Was ist Psychologische Yogatherapie?

Von Medalasa Marlene Mensendiek

Yoga als eine Wissenschaft des Geistes verbindet sich mit einer Geisteswissenschaft, der Psychologie. Auf diese Weise ist die Psychologische Yogatherapie entstanden. Durch Klärung und Transformation entwickelt sich dabei zunehmend psychische Gesundheit. Der Mensch hat durch diesen Prozess größere Energie zur Verfügung, die für das eigene spirituelle Wachstum genutzt werden kann.

 

 

Yoga Vidya und Psychologische Yogatherapie

Shivakami Bretz begründete 2011 die Psychologische Yogatherapie in Bad Meinberg. Seitdem wird sowohl im Yoga Vidya Ashram in Bad Meinberg als auch im Yoga Vidya Ashram im Allgäu, den Shivakami leitet, Psychologische Yogatherapie als Einzelsitzungen angeboten. Psychologische Yogatherapie wird als Weiterbildung für Yogalehrer von Shivakami in den Ashrams in Bad Meinberg und im Allgäu angeboten.

Humanistische Psychotherapien

Psychologische Yogatherapie ist eine Therapierichtung, in der Yoga und wissenschaftliche Psychotherapie einander sympathisierend nebeneinander stehen oder ineinander verzahnt sind, je nach den Bedürfnissen des Klienten/der Klientin. Ich möchte mit der wissenschaftlichen Psychotherapie beginnen und aufzeigen, wie sich in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts neben der Verhaltenstherapie und der Psychoanalyse die sogenannten humanistischen Therapieformen entwickelt haben. Erste Vertreter der humanistischen Psychotherapie in der Mitte des letzten Jahrhunderts sind:

  • Die Gestalttherapie nach Fritz Perls. Vertreterin dieser Richtung ist Shivakami Bretz, Leiterin des Yoga Vidya Ashrams im Allgäu.
  • Das Psychodrama begründet von Jakob Levy Moreno
  • Die Gesprächspsychotherapie oder auch klientenzentrierte Psychotherapie nach Carl Rogers. Diese Therapieform ist meine eigene Ausbildung und Ausrichtung. („Das Selbst zu werden, das man in Wahrheit ist“ nach Carl Rogers)

Von diesen ersten humanistischen Therapieformen haben sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts weitere humanistische Therapieformen entwickelt. Gemeinsam ist den humanistischen Therapieformen, dass Menschen den Willen und das Bedürfnis haben, zu wachsen und sich zu entwickeln. Dieser Wille ist häufig durch vergangene und/oder gegenwärtige Lebensereignisse verschüttet und muss erst im Verlauf des psychotherapeutischen Prozesses freigelegt oder auch erst aufgefunden werden. Im Zentrum der Aufmerksamkeit des Therapeuten steht häufig auch die Ablehnung der eigenen Person (der Mensch ist nicht so wie er sein möchte), Selbstentwertung und Störungen der Beziehung zu seinen Mitmenschen. Die therapeutische Bearbeitung dieser Ursachen des Leidens und das Auffinden menschlicher Ressourcen und Potentiale führen dazu, dass sich Menschen selbst mehr bejahen, mit sich selbst übereinstimmen und befriedigende Beziehungen eingehen können. Je innerlich unabhängiger und seiner Selbst sicherer ein Mensch ist, je mehr kann er auch die Autonomie des anderen achten und ohne Angst Nähe zulassen.

PsyTherapie_Ute-Katrin_Konsultation_05Gesprächspsychotherapie

Ich bin Gesprächspsychotherapeutin und möchte gern näher auf diese Therapierichtung eingehen.

Die zentralen Wirkfaktoren der Gesprächspsychotherapie sind:

  • Verändern durch Anerkennen: d. h. den Klienten so sehen, wie er im Augenblick ist und dieses Sosein akzeptieren
  • Dieses Sosein zusammen mit dem Klienten verstehen
  • Verändern durch Begegnung: Das bedeutet, dass Klient und Therapeut sich auf Augenhöhe begegnen
  • Mobilisieren von Zuversicht und die Bereitschaft zur Veränderung
  • Aufnehmen einer emotional bedeutsamen Beziehung zum Therapeuten/zur Therapeutin
  • Aktivierung von Ressourcen und Heben potentieller Wünsche

Aus diesen Wirkfaktoren leiten sich die drei Therapieprinzipien der Gesprächstherapie ab: Empathie, Akzeptanz und Echtheit. Von diesen Therapieprinzipien sind die Therapietechniken abgeleitet:

PsyTherapie_Gruppendynamik_044Empathie
Bedeutet einfühlendes Verstehen:
– Einfühlendes Wiederholen
– Konkretisierendes Verstehen

Akzeptanz
Bedingungsfreies Akzeptieren, Anerkennen, Bestätigen. Z.B. kann die Wertschätzung und Selbstakzeptanz innerhalb einer Therapie vom Therapeuten/Therapeutin stellvertretend über einen gewissen Zeitraum für den Klienten übernommen werden.

Echtheit
Konfrontieren, Selbsteinbringen: Wenn es angemessen ist, teilt der Therapeut mit, was er über eine bestimmte Äußerung des Klienten empfindet oder denkt. Es ist die Überzeugung des Gesprächstherapeuten, dass jedem Menschen ein Bestreben innewohnt, er/sie selbst zu sein („das Selbst zu werden, das er in Wahrheit ist“ nach Carl Rogers).

 

Psychologische Yogatherapie

Als Brücke zwischen klassischer, humanistischer Psychotherapie und Yoga-Psychotherapie möchte ich exemplarisch den Ablauf einer oder mehrerer Yoga-Psychotherapiestunden aufzeigen:

  • Es wird besprochen, was das therapeutische Ziel einer Stunde oder einer Psychologischen Yoga-Kurzzeittherapie sein soll, z.B. „Ich möchte mit dieser Krise konstruktiver zurechtkommen“
  • Kurze Erhebung der Vorgeschichte
  • Therapeutisches Gespräch
  • Beratung des Klienten darüber, wie psychische Symptome verbessert werden können und wie selbst gesteckte Ziele mit yogischen Methoden erreicht werden können

Yogische Ziele

Yoga ist das Zur-Ruhe-kommen der Gedanken im Geist“ (Yogasutra des Patanjali, 2. Aphorismus)

Ebenfalls in den