Yoga, Advent und Weihnachten

Heute hat die Adventszeit begonnen – ein guter Moment über die Bedeutung dieser ganz besonderen Jahreszeit zu schreiben. Die Zeit um die Wintersonnenwende galt ja zu allen Zeiten in den meisten Kulturen, am meisten natürlich in den nördlichen Regionen, als besonders heilige Zeit:
  • Bei den alten Römern fanden vom 17.-22.12. die Saturnalien statt. Es ist – der Jahreszeit entsprechend – ein Opferfest des Heroskönigs, der in die Unterwelt gesandt wurde, um dort mit seinem göttlichen Ebenbild eins zu werden. Dies steht für das tiefe Eintauchen mittels der Meditation in unseren Geist, um jenseits aller unterbewussten Eindrücke unser wahres göttliches Selbst zu erkennen und mit diesem Göttlichen Kern zu verschmelzen.
  • Bei den Juden wird das Hanukkah-Fest gefeiert (dieses Jahr 11.-19. Dezember 2009). Dieses zelebriert den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem durch die Makkabaeer. Dabei geschah ein Wunder, nämlich dass eine kleine Menge Öl 8 Tage lang Licht gab. So müssen wir im Inneren unseren Tempel des Herzens wieder aufrichten. Wenn wir uns darum bemühen, aus unserem Herzen einen Tempel zu machen, wird Gott unser Herz mit Licht füllen.
  • In Indien fand Dipavali, das Lichterfest, vor ein paar Wochen statt. Dieses feiert die Rückkehr von Gott Rama in die Hauptstadt Ayodhya nach 12 Jahren Exil. 12 Jahre lang hatten die Bewohner von Ayodhya auf Feuer und Licht verzichtet. Als Rama wieder zurückkehrte, wurden überall Freudenfeuer entzündet. So kann es sein, dass wir Gott, die Liebe, aus unserem Leben verbannt haben. Und auch wenn wir materiell vieles haben, fehlt das Entscheidende im Leben. Wenn so Gott, das göttliche Licht, die Liebe oder wie auch immer wir es ausdrücken wollen, in unser Herz einzieht, können wir wirkliche Freude empfinden.

Weihnachten ist bei uns in Europa sicherlich als christliches Fest am bekanntesten und feiert die Geburt von Jesus Christus, des Gottessohnes als Erlöser der Menschheit. Weihnachten gilt als eines der 3 Hauptfeste des Christentums (Weihnachten, Ostern, Pfingsten). Über diese Bedeutung kannst Du sicherlich in Gottesdiensten, in christlicher Literatur und von anderen Christen am meisten erfahren und erleben. Zusätzlich zur historischen, und für gläubige Christen religiösen Dimension kann man Weihnachten auch als Sinnbild des spirituellen Weges, der Geburt des Christusbewusstseins in uns interpretieren: In der Adventszeit werden vier Kerzen nacheinander angezündet. Dies steht für die schrittweise Öffnung der ersten 4 Chakras, Bewusstseinszentren. Das vierte Chakra ist das Herz-Chakra, der Sitz der Liebe, der Schau Gottes und der Freude. Wenn dieses Herz-Chakra, geöffnet ist, kann das Jesus-Kind, also die Liebe Gottes, das Christus-Bewusstsein, in uns geboren werden. Und zwar wenn die Tage am kürzesten sind inmitten der Nacht („Weih-Nacht“). Wenn unser Geist sich zurückzieht von den äußeren Ablenkungen, alles (unsere Sinne und Gedanken) schläft, dann kann das „Hochheilige Paar“ Unterscheidungskraft (Joseph) und Intuition (Maria) wachen, und die Geburt des Gottesbewusstseins (Jesuskind) erleben. So wünsche ich Dir, dass Du in dieser „geweihten Nacht“, in dieser „Stillen Nacht“, tatsächlich still sein kannst, und die innere Bedeutung von Weihnachten erfährst. Die Mitternachtsmeditation, für viele die Christmette, für manche sogar eine vollständige Nachtwache, kann in dieser Nacht zu einem besonderen Erlebnis werden, nicht nur für überzeugte Christen. Das Herzchakra, das mit Weihnachten so viel zu tun hat, steht für Liebe und Freude. So wünsche ich Dir, dass Du tatsächlich im Kreis Deiner Lieben Dein Herz sprechen lassen kannst, dass die Geschenke wirklich Liebe ausdrücken und die vielen Weihnachtslichter und -lieder tatsächlich Herzensfreude. Bei manchen, die im Kreis von Familie und Freunden feiern, wird mehr der Liebes-Aspekt von Weihnachten überwiegen. Die „Einsamen“ möchte ich ermutigen, zu meditieren, nach innen zu gehen, allein Nachtwache zu halten, um die Geburt Gottes im Inneren zu spüren. So kann sogar Melancholie als geistige „Nacht“ für den spirituellen Weg hilfreich sein. Oder komme noch kurz entschlossen zu uns ins Haus Yoga Vidya Bad Meinberg, Nordsee oder Westerwald für weihnachtliche spirituelle Tage inmitten von liebevollen Menschen. In jedem Fall wollen wir auch Gedanken des Friedens und des Lichtes an diejenigen schicken, die weniger glücklich sind, in die Krisenregionen dieser Welt, aber auch hier in Mitteleuropa und überall: viele Menschen, die im letzten Jahr ihre Angehörigen verloren haben, und denen der Verlust ihrer Lieben am Weihnachtsfest nochmals besonders bewusst wird.
In den letzten Wochen wurde in den Nachrichten viel von Terrorgefahr auch in Deutschland berichtet. Vielleicht ist gerade dann, wenn du in einer ängstlichen oder auch gedrückten Stimmung bist, der Gedanke besonders tröstlich: Wenn es scheinbar dunkel ist, kann ein neues Licht entstehen. Nach jeder Nacht folgt ein Tag. Nach jedem Winter ein Frühjahr. Und nach jeder inneren Krise ein inneres Wachstum, welches zu einer tieferen Freude und einem tieferen Lebenssinn verhilft.
PS: Dies ist ein Artikel, der seit Jahren alle Jahre wieder hier im Blog erscheint. Er bleibt aber aktuell – und hat schon vielen Menschen einen neuen Bezug zu Advent und Weihnachten gegeben.

1 Kommentar zu “Yoga, Advent und Weihnachten

  1. Nette Geschichte!
    Die Aufgabe der Kirche
    Ein Bischof wurde gefragt, was die Aufgabe der Kirche sei. Er antwortete:
    «Am Rande eines Dorfes lebte eine einsame, arme, alte Frau. Außer ihrer bescheidenen
    Hütte besaß sie nur noch eine meckernde Ziege und einen kläffenden Hund.
    Eines Tages beschloss sie, wieder einmal ihre Freundin im Nachbarort zu besuchen. In
    einem Blechgeschirr hatte sie sich ein paar Fladenbrote gebacken, die sie nach ihrer
    Heimkehr verzehren wollte. Bevor sie sich auf den Weg machte, rief sie die Ziege und den
    Hund und ermahnte sie, ihrem Abendessen nicht zu nahe zu kommen. Doch kaum war die
    alte Frau am Horizont verschwunden, begann der Hund die Feuerstelle zu umkreisen, an
    der warmen Blechschüssel zu schnuppern, und alle guten Vorsätze waren vergessen. Schließlich
    erlag er der Versuchung, kippte mit der Schnauze die Blechschüssel von den heißen
    Steinen und labte sich an den köstlichen Flatenbrote.
    Als die Frau müde und hungrig von ihrem Besuch zurückkam und den leeren Topf im Sand
    sah, wurde sie sehr ärgerlich und rief nach dem Hund und der Ziege. Die kamen, die Ziege
    kaute noch an einem dürren Zweig, der Hund kroch eher vorsichtig hinterher. „Wer von euch
    beiden hat mein Abendessen verschlungen? „, fragte sie erbost. Die Ziege meckerte verständnislos
    und wippte mit dem Hals. Doch da kläffte der Hund und sagte: „Schau nur, die
    Ziege war’s, die kaut ja jetzt noch!“
    Die alte Frau aber ahnte den Missetäter und drohte, sie werde die Wahrheit schnell herausbekommen.
    Als sie einen Stock hob, bekam der Hund es mit der Angst, jaulte laut auf und
    stob schuldbewusst davon. Er rannte und rannte, bis ihn der Horizont verschluckte.»
    Hier machte der Bischof eine kleine Pause in seiner Geschichte, um dann mit einem
    verschmitzten Lächeln fortzufahren:
    «Aufgabe der Kirche ist es nun, ihn nach Hause zurückzuholen: den Hund.»

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