Kavita Pippon – auf allen Ebenen im Gleichgewicht

Interview mit Kavita Pippon aus dem Stadt-Anzeiger Nr. 595: „Yoga und Mehr“ in Horn-Bad Meinberg

Die Themenreihe „Neubürger“ portraitiert Menschen, die aufgrund ihres Interesses an Yoga nach Bad Meinberg gezogen sind. Kavita Pippon ist nicht nur Diplom-Juristin, sondern auch Yogalehrerin, Mutter, Naturerlebnispädagogin, Homöopathin, Schamanin, Masseurin und Reiki Meisterin. Seit 2013 hat sie in Bad Meinberg ihren festen Wohnsitz.

 

 

Du hast ein ziemliches Nomadenleben geführt. Was hat Dich schließlich in Bad Meinberg Wurzeln schlagen lassen?

Kavita : Ja, das stimmt, ich bin schon immer gern und viel gereist. Auch meinen Wohnsitz habe ich bereits mehrfach gewechselt. Aufgewachsen in Alfter bei Bonn, ging es für mich zum Studieren direkt ins Ausland nach Frankreich und in die Schweiz. Danach lebte ich in Holland und im Westerwald. Vor zwei Jahren kam ich als Gast nach Bad Meinberg und fand hier eher zufällig die für mich wichtigen Voraussetzungen für einen festen Wohnsitz vor: Wunderbare Umgebung und Menschen, Unterbringung meiner Kinder in einer nahegelegenen Waldorfschule sowie bei Yoga Vidya gute Möglichkeiten für mich als selbständige Yogalehrerin zu arbeiten. So lebe ich heute hier und leite als Gastdozentin bei Yoga Vidya viele Seminare, Yogalehrerausbildungen und Intensivaus- und Weiterbildungen in meinem Spezialgebiet Yoga für Kinder, Jugendliche und Senioren.

Und jetzt bist du schließlich doch noch richtig sesshaft geworden?

Kavita: Ehrlich gesagt weiß ich nie so genau, wie lange ich tatsächlich an einem Ort bleibe. Aber momentan fühle ich mich hier wohl, denn ich schätze vieles an Bad Meinberg. Zum Beispiel die entspannte Atmosphäre, die grünen Anlagen, die Schwimmbäder, die ruhigen Cafés, die alternativen Geschäfte und nicht zuletzt natürlich die Nähe zu Yoga Vidya. Meine Wohnung ist eine wichtige Basis für mich, ein Ruhepol, von wo aus ich nach wie vor viel unterwegs bin: Sei es zu Seminaren, die ich mittlerweile über ganz Deutschland verteilt gebe, oder auch für meine Yogareisen nach Indien und Griechenland.

Wie bist Du von der Juristin zur Yogalehrerin geworden? 

Kavita: Den ersten wichtigen Impuls dazu gab mir mein Skiunfall Weihnachten 1996. Resultat: vier Knieoperationen, ein steifes Bein, dann Krücken und Rollstuhl. Da hatte ich viel Zeit zum Nachdenken über mich, das Leben, meine Berufung etc. Nach dem ersten juristischen Staatsexamen konnte ich mir von meiner Invalidenrente glücklicherweise die Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya Westerwald finanzieren. Ein weiteres einschneidendes Erlebnis war die Geburt meiner ersten Tochter 2001 in Holland. Meine emotionale Welt, meine Werte und Ziele veränderten sich drastisch und ließen sich immer weniger mit meinem bislang angestrebten Beruf als Juristin vereinbaren. Besonders deutlich wurde mir dies während meines Rechtsreferendariats am Landgericht Kleve. So beschäftigte ich mich in meiner Elternzeit intensiv mit Yoga und alternativen Heilsystemen. Inspiriert von der Offenheit und dem freien Unternehmergeist der Niederländer, beschloss ich schließlich meine Akademiker-Karriere komplett zu beenden und mein Geld stattdessen zukünftig lieber selbständig mit Yoga, Naturerlebnispädagogik und anderen Jobs zu verdienen.

Was bedeuten Yoga und Spiritualität für Dich?

Kavita: Yoga und Spiritualität sind für mich untrennbar mit dem Alltag verbunden. Das heißt, auf allen Ebenen gut für mich zu sorgen, so dass ich im Gleichgewicht bin und so eine Inspirationsquelle für andere sein kann. Um diesen Zustand zu erreichen brauche ich konkret gute Nahrung, Zeit auf meiner pinken Yogamatte (ich liebe Pink) und Spaziergänge in der Natur. Wirkliche Spiritualität bedeutet für mich nach meiner Yogapraxis zu Hause auf die Straße zu gehen und allen Menschen wohlwollend zu begegnen. Das gilt auch, und besonders für diejenigen, die ganz anders sind bzw. leben als ich. Daher fände ich es schön, wenn Neubürger und Alteingesessene Bad Meinberger gleichermaßen noch offener füreinander werden. Spiritualität heißt für mich außerdem zu erkennen, dass alles im Leben „für“ mich ist. Jedes Problem, jeden Schicksalsschlag, wie etwa meinen Skiunfall, versuche ich als eine Einladung zu sehen, um daran zu wachsen.

/ von Zoë Aschenbach, Literaturwissenschaftlerin und Yogalehrerin,
/ Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung vom Stadt-Anzeiger

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