Bhakti Yoga – oder die 9 Formen der Hingabe

Von Devapriya Eschler

Bhakti Yoga in den Alltag zu integrieren, ist nicht schwer. Solange du Gott in deinem Herzen trägst und dieser Liebe Ausdruck verleihst, machst du alles richtig. Vielleicht helfen dir die hier beschriebenen Formen der Hingabe, deinen Weg zu gehen oder ihn ein wenig abzukürzen.

Der Bhakti Yoga Weg gilt als der Yogaweg der Hingabe. Du bringst dich Gott dar und siehst Gott in allem und jedem und verehrst die Göttlichkeit. Viele denken bei Bhakti Yoga sofort an die Zeremonien Puja (Verehrungsritual), Homa (Feuerzeremonie), an Rituale und Gebete. Doch Bhakti Yoga ist viel mehr. In der Lehre gibt es 9 Formen der Hingabe an Gott . Jede der Formen kann ein Teil deines Alltages werden, so dass du dich über den Tag verteilt immer wieder auf Gott und dessen Energie und Liebe einschwingen kannst. 

9 Formen der Hingabe:

Sravaram – Hören

Die Hingabe an Gott entsteht dadurch, dass zuerst passiv die Gottesenergie aufgenommen wird. Es werden Geschichten über die Götter (Brahma, Vishnu, Shiva) erzählt oder über die menschgewordenen Avatare (Rama, Krishna). Das Hören von diesen Heldentaten weckt das Interesse am rechten Handeln. Auch das Hören von Mantras hilft, sich mit der kosmischen Energie zu verbinden. Der Bhakti Yoga praktizierende Bhakta richtet seinen Geist auf das Allmächtige und schafft so eine positive Gedankenwelle und einen aufnahmefähigen Geist. Im Alltag kannst du im Hintergrund eine Mantra-CD laufen lassen und immer wieder innehalten und aufmerksam lauschen, oder du liest einen Roman über die Helden der indischen Mythologie z.B. das Ramayana (Epos über Rama, Inkarnation von Vishnu) oder Mahabharata (Epos über die Pandavas, ein Teil davon ist die Bhagavad Gita, das Gespräch von Krishna und Arjuna). Diese Geschichten sind nicht nur unterhaltsam, sie verbinden dich auch mit der göttlichen Energie.

Kirtan – Singen

Ist der Samen erstmal gesät, dann reicht das bloße Zuhören nicht mehr aus. Der Bhakta möchte aktiv werden und Gottes Namen singen. Hast du dich schon mal ertappt, wie du ein Mantra mitgesungen hast? Genau in diesem Moment, in diesem Gefühl hast du wahres Kirtanam (Kirtan Singen) praktiziert. Im Alltag kann Gott immer wieder gepriesen werden. Gerne auch zwischendurch. Für ein inbrünstiges „Om Namah Shivaya“, „Om Namo Bhagavate Vasudevaya“ oder „Om Namo Narayanaya“ ist immer der richtige Zeitpunkt. Ob nun morgens, abends oder nach einer schwierigen Situation. Gib dich mit ganzem Herzen den Tönen und den Worten hin.

namasteSmaranam – Erinnern

Auf der nächsten Stufe der Hingabe erinnert sich der Bhakta an Gottes Namen und Gegenwart. Alles wird zu einem Gebet und Meditation auf Gott. Es ist dabei aber nicht wichtig, auswendig gelernte Texte zu wiederholen, sondern vom Herzen zu beten. Hier fragst du nicht, ob Gott dich hört, sondern ob du seine Antworten hörst und verstehst. Im Alltag kannst du dich für all das Schöne oder Schlechte, was dir passiert, mit einem kurzen oder langen Stoßgebet bedanken. Ja, auch für das Schlechte, denn dies ist lediglich eine Chance zum Wachsen oder eine kleine Erinnerungshilfe, dass du vielleicht auf dem Holzweg bist.

Padasevanam – Dienst zu den Lotusfüßen Gottes (Altar/Tempeldienst)

Der Bhakta führt Rituale aus und verehrt Gott in Form eines Bildnisses oder einer Murti (Statue). Am Anfang ist es hilfreich, schon bestehende Rituale zu erlernen wie Puja (Verehrungsritual) oder Arati (Lichtzeremonie). Auch hier entscheidest du selbst, ob das Ritual/die Zeremonie nur gelernt ist oder vom Herzen kommt und deine Wünsche oder Träume über das Ritual zu Gott trägt. Im Alltag kannst du morgens oder bevor du aus dem Haus gehst, ein kleines Arati vor deinem Altar machen. Das hebt nicht nur die Stimmung, sondern lädt dich gleich mit göttlicher Energie auf, so als würde dein Frühstück aus einem Power-Arati-Energieriegel bestehen. Nicht nur empfehlenswert, sondern auch noch emotional lecker.

Archanam – Verehren, Darbringen

Die Hingabe des Archanam (Darbringen) wird meist im Zusammenhang mit größeren Ritualen zelebriert. Die Tätigkeit ist das direkte Opfern von rituellen Opfergaben. Bei der Puja (Verehrungsritual) wird das Opfern von Blüten oder Reis vom Herzen aus als Archanam gefeiert. Gerade beim Opfern vom Herzen aus stellt sich eine Kraft ein, die nur erlebt und nicht beschrieben werden kann. Im Alltag kannst du Archanam zelebrieren, indem du ein kleines Obststück Gott opferst, der sich in einem stillen Moment oder einer schönen Blume oder einem anderem Lebewesen manifestiert. Für diesen Zweck lohnt es sich, immer Nüsse oder Rosinen in der Tasche zu haben und falls mal der kleine Hunger kommt, dann opferst du von Herzen Gott in deinem Magen…

Vandanam – Verbeugen

Der Bhakta verbeugt sich vor Gott und entwickelt Demut und reine Hingabe. Wenn du Gott in jedem Wesen, jeder Pflanze und jedem Stein siehst, dann möchtest du dich vor dieser Göttlichkeit verbeugen. Im Alltag kannst du dich ganz bewusst vor schönen und hässlichen Dingen und Lebewesen verbeugen. Hast du schon mal versucht, dich vor einer Blume zu verbeugen oder vor deinem Haustier oder deiner Mutter? Wenn dir das Verbeugen peinlich ist, dann kannst du es zu Hause im stillen Kämmerchen vor Obst und Gemüse probieren oder im Alltag durch inneres geistiges Verbeugen. Die hohe Kunst ist, das Ego und den Verstand so zu transformieren, dass du Gott in allem sehen kannst und dich vor der Göttlichkeit im Gegenüber verbeugen kannst. So falte deine Hände zum Gruß und beuge den Körper. Om Namah Shivaya.

Die folgenden 3 Formen der Hingabe stellen sich fast automatisch ein, wenn die oben genannten Formen der Hingabe regelmäßig praktiziert werden.

Dasyam – Diener Gottes

Der Bhakta fühlt sich als Diener Gottes, als sein Instrument. Gott wirkt durch mich als Instrument.“ Im Alltag stellt sich ein Urvertrauen ein, dass Gott deinen Weg lenkt und da alle Handlungen von Gott kommen, kann der Bhakta in einer vertrauensvoll positiven Schwingung bleiben. Demutsvoll werden Schwierigkeiten angenommen und mit Gottes Hilfe gelöst und Positives wird mit Dankbarkeit angenommen.

Sakhyam – Freundschaft

Der Bhakta entwickelt eine persönliche Beziehung zu Gott. Vorher wollte der Bhakta nur Instrument sein. Nun gibt es keine unterschiedlichen Ebenen mehr. Der Bhakta hat Gott verstanden, er erkennt die subtilen Botschaften und handelt danach. Im Alltag erkennt der Bhakta, dass alles von Gott kommt und geht gemeinsam mit Ihm seinen Weg. Gelassen und in Gott ruhend.

Atmanivedanam – völlige Selbsthingabe

Der Bhakta differenziert nicht mehr. Es gibt keine Trennung zwischen Gott und Selbst. Als höchste Stufe der Hingabe gilt Asamprajnata Samadhi – Erleuchtung, Selbstverwirklichung. Wer diese Stufe erreicht, der braucht bald kein Bhakti Yoga mehr, sondern ist darin aufgegangen.

 

Jeden Tag gibt es in den Yoga Vidya Ashrams Bhakti Rituale zur Herzensöffnung und zur Bewusstseinserweiterung:

  • 2x täglich Arati
  • 2x täglich Mantra-Singen
  • 19 – 20.00 Uhr Om Namo Narayanaya Singen für den Weltfrieden

In Bad Meinberg zusätzlich:

  • jeden Morgen um 5.00 Uhr Homa (Feuerzeremonie)
  • jeden Abend 18.20 Uhr kleine Krishna Puja
  • jeden Abend 19.25 Uhr Stotra Singen
  • jeden Montag und Donnerstag 13.00 Uhr Bhagavad Gita Rezitation
  • Samstags 13.00 Uhr Hanuman Chalisa
  • Donnerstag 16.30 Uhr Guru Puja

 

Devapriya-Doreen-Eschler-prvDevapriya Eschler – Entspannungstherapeutin (BYAT), Pranaheilerin (BYAT), Reiki-Lehrerin, Yogalehrerin (BYV). Sie zeichnet sich durch ihr einfühlsames Wesen und entspanntes Unterrichten aus. Mit viel Freude und Liebe gibt sie gerne praxisorientierte und inspirierende Vorträge.

 

 

 

 

Dieser Artikel ist erschienen im Yoga Vidya Journal – Ausgabe Nr. 30

 

1 Kommentar zu “Bhakti Yoga – oder die 9 Formen der Hingabe

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