Yoga im Herbst: Wenn es draußen nasser wird

Wenn es regnet, ist so ein Herbst manchmal das reinste Trauerspiel! „Na toll“, denkt mein Ego. „Wolkenbrüche und Pulloverwetter. Was soll ich da noch über raschelndes Laub und voll beladene Bäumen schreiben? Während sich die Sonne nach Timbuktu und Honolulu zurück gezogen hat?“

Ein Glück bloß, dass ich inzwischen aus Erfahrung weiß, dass sie eines Tages wieder auftauchen wird. Und dass sie uns bis dahin nur den nötigen Raum verschafft, um das Licht in uns selbst zu finden.

Im Hatha Yoga gibt es schließlich auch immer beides: Ha, die Sonne und Tha, den Mond, Licht und Schatten, Anstrengen und Ausruhen, Sommer und Winter. Menschen, die mit der Natur noch ein bisschen mehr in Kontakt sind als unsereiner, wissen, dass Heilung geschieht, wenn alle Kräfte und Energien im Innen und im Außen frei fließen können – sommers wie winters, unter blauen und grauen Himmeln.

Und wenn Rückzug zum Selbst, Besinnung und eine ruhigere Gangart angesagt sind, dann ist das eine willkommene Einladung zur Begegnung mit dem Selbst. Schau ich doch mal nach, ob in meinem eigenen System alles im Lot und im Fluss ist. Können die Willens-, Gefühls- und Sehnsuchtsflüsse in mir eigentlich frei fließen?

Und wenn nicht: Was dann? Am besten eine kuschelig-ruhige Yogastunde mit Tee und warmen Decken. Mit vielen fließenden, ruhigen und achtsamen Asanas. Loslassen ist angesagt: Der Traum vom nächsten Sommer und das ewige Warten darauf, dass die Umstände mal wieder nach meiner persönlichen Nase tanzen. Also übe ich leichte Variationen im Sonnengruß, stehende Vorwärtsbeugen, geöffnete und geschlossene Dreiecke, Kind und Katze. Schon sieht der Herbst ein bisschen weniger dunkel aus. Und auf die verbliebenen schattigen Winkel meines Denkens lohnt es sich, intensiver hinzusehen. Diese dunklen Seiten gehören schließlich auch zum Leben, genau wie der Herbst, die Nacht und der Tod.

Woran man leicht erkennen kann: Echtes Gleichgewicht ist es nicht, wenn man nur auf der Sonnenseite glücklich wird. Auch die Zeiten der Ruhe und Selbstreflexion sind wichtig und heilsam. Genau so wie der Mut zum Leben und die Fähigkeit, vertrauensvoll zu entspannen. Das kann schon mal echte (Gefühls-)Krisen nach sich ziehen. Aber am Ende entpuppen sich die grauen Herbsttage als Einladungen zum Leben und zum Sein – zur Abwechslung eben mal nicht im Außen, sondern im Innen. Wer weiß, was da noch so alles auf mich wartet. Das ist womöglich erlebnisreicher und lebendiger als jeder leichte, warme Sommertag.

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Dietlind Arndt lebte und schrieb 2010 bis 2011 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

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