeit. Diese Symptome sind nicht nur für Angst spezifisch, aber sie können diese begleiten.

Wenn du unter einem dieser Symptome leidest, tritt mit dir selbst in Kommunikation. Ist es Angst oder eine andere Emotion, die du dabei empfindest? Mit Angst gehst du am besten um, indem du dich mit ihr intensiv auseinandersetzt, anstatt zu versuchen, ihr auszuweichen. Atem- und Entspannungstechniken helfen dir die Angst zu vermindern und deine Körperwahrnehmung zu stärken.

Wut

Wut motiviert dich zum Handeln. Er hilft dir, für deine Werte und Ideale einzustehen, wenn du das Gefühl hast, dass Unrecht geschehen ist. Die häufigsten körperlichen Symptome der Wut sind Anspannung, ein Anstieg deiner Körpertemperatur, Kopfschmerzen, beschleunigte Atmung und Verspannung der Kiefermuskulatur.

Die Wurzel unseres Problems liegt in der Wut, die wir in uns selbst tragen. Ihr müssen wir uns zuwenden. Unsere Achtsamkeit umarmt das Gefühl der Wut wie eine Mutter, die ihr weinendes Kind in den  Arm nimmt und ihre Zuneigung und Fürsorge spüren lässt. ~ Thich Nhat Hanh

Freude

Freude hilft dir dabei, Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen. Sie erlaubt es dir, Kontakte zu pflegen und dein Vergnügen mit anderen zu teilen. Die körperlichen Symptome der Freude kennen wir gut: Lächeln, ein Weitegefühl in der Brust, ein Gefühl der Leichtigkeit, kribbeln.

Traurigkeit

Dieses Gefühl hilft dir dabei, mit Verlusten umzugehen. Sie zieht dich in sich hinein und lässt dich über die Vergangenheit und darüber, wie die Dinge waren, nachdenken. Auf der körperlicher Ebene äußert sich Traurigkeit in Form von Tränen, Schluchzen, Kloß im Hals, Beklemmungsgefühlen, stockendem Atem und Appetitverlust.

Wenn du deine Traurigkeit nicht zum Ausdruck bringst, kann sie zu einem sehr schwerem Gewicht werden. Wenn du zum Beispiel nach dem Tod eines geliebten Menschen nicht weinst, den Schmerz mit niemandem teilst, kann deine Traurigkeit sich in einen chronischen Schmerz verwandeln.

Körperwahrnehmung in der Traumatherapie

In der heutigen Traumaforschung gibt es die klare Erkenntnis: ein Trauma oder eine seelische Verletzung ist im Körper und im Nervensystem gespeichert. Das Ereignis ist zwar Vergangenheit, doch der Körper speichert jede Erfahrung.

Während einer sehr belastenden Situation wird im Körper zur Bewältigung dieser Situation sehr viel Energie freigesetzt. Wird diese Energie, die mit einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen und einer starken Erregung des Sympathikus einhergeht, nicht abgebaut und gelöst, setzt sie sich in deinem Nervensystem fest. Sie erzeugt einen hohen Spannungszustand in deinem Körper. Das führt zu psychischen und körperlichen Krankheitssymptomen.

Höre auf die Botschaften deines Körpers

Wenn du mit deinen Emotionen auf gesunde Art und Weise umgehst, wirst du in der Lage sein, die Botschaften deines Körpers zu hören und zu deuten. Du wirst die Emotionen erkennen, die mit deinen körperlichen Symptomen in Verbindung stehen. Du wirst lernen, mit ihnen umzugehen, damit sie sich nicht in Leid verwandeln. Wenn du seine Botschaften ernst nimmst, kannst du deinem Körper genau das geben, was er braucht.

Dein Körper ist weise und weiß, was du brauchst. Kümmerst du dich um deinen Körper, dann kümmerst du dich auch um deine Gefühle. Alle Gefühle die du erlebst, werden in den Zellen deines Körpers abgespeichert. Dort findest du die Informationen, die deinen Körper  auch wieder heilen können.

Die körperliche Selbstwahrnehmung ist eine tägliche Aufgabe, der wir alle nachgehen sollten, um genau zu wissen, wie wir richtig und im Einklang mit unseren Gefühlen handeln. Wir werden uns selbst treuer als zuvor sein, einfacher denken, und wir werden nicht nur ein bisschen glücklicher sein können, sondern wir werden auch dazu in der Lage sein, andere glücklicher zu machen. Beginne gleich heute damit.

Mit der Zeit wirst du lernen, bereits die kleinen Zeichen deines Körpers zu erkennen und vorbeugend mit ihm arbeiten. Der Körper ist reines Selbstheilungspotenzial, wenn du auf ihn hörst und ihn dann seine Arbeit machen lässt. Er weiß, was für dich gut ist. Das Wahrnehmen selbst ist wichtig und bewirkt langsame, aber stetige Verbesserungen. Beobachte deine Körperwahrnehmungen und Gefühle.

Achtsamkeitsübung zur Wahrnehmung deines Körpers und deiner Gefühle

In dieser Achtsamkeitsübung betrachtest du deinen Körper, deine Empfindungen, Emotionen, Bild- und Wortgedanken aus einer Beobachterrolle. Dabei gilt:

  • beurteile nicht – sondern nehme an
  • analysiere nicht – nimm stattdessen bewusst wahr
  • vergleiche nicht – sei im Hier und Jetzt
  • identifiziere nicht – beobachte nur
  • reagiere nicht – bleibe aber neugierig

Eine humorvolle Einstellung hilft dir zu einer angenehmen Distanziertheit bei deiner Beobachtung. Wähle einen Schmerz oder ein Körpersymptom, mit dem du dich heute beschäftigen willst. Idealerweise ist dieses Symptom gerade sehr akut. Durch das Symptom kannst du eine Menge über dich selbst lernen.

Setzte dich an einen ruhigen Ort in eine Meditationshaltung deiner Wahl. Frage dich:

  • Wie sind meine Gefühle in Bezug auf das Symptom?
  • Was macht das Symptom mit mir?
  • Wie fühle ich mich dabei?
  • Wie schränkt es mich ein?
  • Was fühle ich gerade, wenn ich mich mit diesen Fragen beschäftige?
  • Gehe mit deiner Aufmerksamkeit zu dem Körperteil, wo du das Symptom hast: Was fühle ich dort?

Nimm in aller Ruhe alle Empfindungen wahr, die dort sind: alle Schmerzen, Spannungen, vielleicht auch ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit.

  • Wie zeigen sich diese Gefühle in meinem Körper?
  • Nun, wo du dein Symptom besser kennst, versuche es zu verstärken. Was muss ich dafür tun?
  • Wie gut gelingt mir dies?
  • Lasse es stärker werden. Was muss ich dafür tun?

Nun werde langsam das Symptom. Versetze dich in seine Rolle.

  • Wie bin ich?
  • Wie ist mir dabei zumute?
  • Was ist das Besondere an mir?
  • Was ist meine Aufgabe?
  • Gibt es etwas, was ich meinem Menschen sagen möchte?
  • Warum tue ich ihm dies an?
  • Was ist meine Absicht?
  • Wie versuche ich das zu erreichen?

Sei nun wieder du selbst und antworte dem Symptom.

  • Was halte ich von dem, was ich gehört habe?
  • Was sollte das Symptom wissen? Erzähle ihm, wie du dich nun fühlst.

Werden wieder zum Symptom und setze das Gespräch fort. Erzähle dem Menschen von deiner Nützlichkeit. Werde wieder du selbst und antworte. Setze dieses Gespräch noch ein wenig fort. Sei langsam beim Tausch der Rollen.

  • Was können wir voneinander erfahren und lernen?
  • Wie finde ich einen Weg, der uns beide weiter bringt?

Nach einer Weile öffnest du dann wieder deine Augen.

Reagierst du auf heftige schmerzhafte Emotionen bewusst mit Aufmerksamkeit und Mitgefühl, hat das konkrete Auswirkungen auf dein Gehirn. Es kommt zu neuen Verknüpfungen und Gehirnareale verändern sich.

Es kommt zu tiefgreifenden Veränderungen auf allen drei Seinsebenen: in deinem Körper, in deinem Geist und in deiner Seele. Du kannst ganz bewusst den Weg der liebevollen Aufmerksamkeit mit Hilfe der Liebevollen Zwiesprache konditionieren.

Alles was du lernen brauchst, ist da zu bleiben, bei dir zu bleiben und für dich selbst zu sorgen.

Ganzheitlicher Yoga hilft dir deine Körperwahrnehmung zu schulen

Durch das bewusste Wahrnehmen in den Yogastellungen schulst du deine Aufmerksamkeit auf deine Körperwahrnehmungen. Du lernst, dich selbst zu spüren und bestimmte Signale deines Körpers intensiver wahrzunehmen. Du praktizierst das Nach-Innen-Spüren und Nach-Innen-Lauschen. Indem du Yoga-Posen hälst, erfährst du viele Körperregionen ganz neu.

Die Atemübungen offenbaren dir regelrecht ein neues Körpergefühl, wenn du die Wirkung der verschiedenen Atemtechniken in deinem Körper spürst. Durch Entspannungsübungen erfährst du, was es bedeutet, deinen Körper von Spannungen zu befreien und durch die Meditation verstehst du, warum der Körper die Herberge deiner Seele ist.  


Anu Tara Neumeyer Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Fußreflex-Therapeutin, Diplom Sozialpädagogin, Naturpädagogin und Erlebnispädagogin.

Anu Tara praktiziert Yoga seit 2001. Nach ihrer vier Wochen Intensiv Yogalehrer Ausbildung 2016 entschied sie sich im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg zu leben, wo sie seitdem ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertieft. Ihr Yoga Unterricht reicht von fortgeschrittenen Yoga Stunden mit intensiver Ausrichtung auf die Chakren über exakte Ausrichtungs-Prinzipien bis hin zu klassischen Yoga Vidya Stunden aller Level. Anu Tara wendet mit viel Freude auch ihre therapeutischen und heilerischen Fähigkeiten in den Bereichen Ayurveda und Naturspiritualität an.

Seit Juni 2019 gibt es das Yoga Vidya Center of Excellence „Naturspiritualität und sattwiger Schamanismus“, das von Satyadevi geleitet wird. Wir freuen uns immer mehr Angebote für wöchentliche Veranstaltungen, Seminare und Ausbildungen für diesen Bereich anzubieten zu können.

Alle Seminare des Teams des Center of Excellence „Naturspiritualität und sattwiger Schamanismus“

Alle Seminare mit Satyadevi bei Yoga Vidya →

Alle Seminare mit Luca Sumitra bei Yoga Vidya →

Alle Seminare mit Anu Tara bei Yoga Vidya →

1 Kommentar zu “Dein Körper kennt dich besser – eine Einladung deinem Körper zuzuhören

  1. Franziska Brüning

    Wie schön, genau das lesen zu dürfen, was man gerade braucht. Mein Körper und ich sind ein super Team. Auch wenn ich es eigentlich weiss, ist es manchmal „verschüttet“. Danke für die Schaufel.

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