Yoga im Herbst: Der Baum

Hier eine Yoga Übung, die bestens zum Herbst passt: Vrikshasana, der Baum. Diese Asana sieht ja auf den ersten Blick eher schlicht aus. Hinstellen, Bein anwinkeln, Arme ausbreiten, fertig. Aber von wegen. Der Baum ist nicht umsonst eines der Ur-Symbole der Menschheit.

Man findet ihn im biblischen Paradies, in der Kabbala und in der sagenumwobenen Weltenesche Yggdrasil. Und so schlicht und gewöhnlich sie auf den ersten Blick auch aussehen, Bäume sind immer auch von einem Hauch Magie und Weisheit umweht. In ihnen wohnen Götter und Riesen, fest verbunden mit Erde und Himmel, mitten im Leben und gleichzeitig in Sphären, von denen wir meistens nur träumen können.



Jetzt, wo der Herbst schon mal da ist, gibt es doch eigentlich nichts Besseres als einen Spaziergang durch die bunte Waldlandschaft, oder?
Da kann einem das Herz aufgehen bei so viel Blätterpracht und dem raschelnden Laub unter den Füßen. Genau genommen sind ja diese herrlichen Blätter schon lange tot. Trotzdem spricht aus ihnen so viel Lebensfreude, Hoffnung, Schönheit und Anmut. Irgendwie ist das Leben doch geheimnisvoll und voller Wunder…

Ein paar Fragen für den Weg: In welchem Baum-Stadium befinde ich mich eigentlich gerade? Sind meine bunten Blätter eigentlich noch lebendig oder nur der Glanz früherer Wachstumsperioden? Was wäre ich wohl für ein Baum, wenn ich denn einer wäre? Eine feste starke Eiche? Eine geschmeidige und grazile Birke? Eine Trauerweide? Eine schlanke Pappel? Oder ein mütterlicher Apfelbaum?
Habe ich eher feste oder eher flache Wurzeln? Und stehe ich überhaupt auf dem richtigen Untergrund? Schließlich gedeihen auch Bäume nur dort, wo der Boden und die Umgebung ihren Bedürfnissen entsprechen. Und genau wie wir müssen sie manchmal niedrige Seitentriebe, tote Äste und Laub abwerfen, um kraftvoll weiter zu wachsen.

So ein Baum mag manchmal ganz schön stark, einsam und unerschütterlich wirken. Wenn man genauer hinsieht, ist er aber niemals allein in seiner Stärke und niemals nur er selbst. Bäume sind, wenn alles gut gelaufen ist, fest im Erdboden verankert. Die Kraft, die sie daraus schöpfen, geben sie großzügig an ihre Umgebung weiter, bis zum letzten Atem- pardon – Lebenszug. Egal ob in Form von Früchten, Unterschlüpfen, Sauerstoff und erholsamem Schatten, der Baum ist für alle Wesen da, die zu ihm kommen, von ganz klein bis ganz groß. Er teilt alles, was er hat. Genau wie wir Menschen eigentlich. Ganz gleich, wie stabil, grazil oder schwankend wir in den Asanas des Lebens stehen.

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Dietlind Arndt lebte und schrieb 2010 bis 2011 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.


3 Kommentare zu “Yoga im Herbst: Der Baum

  1. Manfred Atmarama

    Den Baum, eines der Ur-Symbole der Menschenheit, findet man nicht nur im biblischen Paradies, sondern auch in einem modernen Märchen des 21. Jahrhunderts das sich „Avatar“ nennt und der finanziell erfolgreichste Film aller Zeiten wurde. Obwohl ich eigentlich gar kein Freund von Actionfilmen und Blockbustern bin hat mich die tieferliegende Botschaft des Films doch beeindruckt. Es überraschte mich nicht, als ich las, dass James Cameron, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent dieses Films, Veganer wurde.

  2. Ich schicke euch diesen Baum und hoffe er wird eure Herzen öffnen;)
    Euch Halt geben den Anker für euer Schiff.Der Wind (Probleme ,Angst )können euch nichts mehr anhaben;))
    Lasst eure Blätter fallen wie der Baum es macht, gebt alles ab macht euch leer :))
    Für den Neuanfang den Frühling .
    In Liebe und Frieden
    Annett

  3. Ein sehr schönes Essay. *****

    Om Shanti

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